Verhaltensgestörte Haustiere trotz Schwierigkeiten behalten?

vom 16.01.2016, 20:22 Uhr

Meine Tante hat vor einiger Zeit eine zweite Katze zu sich geholt. Mit der dort bereits lebenden Erstkatze hat diese sich gar nicht verstanden. Die beiden giften sich nur an und gehen sich aus dem Weg. Beide Katzen verhalten sich meiner Ansicht nach nicht normal. Alle beide lassen sich nicht anfassen und die Erstkatze lässt sich zwar von meiner Tante mal kurz hochnehmen, aber schaut immer dabei total angenervt mit weit offenen Augen, was bei Katzen ja für Unbehagen steht.

Mit der Katze kann man weder spielen noch sie streicheln. Und bei der anderen Katze (der Zweitkatze) ist es noch schlimmer, die lässt sich gar nicht hochnehmen oder anfassen, auch nicht von meiner Tante. Sie geht noch nicht einmal an jemandem ruhig vorbei, sondern schleicht sich an und rennt dann an einem vorbei, als würde sie denken, man würde ihr etwas tun und das macht sie bei allen. Es sieht nicht danach aus, als wäre ihr das nochmal abzugewöhnen.

Ich frage mich, was man dann davon hat, sich solche Tiere zu halten. Denen kann man höchstens zuschauen, aber Interaktion ist nicht erwünscht. Die Katze der Familie meines Freundes ist hingegen ganz anders, sie läuft einem nach, schmiegt sich an, will gestreichelt werden eine richtig liebe Katze halt, so wie man sie sich wünscht. Wenn ich hingegen solche Problemkatzen wie meine Tante hätte, dann hätte ich mir schon überlegt, ob ich die nicht wieder abgebe.

Habt ihr Problemtiere? Habt ihr überlegt, diese wieder abzugeben? Würdet ihr solche Problemtiere behalten, auch wenn sie gar nicht die Dinge erfüllen, die man von einem Haustier erwartet?

» Zitronengras » Beiträge: 8478 » Talkpoints: 73,01 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Warum sind die Katzen deiner Tante denn Problemtiere? Nur weil sie sich nicht so verhalten, wie du dir eine Katze vorstellst? Viele Katzen, die nicht frühzeitig auf Menschen geprägt worden sind, verhalten sich so. Aber warum ist ein Tier, dass sich nicht verhält wie erwartet gleich ein Problemtier?

Ein Tier ist ein eigenständiges Lebewesen. Es ist nicht dafür auf der Welt, damit es deine Vorstellungen von Normalität erfüllt. Man wird auch nicht von seiner Verantwortung für ein Lebewesen freigesprochen, wenn es nicht wunschgemäß funktioniert.

Als denkendes Lebewesen ist es der Job des Menschen, sich damit zu arrangieren und für Veränderungen zu sorgen. Klappt das Verändern nicht, lebt man eben mit dem, was man hat. Hier bei mir kommen häufig Hunde an, die nur noch um sich beißen.

Das sind Problemhunde, weil man nicht mehr gefahrlos mit ihnen umgehen kann. Aber die lassen sich zu fast 100 Prozent wieder "reparieren". Als Familienhund sind sie danach nur deshalb meist nicht geeignet, weil man richtig mit ihnen umgehen muss. Aber normalerweise haben sie trotzdem ein tolles Leben.

Dass sie so geworden sind, das liegt daran, dass sie den Vorstellungen eines Menschen entsprechen sollten, der nicht berücksichtigt hat, was dieses eine Tier kann. Weil sie erst durch den Stempel Problemtier zum echten Problemtier wurden. Ich könnte den Vorbesitzer würgen.

» cooper75 » Beiträge: 10100 » Talkpoints: 19,29 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Für mich ist es eben der Sinn eines Haustieres, dass man mit diesem Tier auch interagieren kann und gerade bei Katzen wünsche ich mir eine Katze, die man auch streicheln kann und die einem nicht das Gefühl gibt, dass man gut genug zum Dosen aufmachen ist, aber sonst kein weiterer Kontakt gewünscht ist. Was hat man dann als Tierhalter von diesem Tier?

Ich glaube übrigens nicht, dass die Katze in der Familie meines Freundes auf besondere Weise erzogen wurden, dass sie so zutraulich ist. Sie ist von alleine so. Oder um ein anderes Beispiel zu nennen, mein Kaninchen habe ich auch nicht erzogen, das ist auch von alleine so zutraulich wie es eben ist. Das ist für mich der Sinn eines Heimtieres, schließlich hält man die nicht aus Altruismus, sondern weil man was davon erwartet und es ist völlig legitim, Erwartungen an Haustiere zu stellen.

