Familienangehörige im Koma - Was tun?

vom 12.09.2008, 08:07 Uhr

Hallo!

Ich habe vor einigen Wochen mal einen sehr langen Zeitungsbericht gelesen über Familienangehörige, die im Koma liegen. Dort wurde auch erläutert, dass die Patienten zwar wieder wach werden können, aber nie wieder so sind, wie sie vor der Komazeit waren. Auch wurde angesprochen, dass man in dieser Pflege der Komapatienten in einem Jahr so viel Geld reinsteckt, dass man das Gesundheitssystem damit in den Ruin treibt. Das hört sich jetzt bestimmt krass an. Aber ist das "am Leben erhalten" von Komapatienten von den Angehörigen nicht oft auch egoistisches Denken?

Es ist nicht leicht, wenn ich jetzt frage, was ihr tun würdet, wenn ein Familienangehöriger schon einige Monate , vielleicht Jahre, im Koma liegt. Welcher Komapatient , der wirklich jahrelang im Koma lag , ist nach dem Koma, sollte er wieder aufwachen, wieder "der Alte"? Die meisten sind schwer bis schwerst behindert. Und die, die nicht so schwer behindert sind, dass sie noch denken können, verzweifeln in der "neuen Welt", die für sie völlig fremd iast. In dem Bericht wurde auch angesprochen, dass viele Patienten, wenn man nach Jahren oder vielen Monaten die Maschine abstellt sie eigenständig atmen und leben könnten. Warum quält man dann mit den Maschinen?

Ich habe da eine Meinung, die sicherlich nicht jeder vertritt und ich wahrscheinlich auch die Minderheit hier bin. Aber ich würde nicht jahrelang zusehen, wie mein Mann nur noch an Maschinen lebt, künstlich ernährt werden muss und nichts mehr alleine machen kann und wie tot da liegt. Auch , wenn ich vor der Entscheidung stehen würde, wenn meine Kinder einen Unfall hätten und sie im Koma liegen würden, würde ich keine Jahre warten, bis ich dann endlich sage, dass man sie erlösen soll.

Ich würde mich da genau bei der Ärzten erkundigen, was im Koma alles "kaputt" gegangen ist und inwieweit die Funktionen noch sind und ich glaube, ich würde dann zustimmen die Maschinen abzustellen. Das gleiche würde ich auch von meinen Familienangehörigen erwarten, wenn ich da liegen würde.

Ich glaube einfach nicht, dass es lebenswert ist, wenn ein Mensch zum Beispiel nach einem Unfall nach Monaten oder Jahren erwacht und er ein total anderer Mensch ist als vorher, dass er dann noch Spaß am Leben hat. Zumindest dann nciht, wenn er sich an das Leben vorher erinnern kann.

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich würde meinen Mann bis ans Lebensende pflegen, wenn er krank werden würde oder im Rollstuhl sitzen würde oder sonstwas. Und ich bin auch nicht dafür Herr über Leben und Tod zu spielen. Ich würde auch keine Maßnahmen ergreifen wollen indem man euthanisiert. Aber wenn ein Leben ohne Maschinen nicht möglich ist bin ich dafür die Maschinen abzustellen.

Ich rede auch nicht vom Wachkoma, sondern vom Koma, wo der Patient wirklich nur noch mit Maschinen zum Atmen gehalten wird, aber die Hirntätigkeit eben noch so ist, dass er nicht für Tod erklärt wird, solange da noch Funktionen sind. Nur die meisten Funktionen würden eben aufhören zu arbeiten, wenn die Maschinen wegfallen.

Es gibt bestimmt auch Beispiele, wo ein Komapatient wieder aufgewacht ist und durch Reha wieder annähernd der Alte wurde. Aber das ist doch verschwindend wenig und das kann nach kurzer Komazeit vielleicht auch sein. Aber nach jahrelanger Komazeit sehe ich das nicht.

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» Diamante » Beiträge: 41839 » Talkpoints: 43,29 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich bin der Meinung wenn ich nur noch von Maschinen am leben gehalten werde und durch künstliche Ernährung dann möchte ich bitte das die Maschinen abgeschaltet werden. Mein Freund ist der gleichen Meinung.

Man stelle sich nur vor man fällt in ein Koma und wacht Jahre später wieder auf. Ich weiß nicht ob ich mich noch zurecht finden würde, man selbst ist ja (eventuell) der alte geblieben, fängt aber auch wahrscheinlich wieder mit allem bei 0 an, laufen, sprechen etc. Hinzu kommt das die ganzen anderen Menschen sich ja weiter entwickelt haben, der Partner, Kinder und Eltern mit Sicherheit auch gerade weil man im Koma lag.

