Wozu eigentlich arbeiten?

vom 20.10.2008, 02:23 Uhr

Die Mehrzahl der Bezieher von Hartz IV ist chronisch krank. Teilweise bekommt man sogar von den Ärzten gesagt, das man langsam machen soll. Aktuell ist die wirtschaftliche Situation gut. Wer arbeiten kann, findet eine Arbeit. Wer aber nur 6 oder gar 3 Stunden arbeiten kann, hat Pech gehabt.

Gleichzeitig holt man sich jetzt Millionen von Menschen ohne Pässe ins Land, die noch nie etwas in unser Sozialsystem eingezahlt haben und die wohl ihr Leben lang mitfinanziert werden müssen. Warum fürchtet nun niemand mehr den Zusammenbruch des Sozialstaates? Davon ist plötzlich keine Rede mehr.

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» Juri1877 » Beiträge: 6735 » Talkpoints: 0,17 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Zitronengras hat geschrieben:
Gäbe es weniger Arbeitslose, dann könnten auch diese deutlich geringer ausfallen, da diese ja komplett darüber mitfinanziert werden, ob nun ihr Arbeitslosengeld, die Kosten für ihre Krankenkasse oder später ihre Rente.

Glaubst du da dran? Die Arbeitslosenzahlen haben sich doch in den letzten Jahren deutlich reduziert. Und sind die Sozialabgaben deswegen auch weniger geworden? Nein, die werden dann nur für etwas anderes verwendet. Unsere Sozialabgaben sind weg, egal wie viele Arbeitslose es gibt, da spielt es keine Rolle, ob es ein paar Empfänger mehr oder weniger gibt.

Naja das ist ja eigentlich nur ein Linke-Tasche Rechte-Tasche Spiel. Es mag sein, dass vielleicht wirklich nicht soviel passiert. Wobei ja dieses Jahr die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung schon gesenkt wurden, weil die Beitragslage so gut ist. Aber selbst wenn weniger querfinanziert werden muss, musst du irgendwelche anderen Abgaben nicht zahlen oder der Staat kann das Geld an anderer Stelle einsetzen, wo es einen Mehrwert für uns alle gibt und sei es nur weniger Schuldenlast.

An einem Freitagvormittag um 10:00 ein Schlafzimmer aufzubauen. Das ich das um diese normale Zeit gemacht habe, weil ich eben nicht jeden Tag die ganze Zeit frei habe, war diesen Leuten dann egal.

Na ja, also wenn ich unter der Woche frei habe, dann schlafe ich da auch bis mittags und dann würde es mich nerven, wenn nebenan viel Lärm ist. Das finde ich schon nachvollziehbar.

Nachvollziehbar, aber deswegen ist Radau deswegen machen nicht richtiger. Dafür dass jemand aus welchen Gründen auch immer, zu normalen Werkzeiten schläft, kann niemand etwas. Und wie du schon sagst, wenn du unter der Woche frei hast, willst du die Chance mal nutzen. Da es hier glaube ich aber mal um ein Zitat von mir ging, betraf es dabei Menschen, die jede Woche frei hatten und somit durchaus mal mit dem Lärm leben können. Wobei sich ja die Frage stellt, wann man denn sonst aufbauen soll, als zu einer normalen Zeit, wo höchstwahrscheinlich die meisten Menschen im Haus nicht da sind und es am wenigsten stört.

Als Student habe ich auch weniger gebraucht als ein ALG-2-Empfänger. Aber da hatte ich auch nur einen Einraumwohnung im Block, hatte kein Auto, am Wochenende haben meinen Eltern für mich gekocht. Da kommt man mit wenig Geld gut aus. Aber das ist ja kein Lebensstil, den man dauerhaft so haben will.

Ist eben die Frage, welche Sicherung die Gesellschaft möchte und was man eben bereit ist dafür auszugeben. Wenn der Konsens lautet, man möchte nur eine Grundsicherung anbieten, dann ist eben das was du als Student beschreibst, dass was dem ALG-2-Empfänger zu steht. Will man mehr kostet das auch mehr und bringt höchstwahrscheinlich eben auch Ungerechtigkeiten zwischen Geringverdienern und den ALG-2-Empfänger mit sich. Da muss sich die Gesellschaft dann eben fragen, ob sie das aushalten kann und auch damit leben kann, dass es dann neben chronisch Kranken oder Menschen, die anderweitig nicht arbeiten können, auch Schmarotzer gibt.

