Risiken bei Knochenmark spenden

vom 27.09.2008, 22:07 Uhr

Ich hab mich vor mittlerweile 12 Jahren typisieren lassen. Ich war gerade 18, es gab da diese Informationsveranstaltung in unserer Schule und ich hielt es für eine gute Idee - auch weil die Typisierungsgebühr damals wegfiel. Ich halte es noch immer für eine gute Idee - warum sollte ich nicht ein Leben retten, wenn es mir möglich ist? Ich würde mir schließlich auch wünschen, dass das jemand für mich tut.

Mein Kollege hat gerade eine Spende an ein Familienmitglied hinter sich. Klar, man fühlt sich ein paar Tage schlapp - aber von Schmerzen hat er bisher nichts erzählt, bzw. das Verfahren hat sich in der Hinsicht mittlerweile ja auch geändert und die Stammzellen werden nicht mehr gleich aus dem Mark genommen.

» Röschen » Beiträge: 4 » Talkpoints: 1,53 »



Ich habe mich gegen eine Typisierung bei der DKMS entschieden, da ich eine Krankheit habe und die im schlimmsten Fall dem Patienten das Leben kosten könnte. Ich habe mich dafür auch ausreichend informiert und auch mit der medizinischen Abteilung der DKMS darüber gesprochen. Dort sagte man mir auch, dass es besser wäre, wenn ich mich dort nicht registieren lassen würde.

Daher habe ich es dann nicht gemacht. Da mir auch das Riskio zu hoch war. Ich denke, dass viele nicht Spender werden, da sie vielleicht eben eine Krankheit haben oder Medikamente nehmen müssen. Viele werden sicher auch Angst vor einer Knochenmarksspende haben, was ich auch durchaus verstehen kann. Es werden wohl nur wenige sagen, dass ihnen das Leben anderer Menschen egal ist und sie daher nicht spenden möchten.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


ich habe mich immer noch nicht typisieren lassen, da ich ein wenig Angst davor habe. Doch eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, mich der Behandlung zu unterziehen! Ich bekomme schon Panikattacken wenn ich nur daran denke, dass mir eine Spritze gesetzt wird! Doch ich kenne viele Bekannte die schon jahrelang in der Spendenkartei aufgenommen sind und auch einen Spendenpass haben, doch keiner von ihnen hatte bereits spenden müssen.

Ich habe auch noch eine Frage. Im Falle, dass ich mich doch noch anders entscheide, um als Spender in Frage zu kommen, wo müsste ich mich dann melden? Beziehungsweise, welche Vorraussetzungen müsste ich dabei erfüllen? Denn ich habe schon einmal gehört, dass ein Spender nicht in die Spendenkartei aufgenommen wurde, aus mir noch unbekannten Gründen! Eigentlich ist es mir unerklärlich, einen möglichen Spender abzuweisen, wenn sie doch so dringen nach Spendern gesucht wird!

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» Biogenetik92 » Beiträge: 158 » Talkpoints: -11,86 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich bin seit 13 Jahren bei der DKMS registriert und habe im letzten Jahr ein kleines Päckchen bekommen. Ich war in der engeren Auswahl und musste mir für zusätzliche Tests Blut abnehmen lassen.

Zusätzlich gab es noch ein Gespräch mit einer DKMS-Mitarbeiterin, die mich über den weiteren Verlauf informiert hat. Man kann jederzeit aussteigen, muss sich aber im Klaren sein, dass man einem Menschen schadet, wenn man zu spät den Rückzieher macht. Wenn die Chemotherapie des Empfängers bereits begonnen hat, gibt es für ihn kein Zurück mehr. Darüber sollte man sich vorher bewusst sein. Da aber immer mehrere geeignete Spender genauer untersucht werden, ist es auch kein Problem wenn man für sich zeitig genug die Notbremse zieht. Es hat auch keine Auswirkungen, wenn man später selbst auf eine Spende angewiesen ist.

» derFuchs » Beiträge: 8 » Talkpoints: 2,33 »



Ich bin nicht typisiert und habe das auch nicht vor, da ich auch keine Knochenmarkspende machen will. Ich will mich da einfach nicht einfach so operieren lassen und auch die oben besprochene Methode, dass man mit Tabletten das Knochenmark ins Blut bekommt käme nicht in Frage für mich, wenn man sich dann "eine Woche lang schlecht fühlt" - ich will mich einfach nicht für irgendjemanden anders, den ich nicht mal kenne eine ganze Woche lang krank fühlen. Ich würde mir das Ganze sicherlich noch mal überlegen, wenn es um enge Verwandte von mir geht aber für Fremde nehme ich das sicherlich nicht in Kauf.

