Schafft ihr es irgendwelche Gefühle zu unterdrücken?

vom 18.08.2012, 22:09 Uhr

Gefühle können ja manchmal wirklich stören. Da fängt man bald an zu heulen, weil man wütend oder traurig ist und das ist genau dann, wenn man es nicht gebrauchen kann. Auch habe ich schon mal das Gefühl gehabt, dass ich lachen muss und das passte irgendwie gerade überhaupt nicht. Da schwärmt man für einen Jungen und wenn man ihm gegenübersteht, dann hat man ein dummes Grinsen im Gesicht. Oh, Mann ist das peinlich.

Wie kann man seine Gefühle unterdrücken, die man gerade hat? Wie schafft man es seine Gefühle zumindestens nicht zu zeigen? Kann man in eurem Gesicht auch lesen wie in einem offenen Buch, was Gefühle betrifft? Was macht man dagegen?

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» MissMarple » Beiträge: 6772 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Das sind doch recht schwierige Fragen. In meinem Gesicht kann man selten etwas lesen, was mir auch schon oft vorgeworfen wurde: Du zeigst deine Gefühle ja gar nicht! Ich wurde regelrecht so erzogen, dass man nicht jedes noch so kleine Gefühl zeigen muss. Bzw. sagen wir das anders. Als Kind habe ich mich oft durch Heulen bemerkbar gemacht und dann meist auch meinen Willen bekommen. Allerdings ging das immer mit dem Spruch einher, dass der Rest der Familie es bitte nicht so weit treiben soll, bis "wieder einer heult". Tja, und dann kamen eben die Schicksalsschläge.

Ich gebe dir vollkommen recht, dass es manchmal einfach unpassend ist, seine Gefühle zu zeigen, aber es kann auch genauso unpassend sein, wenn man sie nicht zeigen kann. Man muss versuchen den goldenen Mittelweg zu finden. Versuche doch mal, wenn du ein Gefühl nicht zeigen willst, dass du einfach an etwas anderes denkst.

» musicality » Beiträge: 809 » Talkpoints: 1,77 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Wut und Trauer oft unterdrücke. Aber man merkt es mir trotzdem an, da ich eigentlich sehr temperamentvoll bin. Ich bin außerdem sehr nah am Wasser gebaut und mir fließt öfters mal ein Tränchen aus dem Auge, das versuche ich einfach zu unterdrücken. Es fühlt sich einfach nicht richtig an, vor fremden Personen zu weinen. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen sich nicht in mich hineinversetzen können, wenn ich wegen etwas bestimmten weine. Bei meinem Partner und bei meinen Freunden fällt es mir wesentlich einfacher zu weinen.

Wut unterdrücke ich oft, wenn ich "unterwegs" bin. Beispielsweise wenn ich "dumme Menschen" sehe. "Dumm" sind für mich Menschen, die einfach so handeln. Es geht mir nicht um Menschen, die nicht so gebildet sind. Ich mag es überhaupt nicht, wenn sich eine Person das Recht nimmt, sich über Randgruppen wie Obdachlose oder Behinderte lustig zu machen. Ich springe nicht auf und sag den Menschen meine Meinung, aber innerlich ärgere ich mich sehr.

Ich ärgere mich auch im Straßenverkehr, beispielsweise wenn Stau auf der Autobahn ist und irgendwelche Autofahrer zehn Mal die Spur wechseln oder auf der Standspur überholen, um weiter vorne zu sein. Für mich ist so ein Verhalten wirklich unerklärlich, aber anstatt einen Tobsuchtsanfall zu bekommen, schlucke ich meine Wut herunter, da ich an der Situation nichts ändern kann.

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» soulofsorrow » Beiträge: 8544 » Talkpoints: 2,49 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich denke da ist jeder Mensch recht individuell. Grundsätzlich bin ich einer der Menschen, die ihre Gefühle auf der Zunge tragen, trotzdem weiß ich jedoch, wann ich sie am besten für mich behalte - und dann tue ich das auch wirklich. Die meisten Menschen in meiner Umgebung sehen mir meine Gefühle nicht an, irgendwie kann ich so wohl doch so gut verbergen, dass keiner dahinterkommt. Dies gelingt mir jedoch nicht bei Menschen, die mich sehr gut kennen, dieses können in meinem Gesicht oft lesen wie in einem offenen Buch.

Natürlich ist es schwierig Gefühle zu unterdrücken und gar nicht erst aufkommen zu lassen, ich bin aber auch der Ansicht, dass es garnicht so gut ist, immer alles zu unterdrücken und von sich weg zu schieben. Jahrelang habe ich eine Sache, die mich sehr belastet hat, immer wieder weg geschoben, verdrängt und versucht zu vergessen. Umso härter traf es mich dann in einem Moment, in dem ich etwas anfälliger war und dann ging es mir erst richtig schlecht. Gerade solche negativen Gefühle sollte man jedoch nicht zu lange unterdrücken, sich damit auseinander zu setzen ist zwar nicht immer schön und leicht, bessert die Gefühlslage auf Dauer aber erheblich mehr, als dauerhaftes Unterdrücken.

