Kleinkind eine Fremdsprache erlernen

vom 25.04.2011, 12:01 Uhr

Ich habe ein Jahr lang in einer französischen Familie in Frankreich gelebt und habe auch ein Französischstudium gemacht. Meine Französischkentnisse sind also durchaus gut, aber natürlich ist Französisch bei weitem nicht meine Muttersprache und ich habe demnach auch sicher einen Akzent.

Ich habe einen Sohn mit 2 Jahren und 4 Monaten. Ich habe es schon immer toll gefunden, wenn Kinder möglichst früh eine Fremdsprache erlernen können, vor allem natürlich dann, wenn sie gleich zweisprachig aufwachsen. Ich sehe das als einen großen Vorteil an.

Da ich eben nicht muttersprachlich Französisch kann, wollte ich meinen Sohn nicht zweisprachig erziehen. Oft sagt man ja, dass es nicht gut ist, wenn sie da dann auch gleich den falschen Akzent lernen. Vor etwa 4 Monaten habe ich eher aus Spaß heraus ein wenig angefangen meinem Sohn ein paar Vokabel spielerisch auf Französisch zu sagen. Irgendwie hat er das sofort aufgeschnappt und es hat ihm sichtlich gefallen.

So habe ich das ganze dann irgendwie erweitert und ich spreche immer wieder in den unterschiedlichsten Alltagssituationen auf Französisch mit ihm. Er versteht auch schon recht viel und ich bin total erstaunt, wie schnell er das alles auffasst. Er sieht sich sogar schon ein paar Kindersendungen auf Französisch an. Wobei ich hier dazu sagen muss, dass mein Sohn zwar durchaus eine Sendung oder so ansehen darf, aber regelmäßig nicht. Mehr als 5 Minuten pro Tag sind es nicht. Aber so eine Folge von Barbapapa versteht er durch die Bilder schon.

Meine Schwägerin hat nun gestern gemeint, dass es total schlecht ist, wenn man den Kindern als als nichtmuttersprachige Person eine Fremdsprache beibringt. Ich habe das eigentlich auch so gesehen, aber inzwischen denke ich mir, dass es so zumindest besser ist, als wenn er es gar nicht lernen würde. Wie seht ihr das? Sollte ich damit ganz aufhören, ihm einige Vokabeln und kurze Phrasen beizubringen, oder kann es nicht schaden?

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» tournesol » Beiträge: 7758 » Talkpoints: 38,36 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Warum sollte es dem Kind schaden, wenn du ihm eine Sprache beibringst, die nicht deine Muttersprache ist? Es ist immer gut, wenn ein Kind gleich schon gute Fremdsprachenkenntnisse hat, so hat der Kleine es später in der Schule auch viel leichter, wenn er diese Sprache dann als Fach hat.

Außerdem macht es ihm ja - wie du sagst - Spaß, also warum sollte es schaden? Du solltest ihn damit natürlich nicht überfordern, aber das tust du ja anscheinend nicht. Du sprichst ja nicht die ganze Zeit Franzözisch mit ihm, also sehe ich persönlich kein Problem bei der ganzen Sache!

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» Puffi » Beiträge: 403 » Talkpoints: 6,75 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Als Nichtmuttersprachler sollte man ein Kind tatsächlich nicht zweisprachig aufwachsen lassen. Den Grund hast du schon genannt: Falsche Intonation, gegebenenfalls Unsicherheiten in der Grammatik und Prosodie. Zweisprachigkeit würde aber bedeuten, dass du ausschliesslich mit dem Kind französisch sprichst.

Dein Kind scheint mit zwei Jahren ja sprachlich schon sehr weit zu sein, aber täusche dich bitte nicht: Zuviel Französisch im Alltag verunsichert das Kind, da es noch nicht direkt trennen kann um welche Sprache es gerade geht. Du musst also wirklich ganz deutlich machen, dass das Französische eine Besonderheit ist und deshalb nur französische Sprichwörter oder Lieder verwenden, die deutliche Trennlinien zur Alltagskommunikation zulassen. Oder du entwickelst bestimmte Rituale, in denen du mit dem Kind französisch sprichst. Es reicht dazu schon, auf eine bestimmte Bank im Park zu gehen, um dort ein französisches Lied zu singen, oder du bringst dein Kind in eine internationale Spielgruppe. Aber ein kontextungebundener Sprachmischmasch könnte den Erstspracherwerb verlangsamen und deutliche Spuren hinterlassen, die deinem Kind einen fehlerfreien Gebrauch des Deutschen später erschwert.

