Angst und Respekt werden oft verwechselt

vom 17.07.2010, 11:49 Uhr

Ich kenne Kinder, die spuren wirklich gut. Bei den Kindern hat man den Eindruck, dass die Eltern ihre Kinder im Griff haben. Bei näherem Hinsehen, kann man der Überzeugung kommen, dass diese Kinder Angst vor ihren Eltern haben. Angst vor Konsequenzen und Angst, dass sie vielleicht nicht geliebt werden, wenn sie nicht spuren. Wenn man die Eltern darauf anspricht, dann reden sie davon, dass die Kinder Respekt vor den Eltern haben. Auch viele ältere Leute reden in dem Zusammenhang von Respekt.

Ich habe dann mal an meine eigene Kindheit und Jugend gedacht. Habe ich wirklich Respekt vor meinen Eltern (speziell vor meiner Mutter) gehabt? Ich bin zu einem klaren "nein" gekommen. Ich habe gehorcht, weil ich Angst vor meiner Mutter hatte. Angst, dass sie sauer auf mich ist, Angst, dass ich eine geklatscht bekomme und auch Angst, dass sie wegen mir stirbt. Denn sie hat bei Streit immer Herzschmerzen vorgejammert. Aus Respekt vor ihr habe ich nicht gehandelt. Für mich war es blanke Angst. Ich hatte auch Angst, dass meine Mutter meine Schwester immer mehr liebte als mich. Deswegen versuchte ich ihr alles Recht zu machen.

Ich habe lange überlegt, wie man als Außenstehender erkennen kann, ob Kinder Angst oder Respekt vor ihren Eltern haben. Ich kann mich an eine Familie erinnern, wo der Vater ein Pakistani war (was aber egal ist. Es kann auch jeder andere Mann gewesen sein) und die Mutter eine Deutsche. Die Kinder sind der Mutter wirklich auf der Nase herumgetanzt. Aber kaum war der Vater im Haus, hat man die Kinder nicht mehr gehört. Sie unterhielten sich leise, stritten sich nicht und es waren nicht mehr die Kinder, die man vorher gesehen hatte, als der Vater nicht zu Hause war. Hatten die Kinder Angst oder Respekt vor ihrem Vater? Der Vater war sehr streng. Er schlug die Kinder nicht aber er wurde auch laut. Die Mutter brauchte auch nur zu den Kindern sagen "Das sag ich dem Papa" und die Kinder gehorchten. Die Mutter meinte, dass die Kinder vor ihrem Mann eben mehr Respekt hätten.

Liegen Angst und Respekt wirklich so dicht aneinander, dass die Kinder eher Angst haben, aber die Eltern es als Respekt deuten?

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» Diamante » Beiträge: 40987 » Talkpoints: 157,80 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



Ich sehe das auch so, dass Angst und Respekt oft verwechselt werden. Ich muss dabei ebenfalls an ein von mir befreundetes Pärchen denken, die 4 kleine Buben haben, noch dazu knapp hintereinander. Derzeit sind sie im Alter von 1 bis 6 Jahren. Viele können sich wohl vorstellen, dass in dieser Familie für genügend Unterhaltungsprogramm gesorgt ist. :D

Trotzdem sagen alle in meinem Bekanntenkreis, dass das die bravsten Buben sind, die sie kennen. Ich erweitere nämlich auch noch das Thema Angst und Respekt mit der Verwechslung zwischen brav und brav aus Angst. Auf den ersten Blick sieht es auch wirklich so aus! Mit diesen 4 Buben kann man jederzeit überall hingehen, sie sind wirklich sehr "brav".

Diesem braven Verhalten liegt aber eine Menge Angst zugrunde! Ich weiß, dass vor allem zu Hause sehr oft die Fetzen fliegen, damit will ich meinen, dass vor allem der Vater sehr für Ruhe sorgt und wenn dem nicht so ist, dann bekommen sie durchaus die Konsequenzen zu spüren.

Auch in diesem Fall scheint es im ersten Moment so, dass die Kinder großen Respekt vor ihren Eltern haben, aber es ist doch kein Respekt, wenn die Kinder gleich parrieren, nur weil Mama oder Papa den Zeigefinger nur erhebt und einen aussagekräftigen Blick zuwirft. Das ist pure Angst und da muss ich echt sagen, dass es mir lieber ist, dass mein Sohn zwar immer wieder ein Theater aufführt, aber dafür braucht er vor mir keine Angst zu haben.

