Sportunterricht - nach Tabelle benoten?

vom 22.05.2011, 10:58 Uhr

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich Sportunterricht in der Schule nichts abgewinnen kann, da ich eher finde, dass er den Schülern den Spaß an der Bewegung nimmt, nicht nur dadurch, dass sie mit Leuten zusammen turnen müssen, die sich vielleicht leiden können und die sich über sie lustig machen, sondern auch dadurch, dass häufig total sinnlose und affige Sachen gemacht werden, die nur den Idealen und Vorstellungen des Lehrers entsprechen, den Schülern aber eben ganz gehörig den Spaß verderben.

Auf jeden Fall nun hatte ich vor kurzem den Fall, dass ich unser Sportlehrer mal wieder meinte, mit uns die Ausdauer trainieren zu müssen. Da Sport nun mal zur Schule dazu gehört und man es machen muss, wenn man das Abitur haben will, sind auch alle Schüler meistens da, die einen sitzen auf der Bank und vergessen alle zwei Wochen ihre Sachen, die anderen haben immer Heuschnupfen, Asthma oder einen verstauchten Knöchel und der Rest wankt auch nur zwischen Bank sitzen und nicht da sein.

Unser super toller Sportlehrer hat uns dann letzte Woche einige Runden im Kreis laufen lassen, diese sollten dann gezählt werden. Wir haben diesen Sportlehrer übrigens neu, daher war mir nicht ganz bewusst, was am Ende daraus werden würde. Nun folgten in der nächsten Sportstunde aber die so genannten ''Benotungen'', die darin bestanden, dass die gelaufenen Runden eines jeden Schülers gezählt wurden und der Lehrer dann in einer Tabelle nachschaute, welche Note das geben würde.

In der Form habe ich das nun noch nie erlebt. Ich bin einfach etwas am zweifeln darüber, ob man das denn nun wirklich so machen kann, denn im Endeffekt bekommt nun ein übergewichtiger Schüler eine schlechtere Note, weil er eben die Figur hat, die er hat, wobei das nicht einmal heißen muss, das sich das zu verschulden hat. Schüler die beispielsweise wirklich Heuschnupfen haben und dann benotet werden, sind ebenso benachteiligt, auch sonst sehe ich nicht wirklich ein, wieso eine solche Bewertungsmethode für den Sportunterricht zulässig sein sollte, muss man nicht auch einfach körperliche Merkmale und andere Aspekte in die Bewertung mit einbeziehen? Haben in der Form also nur Hobbysportler im Sportunterricht die Chance auf eine gute Note?

Wir haben in unserem Kurs nur einen übergewichtigen Schüler, der sich damit aber doch recht schwer getan hat. Zwar haben sich die einen oder anderen Schüler auch ein bisschen über diese Bewertungsmethode aufgeregt, letztendlich aber hat sich niemand beschwert und es war allen total egal, weil keiner in unserem Kurs Sport in seine Abiturbewertung zählen muss, auch ich nicht. Sport ist daher einfach nur ein Muss, Hauptsache ab und an mal da sein. Trotzdem würde es mich nun aber interessieren, ob eine solche Bewertungsmethode zulässig ist, darf ein Lehrer einen Schüler einfach rücksichtslos nach gelaufenen Runden bewerten?

» Crispin » Beiträge: 14936 » Talkpoints: 6,93 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich denke mal das man irgendwie einen Maßstab setzen muss um sich daran zu orientieren, das die Bewertungslatte dort ein wenig hoch gesetzt ist, liegt sicherlich daran, das man hier sich an einen Durchschnitt orientiert hat. Das manche nun unter diesem liegen ist zwar nicht gut, aber normal. Man kann die Tabelle nicht zu niedrig ansetzen, da man hier eine gewisse Leistung erwartet und auch etwas Druck dahinter stehen muss.

In anderen Fächern nimmt man ja auch nicht nur das dran was alle im Test können um den Notendurchschnitt nach oben zu treiben. Ich selbst hatte auch nie die Bestnoten im Sport aber mit etwas Mühe habe ich es trotzdem auf eine gute 2 gebracht, wo andere einfach überhaupt keinen Ansporn hatten sich bei einzelnen Übungen überhaupt Mühe zu geben um bestimmte Ziele oder Punkte zu erreichen.

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» alkalie1 » Beiträge: 5478 » Talkpoints: 12,54 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Nunja, es wird nun mal nach Leistung bewertet, was sich in einigen Disziplinen leichter machen lässt als in anderen.

