Wozu eigentlich arbeiten?

vom 20.10.2008, 02:23 Uhr

An der ganzen Diskussion verstehe ich den Tenor einiger nicht wirklich. Ich unterstelle jedenfalls jedem hier eine gewisse geistige Größe. Wenn nun aber hier Leute den Sozialhilfeempfängern allgemein oder manchen im speziellen vorwirft oder unterstellt, ein prima Leben zu führen und sogar (!) wirtschaftlich besser da zu stehen, als ein Erwerbstätiger, bleibt mir nur Kopfschütteln. Dieser Umstand ist für mich eigentlich untragbar.

Wenn es hier wirklich Leute gibt, die wissen, wie man als Hartz IV Empfänger in "Saus und Braus" leben kann, dann unterstelle ich ihnen Dummheit, wenn sie es nicht selber machen! Wer wirklich davon überzeugt ist, als Hartz IV Empfänger mehr vom Leben zu haben, als man es selbst als Angestellter hat, dem steht es frei, seinen Job an den Nagel zu hängen, und sich durchfüttern zu lassen.

Und damit tut der der Gesellschaft und sich selbst was Gutes! Es wird dadurch nämlich ein Arbeitsplatz geschaffen (nämlich der, der dann frei wird!) und man selbst lebt ja dann wie die Made im Speck. Und ich selbst bin bereit, dass mit meinen Steuern zu finanzieren!

In Wahrheit ist es doch wohl hoffentlich so, dass keiner der ein Arbeitsverhältnis hat, tauschen würde. Es ist jedem bewusst, dass die Regelsätze weit unter dem liegen, was zum Leben in Würde (=selbstbestimmt) notwendig ist. Man wird vom Mensch zum ausgelieferten Bittsteller. Wenn es aber dennoch Menschen gibt, die bereit sind, unter diesen Umständen freiwillig zu leben (und ich z.B. glaube nicht an eine signifikant große Menge an Menschen, die dazu bereit wären - wohl aber durch die Umstände gezwungen werden!), der soll das tun. Denn das belastet die Gesellschaft weit weniger, als gemeinhin angenommen wird.

Woher kommt nur immer dieser Blick auf die vermeintlichen "Sozialschmarotzer"? Allein die in dem Zusammenhang verwendete Sprache ist eigentlich mindestens zu hinterfragen. Ist das nicht eher so, dass man schlicht Feindbilder sucht, um den eigenen Frust wenigstens für wenige Augenblicke geringer erscheinen zu lassen? Braucht der Mensch eine solche Form von Blitzableitern, um selbst das eigen Dasein besser bewältigen zu können? Das wäre schade. Denn kein Glück aber auch kein Leid eines anderen ändert an der persönlichen Situation etwas!

» derpunkt » Beiträge: 9893 » Talkpoints: 86,97 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



marc1308 hat geschrieben:Und dann kommt noch so ein Hartz IV - Schmarotzer und zockt den deutschen Staat ab. Ich persönlich bekomme da auch so einen Hals und kann das gar nicht gut heißen. Die arbeiten wahrscheinlich noch etwas schwarz nebenher und haben so mehr Geld als du.

Und nebenbei haben sie noch 2 Häuser auf den Seychellen und den Porsche vorsichtshalber beim Nachbar untergestellt. Sorry, aber der Anteil der "Schmarotzer", also derjenigen, die hier wirklich den Staat und die Solidargemeinschaft abzocken liegt bei unter 2 %! Hier immer alle in einen Topf zu werfen finde ich sehr grotesk - es gibt bestimmt auch Autoverkäufer, die ihren Kunden eine Schrottkarre unterjubeln oder etwa Bankangestellte, die ihren Kunden Produkte verkaufen, wo die Risiken mal eben unterschlagen werden - und was sagt das?

marc1308 hat geschrieben:Was können wir dagegen tun? Wir sollten jeden melden, von dem man glaubt, dass er so handelt. Denn wir Steuerzahler füttern die anderen durch.