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» tournesol » Beiträge: 7534 » Talkpoints: 11,21 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Ich habe an sich lange überlegt, ob Kinder überhaupt erfassen können, was Respekt ist. Ich für mich fand keine wirkliche Erklärung, wie man Respekt definieren kann. Und ich denke deshalb, das es für Kinder noch schwerer zu verstehen ist.

Respekt heißt ja auch Achtung des Gegenübers. Anerkennung und so weiter. Aber ist das Kindern wirklich schon bewusst? Die Situationen die hier beschrieben werden, sind wohl eher die Reaktionen der Kinder in Richtung Achtung haben oder auch Angst haben. Sie wissen, wenn sie das und das machen, passiert das und das. Was in meinen Augen wenig mit Respekt zu tun hat.

Auch ich wurde mit dem Satz groß: Das sage ich Papa. Und ich empfinde ihn heute noch als furchtbar. Denn er machte uns Kindern Angst und war auch durchaus damit verbunden, das wir Kinder wussten, wenn Papa kommt, dann setzt es was. Wobei unsere Mutter diese Androhung wohl nicht immer wahr gemacht hat. Oder eher selten. Aber uns Kindern war das damals gar nicht bewusst. Deshalb zog der Satz unserer Mutter und wir waren dann scheinbar brav.

Und heute habe ich, denke ich zumindest, auch keinen wirklichen Respekt vor meinem Vater. Klar respektiere ich ihn bis zu einem gewissen Punkt. Aber manche meiner Handlungen ihm gegenüber sind auch eher auf Angst begründet.

» LittleSister » Beiträge: 10491 » Talkpoints: 1,53 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Respekt ist eine innere Haltung, die mit Versöhnung, Toleranz und auch Friedlichkeit zutun hat (im Gegensatz zur schädlichen, destruktiv wirkenden Angst). Die muss man Kindern beibringen, aber nicht mit Angst, sondern so, dass sie es wirklich verstehen können und den Sinn dahinter verstehen und dann entscheiden können, ob sie diese Sache empfinden und das dem entsprechende Verhalten einem Menschen schenken wollen. Das können definitiv auch schon Kinder, aber irgendwer muss es ihnen eben erst einmal beibringen. Es mag vielleicht nicht bei jedem Kind klappen und viele Eltern haben vielleicht auch keinen echten Zugang dazu, beziehungsweise wissen nicht, wie sie das anstellen sollen, aber ausschließen, dass Kinder schon den Begriff des Respekts verstehen können, würde ich definitiv nicht.

Beispielsweise war es in meiner Kindheit so, dass nicht mit irgendetwas gedroht wurde. Ich bin mit der Geisteshaltung aufgewachsen, also, ich habe gelehrt bekommen, dass die Natur, jeder Mensch, jedes Tier und jede Pflanze eine Existenzberechtigung hat. Das Umfeld muss sorgsam behandelt werden und man darf niemandem schaden, man darf niemandem etwas antun, was diesem Leid zufügen könnte. Für mich war es ganz selbstverständlich, dass "man" beispielsweise keine anderen Kinder beschimpft oder keine Käfer platt trampelt, weil das dem Lebewesen schadet und das ist einfach nicht gut, weil man das selbst ja auch nicht erleben will. Man muss dem Kind also klar machen, dass die anderen Lebewesen genauso fühlen, wie es selbst. Dann wird doch klar, dass Schmerzen nicht gut sind, und dass die andere Lebewesen auch nicht haben wollen, also dass man ihnen diese auch nicht zufügen soll.

Das war jetzt sicherlich eine lange Einleitung, aber es führt doch zum Begriff des Respekts. Denn Respekt heißt, zu wissen, dass ein anderes Lebewesen Achtung verdient, dass man ihm nicht schaden soll, dass man seine Eigenheiten tolerieren soll. Nicht aus Angst vor Strafe, sondern weil man sich in das Lebewesen hinein versetzen kann, und weiß "Mir tun bestimmte Dinge weh, also tun sie anderen auch weh, daher darf ich ihnen nichts tun, weil ich das auch nicht erleben wollen würde". Wenn man das plastisch genug erzählt, verstehen das definitiv auch die meisten Kinder. Und tun anderen Lebewesen nichts, auch, wenn ihnen keine Strafe drohen würde, sondern weil sie wirklich verstehen, dass man niemandem schaden darf, weil das einfach schlecht ist.

