'Ärger' vom Arzt bekommen, wenn man keinen Sport treibt?

vom 15.10.2014, 20:33 Uhr

Ich muss gestehen, dass ich ein absoluter Sportmuffel bin. Ich kann Sport absolut nicht ausstehen und von daher übe ich auch keine Sportart aus. Dennoch bekomme ich immer genügend Bewegung, da ich jeden Tag raus gehe, ich oftmals den ganzen Tag unterwegs bin und auch noch weite Strecken zu Fuß gehe weil ich kein Auto habe. Ich gehe auch viel spazieren und nehme beispielsweise auch nie Aufzüge.

Bei mir ist es auch so, dass ich sogar untergewichtig bin, obwohl ich nicht aktiv Sport mache und von daher sehe ich es erst recht nicht ein, mich zu quälen. Allerdings ist es regelmäßig so, dass ich sowohl vom Hausarzt, als auch vom Orthopäden regelmäßig "Ärger bekomme", wenn sie mich fragen, ob ich Sport mache. Oftmals kommt diese Frage auf, wenn mein Sprunggelenk angeschaut wird, weil ich das vor Jahren mehrfach schlimm gebrochen hatte und eben auch noch einiges an Metall drin habe. Dabei schauen sich die Ärzte auch immer gerne die Muskulatur an meinen Waden an, die nun nicht sonderlich ausgeprägt ist und danach kann ich mir regelmäßig eine Standpauke anhören, dass ich doch Sport machen solle und dass ich kaum Muskeln hätte.

Diese Standpauke kommt jedoch nicht nur bei Routineuntersuchungen, sondern auch dann, wenn ich gezielt mit irgendwelchen Gelenkschmerzen zum Arzt gehe. Sobald ich zugebe, dass ich nicht aktiv Sport mache, scheinen die Ärzte mir nicht mehr zuzuhören, sondern sie schieben alle meine Beschwerden dann automatisch auf Bewegungsmangel, ohne dass ich dann richtig weiter zu Wort komme. Das ärgert mich dann doch sehr. Auch wenn ich nicht regelmäßig Sport mache, finde ich die Reaktionen doch übertrieben und ich fühle mich wie ein Kleinkind. Immerhin wäre es ja anders, wenn die Ärzte mir raten würden, Sport zu machen, aber mich gleich deshalb zu kritisieren finde ich dann nicht so toll.

Ist es normal, dass man "Ärger" vom Arzt bekommt, wenn man keinen Sport treibt? Machen das alle Ärzte so?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 31279 » Talkpoints: 219,32 » Auszeichnung für 31000 Beiträge



Es machen nicht alle Ärzte so, aber es zeigt dir doch, dass deine Ärzte Interesse daran haben, dass dein Körper gesund bleibt. Ich war bis vor Kurzem auch ein Sportmuffel, ich habe lange pausiert und mein Körper hat sich irgendwann gerächt. Ich hatte teilweise echt unheimlich große Schmerzen, mittlerweile sind die Schmerzschübe deutlich zurückgegangen.

Mittlerweile mache ich wieder Sport und ganz viele meiner Schmerzen sind verschwunden, deswegen kann ich die Aussage deiner Ärzte nachvollziehen. Gerade wenn du immer mit Gelenkschmerzen auftauchst, solltest du zumindest leichte Bewegungsübungen in Erwägung ziehen, aber viele sind einfach zu faul, um zu verstehen, dass zwischen Schmerzen und Bewegungsmangel ein Zusammenhang bestehen kann.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 10649 » Talkpoints: 67,19 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Viele Menschen glauben ja fälschlicherweise, Mangel an Sport und Übergewicht würden Hand in Hand gehen. Wenn man nur Sport macht, wird man das Übergewicht leider auch nicht los und Sport gilt nicht deswegen, als so empfehlenswert und gesund. Jemand der Sport macht, der lebt einfach gesünder, Sport hat jede Menge positiver Eigenschaften auf den Körper. Wirklich ungesund ist ja nicht das Fett, was man an Bauch und Hüfte ansammelt, sondern das Fett, was sich um die Organe tummelt. Und dieses Fett kann man auch haben, ohne übergewichtig zu sein, man ist also ''innerlich fett''.

Eine Doku habe ich dazu mal geschaut, da fand ich es schon sehr erschreckend. Ein CT wurde bei zwei Personen gemacht, die eine war moppelig, die andere nicht und am Ende kam raus, dass die moppelige Person gesünder und fitter ist, als die andere, denn diese hatte innerlich um die Organe viel Fett angesammelt. Da zeigt sich mal wieder die Wichtigkeit von Sport und gesunder Ernährung, rein äußerlich kann man nicht darüber urteilen, wie fit und gesund jemand ist. Auch eine Person mit Hüftring kann gesünder sein, als jemand ohne.