Wem`s gefällt - ich fühle mich nicht als der Blockwart im Haus und denunziere niemanden, egal ob ich das nun ablehne oder nicht. Solche Forderungen sind aus meiner Sicht sehr bedenklich (und typisch deutsch).

marc1308 hat geschrieben:Ich hätte gar keine Lust, nur zu Hause rumzuhängen und würde auch eine Arbeit annehmen, für die ich vielleicht überqulifiziert wäre. Aber dazu muss man auch wollen.

Dito - nur hast Du / ich 2 entscheidende Vorteile:
- man hat sich nicht (zwangsweise) in der Arbeitslosigkeit eingerichtet
- man ist nicht seit Jahren fern vom Arbeitsmarkt, die Chancen auf eine Beschäftigung sind wesentlich höher

Gerade letzteres verhindert bei den meisten die Rückkehr ins Arbeitsleben. Wer heute über 40 / 50 ist und seit mehreren Jahren arbeitslos war kann es doch glatt knicken noch einen Job zu bekommen - ich selbst würde niemanden mit der Hintergrundgeschichte einstellen und auch niemand aus meiner Familie (Unternehmer).

derpunkt hat geschrieben:In Wahrheit ist es doch wohl hoffentlich so, dass keiner der ein Arbeitsverhältnis hat, tauschen würde. Es ist jedem bewusst, dass die Regelsätze weit unter dem liegen, was zum Leben in Würde (=selbstbestimmt) notwendig ist.

Das finde ich echt das beste Fazit - Wenn man heute den Job verliert ist das ein sozialer Abstieg, auf Dauer. Da kann man sich noch so über Schmarotzer aufregen, aber würde man selbst so leben wollen? Selbst wenn man das Amt gezielt abzockt und so vielleicht mit jemand mit 1000 - 1200 Euro netto gleichziehen kann: Ich hätte keinen Bock auf das Versteckspiel.

derpunkt hat geschrieben:Wenn nun aber hier Leute den Sozialhilfeempfängern allgemein oder manchen im speziellen vorwirft oder unterstellt, ein prima Leben zu führen und sogar (!) wirtschaftlich besser da zu stehen, als ein Erwerbstätiger, bleibt mir nur Kopfschütteln. Dieser Umstand ist für mich eigentlich untragbar.

Das kann eigentlich nur von denen kommen, denen es kaum besser geht, anders kann ich mir sowas nicht erklären. Die meisten die ich kenne verdienen locker 2500+ Euro netto, teilweise das 2 - 3fache davon. Selbst wenn man sehr kreativ als Arbeitsloser wird: Rechnerisch kommt man kaum über die 1200 Euro netto Grenze - und soviel bzw. wenig verdienen aus meiner Sicht doch nur unqualifizierte Arbeitskräfte, wo man sich wieder andere Dinge fragen muss.

Mandragora hat geschrieben:Man müsste einfach irgendwie besser überprüfen, wem Geld zusteht und wer es braucht und wer sich einfach nur auf dem Zuschuss vom Staat ausruht.

Die ARGE ist bereits heute ein reines Bürokratiemonster, das mehr damit zu tun hat auszurechnen und zu prüfen, wem was zusteht ansteht sich um die eigentlich Aufgabe zu kümmern: Menschen in Arbeit zu bringen! Das würde durch solch tolle Initiativen bestimmt noch besser werden.

Mandragora hat geschrieben:Es wird immer dort gekürzt, wo eh schon wenig ist - warum nicht einfach mal da, wo das Geld im Überfluss vorhanden ist und sinnlos verbrasst wird, bei den Politikern und Managern zum Beispiel?