Wenn man weiß, was Respekt eigentlich bedeutet, ist es einfach nur ärgerlich, wenn man ansehen muss, wie behauptet wird, dass einige Kinder bloß Respekt vor jemandem hätten, obwohl diese eigentlich völlig verängstigt sind. Das redet die Angst von Kindern schön, akzeptiert ihre Gefühle nicht beziehungsweise stellt diese als unwichtig dar, und irgendwie legitimiert es in manchen Fällen sicherlich auch Misshandlungen gegenüber Kindern. Das ist es nämlich, wenn Kinder wirklich andauernd mit Drohungen verängstigt werden. Das ist garantiert nicht gesund und so sollte man mit Kindern auch nicht umgehen. Wenn man dann die ängstliche Wirkung auf so ein schädliches Verhalten als "Respekt" statt Angst kleinredet, dann ist das einfach nur pervers.

Ach so, also noch abschließend zur einleitenden Frage: Nein, Respekt und Angst haben definitiv nichts miteinander zutun und liegen auch nicht nahe beieinander! Sie sind grundliegend verschiedene Sachen. "Respekt", wie es in den geschilderten Fällen genannt wird, ist eigentlich nur ein Euphemismus, also eine Beschönigung, für Angst. Ich meine auch, dass Eltern das nicht falsch deuten, wenn ihre Kinder aus Angst spuren, sondern dass sie sich eher selbst einreden, dass das keine Angst, also nichts Schlimmes sei, sondern wünschenswerter "Respekt". Damit sie ihre Kinder weiter durch Angst beeinflussen und "erziehen" können.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Wawa666 hat geschrieben:Nein, Respekt und Angst haben definitiv nichts miteinander zutun und liegen auch nicht nahe beieinander! Sie sind grundliegend verschiedene Sachen. .

Sicher sind Angst und Respekt zwei ganz verschiedene Dinge. Aber was ich mit meinem Beitrag aussagen wollte ist, dass den Eltern gar nicht bewusst ist, dass ihre Kinder Angst vor ihnen haben und meinen, dass sie Respekt haben. Die Kinder wissen nur, dass sie Angst haben, weil sie nicht wissen, was Respekt überhaupt ist. Zumindest bei solchen Eltern nicht, die mit Drohungen und unter Druck setzen die Kinder erziehen.

Respektieren heißt nicht nur den anderen Menschen akzeptieren wie er ist. Aber die Eltern verwechseln es oft damit, dass Kinder eben nicht aufmucken und alles machen, was sie sagen. Und das ohne zu widersprechen. Deswegen meinte ich, dass Angst und Respekt oft verwechselt wird. Sobald Kinder widersprechen ist es für manche Eltern so, dass sie meinen, die Kinder haben keinen Respekt vor den Eltern. Wenn sie aber alles machen, was Mama/Papa sagt, dann haben sie Respekt. Dabei sehen sie nicht, welchen Beweggrund es hat, dass die Kinder alles machen, was die Eltern sagen.

Reden die Eltern sich wirklich die Sache "schön"? Sie sind auch noch stolz darauf, wenn die Kinder spuren, weil sie Angst haben und sind dann wirklich davon überzeugt, dass die Kinder Respekt haben? Warum definieren denn manche Eltern den Respekt ganz anders als er wirklich ist? Kann ein Kind denn jemals irgendwelchen Respekt vor den Eltern aufbauen, wenn einmal Angst im Spiel war? Ich muss sagen, dass ich bis zum Tod meiner Mutter keinen Respekt vor der Frau hatte. Und das obwohl ich auch mit der Zeit akzeptiert habe wie sie ist. Aber Respekt konnte ich vor ihr nie haben.