Und so ist es bei Untergewicht auch, dass ist auch alles andere als gesund, dass wird mir beim Arzt auch jedesmal gepredigt. Wer glaubt Untergewicht wäre besser, als Übergewicht, der irrt sich, denn die Lebenserwartung für Untergewichtige ist deutlich kürzer, als die für Übergewichtige. Sport ist nicht dafür da um Körperfett abzubauen, dass ist nur ein gesunder Nebeneffekt. In erster Linie ist es für viele positive Auswirkungen im Körper notwendig, die unsere Lebenserwartung steigern können und das Risiko an bestimmten Krankheiten zu erkranken minimiert.

Das Gelenkschmerzen auf Sportmangel zurückzuführen sind, dass könntest du dir eigentlich auch selbst denken. Jemand der auch mit 60 noch aktiv Sport macht der wird wohl kaum darüber klagen können, während jemand der kein Sport macht, vermutlich schon mit Mitte 20 darüber meckern wird. Und für mich ist das eben so, wie mit dem Rauchen, wenn die Ursache klar ist, ist auch keine Therapie notwendig, so lange der Patient sein Verhalten nicht ändert. Ein Arzt kann dir 10mal die Knochen zusammenflicken, aber wenn du danach immer noch von der Klippe stürzt, ist dir damit nicht geholfen.

Ich als Arzt wäre auch sehr unmotiviert jemandem zu helfen, der dauernd kommt und sich über Dinge beschwert, die ganz klar auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind. Wenn die Beschwerden wirklich so schlimm sind, dann sollte der Patient eben mit Sport anfangen, egal ob es Spaß macht oder eben nicht. Es gibt natürlich Ärzte, die dir nichts sagen und dich mit Pillen vollpumpen werden, ein anderer wird dann an deiner kaputten Leber verdienen. Aber jedem normalen Arzt tut es weh zu sehen, dass die Leute sich mit mangelndem Sport oder Rauchen kaputt machen und dann wegen solcher Beschwerden rein kommen.

Ich kann das Verhalten deines Arztes daher gut verstehen, ich bin auch schon von einem Orthopäden wegen mangelnder Kniemuskulatur angemeckert worden. Aber hätte ich nicht angefangen Sport zu machen, hätte ich jetzt immer noch Schmerzen in den Knien und würde weiter zum Arzt laufen und mir Pillen verschreiben lassen. Die Lösung des Problems ist also einfach.

» Crispin » Beiträge: 14936 » Talkpoints: 6,73 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



"Irgendwelche Gelenkschmerzen" sind in jungen Jahren sicher nicht normal, da ist es doch kein Wunder, wenn ein Arzt nach den Ursachen schaut. Die Frage nach dem Sport liegt nah, weil ja auch falsche Belastung beim Sport zu Problem führen kann.

Und ja, Muskeln sind wichtig. Da du ja studierst wirst du viel Zeit im Sitzen verbringen. Dafür brauchst du bestimmte Muskelgruppen im Rücken und Bauch um die Wirbelsäule zu stabilisieren und Rückenschmerzen vorzubeugen. Wenn du Probleme mit anderen Gelenken hast liegt der Verdacht auch nahe, dass dir in diesen Bereichen die Muskeln fehlen, die die Gelenke eigentlich stabilisieren und vor einer falschen Belastung und längerfristig einer Abnützung schützen.

Ich habe noch nie Ärger mit meinem Arzt bekommen. Ich treibe regelmäßig Sport, also fällt der Grund schon mal weg. Und ich bin beim Sport nicht unvernünftig. Ich hatte bisher eine Sportverletzung, die aber auch eher auf "dumm gelaufen" als auf mein eigenes Verschulden zurück zu führen war.

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» Cloudy24 » Beiträge: 22721 » Talkpoints: 55,00 » Auszeichnung für 22000 Beiträge



Ich mache auch nicht wirklich viel Sport, aber Ärger habe ich von meinem Arzt deshalb noch keinen bekommen. Ich finde es zwar gut, wenn ein Arzt sich eben bei Beschwerden die Mühe macht, umfassend nach Ursachen zu suchen, aber ich kann es auch etwas verstehen, dass du es nicht so toll findest, angemeckert zu werden, weil du keinen Sport machst. Sicher ist Sport nicht unwichtig und die Gelenke werden durch richtige Übung auch gestärkt.

Gerade bei Beschwerden würde es also sicher nicht schaden, auf den Arzt zu hören. Nicht jeder Arzt wird so reagieren, das ist klar, aber nicht jeder Arzt kümmert sich auch gleich gut um seine Patienten. Da muss man einfach schauen, was einem wichtiger ist.