Oder bei denen, die sich keinen Duden leisten können! Und wo haben Politiker Geld im Überfluss? Reines Stammtischgewäsch, wenn einem sonst nichts mehr einfällt, sorry. Was denkst Du wohl, warum jeder der etwas drauf hat nicht in die Politik geht, da allgemein bekannt ist, dass man dort chronisch unterbezahlt ist für den Job (heißt: in der freien Wirtschaft würde man für den gleichen Job locker das 5fache bekommen oder ihn sonst gar nicht machen)?

nirandor hat geschrieben:Angefangen beim progressiven Steuersystem, dass den Eindruck erweckt, für bessere Leistungen und Verdienste bestraft zu werden; denn so muss es dem Amerikaner vorkommen, wenn er unser System kennt: In den USA gibt es einen degressiven Steuersatz, je mehr man verdient, desto weniger Steuerabgaben sind prozentuell zu zahlen und somit ist ein Anreiz geschaffen, mehr zu arbeiten und auf der Karriereleiter nach oben zu streben.

Das ich nicht lache - das würde mal eben das Solidaritätsprinzip auf den Kopf stellen, also das, wofür man hierzulande über 150 Jahre gekämpft hat und wo man sich in den USA seit über 20 Jahren abmüht, das ansatzweise umzusetzen. Und zwar aus der Erkenntnis heraus, dass es so eben nicht weitergehen kann und man den Karren (siehe steigende Armutsquote) in den Dreck fährt. Nebenbei ist das auch der Unterbau für eine feste Demokratie, denn die Amis sind im Gegensatz zu Westeuropäer ein Haufen Feiglinge, die sich von allem einschüchtern lassen. Oder wie es treffend heißt: In den USA hat man Angst vor der Regierung, in Europa hat die Regierung Angst vor dem Volk.

Abgesehen davon gibt es das degressive Steuersystem in Ansätzen sowieso bei uns, da einem, je mehr man verdient, je mehr steuerliche Vergünstigungen offen stehen. Oder wie mein Steuerberater mal gerne unter der Hand sagt: Wer bei uns den vollen Steuersatz zahlt muss bescheuert sein.

Das degressive Steuersystem ist der Witz überhaupt, denn die tragenden Säulen der Wirtschaft sind nicht 10.000 Millionäre, die ihr Geld wirtschaftsfern auf Kapitalmärkten anlegen, sondern 100.000.000 Millionen "Normalbürger", die mit ihrer Kaufkraft den Wirtschaftsmotor am Leben halten. Da kommt man eigentlich auch alleine drauf, wenn man das mal weniger oberflächlich betrachten würde, sowie weitere Faktoren wie etwa, dass jemand, der nur 12.000 Euro verdient 2.000 Euro Steuern wesentlich mehr "weh tun" und seine Kaufkraft herabsetzen als jemand, der 120.000 Euro verdient und 20.000 Euro abgeben muss.

Hauptproblem ist immer wieder, dass einfach keine ausreichenden Anreize für die Rückkehr in den Arbeitsmarkt geschaffen werden - und zwar auch für Arbeitgeber! Ganz ehrlich: Ich nehme keine Umschulung / kurzfristige Weiterbildung ernst, geschweige denn eine, die noch von einem Ableger der ARGE angeboten wird. Das ist reine Beschäftigungstherapie und jeder Hilfsarbeiter mit 12 Monaten Praxiserfahrungen ist aus meiner Sicht besser qualifiziert! Oder tolle Bewerbungsseminare - ja schön, nur reichlich sinnlos wenn die Referenzen gegen einen sprechen, da kann man noch so toll auftreten.

Da kann man den Arbeitslosen noch soviel streichen und Lasten auflegen wie man lustig ist - im Grunde peitscht man derzeit nur die toten Gäule, denn etwas das niemand haben möchte geht auch nicht besser weg, wenn ich es auf den Kopf stelle. Und von den Hartz Reformen ist bislang nur das "fordern" (bzw. gängeln) bei den Arbeitslosen angekommen, jedoch nicht das fördern.