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» Diamante » Beiträge: 40987 » Talkpoints: 157,80 » Auszeichnung für 40000 Beiträge


Nach Außen Hin mag Angst und Respekt wohl erstmal nicht zu unterscheiden sein. Sieht man aber genauer hin, kann man den Unterschied sehr wohl erkennen. Respekt ist für mich: die Kinder hören auf ihre Mutter, weil sie wissen, dass die Mutter nur ihr Bestes will, weil die Mutter ein Vorbild für sie ist. Angst haben sie, weil die Mutter strenge Konsequenzen androht und diese auch durchsetzt. Nach außen hin zeigen beide Wege die gleiche Wirkung, doch im Inneren der Kinder zeigt sich, was davon zutrifft.

Respekt muss man erst aufbauen, gerade bei Kindern, Angst zu verbreiten ist einfacher und geht schneller. Zudem muss ich auch sagen, dass die Eltern, die ich so kenne, ihre Kinder allerdings auch nicht mit viel Respekt behandeln, keine großen Vorbilder sind, was das Benehmen oder den sozialen Umgang miteinander betrifft.

» TheDutchess » Beiträge: 541 » Talkpoints: 2,27 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Diamante hat geschrieben:Reden die Eltern sich wirklich die Sache "schön"? Sie sind auch noch stolz darauf, wenn die Kinder spuren, weil sie Angst haben und sind dann wirklich davon überzeugt, dass die Kinder respekt haben? Warum definieren denn manche Eltern den Respekt ganz anders als er wirklich ist? Kann ein Kind denn jemals irgendwelchen Respekt vor den Eltern aufbauen, wenn einmal Angst im Spiel war?


Ich bin mir sicher, dass die Eltern sich das schönreden. Oder sie sind geistig kein Bisschen in der Lage, sich in einen anderen Menschen auch nur minimalst hinein zu versetzen. Dabei ist es zumindest für mich das Logischste überhaupt, wenn ich sehe, dass jemand nur bei Drohungen "spurt", dass da eben die Drohung Angst gemacht hat, nicht, dass da irgendein Respekt vorherrschen würde. Denn bei einem wirklichen Respekt wären die Kinder immer "brav", und würden nicht erst wie erwünscht handeln, wenn gedroht wird.

Also ich bin mir sicher, zumindest die meisten so handelnden Eltern müssten das eigentlich auch begreifen können, wollen es aber nicht begreifen. Wer gesteht sich schon gerne ein, erziehungsunfähig zu sein und seine Kinder nur mit Verängstigungen Dinge "beibringen" zu können (wobei die Kinder dabei ja nicht einmal wirklich etwas lernen, sondern sie würden wohl alles tun, nur, weil man sie mit Drohungen dazu zwingt). Wer gesteht sich gerne ein, seine Kinder zu misshandeln?

Sollte es dann noch ein paar Eltern geben, die es wirklich nicht merken, was sie tun, dann haben sie es sich vielleicht unterbewusst eingeredet, dass ihre Kinder gar keine Angst hätten. Wobei man da echt ziemlich geblendet sein muss, denn ich finde es, wie ich bereits schrieb, absolut offensichtlich, dass jemand, der nur bei Drohungen reagiert, Angst hat, und keinen Respekt.

Ich befürchte, viele Eltern reden bei Angst auch von Respekt, weil sie selbst nicht genau wissen, was Respekt eigentlich bedeutet. Vielleicht glauben sie, müsste es alles so sein, wie sie es tun, weil sie das selbst schon so als Kind erlebt haben. Weil "man das eben so macht". Vielleicht wurden sie als Kinder selbst verängstigt und haben dann ihre Eltern reden hören, dass die Kinder ja bloß Respekt vor ihnen hätten. Zum Glück muss nicht jeder, der das in der Kindheit selbst erlebte, später seine Kinder genauso behandeln. Aber traurigerweise wird das sicher doch schon häufiger vorkommen.

Ob man jemanden, den man gleichzeitig auch fürchtet oder gefürchtet hat, jemals respektieren kann? Ich denke, das ist vom eigenen Charakter abhängig. Herrscht zu große Angst oder auch eine starke Abneigung, Wut bis hin zu Hass vor, dann versperrt man sich vielleicht davor, so einer Person gegenüber überhaupt Respekt empfinden zu wollen. Es gibt aber auch Menschen, die sehen es versöhnlicher und sprechen jedem Lebewesen einen Grundrespekt zu, egal, wie sehr sie das Individuum eigentlich leiden können, oder eben auch absolut nicht leiden können.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Für mich liegen Angst und Respekt nicht nahe beieinander. Das eine schließt das andere total aus. Man kann sich nicht vor einer Person fürchten und sie gleichzeitig respektieren. Ich finde es hochinteressant, dass so viele Menschen Furcht mit Respekt gleichsetzen, wo doch die beiden Begriffe fast schon gegensätzlich sind.