Zum Unterdrücken positiver Gefühle, beispielsweise dem verliebt sein: Es ist sehr schwierig das zurück zu halten und ich glaube so richtig schafft das keiner. Im Grunde ist es doch aber auch nichts, wofür man sich schämen muss. Außerdem denke ich, je älter man wird, desto besser hat man sich Gefühlstechnisch im Griff und es ist vielleicht nicht gleich für jedermann offensichtlich, was einem gerade so im Kopf herumgeht.

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» Punklady1989 » Beiträge: 869 » Talkpoints: 2,84 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Jetzt kann ich meine Gefühle sehr gut unter Kontrolle halten. Vor einigen Jahren war das allerdings nicht der Fall. Nach der Geburt meiner ersten Tochter bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Ich war ständig traurig und wusste nicht warum. Wenn ich Nachrichten gesehen habe, musste ich plötzlich anfangen zu weinen, weil sie eine traurige Geschichte gezeigt haben. Es ging bestimmt 2 Monate lang. Mein Mann hat sich gar nicht mehr getraut mich anzusprechen, weil ich mich immer angegriffen und unverstanden gefühlt habe Zum Glück ging es nach 2 Monaten wieder vorbei.

Jetzt weiß ich auch, dass ich an postpartale Depression gelitten habe. Und davon sind sehr viele Frauen betroffen. Es kann auch schon länger dauern bis die hormonelle Veränderung nach der Geburt sich wieder stabilisiert.

» natascha19821 » Beiträge: 68 » Talkpoints: 25,66 »


Ich bin sicherlich nicht der emotionalste Mensch auf dieser Welt und vielleicht hilft mir ja auch gerade das, aber ich schaffe es eigentlich sehr leicht, meine Gefühle, welche es auch immer gerade sein mögen, zu unterdrücken. Ich bin ein Mensch mit einem hohen Grad an Selbstbeherrschung und wenn ich mir etwas in den Kopf setze, auch wenn es ein bestimmtes Verhalten ist, dann reiße ich mich ganz einfach so sehr am Riemen, dass ich meine eigenen Erwartungen auch erfülle. Für alles andere würde ich mich ehrlich gesagt auch schämen, weil ich dann ja nicht einmal in der Lage wäre, meine eigenen Anforderungen zu erfüllen.

Wenn ich in der Öffentlichkeit plötzlich und ohne Vorwarnung traurig werde, was bei mir schon ziemlich häufig vorkommt, dann bemerke ich dies zumeist sehr zeitnah. Da ich in der Öffentlichkeit niemals ein Gefühl zeigen würde, normalisiere ich meinen Gesichtsausdruck wieder und konzentriere mich, wenn ich dabei Probleme habe, auf einen bestimmten Gegenstand oder auf eine Person. Oder was auch immer sich gerade in der Nähe finden lässt. Dann analysiere ich dieses Objekt meistens in meinem Kopf, was mich wieder zu einer neutralen Gefühlslage bringt.

Bei Gefühlen der Trauer fällt es mir am einfachsten, meine Gefühle vor anderen Leuten zu verbergen. Das mag aber auch ganz einfach daran liegen, dass ich mit ihnen regelmäßig konfrontiert werde. Schwerer ist es da schon bei Gefühlen der Wut. Manchmal muss ich einfach für kurze Zeit die Situation verlassen, wenn ich wütend werde, um mich ein wenig wieder zu beruhigen. Manchmal reicht es mir aber auch schon, wenn ich zu mir selber sage, dass die Person, auf die ich wütend bin, es überhaupt nicht wert ist, dass ich auch nur einen einzigen Gedanken an sie verschwende. Dann werde ich auch wieder ruhig.

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» olisykes91 » Beiträge: 5270 » Talkpoints: 63,67 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Ich würde es gerne schaffen, kann es aber leider nicht. Als Kind hat mich immer schon gestört, dass ich so leicht angefangen habe zu weinen. Meine Geschwister haben mich immer ausgelacht und mich eine Heulsuse genannt.

Ich bin dabei, Autogenes Training zu lernen und hoffe, damit meine sichtbaren Gefühlsregungen in den Griff zu bekommen. Ich habe ja nichts gegen die Gefühle, aber manchmal möchte man sie einfach nicht allen offenbaren. Gerade im Beruf ist eine Pokerface oft von Vorteil.

» anlupa » Beiträge: 10355 » Talkpoints: 0,10 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Ich habe das perfekte Pokerface und wenn ich es nicht möchte, dann bekommt niemand etwas von meinen wahren Gefühlen mit. Ich kann irgendwie sehr gut meine Gefühle verstecken und sogar Leute, die mich sehr gut kennen, liegen da oftmals sehr falsch und haben keine Ahnung von dem, was wirklich gerade in mir vorgeht.

