Wie stark Eltern bei den Betreuungskosten entlasten?

vom 30.07.2018, 09:15 Uhr

Punktedieb, wie kommst du darauf, dass die Kirchen die Kosten für Kindertagesstätten und Schulen tragen? Die übernehmen nur fünf bis maximal 30 Prozent und die Kosten für Grundstücke und Bau bleiben in der Regel komplett an den Kommunen hängen. In meiner Stadt sind es beispielsweise noch ganze zehn Prozent, die die Kirchen tragen. Dafür haben sie ein eigenes Arbeitsrecht, schlechtere Tarife und drohen ständig mit Schließung, weil das alles soll teuer ist. Komisch, bei den Bischöfen, deren Gehalt die Allgemeinheit tragen muss, kennen sie solche Kostenprobleme nicht, da darf es gerne mehr sein.

» cooper75 » Beiträge: 12522 » Talkpoints: 333,22 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Punktedieb hat geschrieben:Wenn man erst die Betreuung kostenlos macht, dann zäumt man das berühmte Pferd aber von hinten auf. Denn das Problem liegt nicht nur in den fehlenden Räumlichkeiten, sondern vor allem beim Personal. Eine Ausbildung zum Erzieher bzw. zur Erzieherin geht sehr lange, hat keine Ausbildungsvergütung und kostet den Auszubildenden noch Geld. Also sollte man erst mal umdenken und vor allem diese Kriterien ändern, was ja teilweise schon der Fall ist.

Ich versteh ganz ehrlich gesagt, einfach dein Problem nicht. Was spricht denn dagegen zu sagen, wenn man weiß ein Erzieher braucht 3 Jahre Ausbildung, jetzt mehr Plätze anzubieten, das aktiv zu fördern und attraktiv zu gestalten und dann zu sagen, wir machen die Betreuung ab 2025 oder 2026 kostenlos oder eben gestaffelt nach Jahren.

Denn ich kann das ja genau so gut auch umdrehen und jetzt sagen, wenn die Betreuung weiterhin kostenpflichtig ist, wird es weiter genug Eltern geben, die sich das nicht für die komplette Zeit leisten können oder leisten wollen und ihre Kinder dann eben anderweitig betreuen, sei es durch Teilzeit, Oma, Opa oder wie auch immer. Dann sagt natürlich auch kein Kitaträger ich bilde jetzt mal 10 Prozent mehr Leute aus als ich eigentlich bräuchte, weil wenn die alle fertig sind ja vielleicht irgendwann mal mehr Kinder kommen, weil die Betreuung vielleicht irgendwann mal kostenlos ist.

Und was die Essenspreise jetzt da zu suchen haben, erschließt sich mir auch nicht. Zum einen haben die ja mit dem Kitaplatz nichts zu tun, sondern werden ja in der Regel separat bezahlt, weil die meisten Kitas ja Lieferverträge haben und du dann mit dem Lieferanten einen Versorgungsvertrag abschließt zusätzlich zu deinem Betreuungsvertrag in der Kita. Und zum anderen musst du gestiegene Lebensmittelpreise ja auch bezahlen, wenn dein Kind nicht in die Kita geht, weil es dann eben zu Hause Mittag essen muss und so weiter.

Also am Ende des Tages ist das alles nur eine Frage des Wollens und des Stellenwertes, den die Kinderbetreuung in einer Gesellschaft einnimmt. Natürlich muss das alles bezahlt werden und niemand wird Kinder tatsächlich kostenlos betreuen. Aber die Frage ist ja eben, ob es für die Gesellschaft nicht ein Mehrwert ist, wenn es viele Kinder gibt und man weiß, dass man auch eine Betreuung bekommen wird und sich die Betreuung auch leisten kann, weil die Gesellschaft dafür eben aufkommt. Und am Ende kriegt die Gesellschaft dann ja viele Beitragszahler dafür, die später das investierte Geld wieder zurückzahlen.