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» Subbotnik » Beiträge: 9374 » Talkpoints: 7,45 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Siehst Subbotnik, so unterschiedlich sind eben auch die Kreise in denen man verkehrt. Das ist jetzt völlig wertungsfrei gemeint. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis kaum jemanden, der überhaupt die von dir angesprochenen 2500 Euro netto bekommt, trotz Vollzeit und Qualifizierung. Kommt aber eben auch auf die Region an, in der man lebt, was bei ALGII ja auch kaum berücksichtigt wird.

Und wenn man keine großen Ansprüche an Urlaub und ein eigenes Heim hat, dann kann man durchaus gut mit vielleicht 1000 Euro leben. Zumindest für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben reicht das vollkommen. Gut mein Ziel wäre das nicht, aber das muss eben jeder für sich selbst entscheiden, ob ihm das reicht.

Und auch wenn meine Kritik an unserem Sozialsystem immer mal etwas durchklingt, ist es keine Kritik an den Empfänger der Sozialleistungen und schon gar nicht an den Schmarotzern. Ich kann sie ja voll verstehen. Wenn man wie du es schon gesagt hast, jahrelang aus dem Beruf raus ist nimmt einen ja auch keiner mehr. Zumindest nicht in einem qualifizierten Beruf mit einem ordentlich Gehalt. Einen Job mit vielleicht 10-20 Prozent mehr als die gesamte ALGII-Summe findet man recht schnell, selbst in Regionen mit hohen Arbeitslosenquoten. Aber wenn man jahrelang aus dem Arbeiten raus ist, fällt der Einstieg in eine geregelte Arbeit schon schwer und dann für 30-40 Stunden die Woche Arbeit nur kaum mehr Geld zu bekommen, na da wüsste ich auch nicht ob ich das machen würde.

Da stellt sich dann aber eben die Frage warum das so ist und warum das niemand ändert. Man müsste erstmal versuchen auch einem Arbeitslosen einen geregelten Alltag zu geben mit ein paar Stunden Arbeit am Tag. Quasi ein 1-Euro-Job für alle Arbeitslosen, um sie nicht komplett aus dem Arbeitsleben zu entreißen. Dann ist es nachher auch nicht gleich von 0 auf Vollzeit für ein paar Euro, sondern der Unterschied im Arbeitsaufwand ist wesentlich geringer und es lohnt sich auch eher für 100-200 Euro zusätzlich Vollzeit zu arbeiten.

Denn genau da liegt ja das Problem. Die wenigstens Arbeitslosen lehnen ja gut dotierte Arbeit ab, oft schreckt es ja ab, dass man nur unwesentlich mehr Geld als vorher bekommen würde und dafür die ganze Woche arbeiten muss. Hier müssen die Übergänge neu gestaltet werden und abgemildert werden. Dass die Bewerbungstrainings und viele der anderen Qualifizierungsmaßnahmen ein Witz sind, sehe ich ganz genauso. Da wird sich auch seitens der Arge zu wenig Gedanken darum gemacht, wie man einen Arbeitslosen wirklich voran bringt.

» Klehmchen » Beiträge: 4898 » Talkpoints: 780,68 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Klehmchen hat geschrieben:Ich kenne in meinem Bekanntenkreis kaum jemanden, der überhaupt die von dir angesprochenen 2500 Euro netto bekommt, trotz Vollzeit und Qualifizierung. Kommt aber eben auch auf die Region an, in der man lebt, was bei ALGII ja auch kaum berücksichtigt wird.

Klar, aber soweit ich das noch in Erinnerung habe steckt Du auch im BWL / VWL Studium und Du und deine Kommilitonen (mit einem guten Abschluss) werden wohl kaum 1200 - 1400 netto als Einstiegsgehalt als Ziel haben bzw. langfristig (ersten 2 - 5 Jahre) wohl deutlich letztendlich darüber liegen. Sicher ist die Region hier ausschlaggebend, aber soviel verdien(t)en schon Abi Freunde von mir nach ihrer Ausbildung zu einfachen Kaufleuten im ersten Jahr (also 1400 netto) mit deutlichen Steigerungen danach.

