Muss man verletzten betrunkenen Personen direkt helfen?

vom 31.07.2011, 15:43 Uhr

@hooker. Hier geht es um einen eventuell betrunkenen, der eine Kopfwunde hat und nicht um einen betrunkenen, der glaubt schon zu hause zu sein und es sich irgendwo gemütlich gemacht hat. Wenn morgens um 8 Uhr ein betrunkener mit Kopfwunde vor deiner Tür liegt, würdest du wahrscheinlich auch den Notruf tätigen, oder? Es geht ja doch um einen verletzten Menschen und nicht nur um einen betrunkenen Menschen.

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» Diamante » Beiträge: 41857 » Talkpoints: 9,96 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich verstehe auch nicht so ganz, hooker, was du meinst, das ist meiner Meinung nach doch eine komplett andere Situation als hier beschrieben. Und ich kann auch nur noch einmal sagen, dass Person A einfach moralisch nicht richtig sich verhalten hat, egal ob man da jetzt zur spät zur Arbeit gekommen wäre oder nicht, für mich persönlich ist dieses Verhalten einfach nicht akzeptabel. Und ich muss auch Trisa Recht geben, es gibt manchmal auch andere Gründe für Betrunkenheit als das reine Sich-Gehenlassen.

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» fcbtill » Beiträge: 4717 » Talkpoints: 21,78 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Wie ihr meint, die Eingangsfrage war ja ob man helfen muss. Sicherlich kann man per Handy einen Notruf abgeben falls man eins dabei hat aber anfassen würde ich so einen Typen niemals und damit ist es auch aus mit einer direkten Hilfeleistung. Mal abgesehen davon dass er vollgeschissen und vollgekotzt ist so wie es beschrieben wurde, im Trinkermilieu grassieren viele nette Krankheiten von Diabetes, Tuberkulose und AIDS und da will ich mich absolut nicht infizieren. Ich denke auch wir sind uns einig dass man einen Gewohnheitstrinker von einen normalen Betrunkenen unterscheiden kann. Ich weiß dass so etwas moralisch verwerflich ist, aber ich bin jedenfalls ehrlich.

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» hooker » Beiträge: 7236 » Talkpoints: 52,47 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



hooker, es geht nicht darum, was man machen könnte, sondern wozu man gesetzlich verpflichtet ist. Somit ist es nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch gesetzlich. Und man infiziert sich nicht mit AIDS, sondern höchstens mit HIV und das garantiert nicht, wenn man telefoniert. Nun auch noch Angst vor einer "Diabetes-Infektion" zu haben, zeugt schon von ganz großem Unwissen.

Von vollgeschissen und vollgekotzt lese ich erstmals von dir. Davon war nie die Rede. Es hieß, dass Person A einen Geruch wahrnahm. Dieser kann zig Ursachen haben. Und wenn ich dir eine Alkoholflasche auf dem Kopf zertrümmere, würdest du auch nach Alkohol riechen, dafür muss man diesen nicht einmal selbst konsumiert haben.

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» Trisa » Beiträge: 3175 » Talkpoints: 61,74 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



@hooker. Dann wünsche ich mir für dich, dass du niemals überfallen wirst und dir jemand eine Flasche mit Korn oder sonstigem Fusel über den Kopf schlägt. Auch wünsche ich mir für dich, dass, sollte es doch passieren, dann jemand genauso denkt wie du. Vielleicht überdenkst du dann deine Hilfsbereitschaft. Es ist und bleibt deine Pflicht zu helfen. Egal, ob du meinst, dass der Mensch betrunken ist. Und ich würde wirklich mal Information einholen an deiner Stelle. Diabetes ist keine Infektionskrankheit. Keine Angst also. Du wirst dich nicht mit Diabetes anstecken können.

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» Diamante » Beiträge: 41857 » Talkpoints: 9,96 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Sorry, kleiner Tippfehler. Ich wollte Hepatitis schreiben. Ich weiß schon was sich hinter einer Diabetes verbirgt. Ansonsten Danke für die guten Wünsche.

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» hooker » Beiträge: 7236 » Talkpoints: 52,47 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


@ hooker
Seit wann ist Diabetes ansteckend?