» Barbara Ann » Beiträge: 27118 » Talkpoints: 40,87 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Ich denke, dass die Ärzte da auch durchaus eine Indikation haben, wenn du schon Probleme hattest und es so vielleicht besser werden würde. Außerdem kann es ja nicht schaden Sport zu treiben und ein paar Muskeln aufzubauen. Wenn du immer wieder wegen Gelenkschmerzen zum Arzt musst, kann dir Sport ja vielleicht ein bisschen Linderung verschaffen. So ganz böse sollte man deswegen nicht sein, wobei ich schon verstehen kann, dass dich das Ganze ärgert.

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» Ramones » Beiträge: 39397 » Talkpoints: 39,04 » Auszeichnung für 39000 Beiträge


Muskeln entlasten die Gelenke und Bänder. Daher ist es sinnvoll, in solchen Fällen als Arzt zum Sport zu raten. Denn wirklich helfen kann der Arzt anders nicht. Schmerzmittel lösen das Problem nicht, sie kaschieren nur die Folgen. Selbst Patienten mit starker Arthrose, denen jede Bewegung Schmerzen bereitet, profitieren vom Muskelaufbau und spüren eine deutliche Linderung.

Eine gute Muskulatur am Rücken und am Bauch entlasten die Bandscheiben um bis zu 40 Prozent. Starke Beine nehmen über 30 Prozent der Belastung vom Knie. Das bedeutet, dass Probleme erst viel später auftreten und weniger Probleme machen. Und es funktioniert. Eigentlich sollte ich seit mindestens 10 Jahren eine neue Hüfte haben, aber ich brauche noch nicht einmal Schmerzmittel.

» cooper75 » Beiträge: 11304 » Talkpoints: 433,26 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich habe noch keinen Ärger vom Arzt bekommen, weil ich keinen oder zu wenig Sport mache. Ich bin noch nicht mal nach meinen sportlichen Aktivitäten gefragt worden, wenn ich es recht bedenke. Aber ich habe auch noch nie Probleme mit Rückenschmerzen oder mit den Gelenken oder Muskeln gehabt, sodass es gar keinen Grund gegeben hat, da nachzufragen.

Ich sehe aber durchaus ein, dass Sport sinnvoll ist und Belastungen oder gesundheitlichen Problemen vorbeugen kann sofern der Sport regelmäßig und richtig ausgeführt wird. Ob "Ärger" vom Arzt da allerdings hilft, bleibt fraglich. Das funktioniert doch nur, wenn man eine gute Bindung zum Arzt hat, meiner Ansicht nach ist aber die Meinung der direkten und engen Angehörigen viel relevanter, wenn es darum geht, sein Gesundheitsverhalten zu ändern. Wobei da zusätzlich noch eine Kosten-Nutzen-Abwägung hinzu kommt und die eigenen Selbstwirksamkeitserwartungen.

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» Täubchen » Beiträge: 31906 » Talkpoints: 4,42 » Auszeichnung für 31000 Beiträge


Ich halte es für herablassend und unangemessen, wenn erwachsene Leute "Ärger" beim Arzt bekommen, egal weswegen. Schließlich weiß heute jeder, dass zum Beispiel Alkohol und Zigaretten schlecht für die Gesundheit sind, Bewegung das A und O für so ziemlich alles, und dass anhaltendes starkes Übergewicht dich früher ins Grab bringen als nötig.

Von daher halte ich es zwar für sinnvoll, wenn man die Ursachen für seine gesundheitlichen Pläne auch sachlich mitgeteilt bekommt, und wenn die Patienten um Hilfe beim Entgiften oder Abnehmen ersuchen, sollen sie diese im Idealfall auch bekommen und nicht mit einem mageren "Dann müssen Sie eben Sport machen/weniger Bier trinken/nicht mehr rauchen!" abgespeist werden, wie es ja nur zu oft vorkommt. Aber "Ärger" oder schimpfen empfinde ich als unangemessen, da die Leute ja im Regelfall wissen, wo das Problem liegt und eher mit Trotz oder Wut reagieren, wenn man sie auch noch zusammenstaucht.

Bei manchen Ärzten habe ich zudem den Eindruck, dass diese alle möglichen Wehwehchen unter der gleichen Ursache zusammenfassen, sodass man immer zu hören bekommt, man möge mehr Sport treiben oder das Problem liege an den "Hormonen", egal ob man Halsweh hat, geprellte Rippen, Ausschlag oder Bindehautentzündung.

» Gerbera » Beiträge: 7794 » Talkpoints: 8,67 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


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