Klehmchen hat geschrieben:Und wenn man keine großen Ansprüche an Urlaub und ein eigenes Heim hat, dann kann man durchaus gut mit vlt. 1000 Euro leben. Zumindest für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben reicht das vollkommen.

Natürlich, aber auf solche Summen kommt man nur, wenn man wie hier schon erwähnt kriminell wird und das Amt massiv prellt. Der normale ALG II Empfänger liegt doch weit darunter, auch wenn die meisten Studis noch schlechter dastehen, auch wenn diese besser mit ihrem Geld umgehen können wo ich die von Dir genannten Gründe (gleichbleibend niedriges Gehaltsniveau statt Abstieg von mittel nach niedrig) ebenso sehe.

Klehmchen hat geschrieben:Einen Job mit vielleicht 10-20 Prozent mehr als die gesamte ALGII-Summe findet man recht schnell, selbst in Regionen mit hohen Arbeitslosenquoten. Aber wenn man jahrelang aus dem Arbeiten raus ist, fällt der Einstieg in eine geregelte Arbeit schon schwer und dann für 30-40 Stunden die Woche Arbeit nur kaum mehr Geld zu bekommen, na da wüsste ich auch nicht ob ich das machen würde.

Sicher - und das ist dann eben auch wieder eine Einstellungssache und inwiefern man sich bereits in seiner Rolle wohlfühlt. Mir geht es ähnlich, dass ich lieber für ein paar Öcken mehr arbeiten gehe würde als die Couch einzusitzen, Biersorten zu vergleichen und das Fernsehprogramm auswendig zu lernen.

Nur wer hier, unverschuldet hin oder her, jahrelang in der Arbeitslosigkeit ist, den wird man nicht von heute auf morgen integrieren können. Und gerade von ABM Maßnahmen halte ich herzlich wenig - sicher bringen die den geregelten Alltag, ein deutliches Plus für die meisten. Aber solange diese nur den Charakter von temporären Beschäftigungstherapien ohne ein sinnvolles "Danach" haben sind sie für die Katz. Dann lieber 5 ABM / 1 Euro Stellen weniger und mit dem gesparten Geld eine Stelle ordentlich fördern, z. B. im Rahmen einer sinnvollen Ausbildung / Weiterbildung oder gar eines Studiums. Hier hat man genauso den geregelten Alltag - nur kostet das wesentlich mehr. Und klar, solange auch das unter Zwang erfolgt und auf eine reine Maßnahme mit physischer Anwesenheit hinausläuft ist es genauso sinnlos.

Schlimmstenfalls bildet man eben für`s EU Ausland aus - Geld weg, aber auch ein "Daueresser". Selbst eine mit 50.000 - 70.000 Euro ordentlich geförderte und durchgeführte Ausbildung für jemand, der dann im Ausland eine Beschäftigung findet ist im Endeffekt billiger als eine Langzeitarbeitslosigkeit im eigenen Land, abgesehen davon, dass die wenigsten Emigranten dauerhaft im Zielland bleiben.

Das Förderkonzept bei der ARGE ist hier einfach aus dem vorletzten Jahrhundert Marke Arbeitshaus anstatt Personen individuell bei gleichzeitiger Anpassung an den Arbeitsmarkt zu fördern. Meine Meinung ist sowieso, dass die ARGE wie sie derzeit ist abgeschafft werden muss da ihre Konzepte völlig weltfremd sind. Dass da die Sicht und die Vorstellungen der ARGE was den Arbeitsmarkt und Arbeitspolitik angeht wesentlich verträumter ist als die ihrer "Kunden" wenn sie damit Arbeitgeber konfrontiert ist aber ein anderes Thema ;).

Und nicht einmal das wäre nötig, wenn man hier andere Punkte, eben der berühmte, totgedroschene Satz "Arbeit muss sich wieder lohnen" angehen würde um eben die Differenz zwischen ALG II und erzielbaren Lohn am Markt heraufsetzen würde - aber eben nicht durch ein weiteres Absenken des ALG II Satzes.