» Zitronengras » Beiträge: 8478 » Talkpoints: 73,01 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich würde so ein "Problemtier" niemals abgeben. Dann verzichte ich eben auf´s Kuscheln. Aber ich hätte total Angst, dass die Katze, nachdem ich sie abgebe, weiter von einem Besitzer zum anderen rumgereicht wird, weil niemand mit ihr klar kommt. Das arme Tier.

Dann kann es lieber bei mir bleiben, auch wenn ich daher auf so einiges verzichten muss. Aber wenigstens ist sie in Sicherheit und vielleicht wird es mit viel Geduld ja auch besser. Ich könnte es nicht mit mir vereinbaren, sie abzuschieben.

Meine Kaninchen sind auch nicht daran interessiert zu kuscheln. Sie rennen immer weg und wenn ich sie mal einfangen muss, um sie zum Tierarzt zu bringen, ist das ziemlich schwierig. Aber ich gönne es ihnen von Herzen, dass sie (bis auf die notwendigen Tierarztbesuche) bei mir ein ruhiges, schönes Leben haben.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9457 » Talkpoints: 21,72 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Zitronengras, wo habe ich geschrieben, dass die Katze deines Freundes erzogen worden ist? Die Prägung findet in den ersten Wochen des Lebens vollkommen automatisch statt und kann nicht mehr nachgeholt werden. Dazu reicht, dass die Katze im Umfeld von Menschen aufgewachsen ist. Ist sie ohne die Nähe aufgewachsen, wird sie immer vergleichsweise zurückhaltend bleiben. Da nützt keine Erziehung der Welt.

Und welche Möglichkeiten hat denn dein Kaninchen? Es lebt als soziales Tier allein, es kann sich nur dir anschließen. Diese Haltung ist absolut nicht artgerecht und in Österreich und der Schweiz verboten. Hierzulande sind Veränderungen der Gesetzeslage angestrebt.

Was hättest du denn mit deinem Kaninchen gemacht, wenn es nicht so wäre, wie ist? Aufgegessen? Ausgesetzt? Verschenkt und gehofft, dass sich jemand anderes damit arrangiert? Wie sieht denn dein Plan aus, wenn das Tier nicht wunschgemäß funktioniert? Sind dann plötzlich andere Menschen zuständig?

Tiere sind ebenso Individuen wie Menschen auch. Nicht jedes Tier verhält sich gleich und zeigt die Eigenschaften, die der Besitzer sich gewünscht hat. Damit muss man rechnen, wenn man die Verantwortung für ein Tier übernimmt.

» cooper75 » Beiträge: 10100 » Talkpoints: 19,29 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Ich denke nicht, dass man bei den beiden Katzen wirklich von Problemtieren sprechen kann. Immerhin hat ja jedes Lebewesen seinen eigenen Charakter und letztendlich bist du ja auch so, wie du gerne sein möchtest und lässt dir da auch nicht hinein reden. Warum sollte ein Tier nicht so leben dürfen, wie es mag?

Ich finde es außerdem auch nicht so schön, wenn man eine Katze immer hochnehmen will und sie somit belästigt. Das ist einfach kein Tier, was gerne hoch genommen wird, auch wenn der Mensch das vielleicht süß findet. Problemtiere abgeben finde ich aber in jedem Fall total schäbig, weil das Tier nichts dafür kann. Wenn man etwas nicht möchte, dann muss man das Tier erziehen oder wenn das nicht geht damit leben. Ein Tier ist kein Gegenstand.

Es gibt keine perfekten Tiere, die man sich so formen kann, wie man möchte. Jedes Tier hat auch einen Charakter. Man muss eben bei der Anschaffung schauen, dass das Tier zu einem passt und wenn es dann nicht passt, muss man trotzdem damit leben und kann es nicht einfach abschieben.

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» Ramones » Beiträge: 36210 » Talkpoints: 5,87 » Auszeichnung für 36000 Beiträge


Es gibt keine perfekten Tiere, die man sich so formen kann, wie man möchte. Jedes Tier hat auch einen Charakter. Man muss eben bei der Anschaffung schauen, dass das Tier zu einem passt und wenn es dann nicht passt, muss man trotzdem damit leben und kann es nicht einfach abschieben.