» Klehmchen » Beiträge: 4984 » Talkpoints: 813,24 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Klehmchen hat geschrieben:Wobei ja dieses Jahr die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung schon gesenkt wurden, weil die Beitragslage so gut ist. Aber selbst wenn weniger querfinanziert werden muss, musst du irgendwelche anderen Abgaben nicht zahlen oder der Staat kann das Geld an anderer Stelle einsetzen, wo es einen Mehrwert für uns alle gibt und sei es nur weniger Schuldenlast.

Die Beiträge sind aber minimal gesunken, nur ein paar wenige Euro macht das aus, wenn überhaupt und die Arbeitslosenzahlen sinken schon seit vielen Jahren. Was ist vorher mit dem übrigen Geld passiert? Ich bin mit der Verwendung der Steuergelder durch den Staat ganz oft nicht einverstanden, denn ich brauche weder Bundeswehr-Auslandseinsätze noch müssen aus meiner Sicht Umweltzonen + deren Kontrolle und der ganze Quatsch sein. Dennoch wird dafür Steuergeld ausgegeben, auch meines. Wir als Bürger haben da keine Wahl und müssen das hinnehmen, ändern können wir es nicht. Stattdessen hacken die Bürger gegenseitig auf sich herum, weil der, der einen ungeliebten Job hat und wenig verdient, auf denjenigen schielt, der von Alg II lebt und sich vielleicht auch erlaubt, Spaß am Leben zu zeigen. Ist doch schon komisch oder?

Wobei sich ja die Frage stellt, wann man denn sonst aufbauen soll, als zu einer normalen Zeit, wo höchstwahrscheinlich die meisten Menschen im Haus nicht da sind und es am wenigsten stört.

Also wenn ich die Chance habe, lange zu schlafen, dann bleibe ich am Tag vorher auch immer lange wach, weil ich ja davon ausgehe, dass ich lange schlafen kann. Und wenn ich dann am nächsten Morgen unsanft geweckt werde, dann bin ich übermüdet und eben etwas sauer. Da hilft es mir auch nicht, wenn ich am nächsten Tag nochmal ausschlafen kann, weil man dich dennoch platt fühlt. Ich würde es mir nicht trauen, früh irgendwas Lautes zu machen und Möbel aufzubauen, denn es gibt bestimmt auch Rentner oder kranke Leute, die früh noch schlafen. Besser finde ich man macht das am späteren Nachmittag, gegen 16 Uhr. Da sind dann auch die Rentner, die Mittagsschläfchen machen, wieder munter.

Ist eben die Frage, welche Sicherung die Gesellschaft möchte und was man eben bereit ist dafür auszugeben. Wenn der Konsens lautet, man möchte nur eine Grundsicherung anbieten, dann ist eben das was du als Student beschreibst, dass was dem ALG-2-Empfänger zu steht.

Wurde denn die Gesellschaft je gefragt? Eigentlich hat doch eine frühere Bundesregierung sich die Neuregelung des Arbeitslosengeldes ausgedacht und damals gab es Massenproteste. Man könnte also annehmen, dass "die Gesellschaft", die Idee mit ALG II eigentlich nicht so gut fand, dennoch wurde es (von kleinen Änderungen abgesehen) so durchgezogen.

Da muss sich die Gesellschaft dann eben fragen, ob sie das aushalten kann und auch damit leben kann, dass es dann neben chronisch Kranken oder Menschen, die anderweitig nicht arbeiten können, auch Schmarotzer gibt.

Schmarotzer finde ich aber einen ziemlich krassen Begriff. Ich habe doch als Arbeitender keinen Nachteil davon, dass es einen kleinen Anteil an Menschen gibt, die nicht arbeiten wollen. Ich bekomme doch nicht mehr oder weniger Geld, je nachdem, was die ALG-II-Empfänger tun. Außerdem bin ich in einer privilegierten Lage. Ich habe studiert, mir stehen viele Möglichkeiten offen, ich muss nichts machen, was ich total schrecklich finde.

Aber es gibt halt auch Leute, die haben das Glück nicht. Manche Leute schaffen halt keinen Schulabschluss oder eine bessere Bildung, das kann nicht jeder und denen stehen dann nur Jobs offen, die sonst keiner machen will. Da würde ich auch lieber von Alg II leben als z.B. bei der Müllabfuhr oder als Pflegehelfer zu arbeiten.