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» Subbotnik » Beiträge: 9374 » Talkpoints: 7,45 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Genau über das rege ich mich auch ziemlich auf! Die Hartz4 Empfänger machen sich das Leben einfach viel zu leicht. Natürlich nicht alle, aber viele! Man sieht es doch auch immer im Fernsehen, z.B. bei Frauentausch, etc. Solchen Menschen sollte man einfach das Geld kürzen. Es muss doch eine Möglichkeit geben, dass man Hartz4 Empfänger kontrolliert und ihnen nur das Nötigste an Geld zur Verfügung stellt und wenn sie eine größere Ausgaben haben sollten sie diese beim Staat beantragen und dann wird von irgendwelchen Spezialisten entschieden, ob die Personen das Geld bekommen oder nicht.

Aber ich finde es ist einfach eine Unverschämtheit, dass manche Leute sich auf Kosten anderer ein schönes Leben machen und sich Alles in den Allerwertesten stecken lassen! Da sollten sich unsere Politiker mal drum kümmern. Dann müssten wir wahrscheinlich nicht so viele Steuern bezahlen und könnten unser hart verdientes Geld anderweitig anlegen.

Ich finde sowieso - wie die meisten - dass die Steuern einfach zu hoch sind und der Staat zu viele sinnlose Ausgaben hat bzw. macht. Vor allem jetzt in der Wirtschaftskrise sollten Politiker mal darüber nachdenken, was diese Hartz4 Empfänger mit ihrem Geld so machen.

Ich bin der Meinung, dass Hartz4 abgeschafft werden sollte, und wie ich schon erwähnt habe, jeder, der Hartz4 empfängt auch kontrolliert werden sollte. Es stört zwar ein bisschen die Privatsphäre, aber so hätte der Staat viel weniger Ausgaben und wir müssten wahrscheinlich unser hart verdientes Geld nicht Leuten geben, die es zum Fenster hinaus werfen.

» Ocean Soul » Beiträge: 9 » Talkpoints: 4,99 »


Ocean Soul hat geschrieben:Ich bin der Meinung, dass Hartz4 abgeschafft werden sollte, und wie ich schon erwähnt habe, jeder, der Hartz4 empfängt auch kontrolliert werden sollte.

Was willst du denn da kontrollieren, wenn du es abgeschafft hast? Und nicht jeder ALG II-Empfänger sieht so aus, wie die Leute die du aus Talkshows und Frauentausch kennst. Da rennen ja anscheinend auch mehr als genug Bekloppte rum, die normale Berufe haben sollen. Da geht es um Quoten, nicht um eine wahres Abbild der Gesellschaft.

Im Übrigen könnte man ALGII-Empfänger gerade in Krisenzeiten sogar als positives Beispiel anbringen. Sie geben wenigstens fast ihr ganzes Geld auch wieder aus, dass sie bekommen. Somit kommt es wieder direkt in den Wirtschaftskreislauf, statt auf der Bank zu versauern.

Ach und Subbotnik, die 1000 Euro waren vielleicht wirklich etwas übertrieben, aber wenn man konsequent rechnet kann man da schon hinkommen. Es geht ja nicht nur um direkte Geldleistungen, die vom Staat kommen. Man muss ja auch berücksichtigen, welche Ausgaben sie zum Beispiel nicht haben. Mein Vater zum Beispiel fährt jeden Tag mehr als 100km zur Arbeit hin und zurück und das ist hier bei mir in der Gegend (auf dem Land im Osten der Republik) für sehr viele Arbeitnehmer ganz normal. Da sind dann auch schon wieder 100 - 200 Euro, die ein ALGII-Empfänger nicht ausgeben muss. Dazu kommen dann auch Ermäßigungen. Viele gehen ja zum Beispiel zum Fußball, da lassen sich je nach Verein auch mal 10-20 Euro im Monat sparen. Hier bei mir in der Stadt zahlen ALGII-Empfänger in den Schwimmbädern nicht mal den halben Preis.