Gefühle wirklich verdrängen kann man wohl aber nicht, zu mindestens nicht dauerhaft. Sich davon abzulenken ist natürlich etwas ganz anderes und das klappt bei mir auch gut. Sei es mit einer Party, Sport oder mit Arbeit, wenn ich eins davon mache, dann kann ich meine wahren Gefühle für einige Zeit vergessen und mache mir darüber keine Gedanken mehr. Früher habe ich auch immer versucht meine Gefühle dauerhaft zu unterdrücken, aber das funktioniert meiner Meinung nach nicht so gut und ist vor allem auch nicht zu empfehlen, da dadurch auf die Dauer Probleme entstehen, wenn man das alles nicht verarbeiten kann.

» Wunschkonzert » Beiträge: 6469 » Talkpoints: -0,15 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Gegenüber fremden Menschen oder gegenüber Menschen, mit denen ich nicht unbedingt auf einer Wellenlänge liege oder mit denen ich einfach nicht so vertraut bin, kann ich wunderbar meine Gefühle verbergen. Immerhin möchte ich einfach nicht jedem Menschen gleich mein Innerstes offenbaren und meistens denke ich mir in solchen Situationen auch, dass es besser ist, zu schweigen. Gerade dann, wenn man wirklich wütend ist, dann bringt es meistens auch nichts, auszurasten und meistens wird die Situation dann auch nur noch schlimmer. Zudem bin ich auch gar nicht der Typ, der so aus sich herauskommen kann und wenn mich fremde Leute wütend machen, dann lasse ich das ganz einfach nicht an mich heran.

Wenn mich jemand kritisiert oder mir einen blöden Spruch an den Kopf wirft, dann lasse ich das nicht an mich heran. Glücklicherweise habe ich die Gabe, bei so etwas einfach abzuschalten und wenn jemand etwas gegen mich sagt, dann interessiert mich das meistens auch nicht, sofern es nicht eine Person ist, die mir sehr wichtig ist. Ich denke einfach an etwas anderes und meistens denke ich mir dann auch, dass mir die Meinung anderer egal sein kann, da mir die Meinung genau dieser Personen nicht wichtig ist. Gerade fremde Personen sind mir nicht wichtig und deshalb ist es mir egal, ob sie mich mögen oder nicht, sofern ich Leute um mich herum habe, die mich mögen und die mich unterstützen.

Bei Freunden oder bei meiner Familie ist es bei mir jedoch anders und da ist es dann durchaus so, dass ich auch meine Gefühle nicht verbergen kann. Das möchte ich dann aber auch gar nicht, da ich weiß, dass ich mich vor diesen Menschen nicht zu verstellen brauche. Von daher habe ich kein Problem damit, zu weinen oder zu schreien, wenn es mir damit besser geht. Manchmal müssen die Gefühle ja auch einfach raus und es ist nicht gut, diese immer zu unterdrücken. Und gerade bei Menschen, die hinter einem stehen, kann man das auch machen, wenn man es für angebracht sind. Wenn es sich um gute Freunde handelt, dann werden sie dennoch hinter einem stehen.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 29324 » Talkpoints: 310,44 » Auszeichnung für 29000 Beiträge


Als Kind war ich auch eine ziemliche Heulsuse und wurde sehr oft deswegen gehänselt. Das hat mich sehr belastet und ich wollte damals immer weniger sensibel sein, obwohl Sensibilität an sich ja auch was gutes ist. Damals habe ich das aber anders empfunden. Irgendwann wandelte sich das und ich fing an zu strahlen und zu lachen, wenn ich eigentlich heulen wollte. Irgendwann wurde ich sogar so gut darin, dass niemand merkte, dass ich in Wirklichkeit depressiv war. In dieser Hinsicht konnte ich mich also gut verstellen.

Es kam bei mir aber auch oft darauf an, mit wem ich in welcher Situation zu tun hatte. Wenn mein Vater mir beispielsweise eine Standpauke früher hielt, neigte ich auch gerne dazu, zu weinen. Aber irgendwann habe ich es geschafft, ein wirkliches Pokerface aufzusetzen, sodass er gar nicht gemerkt hat, wie hart mich seine Worte getroffen haben. Das habe ich aber nur geschafft, weil ich mich gar nicht auf ein Gespräch mit ihm eingelassen habe.

Wenn ich nämlich anfange auf Gemeinheiten zu reagieren und darauf zu antworten, nehme ich mir das sofort zu Herzen und dann machen mich Worte noch schneller fertig. Da ist es leichter für ein Pokerface, so zu tun als interessiere einen gar nicht, was das Gegenüber sagt. Zumindest hilft das bei mir. Aber manchmal sagt das Gegenüber Dinge, die man gar nicht zum Schein ignorieren kann und man reagiert automatisch, auch wenn man das nicht will. Daher muss ich an meinem Pokerface noch arbeiten und es perfektionieren.

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» Olly173 » Beiträge: 14703 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


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