Wenn wir in der Schule Leichtathletik hatten, wurde auch ganz simpel nach Leistung benotet. Egal ob beim Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Sprint oder 2000m-Lauf, da gab es ganz klare Vorgaben und "Tabellen", an denen man die entsprechende Note ablesen konnte. In anderen Disziplinen wie Volleyball oder Turnen ist so etwas natürlich schwieriger, da man die Leistung nicht richtig "messen" kann.

Ich empfinde das auch überhaupt nicht als unfair, wonach sollte sonst bewertet werden? Nach der Motivation? Natürlich ist es löblich, wenn sich jemand, der schlecht in Sport ist, unglaublich anstrengt und beim Laufen aus dem letzten Loch pfeift. Aber jemand, der schlecht in Mathe ist und das einfach nicht versteht, bekommt doch auch keine gute Note, bloß weil er Nachhilfe nimmt, jeden Tag zwei Stunden lernt und sich sehr bemüht, trotzdem die Aufgaben nicht richtig löst.

» SuperGrobi » Beiträge: 3881 » Talkpoints: 4,35 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Das ist der gängige Alltag. Und es ist logisch und auch fair, meiner Meinung nach. Klar sind die körperlichen Gegebenheiten bei jedem unterschiedlich, aber im Endeffekt zielt alles auf das Abitur ab und dort kann und wird sich niemand die Mühe nehmen, zu gucken, wie viel eigentlich möglich wäre für Dich. Listen und Tabellen sind ein Muss und es ist auch richtig, denn so ist das nunmal.

Stell Dir bitte die Olympischen Spiele vor, bei denen nicht die schnellste Zeit gewinnt oder die weiteste Distanz. Sondern bei denen derjenige/diejenige gewinnt, der/die die körperlichen Vorraussetzungen am besten in eine gute Zeit umwandelt? Nein. Wenn jemand zweisprachig aufgewachsen ist, kriegt der schließlich auch nicht eine andere Benotung in seiner Zweitmuttersprache, nur weil es von Geburt an gegeben war und in Mathematik wird auch nicht eine Notenvergabe abhängig gemacht von der fluiden Intelligenz, die Dir vererbt wurde.

Und nicht nur in Schule und Sport wird nach einem Maß gemessen. Auch später in vielen Berufen gibt es ein Maß, es gibt eine Quote, es gibt eine Tabelle, eine Rangliste, ein Ranking. Und Du wirst da reingesteckt, ganz egal warum sich Dir in egal welcher Hinsicht ein Nachteil anlastet. Und das ist der Grund, warum ich den "Listensport" akzeptiere und gut finde.

Ich muss dazu sagen, dass ich immer gut war in Sport und gerade in der Leichtathletik (worauf Du ja anspielst). Hier gibt es vermutlich die meisten Listen. Sprint, Mittelstrecke, Halbmarathon, Weit- und Hochsprung, Kugelstoßen, Weitwurf, Hammerwurd, Discus, Speer, es nimmt kein Ende. Und auch beim Turnen gibt es Tabellen, in denen die Schwierigkeitsgrade festgelegt sind. Aber überleg wirklich mal, ob sich das umsetzen ließe, so wie du das gern hättest. Und vor allem, meinst Du nicht unter dem Gesichtspunkt, dass es später im Leben immer so laufen wird, ist das vielleicht ganz gut? Ich kann deine Aufregung über dieses Thema nicht nachvollziehen.

Und als kleines PS sozusagen: Ich war auch übergewichtig, ich hatte einen BMI von 33 und einen KFA von 28%. Body-Mass-Index und Körperfettanteil, falls unbekannt. Und das sind relativ hohe Werte. Ich hab es jedoch, auch durch die Listen, mit Sport, Motivation und Willen auf einen BMI von 24 und einen KFA von 12% geschafft. Weil ich nicht im unteren Bereich sein wollte und mir die Listen klar gemacht haben, dass ich nicht gut bin, nachdem 80% meiner Mitschüler besser benotet wurden.

» benutzer7 » Beiträge: 2111 » Talkpoints: 5,79 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich wundere mich ehrlich gesagt, dass es Dir erst jetzt so gegen den Strich geht, dass es im Sportunterricht Noten gibt. Sport wird doch nun schon seit dem Grundschulalter benotet und nicht jeder Schüler ist nun mal in jeden Sportarten sehr gut. Das hat natürlich auch etwas mit Figur, körperlichen Vorzügen und vielleicht auch Talent zu tun. Daher ist die Bewertung im Sportunterricht so gesehen doch immer unfair. Andererseits können Abiturienten heute schon so viele Fächer abwählen, sollte es eben doch noch bestimmte Fächer geben, die Pflicht sind.