Du bist also der Ansicht, dass man ein Tier, was man sich einmal angeschafft hat, immer unbedingt behalten muss? Egal, ob man damit nur Probleme hat und die Haltung dann für einen zur Zumutung und Qual wird, Hauptsache man behält das Tier? Und das soll dann für Mensch und Tier die beste Lösung sein?

» Zitronengras » Beiträge: 8478 » Talkpoints: 73,01 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Zitronengras hat geschrieben:Egal, ob man damit nur Probleme hat und die Haltung dann für einen zur Zumutung und Qual wird, Hauptsache man behält das Tier? Und das soll dann für Mensch und Tier die beste Lösung sein?

Wir reden hier aber nicht von Zumutung und Qual, sondern von Nicht-Kuscheln. Übertreib mal nicht. Wenn das Tier wirklich jemandem schadet oder sich beispielsweise die zwei Katzen deiner Tante regelmäßig an die Gurgel gehen würden, müsste eine Lösung her. Aber in der beschriebenen Situation ist keine Lösung notwendig, sondern nur Verantwortungsbewusstsein, Toleranz und Geduld.

Geh doch mal bitte auf die Frage ein, was du mit deinem Kaninchen gemacht hättest, wenn es nicht kuscheln wollen würde? Tierheim? Ein kleiner Käfig ohne Zuwendung. Irgendwann vielleicht ein neues Zuhause, bei dem dann wieder die Besitzer unzufrieden sind und es wieder im Tierheim landet?

Es ist schon klar, dass es schöner ist, wenn Tiere zutraulich sind und man sie hochheben kann und eben einfach interagieren. Aber wenn es nun mal nicht geht. Das Tier ist auf einen angewiesen. Man kann halt nicht immer alles haben, was man will. Und Lebewesen kann man nun mal nicht umtauschen wie ein Mantel, der nicht warm genug ist.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9457 » Talkpoints: 21,72 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Geh doch mal bitte auf die Frage ein, was du mit deinem Kaninchen gemacht hättest, wenn es nicht kuscheln wollen würde? Tierheim? Ein kleiner Käfig ohne Zuwendung. Irgendwann vielleicht ein neues Zuhause, bei dem dann wieder die Besitzer unzufrieden sind und es wieder im Tierheim landet?

Ja, da hätte ich es abgegeben. Ich hatte früher auch mal Meerschweinchen, die mich gebissen haben und in keiner Weise zahm wurden, die habe ich dann auch an jemand anderen abgegeben. Das hätte ich mit dem Kaninchen auch gemacht, wenn es in mir nur einen Futterbeschaffer gesehen hätte und mich ansonsten gebissen oder abgelehnt hätte. Was bringt mir so ein Tier?

Und nein, ich finde das nicht schlimm und böse, wie mir hier unterstellt wird. Es ist normal, dass man Erwartungen an Haustiere hat, genauso wie man Erwartungen an andere Menschen hat und analog, wie man Menschen, mit denen man nicht klar kommt, aus dem Weg gehen würde, kann niemand verlangen, dass man es mit einem Tier aushalten muss, mit dem man nicht klar kommt.

Man muss echt auch mal die Kirche im Dorf lassen. Dir ist schon klar, dass viele Kaninchen bei den Züchtern irgendwann in der Suppe landen oder? Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr scheinheilig, sich darüber zu brüskieren, dass jemand erwägt, ein Tier abzugeben, wenn man mit diesem nicht klar kommt. Man kann es echt auch übertreiben.

» Zitronengras » Beiträge: 8478 » Talkpoints: 73,01 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Es ist normal, dass man Erwartungen an Haustiere hat, genauso wie man Erwartungen an andere Menschen hat und analog, wie man Menschen, mit denen man nicht klar kommt, aus dem Weg gehen würde, kann niemand verlangen, dass man es mit einem Tier aushalten muss, mit dem man nicht klar kommt.

Der Mensch, der deine Erwartungen nicht erfüllt, landet aber nicht im Tierheim. Der sucht sich einfach neue Freunde. Und ja, Erwartungen sind normal. Aber wie man damit umgeht, wenn sie nicht erfüllt werden, steht auf einem anderen Blatt.

Und nein, ich finde das nicht schlimm und böse, wie mir hier unterstellt wird.

Wir unterstellen dir hier gar nichts. Das ist einfach das, was wir empfinden. Ich empfinde es als egoistisch und selbstbezogen. Und mit den Züchtern und ihren Suppenkaninchen hat das gar nichts zu tun. Nur weil andere Menschen scheiße sind, muss ich das nicht auch sein.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9457 » Talkpoints: 21,72 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


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