@karlchen66
Ich habe nur versucht dir eine Situation zu schildern, die jedem von uns passieren kann. Ich habe sie bewusst in der Nacht angesiedelt, weil das die beste Erklärung ist, warum wenig auf den Straßen los ist. Meine Situation kann auch tagsüber geschehen. Aber da sind in der Regel halt auch genügend andere Menschen unterwegs, die vielleicht besser helfen können. Mir ging es aber bewusst darum, wie schnell man selbst in die Situation kommen kann, wie es sich anfühlen könnte, wenn es einem selbst passiert und so weiter. Deshalb noch mal meine Frage: Wie würdest du dich fühlen, wenn du hilflos irgendwo liegst und keiner kümmert sich um dich?

Ich habe auch das Gefühl, du willst dein Handeln unbedingt rechtfertigen und das um jeden Preis. Hier kamen einige Argumente, die an sich auch mal zum Nachdenken anregen könnten, trotzdem beharrst du mal wieder darauf, dass deine Entscheidungen immer richtig sind. Kann man über ein paar Punkte nicht auch mal nachdenken und seine Entscheidungen überdenken, statt einfach immer zu sagen, alle anderen haben unrecht?

Zur Thematik generell. Im Grund kann ich dich verstehen, nur deine Argumente nicht. Ich persönlich verhalte mich da meistens sicherlich auch nicht richtig. Was ich aber generell auch für ein gesellschaftliches Problem halte. In meiner Stadt gibt es viele Obdachlose oder halt Menschen die bevorzugt auf der Straße leben. Und ein Teil, nicht alle, haben sicherlich auch ein Problem mit Alkohol. Vielleicht auch anderen Drogen, da bin ich aber zu naiv zu, ich würde einen Joint wahrscheinlich noch nicht mal wirklich erkennen.

Hier kommt es schon mal vor, dass die irgendwo liegen. Unbeachtet oder die Leute ziehen komisch sehend an ihnen vorbei. Und ich schäme mich, da ich nun zugeben muss, dass ich versuche da nicht hinzusehen und auch weitergehe. Aber ich stelle in den letzten Jahren immer wieder fest, dass ich mich später immer mit Vorwürfen plage und mich frage, hätte ich was machen müssen? Wobei ich meistens kein Handy dabei habe und auch keine Erste Hilfe leisten könnte. Aber ich danke an der Stelle mal kochanie, die da wirklich ein paar passende Worte zu gesagt hat. Ich denke, sie hat mit ihrer Aussage, dass auch Reden helfen kann, wirklich recht.

Ich frage mich nach solchen Situationen oft, wie würde ich mich an der Stelle fühlen. Und leider weiß ich, wie es ist, wenn man hilflos alleine gelassen wird. Und das wünsche ich wirklich keinem. Meistens sehe ich so Leute auch nur aus dem Augenwinkel. Und meistens ist da schon Hilfe dabei. Dann bin ich der Frage dann eh enthoben. Mir machen so Situationen allerdings auch Angst. Wobei das nicht die Ängste sind, die hier genannt wurden. Das man sich auch eine ansteckende Krankheit holen könnte, ist mir in so Situationen an sich nie bewusst. Ich kann meine Ängste aber auch nicht beschreiben. Angst was falsch zu machen. Angst das der Mensch mit mir schimpft ( ja klingt doof). Wobei ich eh Probleme habe mit dem zwischenmenschlichen Umgang, wenn er von Angesicht zu Angesicht statt findet. Online macht mir das weniger Angst. Ok Online kann man das wegklicken.

Ich erinnere mich aber an eine Situation, in der ich Hilfe angeboten bekam und das einfach nur schrecklich fand und ich mich fürchterlich geschämt habe. Allerdings zeigt die Situation auch wie wenig Menschen es interessiert, was um einen herum passiert. Ich stand heulend vor dem Krankenhaus. Ok so was kommt bei mir öfters vor, aber da denke ich schon manches Mal, hoffentlich spricht mich nun keiner an. Die Situation war aber extremer und ich weinte echt bitterlich vor dem Krankenhaus und distanzierte mich auch von der Bushaltestelle, zu der ich an sich wollte und stellte mich ein Stück entfernt. Halt so, dass ich den Bus hätte kommen sehen. Mir die Tränen hätte weg wischen können und die Schmach nicht im Bus gehabt hätte. An der Bushaltestelle standen auch viele Leute. Generell laufen dort viele Leute lang, weil der Parkplatz gegenüber ist. Irgendwann kam eine Frau auf mich zu und fragte total lieb, ob sie mir helfen kann. Und ich habe mich so geschämt da weinend zu stehen. Ähnlich würde ich mich wahrscheinlich auch fühlen, wenn ich verletzt irgendwo liegen würde. Deshalb denke ich auch, vielleicht fällt es mir so schwer, verletzte Menschen anzusprechen, weil ich Angst habe, sie fühlen sich vielleicht gestört? In ihrem Intimsphäre berührt? Schämen sich? Das ist keine Ausrede, ich überlege nur warum.