Andererseits stellt sich natürlich die Frage, ob es denn wirklich sinnvoll wäre, den Sportunterricht zwar zur Pflicht zu machen, auf eine Bewertung aber zu verzichten, weil eben vielleicht der eine oder andere Schüler damit benachteiligt würde. Nur würden dann die Schüler noch eine Motivation haben, sich überhaupt zu bewegen? Und dass auch in einer Zeit in der der Schulsport für etliche Schüler der einzige Sport oder die einzige Bewegung überhaupt ist. Ich denke, dann würde Bewegung noch mehr in den Hintergrund geraten - gerade auch bei denen, die sich ohnehin schwerer tun.

Was die spezielle Form der Bewertung angeht. Diese kenne ich auch aus meiner Schulzeit und da war es schon so Gang und Gäbe, dass eben nicht immer nur die Zeit als Grundlage der Bewertung heran gezogen wurde. Genau genommen wird doch hier die Technik bewertet, wie man sich den Lauf einteilt und das ist so gesehen doch fairer als nach Zeit zu bewerten.

» JotJot » Beiträge: 14094 » Talkpoints: 13,28 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Das war schon vor 30 Jahren so, das nach Tabelle benotet wurde. Wie willst du sonst die Leistung bewerten? Nach Sympathie wird das wohl kaum gehen. Denn auch in anderen Fächern wird überwiegend nach vorgegebenen Maßstäben bewertet. Einzig in Deutsch kann bei Aufsätzen noch subjektive Bewertung vermuten, wenn es um die Bewertung des Inhaltes geht.

Nun habt ihr den Sportlehrer neu und er schaut eben direkt in die Tabellen. Solche Lehrer hatten wir auch. Ebenso aber auch Sportlehrer, welche die Daten im Kopf hatten und eben nicht extra schauen mussten, welche Note nun der erbrachten Leistung entsprach.

» Punktedieb » Beiträge: 16293 » Talkpoints: 17,82 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


alkalie1 hat geschrieben:Ich denke mal das man irgendwie einen Maßstab setzen muss um sich daran zu orientieren, das die Bewertungslatte dort ein wenig hoch gesetzt ist, liegt sicherlich daran, das man hier sich an einen Durchschnitt orientiert hat. Das manche nun unter diesem liegen ist zwar nicht gut, aber normal.

Die Bewertungslatte ist nicht hoch, damit habe ich keine Probleme, es geht lediglich ums Prinzip.

benutzer7 hat geschrieben:Das ist der gängige Alltag. Und es ist logisch und auch fair, meiner Meinung nach. Klar sind die körperlichen Gegebenheiten bei jedem unterschiedlich, aber im Endeffekt zielt alles auf das Abitur ab und dort kann und wird sich niemand die Mühe nehmen, zu gucken, wie viel eigentlich möglich wäre für Dich. Listen und Tabellen sind ein Muss und es ist auch richtig, denn so ist das nunmal.


Sehe ich ein, wenn es um schulische Leistungen geht, aber in Sachen Sport ist das meiner Ansicht nach einfach etwas anders, weil es hier einfach darum geht, dass einige Schüler sicherlich aus rein körperlichen Gründen nie gute Leistungen schaffen können und da das in der Form dann wirklich gar nichts mit Intelligenz zu tun hat, verstehe ich nicht, wieso man so benoten muss.

benutzer7 hat geschrieben:Und als kleines PS sozusagen: Ich war auch übergewichtig, ich hatte einen BMI von 33 und einen KFA von 28%. Body-Mass-Index und Körperfettanteil, falls unbekannt. Und das sind relativ hohe Werte. Ich hab es jedoch, auch durch die Listen, mit Sport, Motivation und Willen auf einen BMI von 24 und einen KFA von 12% geschafft. Weil ich nicht im unteren Bereich sein wollte und mir die Listen klar gemacht haben, dass ich nicht gut bin, nachdem 80% meiner Mitschüler besser benotet wurden.