Furcht oder Angst sind zwanghafte Gefühle, was bedeutet, man bekommt sie aufgezwungen, so wie in deinem Beispiel mit den Herzschmerzen. Du wurdest nicht gefragt, ob du Angst haben möchtet, sondern du wurdest für Konsequenzen verantwortlich gemacht, für die du eigentlich als Kind nichts kannst. Mit Furcht kontrolliert man die Personen und verhindert so, dass sie sich so entfalten wie sie wollen. Nicht umsonst gilt die Herrschaft mit der Angst als das Mittel vieler Diktaturen, auch manche Eltern-Kind-Verhältnisse sind solche Diktaturen. Meiner Meinung nach passiert so etwas, wenn die Eltern zu viel Macht über das Kind haben möchten oder im Begriff sind, die Macht, die sie auf Grund ihrer Autorität hatten, zu verlieren.

Respekt hingegen ist für mich eine zweiseitige Übereinkunft von Eltern und Kind, also das beide Seiten die Eigenheiten des jeweils anderen akzeptieren und ihn gewähren lassen, wenn etwas passiert, was der jeweils anderen Seite nicht passt. Damit meine ich nicht, dass man als Elternteil seine Autorität nicht nutzen sollte, um das Kind zu lenken. Man hat als Erwachsener viel mehr Erfahrung und das Kind muss auch lernen, dass es diese Erfahrung jederzeit abrufen kann und soll, falls es Probleme hat. Leider wird das Kind dies nicht tun, wenn es nur Angst hat und keinen Respekt, da ein Mensch Furchtmomente eher meidet als sucht.

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» Malcolm » Beiträge: 3280 » Talkpoints: 0,46 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Kinder verstehen vielleicht nicht genau was Respekt ist aber sie können zwischen diesem und Angst sehr wohl unterscheiden. Meine Großeltern zum Beispiel haben mir nie etwas böses getan. Es wurde nicht mal herum gemeckert, wenn ich wirklich mal Mist gebaut habe. Dennoch habe ich immer auf sie gehört und mich stets bemüht brav zu sein. Und auch ungeliebte Sachen, die ich nicht gern getan habe, habe ich sofort gemacht, wenn einer der Beiden gefragt hat ob ich helfen kann. Und das obwohl ich nie etwas zu befürchten hatte. Ähnlich wie bei meinen Lehrern. Denen habe ich als Kind auch nicht widersprochen oder mich daneben benommen, obwohl auch da nie etwas schlimmes passiert wäre.

Daheim war es anders. Als Kind habe ich wirklich aus Angst gespurtet. Da blieb mir auch nichts anderes übrig, weil ich mich nicht wehren konnte. Bis zum Teenageralter wollte ich bloß nicht wieder negativ auffallen. Und dafür reichte damals schon eine nicht abgespülte Tasse. Vor Besuchern wurde man natürlich auch gerne wie ein Zirkustier vorgeführt. Wenn es hieß, dass man Zucker für den Kaffee holen soll, ist man sofort aufgesprungen um ihn zu holen. Es wurde nicht widersprochen, gezögert oder sonstiges. Für Außenstehende war man ein Kind, das seine Eltern respektiert und gehorcht. Dass dahinter die Angst vor Lederriemen, Besenstil und co steckte, hat keiner gesehen. Dabei finde ich, dass man den Unterschied, ob ein Kind aus Respekt oder Angst handelt, sehr wohl erkennen kann.

So wie du muss auch ich sagen, dass ich meine Mutter nie respektiert habe. Nicht als Kind, Teenager und auch jetzt nicht. Als Kind war es die Angst, als Teenager ein Kräftemessen und jetzt bedauere ich sie eigentlich nur noch. Obwohl sie sich mittlerweile geändert hat, werde ich sie nie so respektieren wie ich eigentlich sollte. Als ich alt genug war alles zu verstehen, habe ich sogar den Respekt vor dem Rest der Familie verloren. Auch vor meinen Großeltern, weil sie nichts unternommen haben. Wer wegschaut kann keinen Respekt von mir erwarten.