Zu dem Thema auf dem Weg zum Arbeitsplatz oder keine Zeit oder so. Wenn man einmal zu spät kommt und die Geschichte erzählt, werden die wenigsten Chefs wirklich toben. Falls doch, kann man die Geschichte an sich ja leicht belegen. Aber im Endeffekt sollte man sich halt überlegen, was einem die Sache Wert ist. Mir wäre mein moralisches Gewissen wohl wichtiger.

» LittleSister » Beiträge: 10484 » Talkpoints: 1,33 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Ich will jetzt einmal schildern wie geschilderte Sache nun ausgegangen ist. Der betrunkene Mann wurde notärztlich behandelt und dann der Polizei übergeben, weil er im Krankenhaus randalierte. Heute am Vormittag war er wieder sturzbetrunken in der Einkaufspassage, bis dort ein Geschäftsinhaber den Sicherheitsdienst rief. Die Kunden hatten nämlich ganz einfach Angst vor dem Mann und seinem Auftreten. Was ist nun wenn die Person A einfach auch nur Angst hatte? Dafür kann man auch nicht einmal moralisch belangt werden.

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» karlchen66 » Beiträge: 3570 » Talkpoints: 51,81 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


@karlchen: Darum ging es doch gar nicht. Du hast doch geschrieben, dass A nicht mal Hilfe holen wollte. Du hast geschrieben, dass A Angst hatte zu spät zur Arbeit zu kommen. Du hast darauf bestanden, dass man in dem Fall nicht mal den Notruf wählen muss, weil man ja kein Handy hat und auch keine Telefonzelle. Jetzt auf einmal hat A ja solche Angst gehabt. Egal, ob Angst oder nicht. Ein Notruf muss man immer absetzen. Und wenn er auf dem Boden lag und eine Kopfwunde hat und außerdem betrunken war, kann man ihn trotzdem ansprechen. Wenn er sturz betrunken ist und noch eine Kopfwunde hat, wird er nicht aufspringen können und A angreifen.

Sicher kann man A dafür belangen. Angst schützt doch nicht davor, dass man nicht wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt werden kann. Wenn man aus 5 Meter Entfernung den Notruf ruft oder ob man an einem Haus klingelt und fragt, ob man telefonieren kann, kann nichts passieren. Suche doch nicht immer nach Ausreden.

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» Diamante » Beiträge: 41857 » Talkpoints: 9,96 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Ich würde dem Menschen auf jeden Fall erst einmal helfen. Wie und ob dieser Mensch überhaupt krankenversichert ist interessiert mich überhaupt nicht in so einer Situation. Wie kann man nur als erstes solche Gedanken durch den Kopf laufen lassen? Es gibt in diesem Moment andere Dinge um die man sich Sorgen machen sollte. Auch wenn ein ekliger Geruch von der Person ausgeht sollte man trotzdem helfen. Es heißt ja nicht umsonst: jeder kann helfen. Schon alleine das Rufen des Notarztes ist hier eine sehr, sehr große Hilfe. Je länger man eine Verletzung unbehandelt lässt, desto schlimmer wird sie. Das ganze hat auch nichts mit Mut oder einem beschämenden Gefühl zu tun. Hier muss man einfach helfen. Jeder von uns erwartet doch selbst auch mal Hilfe von anderen. Vielleicht nicht in der gleichen Situation aber es gibt ja genügend andere. Man ist doch selber froh wenn man mal Hilfe bekommt. Auch wenn die Person alkoholisiert war, heißt es nicht das er ein schlechter Mensch ist, der keine Hilfe benötigt.

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» Zohan » Beiträge: 4398 » Talkpoints: 16,33 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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