Trotzdem finde ich persönlich, dass Übergewichtige oder sogar einfach nur kleine Schüler in der Form benachteiligt sind, weil sie rein biologisch gesehen nicht so hohe Leistungen aufbringen können, wie irgendeine zwei Meter Bohnenstange, versteht sich. In gewisser Weise sehe ich das schon ein bisschen als diskriminierend an. Übrigens ist diese Anspielung nicht auf mich bezogen, falls du das meinst, ich hatte noch keinerlei Probleme mit meiner Note, es geht mir nur um die Art der Bewertung.

JotJot hat geschrieben:Ich wundere mich ehrlich gesagt, dass es Dir erst jetzt so gegen den Strich geht, dass es im Sportunterricht Noten gibt. Sport wird doch nun schon seit dem Grundschulalter benotet und nicht jeder Schüler ist nun mal in jeden Sportarten sehr gut. Das hat natürlich auch etwas mit Figur, körperlichen Vorzügen und vielleicht auch Talent zu tun. Daher ist die Bewertung im Sportunterricht so gesehen doch immer unfair. Andererseits können Abiturienten heute schon so viele Fächer abwählen, sollte es eben doch noch bestimmte Fächer geben, die Pflicht sind.


Es ist mir doch an sich egal, ich habe doch deutlich betont, dass Sport bei mir in keiner Weise ins Abitur einfließt und dass ich theoretisch in der Richtung gar nichts machen bräuchte. Es ging mir nur darum festzustellen ob eine solche Bewertungsmethode zulässig ist, eben weil Schüler mit weniger sportlichen Attributen wie kleiner Körpergröße oder eben Übergewicht benachteiligt sind, wenn man sich einfach stur nach solchen Tabellen richtet.

Punktedieb hat geschrieben:Denn auch in anderen Fächern wird überwiegend nach vorgegebenen Maßstäben bewertet. Einzig in Deutsch kann bei Aufsätzen noch subjektive Bewertung vermuten, wenn es um die Bewertung des Inhaltes geht.


In anderen Fächern ist das aber doch wohl noch irgendwie nachvollziehbar und Deutsch bildet da doch keinerlei Ausnahmen, es gibt einen Erwartungshorizont und den gilt es zu erfüllen, in der Oberstufe bekommt man einen solchen doch dann schließlich auch immer bei den Klausuren dazu gelegt, so dass man direkt sehen kann, was erwartet wurde und was einem fehlt, auch in Deutsch. Aber dabei geht es eben um Wissen und Intelligenz, so wie ich das sehe wird mit dieser Methode in Sport nur bewertet, wer aus körperlicher Sicht leistungsfähig ist und wer nicht, dass er scheint mir irgendwie einfach ein bisschen albern und lächerlich.

Im Endeffekt ging es mir aber gar nicht darum in diesem Thread zu diskutieren, in wie fern man dass als fair oder unfair empfindet, sondern schlicht und einfach darum, ob so etwas zulässig ist und ob sich jemand damit auskennt. Mir ist diese Bewertungsmethode nämlich neu, ich bin in der zwölften Stufe und vorher sind bei uns nie die Runden, wir wir brav im Kreis gelaufen sind zur Benotung herangezogen worden, klar gab es das ab und an mal, aber die schrieb man sich für sich auf und nicht für den Lehrer. Auch mein alter Lehrer hat Ausdauer in der Form gar nicht bewertet, sondern dann eben anders, in Sachen Technik bei anderen Sportarten und so weiter. Ich kenne es eben nicht, daher hat es mich einfach interessiert, ob das erlaubt ist, weil ich das recht stumpfsinnig finde.

» Crispin » Beiträge: 14936 » Talkpoints: 6,93 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Um deine Frage kurz und knapp zu beantworten: Natürlich ist das rechtens, wieso auch nicht? Fakt ist, dass die Lehrer in der Pflicht stehen, die im Sport erbrachten Leistungen zu bewerten, um eine Note für das Halbjahr bilden zu können und Fakt ist auch, dass es dazu gewisse, tabellarische Vorgaben gibt, damit eben keine Sympathie-Bewertungen stattfinden, sondern von jedem Schüler dieselben Leistungen verlangt werden und innerhalb der Bundesländer ein bestimmter Standard herrschen kann, der nicht von Schule zu Schule variiert. Warum sollte es auf Ebene der Bundesländer genaue Tabellen für gelaufene Runden, Zeiten beim Sprinten und Schwimmen sowie Weiten beim Springen, Werfen und Kugelstoßen geben, wenn diese dann doch nicht zur Anwendung kommen dürfen? Ich jedenfalls kenne aus meinem Sportunterricht nur diese Form der Bewertung.