Klar haben sie deswegen keine 1000 Euro bar auf der Hand, aber dass hat ja im Prinzip jemand der 2000 Euro netto bekommt, auch nicht wirklich. Also zuviel kriegen sie sicherlich nicht, aber zu wenig in meinen Augen auch wieder nicht. Es reicht eben zum Leben, wie gesagt kein Luxus, aber das kann man auch nicht erwarten. Schließlich müssen andere Leute, das Geld ja auch erstmal erarbeiten, weswegen ich (@Ocean Soul) unsere Steuern auch nicht zu hoch finde. Es gibt eben auch abseits von ALG II genug Sachen, die bezahlt werden müssen und die viele von uns bezahlt haben wollen.

» Klehmchen » Beiträge: 4898 » Talkpoints: 780,68 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Ich bin ebenfalls absolut kein Freund von Hartz IV und denke auch, dass man den Satz vor allem für Alleinstehende senken sollte. Dennoch erinnern einige deiner Aussagen an nichts weiter als die üblichen Stammtischparolen. Ja, es mag sein, dass einige Hartz-IV-Bezieher auch in dicken Autos von einer Party zur nächsten fahren. Dennoch kann man das nicht verallgemeinern.

Gerade bei den einfachen und dementsprechend schlecht bezahlten Jobs kommt es wohl häufiger vor, dass am Monatsende kaum mehr (im schlimmsten Fall sogar weniger) Geld auf dem Konto eingeht als bei einem Hartz-IV-Empfänger. Wenn man dafür 160 Stunden im Monat arbeitet, meistens sicher mehr, erscheint das sicher ungerecht.

Ich habe mal mit einem flüchtigen Bekannten gesprochen, der der Auffassung war, dass er keinen Job annimmt, wenn er damit nicht deutlich mehr Geld im Monat zur Verfügung hat als zu dem Zeitpunkt durch Hartz IV. Diese Einstellung haben recht viele Leute, wobei diese Denkweise überhaupt keinen Sinn ergibt. Eine Arbeit lohnt sich natürlich immer, selbst wenn man dabei etwas tun muss und im Monat weniger Geld bekommt als vorher durch den Hartz-IV-Satz.

Eine Arbeit bedeutet ja auch Selbstverwirklichung. Ich finde es wichtig, dass man sich auch auf beruflicher Ebene entwickeln und entfalten kann. Und wie viel Geld am Monatsende auf dem Konto eingeht, ist ja nicht willkürlich festgelegt, sondern planbar. Wenn jemand nach der neunten Klasse nur jobbt, kann er natürlich nicht das Gehalt erwarten, dass ein promovierter Ingenieur bekommt, der viel Zeit und Energie in seine Ausbildung gesteckt hat.

Du hast einen ganz klaren Vorteil vor den ganzen Leuten, die es vorziehen, auf Kosten der Allgemeinheit zu leben. Du kannst morgens in den Spiegel schauen und dir sagen, dass du für dich selbst sorgen kannst. Das ist viel wert.

Übrigens denke ich auch, dass viele Studenten mit weit weniger auskommen als sehr viele Hartz-IV-Empfänger. Bei Hartz-IV-Empfängern erkenne ich meistens auch gar keine Bereitschaft, den eigenen Lebensstil an das Einkommen anzupassen. Es werden munter typische Unterschichten-Spielsachen gekauft, vor allem Plasmafernseher, Spielkonsolen und ähnlicher Müll. Und am Ende des Monats heißt es dann, dass der Satz so furchtbar niedrig ist. Ich kenne keinen Kommilitonen, der sich so verhält. Übrigens haben Studenten es nicht pauschal leichter, an Ermäßigungen zu kommen und die Mieten in den Studentenwohnheimen sind auch nicht überall so günstig. Dazu kommt noch, dass es in einigen Städten nicht leicht ist, überhaupt ein solches günstiges Zimmer zu bekommen. Ermäßigten Eintritt in Museen bekommen Arbeitslose doch in der Regel auch bei Vorlage eines entsprechenden Nachweises.