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» Feuerputz » Beiträge: 1415 » Talkpoints: 7,29 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Wirklich zweisprachig möchte ich meinen Sohn ja auch gar nicht erziehen. Das würde eben bedeuten, dass ich durchgehend mit ihm auf Französisch rede. Aber das möchte ich sowieso nicht. Ich habe die ersten beiden Jahre eben auch nur auf Deutsch mit ihm gesprochen, weil ich mir eben Gedanken wegen der Intonation und so weiter gemacht habe. Ebenfalls weiß ich, dass einmal eingelernte falsche grammatikalische Strukturen oder dergleichen noch schwerer zum Ausbügeln sind als wenn man eine Sprache erst später erlernt.

Dann habe ich mir aber eben gedacht, dass in vielen Kindergärten ja auch schon ein Fremdsprachenunterricht angeboten wird. Meistens ist das zwar Englisch, aber das ist ja vom Prinzip her egal. Oft werden in diesem Fall zwar auch native Speaker genommen, oft aber auch nicht und wenn er später in der Schule Französisch lernt, hat er in der Regel ebenfalls keinen native Speaker und erlernt die Sprache wieder nur mit Akzent.

Angefangen hat das Ganze, indem ich mir ein Buch für Fremdsprachenfrühförderung gekauft habe. Da sind wirklich total nette Ideen darin enthalten. So haben wir zum Beispiel damit angefangen, dass ich einen Schneemann aus Papier gebastelt habe und die einzelnen Teile kann man mit Klettverschluss immer wieder runter- und raufgeben. Dazu gibt es dann eben ein Lied das übersetzt nur heißt: Schneemann, Schneemann ich setze dir den Hut auf, Karotte auf die Nase, Kohle auf die Augen, so steht er da. Dann gibt man eben jeweils die jeweiligen Teile zusammen.

Das hat mein Sohn recht spaßig gefunden und so habe ich dann noch weitere Lieder der Art mit ihm gemacht. Inzwischen lese ich auch schon recht viele Kinderbücher mit ihm auf Französisch, wobei ich hier nicht zwischen Deutsch und Französisch hin- und herswitche sondern ich bleibe bei Französisch oder ein anderes Mal eben bei Deutsch. Vor ein paar Wochen habe ich dann eben auch damit angefangen ihm kurze einfache Kindersendungen wie Barbapapa auf Französisch zu zeigen. Da er die deutsche Version ja noch gar nicht kennt, hat ihm das überhaupt nicht gestört und auch wenn er da eben pro Tag maximal eine Sendung ansehen darf, die eben nur 5 Minuten dauert, lernt er dadurch doch auch einiges dazu, denke ich.

Am Anfang war ich eben auch sehr skeptisch, eben aus oben genannten Gründen. Dann haben aber irgendwie sowohl mein Sohn als auch ich Spaß daran gefunden, wobei es wie gesagt wirklich beim Spiel bleibt. Eine Freundin von mir hat eine dreijährige Tochter und die will durch den Kindergarten nun auch ein wenig mit Englisch anfangen, aber wenn man ihr eben eine englischsprachige Kindersendung zeigt, will sie die sofort weghaben und eine deutsche haben. Mit zwei ist es denke ich insofern recht praktisch, weil die Muttersprache schon ein wenig gefestigt ist, aber noch nicht so, dass man andere Sprachen zu sehr hinterfragt.

Aber vor dem angesprochen Sprachenswitchen habe ich auch ein wenig Sorge. Bisher ist das nicht so das Problem. Er sagt zwar immer wieder Wörter auf Französisch, aber eigentlich nur in meiner Anwesenheit. Kurze Zeit hat er das auch bei meiner Mama gemacht, aber die versteht kein Wort Französisch und das dürfte er rasch überrissen haben. Er zählt sogar schon auf Französisch bis 20, was ich für ein gut zweijähriges Kind doch recht gut finde. Das Zahlenverständnis hat er sicher noch nicht, sondern er lernt es wohl eher wie ein Gedicht, aber immerhin.

Meine Schwägerin hat mich gestern ehrlich gesagt doch wieder ein wenig verunsichert und natürlich würde ich es besser finden, wenn er eine akzentfreie Lernmethode hätte, aber wie gesagt später in der Schule würde er es wohl auch nur mit Akzent lernen. Ein wenig hinterfrage ich jedoch weiterhin auch noch, ob es ein wenig schlecht ist, wenn ich ihm jetzt Französisch beibringe. Im Kindergarten bei ihm wird es dann soweit ich weiß noch keinen Englischunterricht geben, aber in der Volksschule dann sicher. Ist es dann nicht noch verwirrender, wenn dann mit etwa 6 Jahren noch eine Sprache dazu kommt?