Trotzdem kann ich dein ungutes Bauchgefühl verstehen und finde diese Bewertung in gewisser Weise auch diskriminierend. Nicht nur, dass es von Natur aus Schüler gibt, die einfach unsportlich sind und selbst durch hartes Training nicht so gut werden können, dass sie den hohen Leistungsanforderungen entsprechen, es gibt ja auch Sportarten, bei denen es kleine oder große Schüler aufgrund verschiedener Technik schwerer haben als Andere. Chancenungleichheit ist hier vorprogrammiert und lässt sich gar nicht vermeiden, im Übrigen aber auch nicht, wenn nicht nach Zeit, sondern nach Technik bewertet werden würde. Ohnehin bin ich kein großer Fan des Sportunterrichts, weil Schüler hier meiner Meinung nach kaum die Möglichkeit haben, Abläufe zu üben und sich kontinuierlich zu verbessern und die Bewertung somit kaum besser werden kann, aber das ist ein anderes Thema.

Man kann aber nicht abstreiten, dass die Bewertung im Sport nicht mehr oder weniger eine Diskriminierung ist, wie beispielsweise die Bewertung in Mathematik oder Sprachen. Es gibt in jeder Klasse Schüler, die ein Talent für die Zahlen mitbringen und dann gibt es Schüler, die Stunden lang Mathematik lernen und viel Geld in Nachhilfe investieren, die aber trotzdem aufgrund des mangelnden Talents nie so gut sein werden wie ihre Mitschüler. Diese Diskriminierung aufgrund der kognitiven Fähigkeiten müsste dich doch dann genauso stören wie diejenige auf Basis der körperlichen Einschränkungen, oder nicht? Wenn du aber hier ansetzen möchtest, stellst du die komplette Theorie der Benotung und somit einen großen Teil des Schulsystems in Frage.

» Anemone » Beiträge: 1742 » Talkpoints: 764,81 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Also wenn ich dich richtig verstanden habe, hängen die meisten Schüler eher nur dumm rum, als sich am Unterricht zu beteiligen. Frei nach dem Motto, Hauptsache körperlich anwesend. Sicherlich gibt es auch Mitschüler, die Interesse am Sportunterricht haben. Nur werden die halt durch die motivationslosen Schüler ausgebremst. An irgendwas muss der Lehrer aber nun mal benoten. Da aber die meisten ja scheinbar nur rum hängen, was soll er benoten? Vielleicht hat der Lehrer deshalb auf Listen zurück gegriffen? Nur mal so als Gedankenanstoß. Oder wie würdest du eine Horde unmotivierter Teenager zum Mitmachen anspornen?

In meiner Schulzeit kenne ich Listen aus dem Sportunterricht nur, wenn es um Wettkämpfe ging oder um irgendwelche Abzeichen. Also auf dem jährlichen Sportfest wurde mit Listen gearbeitet und irgendwie konnten wir auch mal irgendwelche Abzeichen machen, für die es klare Vorgaben gab, was man erreichen musste.

Ich selbst war immer übergewichtig, was halt meinen Drang Sport zu machen auch nicht gerade förderte. Sportunterricht habe ich gehasst. Was aber wohl zum Teil auch am Elternhaus lag. Und mir das was gemacht wurde, auch nicht unbedingt gefiel. Noch dazu waren meine Mitschüler sehr sportlich und motiviert. Sprich selbst wenn ich mehr Interesse am Sport gehabt hätte, ich hätte trotzdem nie mithalten können. Alles Faktoren die mich hemmten. Und wie gesagt, ich hatte da absolut kein Interesse dran. Gut die geforderten Leistungen konnte ich nicht erbringen. Nur kam dann halt noch das Desinteresse dazu und das wurde dann auch mal mit einer 5 im Zeugnis belohnt. Der Lehrerin ging es nicht darum mich noch mehr zu piesacken, sondern eher darum, mich zu motivieren. Ich glaube ich habe dann auch mal eine 3 geschafft.

Sport ist, wie auch zum Beispiel Kunst, ein Fach, wo man halt nicht einfach nur Fehler anstreichen kann und danach bewerten kann. Denn viele Wege führen zum Ziel und die beste Note bekommt der, der die Leistung am besten erbracht hat. Und das legt dann halt auch jeder Lehrer anders aus. Ich habe tatsächlich auch vier Zeugnisse gehabt, mit einer 1 im Sport. Das war an der Berufsschule. Da gab es für jeden der nur teilgenommen hat eine 1. Ich habe mich dann, wegen Problemen mit einem Mitschüler, vom Sport gedrückt. Also eine Entschuldigung geschrieben die von meinem Vater unterschrieben wurde. Daraufhin bekam ich in Sport nur noch eine 2.