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» pepsi-light » Beiträge: 6018 » Talkpoints: 2,14 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Selbst wenn man sich eine Woche lang krank fühlt, wie pepsi-light es schrieb, heißt das für mich, dass ein anderer sich damit dann nicht nur besser fühlt, sondern vor allem weiterleben kann!

Und oftmals kommt eben von den nahen Angehörigen niemand in Frage und dann müssen nun einmal andere Spender gesucht werden. Wäre ich an Leukämie erkrankt, wäre es auch nicht mein Wille, dass sich jemand eine Woche lang krank fühlt- ich hoffe trotzdem, dass in diesem Falle mein passender Spender dazu bereit wäre!

Ausschlusskriterien gibt es auch, hauptsächlich beziehen sich diese auf schwere Erkrankungen der Organe, bzw. chronische Erkrankungen. Aber auch wer starkes Über- oder Untergewicht hat kommt nicht als Spender in Frage, ebenso nur Menschen zwischen 18 und 55 Jahren. Außerdem gelten teilweise dieselbe Ausschlusskriterien wie beim Blutspenden, die von der Bundesärztekammer festgelegt werden, so kommen zum Beispiel Homosexuelle nicht als Spender in Frage. Die medizinische Abteilung wurde ja schon angesprochen. Wer unsicher, bezüglich seiner Erkrankung ist, kann dort jederzeit nachfragen.

Angst hätte ich wahrscheinlich auch. Ich war noch nie im Krankenhaus und bin ich auch nicht scharf drauf. Aber man geht ja im Fall der Fälle nicht zur Stammzellenentnahme um eine schöne Zeit zu verbringen, sondern um Leben zu retten. Trotzdem wird natürlich versucht, den Eingriff so angenehm wie möglich zu gestalten. Wie die Einzelnen dies empfinden, ist wie bei allen medizinischen Eingriffen wohl völlig unterschiedlich. Es gibt auch Leute, die vom Piercen nichts spüren- ich hingegen merke sehr wohl, wenn eine Nadel in meinen Körper gebohrt wird!

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» Trisa » Beiträge: 3323 » Talkpoints: 38,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Das Problem ist, dass die Leute nicht nach aktuellen Standards aufgeklärt sind. Jeder hat schon mal etwas über Knochenmarkspende gelesen oder im Fernsehen gesehen - vor zehn Jahren. Alle kennen die Bilder, wie sich kerngesunde Leute seitlich auf einen OP-Tisch legen müssen und wie man ihnen unter Vollnarkose mit einem korkenzieherähnlichen Metallgebilde Knochenmark entnimmt und was danach für Schmerzen entstehen.

Ich finde, dass die Deutsche Knochenmarkspenderdatei erhebliche Defizite in ihrer Aufklärungsarbeit aufweist, für die geringe Anzahl an spendewilligen Menschen und die hohe Anzahl an unschlüssigen Menschen sind sie meiner Ansicht nach zu einem großen Teil selbst mit verantwortlich - zum Leidwesen derer, die darauf angewiesen sind. Klar, wenn ich mir das Informationsmaterial schicken lasse, lese ich, dass heutzutage eine Knochenmarkspende mittels einer harmlosen Blutspende getätigt wird, aber soweit kommen ja die wenigsten! Ich muss ja erst einmal grundlegend einen Menschen dazu anregen, überhaupt eventuell Spender zu werden und da ist es oberste Priorität, dieses veraltete Wissen über die Vorgehensweise bei der Entnahme abzubauen.

Das Erste, was den meisten Menschen in den Knopf schießt, wenn sie hören Knochenmarkspende, ist doch dieser schmerzhafte Korkenzieher, diese große OP mit ihren Risiken. Das kann sich jeder denken, das könnte man auch anhand einer Umfrage herausfinden, wenn man es schwarz auf weiß braucht. Und das ist das größte Hindernis an der ganzen Geschichte. Nur deshalb lehnen, ich wette 80% aller Knochenmarkspendengegner, die Spende ab - logisch, dass sie dann keinen Grund darin sehen, sich eingehender damit zu beschäftigen und sich weiteres Info-Material zu besorgen.

Auf die ganzen Wahlplakate und in die ganzen TV-Spots gehören daher für meine Begriffe nicht nur irgendwelche Wattestäbchen, die in Papiertüten gesteckt werden, sondern die Wortgruppe "KEINE OP" - und keine OP-Risiken, denn das ist das, wovor die Leute die meiste Angst haben und was sie abschreckt. Vor einer Blutentnahme haben deutlich weniger Leute Angst als vor einer ganzen OP. Also frage ich mich, wieso die DKMS nicht von selbst daraufkommt. Schön und gut, dass der Weg der Typisierung so schön einfach ist, aber die Leute denken weiter als bis dahin.

» Mandragora » Beiträge: 1763 » Talkpoints: 0,49 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



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