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» aries24 » Beiträge: 1748 » Talkpoints: 9,84 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Der Vater meiner Frau fiel mit ca. 40 Jahren ins Koma. Er war Nierenkrank, hatte eine Spenderniere und war zudem noch Alkoholiker. Irgendwann während des Entzuges hatte sein Körper ein totalen Zusammenbruch und um ihn erstmal am Leben zu halten wurde er in ein Schlafkoma gelegt. Irgendwann sollte er erweckt werden und fiel von allein ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Nach einem Jahr wurden die Maschinen abgestellt. Es war damals sein Wunsch und so sollte es dann auch sein. Meine Frau denkt heute, das sie niemals die Geräte auf ihren Wunsch abgestellt hätte, nur bei ihren eigenen.
Gruß Thomas

» Schwalbenkoenig71 » Beiträge: 277 » Talkpoints: -3,62 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Das ganze ist ein ziemlich schwieriges Thema, bei dem es keine richtige oder falsche Entscheidung gibt.

Ich selbst würde mir für mich wünschen, dass es jemanden gibt, der den Aus-Knopf drückt, wenn ich jahrelang im Koma liege und nur noch künstlich am Leben gehalten werde. Für jemanden anderen ist das wieder eine ganz andere Sache. Ich wüsste nicht wie ich reagieren würde, wenn der behandelnde Arzt auf mich zu kommt und fragt, ob die Maschinen ausgeschaltet werden sollen. Die Ärzte selbst wissen doch auch nicht genau, was alles noch funktioniert und was nicht. Wirklich einschätzen kann man das erst, wenn man wieder aufwacht und merkt was nicht mehr geht. Eine ganz konkrete Ansage kann dir da kein Arzt machen.

Und selbst wenn es heißt, zu 99% wacht dein Angehöriger nie wieder auf, heißt dass aber eben auch, dass in jedem 100. Fall derjenige wieder aufwacht und große Störungen oder Funktionsausfälle muss man ja auch nicht zwangsläufig davon tragen.

Deswegen denke ich, dass es wichtig ist eine Patientenverfügung zu haben um selber für sich festzulegen, was in solch einem Fall passieren soll. In meinen Augen ist es einfach egoistisch so eine Entscheidung auf jemand anderes abzuwälzen. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass irgendein normaler Mensch ohne weiteres sagen kann, dass alles abgestellt werden soll und danach sich keine Vorwürfe macht. Sowas sollte man niemandem zumuten. Also ich kann so eine Frage nicht wirklich beantworten, ich weiß nur was ich für mich selbst will und das weiß auch meine Freundin und ich werd mir mal so eine Patientenverfügung zulegen, damit ich niemand anderen mit so einer Frage belaste.

» Klehmchen » Beiträge: 4622 » Talkpoints: 688,89 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Hallo,
ich habe genau einen solchen Fall sogesehen. Mein Onkel kam wegen eines Herzklappenfehlers unters Messer kommen und eine neue Herzklappe bekommen während der Op mussten sie ihm noch zwei Beipässe geben. In der Nacht daruf bekam er aus is jetzt noch unerklärlichen Gründen innere Blutungen und musste wieder aufgemacht werden. Sie konnten nicht lokalisieren wo die Blutungen herkamen und wussten nicht ob er es schafft und wurde in künstliche Koma gesetzt. Das ist jetzt sechs Wochen her und er liegt immer noch auf der Intensivstation. Er kann weder reden da er einen Luftröhrenschnitt bekommen hat noch kann er lange sitzen.

Er muss so wie es aussieht alles neu lernen weil er durch die inneren Blutungen auch wieder belebt werden musste und man weiss auch nicht wielange das gedauert hat, eigentlich nicht so lange im Gehirn sei aber alles in Ordnung. Er wird wohl nie der sein den er vorher mal war wenn er alles neu erlernen muss und muss wohl bis Weihnachten mindestens im Krankenhaus bleiben. Ich bin gespannt bis jetzt durfte nur die nächsten Verwandten ihn besuchen ich zum Beispiel nicht. Es ist alles nicht so einfach und es nimmt einem schon mit wenn es in der eigenen Familie passiert.

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» dauschi » Beiträge: 1249 » Talkpoints: 5,56 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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