Der Einwand, dass es Mitschüler mit Handicaps halt schwerer haben, auch wenn es hart klingt, so ist das Leben. Wobei ich gerade im Sportunterricht da auch Unterschiede erlebt habe. Wie gesagt, in meiner Realschulzeit konnte man, wenn man sich halt nicht nur mit Null Bock Gesicht sehen ließ, immerhin eine 4 bekommen. Bemühte man sich, war auch eine 3 drin. Finde ich fair. Bei den Abzeichen und auch den Bundesjugendspielen oder Sportfesten war es so, dass die Bewertungen auch nach Alter gestaffelt waren. Sprich wer älter war, musste auch mehr Leistung bringen. Da hat man ja an sich die groben Unterschiede beachtet.

Und Benotung sollte halt auch fair gegenüber denen sein, die wirklich was können. Auch wenn man selbst es eventuell nicht so empfindet. Wir mussten mal als Aufgabe die Aufwärmphase vorbereiten. Ich glaube in 2er Teams. Ich hatte mit einer Mitschülerin was echt witziges gemacht und die ganze Klasse war begeistert. Wir waren beide 4er Kandidaten. Sprich wir hatten im Zeugnis immer eine schlechtere Note, weil Sport nicht unser Ding war. Die Klasse plädierte für eine 1 für die Aufgabe. Die Lehrerin meinte dazu nur, dass sei unfair gegenüber denjenigen, die halt sportlich seien. Damals habe ich mich einfach nur geärgert. Denn die Aufgabe wurde eindeutig sehr gut gelöst. Was auch die Lehrerin zu gab. Hätte einer der hochsportlichen Mitschüler die Aufgabe so gelöst, die hätten umgehend eine 1 bekommen. Das sind aber absolute Ausnahmen gewesen, dass so was vor kam.

Du schreibst nur, dass der Lehrer sich die Runden einträgt. Weißt du aber auch, wie er das in die Benotung einfließen, beziehungsweise umsetzen will? Könnte es sein, dass er da halt auch noch mal andere Kriterien mit einbezieht, wenn es an die Benotung für die Zeugnisse geht? Während meiner Realschulzeit war es zum Beispiel so, dass der älteste Schüler vier Jahre älter als ich war ( ich war die Jüngste in der Klasse). Das der alleine körperlich ganz andere Leistungen bringen konnte, ist da ja klar.

Und du sprachst unter anderem auch Asthmatiker an. Wenn die, aufgrund ihrer Erkrankung, eh schon Probleme mit dem Sportunterricht haben, dürfte es kein Problem sein, sich davon einfach befreien zu lassen.

» LittleSister » Beiträge: 10491 » Talkpoints: 1,53 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Wie schon gesagt ist das wahrscheinlich schon Rechtens, aber ich denke, dass es eine Teilnote von vielen ist. Ein Sportlehrer bewertet klar die Leistung, die ein Schüler erbringt, ich denke aber im Sportunterricht zählt nicht ganz allein die Leistung. Es gibt noch Punkte wie Engagement/Leistungsbereitschaft und ähnliches. Es ist aber definitiv so, dass die Leistung eines Schülers den Großteil der letztendlichen Note bildet.

Ich verstehe das Argument mit den Übergewichtigen ehrlich gesagt nicht. Übergewicht ist keine Ausrede für schlechte Leistungen im Sport. Es mag vielleicht sein, dass die einen schneller Gewicht zulegen, als andere, aber letztendlich muss derjenige nicht zwangsläufig Übergewichtig sein. Sie haben sich das zum Großteil selbst zu verdanken. Wenn sie sich ausreichen engagieren bekommen sie auch nicht gleich eine 5 auf dem Zeugnis. Man kann ja auch keinen Schüler mit Migrationshintergrund im Deutschunterricht milder bewerten, als jemanden der keinen Migrationshintergrund hat. Ich finde die Leistungsbewertung im Sportunterricht völlig okay und ich bin auch nicht gerade eine Sportskanone und bekomme auch nicht die besten Noten. Es ist aber fair.

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» n8hawk4u » Beiträge: 208 » Talkpoints: 28,32 » Auszeichnung für 100 Beiträge


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