Wenn dich die Gesamtsituation stört, musst du eben auch aufhören zu arbeiten, darfst dann aber nicht jammern, wenn du dümmliche 1-Euro-Jobs machen musst, die vielleicht noch unattraktiver sind als dein aktueller Job.

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» Cologneboy2009 » Beiträge: 14237 » Talkpoints: 2,76 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich bin auch der Meinung, dass du stolz darauf sein kannst nicht vom Staat zu leben. Allein das Gefühl sein eigenes Geld zu verdienen und nicht andere für einen arbeiten lassen ist es doch schon wert. Es wird immer Leute geben, denen alles egal ist aber Ich denke, darüber sollte man sich nicht groß aufregen. Ich persönlich hab' keine Lust vom Staat zu leben und den ganzen Tag daheim herumzusitzen. Normalerweise verdient der Arbeiter ja auch mehr als der Hartz IV Empfänger. Also wie gesagt, einfach gar nicht auf solche Leute achten, die werden ihre Lebenseinstellung nicht ändern. Sie sind sogar teilweise stolz darauf, Geld zu bekommen ohne arbeiten gehen zu müssen.

» Makspe92 » Beiträge: 76 » Talkpoints: 0,24 »


Kann sich jemand vorstellen, dass es heute eine solche Debatte wegen der Flüchtlinge geben würde? Dann würden gleich Rassismusdebatten geführt. Für die einen zahlt man eben schneller als für die anderen. Vor allem haben die Flüchtlinge noch nie vorher in unsere Sozialkassen eingezahlt. Und da kommen alle 10 Jahre nochmal 2 Millionen neu dazu. Wer denkt da schon an den Untergang des Sozialstaats?

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» Juri1877 » Beiträge: 6735 » Talkpoints: 0,17 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Gäbe es weniger Arbeitslose, dann könnten auch diese deutlich geringer ausfallen, da diese ja komplett darüber mitfinanziert werden, ob nun ihr Arbeitslosengeld, die Kosten für ihre Krankenkasse oder später ihre Rente.

Glaubst du da dran? Die Arbeitslosenzahlen haben sich doch in den letzten Jahren deutlich reduziert. Und sind die Sozialabgaben deswegen auch weniger geworden? Nein, die werden dann nur für etwas anderes verwendet. Unsere Sozialabgaben sind weg, egal wie viele Arbeitslose es gibt, da spielt es keine Rolle, ob es ein paar Empfänger mehr oder weniger gibt.

An einem Freitagvormittag um 10:00 ein Schlafzimmer aufzubauen. Das ich das um diese normale Zeit gemacht habe, weil ich eben nicht jeden Tag die ganze Zeit frei habe, war diesen Leuten dann egal.

Na ja, also wenn ich unter der Woche frei habe, dann schlafe ich da auch bis mittags und dann würde es mich nerven, wenn nebenan viel Lärm ist. Das finde ich schon nachvollziehbar.

Solche Debatten offenbaren doch eigentlich immer nur die Unzufriedenheit der Menschen, die sich da beschweren. Wenn man mit seinem Leben und seiner Arbeit im Reinen ist, kommt man doch gar nicht auf die Idee, auf anderen herumzuhacken. Aber wer mit seinem Job unzufrieden ist, weil er da zu wenig verdient, warum sucht man sich da nichts anderes?

Als Student habe ich auch weniger gebraucht als ein ALG-2-Empfänger. Aber da hatte ich auch nur einen Einraumwohnung im Block, hatte kein Auto, am Wochenende haben meinen Eltern für mich gekocht. Da kommt man mit wenig Geld gut aus. Aber das ist ja kein Lebensstil, den man dauerhaft so haben will.

» Zitronengras » Beiträge: 8744 » Talkpoints: 11,14 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


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