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» tournesol » Beiträge: 7758 » Talkpoints: 38,36 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Prinzipiell würde ich da eigentlich auch eher nein sagen, eben weil du einen Akzent hast und wenn sich dein Kind diesen angewöhnt, wird es vermeintlich nie mehr eine Chance haben, akzentfreies Französisch zu erlernen. Allerdings stellt sich mir hier die Frage, ob er dazu überhaupt in der Lage wäre, denn mal ehrlich, wann würde dein Sohn denn dann anfangen? An Aufbaugymnasien fängt man mit Französisch in der 8. Klasse an, an den ''ausgebauten'' bereits in der 5. Klasse, so ist das zumindest hier in NRW. Und wenn dein Sohn zu der Zeit überhaupt Französisch nimmt, und sich nicht für Alternativen wie Spanisch oder Latein entscheidet, dann wird er als Lehrer vermeintlich ebenfalls keinen Muttersprachler haben und wenn er dann nach 5 - 7 Jahren Französisch in der Schule dieses sprechen kann, dann wird der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit doch auch einen Akzent haben, wenn die Lehrer sich überhaupt als fähig erweisen, ihm diese Sprache näher zu bringen, an meiner Schule zumindest hapert es da noch ganz, ganz gewaltig.

Wenn du jetzt damit anfängst und dein Sohn es einigermaßen versteht, dann hat er meiner Meinung nach wenigstens etwas davon. Und wenn du in Frankreich gelebt hast und hier als Lehrerin aktiv bist, dann kann ich mir gut vorstellen, dass dein Akzent sehr schwach, wenn nicht gar kaum bemerkbar ist. Wenn dein Sohn dann zusätzlich noch französische Sendungen schaut, was ich in der Hinsicht dann fördern würde, dann hat er eigentlich doch recht gute Chancen, die Sprache zu erlernen und später in der Schule in der Hinsicht dann auch besser abzuschneiden.

Heutzutage gibt es viele Eltern, die ihre Babys bereits wenige Wochen nach der Geburt in Sprachlernkurse, bevorzugt Englisch und so weiter stecken. Sie wollen ihre kleinen Sprösslinge fördern und meinen, sie würden durch diese Kurse etwas erreichen, Tatsache ist aber, dass die Kinder diese Sprache dann gar nicht lernen wollen und die Kurse nie lange durchgehalten werde (bei zwei Bekannten hat es nur zwei und fünf Wochen gedauert), weil dem Kind etwas fehlt, denn das Kind will die Sprache nicht lernen, weil sie zu Hause niemand spricht. Die Begeisterung fehlt ihm einfach, denn anders als Erwachsene, erkennen Babys eben noch nicht, dass sie die Sprache später gebrauchen können, sie wollen nur das lernen, was jetzt für sie wichtig ist und weil die Mütter meistens gar kein Englisch oder nur gebrochenes mit ihnen reden, sind sie nicht groß bereit diese Sprache zu erlernen und erkennen sehr wohl, dass Mama da etwas spricht, was sie weder gut kann, noch will. Hat man keine Muttersprachler zu Hause, hat das Kind daher auch wenig Erfolg, eine Sprache zu lernen.

Und damit dein Sohn eben die Chance dazu hat, müsstest du dich an sich öfters mit ihm in Französisch unterhalten, damit er erkennt, dass es sich dabei nicht nur um ein Spiel handelt, sondern dass er diese Sprache durchaus braucht, denn im Fernsehen reden sie so und du tust es auch. Meistens bietet sich hier die Konstellation an, jedes der Elternteile eine Sprache, so dass du nur Französisch mit ihm redest und der Vater nur Deutsch. Ich denke, dass du schon versuchen solltest, deinem Sohn die Sprache näher zu bringen, denn wenn du Französisch gut beherrscht, dann gibt es meiner Meinung nach keine großen Bedenken oder? Selbst wenn er deinen Akzent und nicht vielleicht doch den normalen, den er im Fernsehen vermittelt bekommt, übernimmt, hast du doch damit immer noch mehr gewonnen, als wenn du gar nichts machst, denn dann wird dein Sohn sich die Sprache vielleicht in der Schule einpauken müssen und das fällt ihm nicht nur schwerer, sondern bringt vermutlich einen noch übleren Akzent mit sich. Ich würde es versuchen.