Das Beispiel mit den Kindern, die den Müttern auf der Nase rumtanzen, kenne ich auch. Gerade wenn die Frau nur das Hausmäuschen spielt, kommt das öfters vor. Bei einer Familie hat sich das alles so sehr hochgeschaukelt, dass die Kinder nicht mal Angst davor hatten, wenn die Mutter dann wirklich mal Backpfeifen verteilt hat. Auch da war es, sobald der Vater zu Hause gewesen ist, still. Das hatte aber auch bei denen nichts mit Respekt zu tun. Die hatten einfach Angst obwohl er ihnen nie etwas getan hat. Es hat aber gereicht was sie mitbekommen haben. Jeder wusste, dass er seine Frau bei jeder Kleinigkeit und im Suff verprügelt hat. Wie also sollten die Kinder überhaupt lernen sie zu respektieren, wenn sie durch den Vater vorgelebt bekommen, dass die Mutter nichts wert ist? Komischerweise haben die Kinder in seiner Anwesenheit super auf die Mutter gehört. Ich nehme aber an, dass sie einfach nur Angst hatten, dass er sie irgendwann tot prügelt.

Ein weiteres wenn auch nicht menschliches Beispiel, an dem man den Unterschied zwischen Respekt und Angst super sehen kann, sind Hunde. Da diese nichts aus Scham verbergen, kann man wunderbar an der Körpersprache erkennen was Sache ist. Ich rate auch jedem seinen Hund so zu erziehen, dass er einem aus Respekt folgt und nicht aus Angst. Der Hund wird also nicht bedrängt, zu etwas gezwungen oder per Halsband fast erwürgt. Man gewinnt sein Vertrauen, baut eine gute Beziehung zu ihm auf, zeigt ihm durch sein Handeln, dass man die Person ist auf die er sich verlassen kann und gewinnt dadurch seinen Respekt. Das dauert natürlich länger als einen Hund mit Strom zu bearbeiten, wird aber irgendwann genauso sicher sitzen.

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» Sonty » Beiträge: 2006 » Talkpoints: 21,17 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich stelle mir eine ähnliche Frage wie LittleSister: ist es wirklich der Respekt vor den Eltern, der Kinder spuren lässt und klingt diese Formulierung nicht selbst schon respektlos oder besser abwertend?

Ich denke, dass Kinder die Liebe und Anerkennung ihrer Eltern suchen. Eigentlich Dinge, die sie bedingungslos bekommen sollten. Aber das ist auch der Anreiz, der Kinder dazu bringt, das zu tun, was von ihnen erwartet wird. Also nicht wirklich der Respekt den Eltern gegenüber. Klar ist es sicher auch bei einigen Kindern die Angst die sie gehorchen lässt, die Angst vor Liebesentzug oder eben die Angst nicht gut genug zu sein.

Was Eltern dazu bringt ihre Kinder mit Hilfe von Angstgefühlen zu erziehen, das kann man wohl kaum als Außenstehender sagen. Ich kenne es aus Gesprächen mit einer guten Freundin, die extrem unter ihren Eltern litt und eigentlich nur in einem Klima der Angst groß wurde. Ihr selbst wurde sehr schnell bewusst, dass sie stark gefährdet ist, dieselben Fehler wie ihre Eltern zu machen, da sie nun mal nur deren Erziehung kennt und Alternativen schwer zu finden sind.

Aber auch das Gefühl perfekt sein zu müssen, bringt vielleicht manche Eltern dazu, dass sie ihre Kinder als funktionierende Geschöpfe sehen möchte und dazu sind dann viele Mittel recht. Ich selbst kenne es, dass ganz gern mal meine Erziehung und die nicht ganz so perfekten Kindern kritisiert werden. Da wäre es sicher manchmal einfacher, die Kinder mit allen möglichen Mitteln hinzubiegen anstatt anderen Erwachsenen auch mal die Stirn zu bieten und die vermeintlich unperfekten Kinder in Schutz zu nehmen.

» JotJot » Beiträge: 14094 » Talkpoints: 13,28 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


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