» Klehmchen » Beiträge: 5323 » Talkpoints: 943,46 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


@cooper75: Meine Kinder waren in einer Kita, wo der Träger die Kirche ist. Das Grundstück und die Immobilie gehört der Kommune. Und jede Kommune bekommt pro Einwohner jedes Jahr Geld. Auch für die Kinder, was zumindest in den mir bekannten kommunalen Einrichtungen, auch die Betreuungsplätze subventioniert. Sprich die Kosten sind da für die Eltern schon geringer, als bei dem kirchlichen Träger. Wie da die Arbeitsverträge aussehen, weiß ich nicht, aber Drohungen zu Schließungen gab es da nie.

@Klehmchen: Eine Erzieherausbildung geht mehr als drei Jahre und muss in aller Regel selbst finanziert werden. Man hat also nicht in drei oder vier Jahren mehr Personal auf dem Markt, wenn man jetzt mehr Plätze für die Ausbildung anbieten würde. In aller Regel wird jemand, der diesen Beruf ausüben will vor Mitte 20 kein eigenes Geld verdienen.

Man müsste also da erst mal eine Vergütung für die Ausbildung auf den Weg bringen, damit mehr junge Menschen diesen Weg einschlagen. Denn es kann sich nur ein geringer Teil diesen Beruf leisten bis zum ersten Gehalt.

Und was die Essenkosten angeht, so werden bei uns in der Region schon um die 5 Euro pro Tag angekündigt. Da ist jedes Essen, was zu Hause gekocht wird pro Person günstiger und da hat man nicht mal Großabnehmerpreise im Einkauf.

» Punktedieb » Beiträge: 17176 » Talkpoints: 64,33 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Punktedieb hat geschrieben:Man müsste also da erst mal eine Vergütung für die Ausbildung auf den Weg bringen, damit mehr junge Menschen diesen Weg einschlagen. Denn es kann sich nur ein geringer Teil diesen Beruf leisten bis zum ersten Gehalt.

Sei mir bitte nicht böse. Aber das ist doch mal der erste konstruktive Vorschlag von dir in diesem Thread. Ich verstehe alle Probleme, die du angesprochen hast und die sind natürlich nicht mit einer kostenlosen Kinderbetreuung vom Tisch. Aber vom reinen Meckern und Nichtstun passiert ja eben auch nichts.

Von daher sehe ich es natürlich auch so, dass das nichts ist, was man über Nacht auf den Weg bringen kann. Aber man kann ja eben langfristig einen Plan aufstellen, wie man es umsetzen will. Zunächst die Ausbildung attraktiver machen. Ich hab es sowieso noch nie verstehen, warum es überhaupt Ausbildungsberufe gibt, bei denen die Auszubildenden Geld bezahlen müssen. Das finde ich ein absolutes Unding und das müsste man generell einen Riegel vorschieben. Und in sozialen Berufen könnte man dann ja darüber nachdenken, dass man diese dann staatlich subventioniert, damit die Ausbildung attraktiver wird und es sich mehr Leute leisten können auch Erzieher zu werden.

Dann im nächsten Schritt eben anfangen nach Altersstufen die Kindergartenjahre von einer Bezahlung zu befreien. Natürlich nicht sofort, aber eben beispielsweise in 3-4 Jahren, wenn dann die Auszubildenden von heute fertig werden und dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen. An Hand der Geburtenzahlen kann man sich ja ausrechnen, was man in etwa an Betreuern braucht und kann daraufhin den Zeitplan festlegen, wann welche Jahrgänge gebührenbefreit werden.

Bei der Essensversorgung sehe ich das anders als du. Diese ist ja von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Es gibt da eben Einrichtung die haben billiges Massenessen, manche bieten nur Mittagessen an und den Rest muss man mitgeben, andere kochen selber und sind dann auch nicht teurer. Hier kann man ja aber als Eltern ansetzen und über die Elternvertretungen sich einbringen und für eine gute Versorgung zu vernünftigen Preisen sorgen. Und wenn ich Frühstück, Mittag, Vesper und Getränke denke, dann ist das für mich in der Summe auch nicht viel billiger als 5 Euro am Tag, wenn es nicht immer nur Nudeln mit Tomatensauce sein soll.

» Klehmchen » Beiträge: 5323 » Talkpoints: 943,46 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



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