» Crispin » Beiträge: 14933 » Talkpoints: 5,72 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Ich sehe das von zwei Seiten. Einerseits ist es toll, wenn dein Sohn Spaß hat, eine Fremdsprache zu erlernen, andererseits hätte ich ebenfalls Bedenken aufgrund des Akzentes. Man sagt zwar, dass Kinder bis zum Alter von vier Jahren eine Fremdsprache akzentfrei erlernen können, allerdings denke ich auch, dass diese Sprache dann nur erlernt werden kann, wenn das Kind mit Menschen spricht, dessen Muttersprache- wie in deinem Fall- französisch ist.

Schlecht ist es allerdings auf keinen Fall. Da man ja in den meisten Schulen heutzutage ebenfalls französisch lernt und ich mich traue zu sagen, dass ein Großteil der Schüler es ebenfalls nicht akzentfrei herbekommt, hat dein Kind dann auch einen enormen Vorteil.

Eine Sache, die aber dafür spricht, wenn man dem Kind eine zweite Muttersprache oder Fremdsprache beibringt, ist, dass das Kind erst die Muttersprache selber beherrschen können sollte. Das Problem haben wir häufig im Kindergarten mit türkischen Kindern, die nicht die türkische Muttersprache perfekt beherrschen und sich dann auch mit der deutschen Sprache schwer tun.

» nordseekrabbe » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Grundsätzlich teile ich die Skepsis, hier zu versuchen, eine zweite Sprache ins Spiel zu bringen, welche nicht natürlicher Bestandteil der Lebenswirklichkeit und des täglichen Umfelds des Kindes darstellen. Wenn Du mit dem Kind in Frankreich wohnen würdest oder in der Umgebung lauter französisch sprechende Menschen wären, wäre es etwas anderes. Dann ist auch das Problem eher klein, wenn Du dem Kind in dem Alter eine falsche Aussprache oder eine falsche Grammatik beibringst. So aber ist es etwas Künstliches und im Zweifel ziehst Du dich trotz Deiner guten Französischkenntnisse vermutlich wieder auf die Deutsche Sprache zurück. Das kann das Kind schon ein wenig verunsichern.

Wenn es aber Teil eines Spiels ist und eben nur zu bestimmten Gelegenheiten genutzt wird (eben nicht mit Zwang und nach Lust und Laune der Mutter) im Alltag Verwendung findet, kann man dem Kind schon sinnvoll Vokabeln beibringen. Es muss eben sichergestellt sein, dass dem Kind der Spielcharakter klar ist und das diese Spielsprache (was es dann ist) nur mit der Mutter zur Anwendung kommen soll. Hier kann man also schon ansetzten.

Leider schreibst Du zur eigenen Motivation wieder was, das eher bedenklich stimmt. Denn Du willst das letztlich nicht als Spiel sehen, sonder versprichst Dir für Dein Kind Vorteile in der Konkurrenz zu anderen Kindern. Und wenn das die eigentliche Motivation ist (was Du nur vor Dir selbst zugeben kannst), dann dürfte das Ganze schon - hinsichtlich der Zielsetzung - scheitern. Dann würde ich an Deiner Stelle die überschüssige Zeit dafür nutzen, die Deutsche Sprache zu lehren.

tournesol hat geschrieben:Wobei ich hier dazu sagen muss, dass mein Sohn zwar durchaus eine Sendung oder so ansehen darf, aber regelmäßig nicht. Mehr als 5 Minuten pro Tag sind es nicht.

Auch das klingt etwas befremdlich als Ausrede. Wenn es täglich nicht mehr als fünf Minuten sind, dann ist das regelmäßig. Was Du im Satz davor verneint hattest. Da stellt man sich die Frage, wozu ein Kleinkind von unter drei Jahren schon fernsehen sollte. Aber auch hier konstruierst Du einen Grund, indem Du hoffst, dem Kind wieder einen Vorteil verschaffen zu können.

» derpunkt » Beiträge: 9897 » Talkpoints: 88,33 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Feuerputz hat geschrieben:Als Nichtmuttersprachler sollte man ein Kind tatsächlich nicht zweisprachig aufwachsen lassen. Den Grund hast du schon genannt: Falsche Intonation, gegebenenfalls Unsicherheiten in der Grammatik und Prosodie.

Das würde dann aber auch bedeuten, dass Lehrer für Fremdsprachen nur dann unterrichten sollten, wenn sie Muttersprachler sind. Ich habe in meiner Schulzeit aber schon Lehrer erlebt, die einen ganz fürchterlichen deutschen Akzent hatten und von denen man eine korrekte Aussprache sicher nicht hätte lernen können.

