Frauen und Obdachlosigkeit - ein Widerspruch?
Wenn man an Obdachlosigkeit denkt, hat man oft Männer auf der Straße vor Augen. Frauen, die obdachlos sind, bleiben dagegen häufig unsichtbar, sie übernachten bei Freund/innen, in Notunterkünften oder versteckt in unsicheren Wohnungen. Viele trauen sich gar nicht, Hilfe zu suchen, weil sie Gewalt oder Stigmatisierung fürchten.
Mich interessiert eure Meinung: Habt ihr Erfahrungen oder Informationen über obdachlose Frauen? Warum wird die Situation von Frauen oft übersehen, obwohl sie genauso betroffen sind wie Männer? Was könnte getan werden, um Unterstützung für diese „unsichtbaren“ Betroffenen besser zugänglich zu machen?
Ich finde es wichtig, dass wir das Thema sichtbar machen, weil die Herausforderungen oft besonders gravierend sind und gesellschaftlich zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.
Wieso Widerspruch? Egal. Statistisch gesehen sind mehr Männer als Frauen obdachlos, und ich kann mir auch vorstellen, dass es speziell für Frauen geradezu überlebensnotwendig ist, nicht im Auge der Öffentlichkeit als obdachlos, sprich vulnerabel bis hin zum Freiwild erkennbar zu sein. Deswegen könnte ich mir durchaus vorstellen, dass uns allen schon öfter obdachlose Frauen begegnet sind, als wir wissen, weil diese es schaffen, dass man ihnen ihre missliche Lage zumindest nicht von weitem schon ansieht.
Davon abgesehen ist es sowieso naiv zu glauben, Obdach- oder Wohnungslosigkeit sei ein reines Männerproblem. Statistisch ist auch erwiesen, dass Frauen im Regelfall ein besseres soziales Netz haben und auch besser darin sind, Hilfsangebote wahrzunehmen als Männer. Bei diesen ist "Job weg und Frau weg" gerne mal der erste Schritt in den Absturz, während Frauen eher Hilfe von Freunden und Familie zu erwarten haben.
Ich finde nicht, dass die Obdachlosigkeit bei Frauen übersehen wird. Sie wird nur anders behandelt. Frauen sind in der Regel in der Krisenbewältigung besser als Männer. Die reagieren eher mit sozialem Rückzug, suchen keine Hilfe und entwickeln Suchtverhalten. Das ist natürlich statistisch zu sehen und gilt nicht automatisch im Einzelfall.
Entsprechend ist beispielsweise das Angebot in meiner Stadt gestaltet. Für Männer gibt es mehr Notschlafstellen, die dann auch tatsächlich so genutzt werden können. Frauen finden dagegen nur zeitlich begrenzt Aufnahme, wenn sie spätestens nach drei Tagen zu einem Angebot, das sie wieder wohnfähig macht, weitergehen. Männer müssen nicht zwangsläufig Hilfe annehmen oder wieder auf die Straße.
Dafür gibt es eben viel mehr Möglichkeiten für Frauen, zurück in einen klassischen bürgerlichen Alltag mit Arbeit zu finden. Für Männer stehen da weniger Plätze und Optionen zur Wahl. Wie man das findet, steht auf einem anderen Blatt. Aber Konzepte für obdachlose Frauen sind hier vorhanden.
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