So einfach kann man eine Religion wechseln?

vom 23.05.2010, 00:48 Uhr

Ich habe mal eine Frage bezüglich des Wechsels zu einer anderen Religion. Es gibt Menschen, die meinen doch sehr katholisch zu sein und rennen, oder besser gesagt rannten, fast die Kirche ein. Für die Leute tragen sie die Religion förmlich auf der Stirn, aber innerlich leben sie absolut nicht danach.

Die Frau von der ich schreibe ist Mutter von 4 Kindern, Sie lebte für die katholische Kirche und machte auch ehrenamtliche Sachen dort. Sie trennte sich nach 28 Ehejahren von ihrem Mann, weil sie einen anderen Mann kennenlernte und ihr jüngstes Kind lebt noch zu Hause bei ihr. Alle Kinder sind katholisch getauft. Auch das jüngste Kind.

Nun wollte die Frau wieder heiraten und natürlich auch kirchlich. Aber das macht ja die katholische Kirche nicht mit, wenn man in erster ehe katholisch verheiratet war. Sie ist kurzerhand aus der katholischen Kirche ausgetreten und in die evangelische Kirche eingetreten und kann somit auch noch einmal kirchlich heiraten. Zwar "nur" evangelisch, aber was macht man nicht alles für die Leute.

Ihr Kind ist noch katholisch und sie würde ja liebend gerne, dass das Kind auch evangelisch wird. Aber das 12 jährige Mädchen weigert sich, weil sie in der katholischen Kirche auch in Jugendgruppen ist.

Als ich das so gehört habe, habe ich mir gedacht, dass es eigentlich viel zu einfach ist eine Religion zu wechseln. Sollte man nicht von der Religion überzeugt sein, wenn man wechselt? Warum ist es so einfach eine Religion zu wechseln? Oder ist das nur so einfach, wenn man von der katholischen Kirche zur evangelischen Kirche wechselt und umgekehrt. Ich meine mal gehört zu haben, dass man in andere Religionen nicht so ohne weiteres wechseln kann. Kann man in Deutschland wirklich die Religion wechseln wie andere ihre Unterhemden?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Wie schnell es geht, dass man von katholisch auf evangelisch wechseln kann, weil ich leider nicht, aber eine Freundin von mir war immer ohne Bekenntnis und wollte erst im Erwachsenenalter der katholischen Kirche beitreten. Das ging dann aber nicht von heute auf morgen. Sie musste vor ihrer Taufe ein meiner Meinung nach recht intensives Seminar machen, wo sie eben viel über die Religion gelernt hat, mehr als ich in meiner ganzen Schulzeit, wenn ich ehrlich bin.

Taufe, Kommunion und Firmung waren dann dafür in einer Zeremonie, also das musste sie nicht extra machen. Ich kann mir prinzipiell auch vorstellen, dass es wohl leichter oder eben schneller geht, von der katholischen Kirche zur evangelischen Kirche zu wechseln, einfach weil die evangelische Kirche vieles doch eher lockerer sieht als die katholische Kirche.

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» tournesol » Beiträge: 7717 » Talkpoints: 36,26 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Es ist wirklich ganz einfach, seine Religion zu wechseln. Wieso auch nicht? Menschen ändern sich und wieso sollte es mit der Religionszugehörigkeit nicht auch so sein? Seien wir einmal ehrlich, es wird doch in fast jeder Religion der selbe Gott angebetet. Die einzige Ausnahme, die mir jetzt einfällt, ist der Buddhismus.

Meine Schwester hatte auch den römisch-katholischen Glauben, als sie ihren zukünftigen Mann kennen gelernt hatte. Dieser Mann war bereits einmal geschieden worden. Als die beiden sich entschieden hatten, zu heiraten, war es also für beide unmöglich, auch kirchlich heiraten zu können. So traten beide zum altkatholischen Glauben über, um trotzdem heiraten zu können. Das war überhaupt kein Problem.

So viel ich weiß, mussten sie nur so eine Art Einschulung über sich ergehen lassen, die ein paar Stunden Gespräch mit dem Pfarrer bedeuteten. Der Austritt aus der römisch-katholischen Kirche war ein ganz normales Schreiben an die zuständige Diözese.

Ich finde es nicht problematisch, dass man so leicht die Kirche wechseln kann. Wie gesagt ändern sich die Bedürfnisse und Einstellungen der Menschen mit der Zeit und somit auch der Glaube an gewisse Dinge. Außerdem finde ich, dass man nicht unbedingt an eine Kirche gebunden sein muss, um an etwas zu glauben beziehungsweise um an einen Gott glauben zu können. Viele Menschen behaupten, dass sie sehr gläubig sind, aber gehen auch nicht in die Kirche. Das ist meiner Meinung nach aber auch nicht zwingend notwendig.

» lisa1902 » Beiträge: 249 » Talkpoints: 0,08 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich finde es auch, dass das zu einfach ist. Mein Mann hat aus seinem ganz banalen Grund damals im Grundschulalter seine Religion wechseln können. Er war evangelisch in einem katholischen Dorf. Er war der einzige evangelische Junge und litt darunter sehr. Er war dann nicht im Religionsunterricht und fühlte sich ausgeschlossen.