Ich sehe auch keinen großen Unterschied zwischen einer Mutter, die mit dem Kind eine französische Kindersendung schaut und einer Erzieherin, die mit den Kindern im Kindergarten französische Lieder singt. Das ist bei uns - ich wohne an der französischen Grenze - nämlich gang und gäbe.

Ich denke nur, dass es nicht sonderlich viel bringt, wenn man den "Sprachunterricht" nicht konsequent durchführt, also sich zum Beispiel darauf einigt, dass man sich beim Essen generell nur auf Französisch unterhält. Wenn man zwischendurch einfach immer mal wieder etwas einbaut ist das für ein Kind doch wahrscheinlich eher verwirrend, weil es noch nicht in der Lage ist das Konzept von verschiedenen Sprachen zu verstehen. Wenn es eine andere Sprache aber mit einer bestimmten Situation oder in der Regel eben mit einer bestimmten Person verknüpfen kann, hilft das sicher bei der Orientierung.

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» Cloudy24 » Beiträge: 25515 » Talkpoints: 133,81 » Auszeichnung für 25000 Beiträge


Cloudy24 hat geschrieben:
Feuerputz hat geschrieben:Als Nichtmuttersprachler sollte man ein Kind tatsächlich nicht zweisprachig aufwachsen lassen. Den Grund hast du schon genannt: Falsche Intonation, gegebenenfalls Unsicherheiten in der Grammatik und Prosodie.

Das würde dann aber auch bedeuten, dass Lehrer für Fremdsprachen nur dann unterrichten sollten, wenn sie Muttersprachler sind. Ich habe in meiner Schulzeit aber schon Lehrer erlebt, die einen ganz fürchterlichen deutschen Akzent hatten und von denen man eine korrekte Aussprache sicher nicht hätte lernen können.



Fremdsprachenunterricht setzt aber auch erst dann ein, wenn der Erstspracherwerb zu großen Teilen abgeschlossen ist. Beide Prozesse sind in gewisser Weise grundverschieden. Ganz natürlich ist hingegen Mehrsprachigkeit wenn ein Elternteil eine andere Sprache spricht oder das Umfeld dies tut- wie in Grenzgebieten. Weltweit ist Mehrsprachigkeit sehr verbreitet, Deutschland ist da sehr ungewöhnlich, denn der Anteil von mehrsprachig aufgewachsenen Kindern ist sehr klein.

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» Feuerputz » Beiträge: 1415 » Talkpoints: 7,29 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Auch ich kenne es so, dass man nach Möglichkeit ein Kleinkind eine Fremdsprache erst dann beibringen kann, wenn sie in der Tat die Muttersprache einer Bezugsperson ist. Es hat natürlich etwas mit einer gewissen Prägung zu tun, wenn nun tournesol's Sohn von ihr einige französische Fetzen mitbekommt und sich diese einprägt. Dadurch, dass sie auch nur Teile mit dem Sohn auf Französisch spricht, ist es so, dass der Junge durchaus mit der Muttersprache und mit der Fremdsprache durcheinander kommen kann.

Daher wird auch empfohlen, wenn ein Kind eine zweite Sprache erlernen soll, dass es stets eine Bezugsperson hat, welche mit dem Kind nur auf diese Sprache spricht. Auch, wenn es sich nun nicht um komplette Gespräche oder Tagesabläufe handelt. Nicht selten kommt es bei Kindern vor, die mit zwei Sprachen über eine Person konfrontiert werden, dass sie schlicht und einfach etwas verwechseln und wenn ihnen das Wort in der Fremdsprache nicht einfällt, wird das Wort in der Muttersprache ersetzt.

So weit ist die Theorie, aber die Theorie ist nicht das verkehrteste. Denn durch meine Berufstätigkeit in zwei Kindergärten, die in sozialen Brennpunkten lagen und dadurch viele Kinder mit Migrationshintergrund zu betreuen waren, konnte man dies sehr gut beobachten. Die Eltern haben die Muttersprache und die deutsche Sprache angewandt, ohne sich für eine der Sprachen zu entscheiden. So ist des öfteren eingetreten, was ich oben benannt habe. Die Folge war bei den meisten Kindern, dass sie weder ihre Muttersprache noch die deutsche Sprache so nutzen konnten, wie es bei den Kindern war, die nur deutschsprachige Eltern hatten.

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» *steph* » Beiträge: 18517 » Talkpoints: 47,60 » Auszeichnung für 18000 Beiträge


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