» Zitronengras » Beiträge: 8745 » Talkpoints: 11,24 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Naja da ist eben vieles Ansichtssache. Ich halte persönlich immer nichts davon gezielt Sachen in der Politik herauszusuchen, die Geld kosten und von denen man angeblich nichts hat. Die Politik macht ja nicht Politik und Gesetze für den Einzelnen, sondern für die gesamte Gesellschaft. Natürlich kommt dabei auch manchmal Murks heraus. Du wirst natürlich immer Ausgabequellen finden, von denen du gar nichts hast, von denen aber andere profitieren. Selbst bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr ist das so und wenn es nur die Soldaten sind, die dort ihr Geld verdienen. Aber auch gewisse aus den Rudern gelaufene Bauprojekte haben für viele Menschen ihren nutzen.

Aber natürlich wird an vielen Stellen auch zuviel Geld ausgegeben oder sich nicht ordentlich um die Verwendung gekümmert. Aber wie soll es auch anders laufen? Die Staatsbediensteten sind ja nun einmal in aller Regel nicht die Jahrgangsbesten gewesen. Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber an vielen Stellen gehen eben die besten in die freie Wirtschaft und der Staat bedient sich beim Rest. Zum anderen geben diese Leute dann auch eben nicht ihr eigenes Geld aus. Da guckt man dann wohl eben auch nicht so genau hin wie zu Hause.

Auch sollte man bei deiner Kritik, dass die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung nur minimal gesunken sind, nicht vergessen dass die eh nie wirklich hoch waren. Die sind jetzt von 3 auf 2,5 Prozent gesenkt worden. Absolut kommt dabei natürlich nicht viel heraus, aber du hast eben auch vorher schon absolut nicht viel gezahlt. Relativ gesehen ist dein Beitrag aber um gut 16 Prozent gesenkt worden.

Und wenn wir noch kurz zum Möbelaufbauen zurückkommen. Nach 16 Uhr kann ich recht wenig effizient aufbauen, da ich kleine Kinder habe, die dann zu Hause rumrennen und dazwischen funke. Vormittags sind die im Kindergarten und in der Schule. Da bin ich einfach viel schneller. Auch gibt es ja Möbelstücke, da braucht man ein paar Stunden.

Es kommt also alles immer auf die Sichtweise an egal worüber wir reden und wirklich recht machen kann man es nie allen. Wobei ich deinen Ärger an der Stelle verstehen könnte, wenn du mal ausnahmsweise lange schlafen könntest und genau da macht einer Lärm. Wenn sich aber jemand aufregt, der jetzt ausnahmsweise mal etwas früher aufstehen muss und dafür alle andere Tage wieder ausschlagen kann, verstehe ich das nicht wirklich.

» Klehmchen » Beiträge: 4984 » Talkpoints: 813,24 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ich hole hier noch mal den kompletten Eröffnungsbeitrag nach vorne, um zu zeigen, wie früher über Bezieher von Hartz IV gelästert wurde. Hetzkommentare wie diesen gab es früher genug. Nur da waren sie von höchster Stelle erwünscht. Und so höflich wie bei Talkteria waren die Kommentare anderswo nicht.

Übrigens war es schon damals so, dass man durch Aufstocken mehr Geld hatte wie ohne. Der Fragesteller hat dies sicher auch gewusst. Es gab allerdings keinen Mindestlohn und man musste jede Stelle annehmen.

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» Juri1877 » Beiträge: 6735 » Talkpoints: 0,17 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Juri1877 hat geschrieben:Übrigens war es schon damals so, dass man durch Aufstocken mehr Geld hatte wie ohne.

Es heißt als. Warum holst du eigentlich überall uralte Beiträge wieder hoch? Wo warst du denn vor 10 Jahren als es den armen ALG-II-Empfängern schon so schlecht ging? Warst du da auch schon auf der Straße und hast für sie demonstriert? Mal ganz davon abgesehen wurde hier vor 10 Jahren relativ sachlich über die Zustände diskutiert und wenig gehetzt und gelästert. Das ist ja heute ganz anders.

» Klehmchen » Beiträge: 4984 » Talkpoints: 813,24 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


2004 gab es auch in Saarbrücken Montagsdemos gegen Hartz IV. Zu Anfang hat es sogar Heiko Maas dort probiert. Der wurde allerdings gnadenlos ausgebuht. Mit der Zeit kamen immer weniger. Bezieher von Hartz IV haben eben zu wenig Geld zu demonstrieren und machen keinen Ärger. Das Niveau fällt hier mit Sicherheit auch nicht ab.

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» Juri1877 » Beiträge: 6735 » Talkpoints: 0,17 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



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