Also ging er mit seiner Mutter zum Pfarramt und es war nicht viel nötig. Mein Mann wurde katholisch und bei seiner anschliessenden Kommunion vorher einfach nochmal getauft. Das war kein Akt. Gut sein Stiefvater war auch katholisch, vielleicht ging es deshalb. Aber ich wunderte mich auch, dass ein Kind das entscheiden darf wegen solchen Gründen.

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» MoneFö » Beiträge: 2938 » Talkpoints: -3,73 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ja, kann man. Ich war selbst überrascht, wie schnell so was gehen kann. Meine Cousine hat inzwischen fast alle Religionen durch. Aufgewachsen ist sie als Katholikin. Sie war von dieser Richtung jedoch nie sonderlich angetan. Darüber regte sie sich des öfteren auf und das nicht nur zu Hause. Da sie in Polen aufgewachsen ist, war es dort selbstverständlich, dass sie auch Messdiener war. In den Sommerferien (in Polen hat man eher und länger Sommerferien) kam sie dann für einen Monat zu uns und besucht unter anderem auch meine Schule. Zufällig war unser Thema in Religion gerade die katholische Kirche und ihre Ansichten. Sie wurde als rückständig beschrieben und man zählte sämtliche Bespiele und Nachteile auf. Das ging auch an meiner Cousine nicht vorbei, die die Kirche aus dieser Sicht nie gesehen hatte, da man in Polen eine sehr gute Meinung darüber hat.

Sie erzählte ihre neuen Erkenntnisse so auch im Messdienerkreis herum und es kam schließlich dem Pfarrer zu Ohren. Erstaunlicher Weise, war es eben dieser, der ihr vorschlug doch auf die evangelische Seite zu wechseln. Zum Studieren kam meine Freundin nach Deutschland und war von einem Tag auf den anderen evangelisch. Nach einigen Monaten hatte sie einen türkischen Freund und trat kurz darauf in den Islam über, da sie fand, dass diese Religion doch viel intensiver und überzeugender sei, als das Christentum. Ein Jahr lang hielt sie es als Muslim aus.

Danach trat sie mit einigen Freunden eine Reise nach Indien an. Dort wurde sie dann vom Buddhismus überzeugt und änderte abermals ihre Religion. Ich fand das schon recht erschreckend, denn es widersprach auch ihrer vorigen Religion, dem Islam, nachdem eine Re-Konversion nicht mehr möglich sei. Ich war überrascht, wie einfach das alles zu gehen schien. Keine Zeremonien schienen notwendig zu sein, die alleinige Überzeugung schien zu reichen um auf dem Papier offiziell das Bekenntnis wechseln zu dürfen. Meines Wissens nach muss man beim Eintritt in die katholische Kirche die Kommunion und die Firmung nachholen. Ähnliche Bräuche schienen in den anderen Religionen nicht von Nöten zu sein. Ich fand das schon recht unverantwortlich. Der Hinduismus und der Judentum fehlt noch, aber den wird sie sicher auch bald entdeckt haben.

Ich bin Atheist, aber ich finde trotzdem, dass es schon ein wenig mehr brauchen sollte, um die Religion wechseln zu dürfen. Man sollte zum Beispiel über die Bräuche und die geschichtliche Entstehung Bescheid wissen und nicht einfach wechseln dürfen, wann es einem passt und dann damit angeben, man sei Buddhist oder Muslim. Ich hab mir das deutlich komplizierter vorgestellt, dass man beispielsweise auch erst einige Zeit als überzeugter Muslim leben müsst, um dann wirklich in den Islam wechseln zu können. Das scheint aber alles nicht nötig zu sein.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Ich muss ehrlich sagen,d ass ich darüber nur den Kopf schütteln kann. Entweder glaubt man an die Religion, oder eben nicht. Es kann durchaus sein, dass man sich etwas intensiver mal mit anderen Religionen auseinander setzt und feststellt, dass die bisherige nicht die Richtige ist. Oder das man einfach mit seiner nicht zufrieden ist und deswegen zu einer anderen Religion konvertiert, die passender für einen selbst ist.

Aber hier ist der Beweggrund ja ein ganz anderer. Nur weil man kirchlich heiraten will, wechselt man mal eben die Religion? Das ist doch wie ein altes Paar Schuhe, was ich gegen ein neues Paar austauschen. Nicht, weil die anderen kaputt sind aber.

Tatsächlich ist es bei manchen Religionen einfach zu wechseln. Bei anderen wiederum nicht, und das finde ich ehrlich auch gut so. Entweder glaubt man eben an das was man hört und liest, oder nicht.

Das Ganze nur zu machen für andere Leute finde ich sehr merkwürdig. Und nur kirchlich zu Heiraten, weil es vielleicht schöner ist? Da sollte man sich doch wirklich die Frage stellen, ob Gottes Segen dann überhaupt ankommt, wenn man eigentlich weniger daran glaubt ;).

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» winny2311 » Beiträge: 14929 » Talkpoints: 2,74 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


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