Sollte es mehr Lieder über soziale Tabuthemen geben?

vom 31.05.2020, 17:23 Uhr

In der neuen "Sing mein Song"-Staffel, dem Abend von MoTrip, hat Michael Patrick Kelly den Song "Embryo" ausgewählt - einen Song den MoTrip selbst nur zweimal live performt hat. MoTrip rappt darin über eine Abtreibung seiner Verlobten Larissa zu der sich die beiden vor langer Zeit entschieden hatten. MoTrip war 19, Schüler, und Larissa war ungewollt schwanger.

Man kann dem Song entnehmen, dass ihm und seiner Freundin Larissa die Entscheidung damals nicht leicht gefallen zu sein scheint. MoTrip hofft, dass er mit diesem Song auch anderen Menschen in einer solchen Situation helfen kann. Ihm und seiner Verlobten habe es geholfen, diese Entscheidung zu verarbeiten. Er sagt es sei gut, dass es diesen Song gibt und auch seine Song-Kollegen zollten ihm Respekt, dass er sich getraut hat über dieses Tabuthema zu singen.

Sie kamen zu dem Schluss, dass man sich eigentlich öfter trauen sollte, auch über Themen zu singen die in der Gesellschaft totgeschwiegen werden. Findet ihr es gut, wenn auch solche vermeintlichen "Tabuthemen" in Liedern thematisiert werden? Sollte es überhaupt Tabus in der Themenauswahl von Liedern geben?

» EngelmitHerz » Beiträge: 2066 » Talkpoints: 26,57 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich finde Musik sollte auch nicht nur etwas mit dem Geld verdienen zu tun haben und echte Emotionen verarbeiten. Leider ist es aber so, dass viele "Künstler" sich ihre Texte nur noch schreiben lassen, keine wirklichen Erlebnisse mehr verarbeitet werden, sondern man nur noch über das singt, was ankommt. Ich denke also, dass Texte wieder echter werden müssen, von den Musikern selbst stammen sollten und so wie es früher war, man setzt sich hin schreibt ein Lied und singt dann das Lied. Emotionen und schwierige Themen finde ich da höchst erwünscht.

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» Ramones » Beiträge: 42074 » Talkpoints: 19,04 » Auszeichnung für 42000 Beiträge


Ihr seid ja naiv. Letzten Endes geht es in der Musikindustrie wie in allen Wirtschaftszweigen um Angebot und Nachfrage. Sprich, wenn die Leute Songs über Abtreibung, Erbkrankheiten, nicht-barrierefreie Zugänge und Hautkrebs hören wollten, würden die schon geliefert, aber das ist wohl nicht der Fall. Meines Wissens ist sogar eher der Aufschrei und das Entsetzen groß, selbst wenn ein harmloses Thema wie Homosexualität gesanglich verarbeitet wird. Und die Frage ist eben: Willst du von deiner Musik und deinen Songs leben oder lieber die Welt verbessern, aber findest keinen Produzenten und kein Radiosender wagt sich an deine Themen heran?

Wenn du an der Straßenecke über den Klimawandel klampfen oder deinen Kindern Einschlaflieder über Atommüll-Endlager vorsingen möchtest, hindert dich schließlich keiner daran. Und wenn man tief genug gräbt, findet man bestimmt auch genügend sozialkritische und unangepasste KünstlerInnen, die sich in etwas unbequemeren Nischen eingerichtet haben. Aber es ist ja ganz klar, dass man diese im Mainstream und bei irgendwelchen albernen Shows vergeblich sucht.

» Gerbera » Beiträge: 9007 » Talkpoints: 3,70 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Natürlich gibt es Lieder über Tabuthemen und wer denkt, dass es die nicht gibt muss sich halt einfach mal aus seiner Mainstream Blase heraus begeben und sich da umschauen, wo die Leute ohne Plattenverträge und "Sing mein Song"-Staffeln vor sich hin wursteln.

Und wer ist eigentlich der Adressat von deinem "sollte"? Die Künstler, die gefälligst mehr über Abtreibungen schreiben sollen? Die Produzenten, die diese Lieder für die Veröffentlichung aussuchen sollen? Die Plattenfirmen, die die Auswahl abnicken sollen? Die Radiosender und "Sing mein Song" Leute, die mehr Lieder über Abtreibung ins Programm nehmen sollen?

Oder doch eher der Endkomsument, der sich erst mal für Lieder über Abtreibung interessieren muss und mit einer entsprechend gesteigerten Nachfrage reagieren muss damit die ganzen oben genannten Protagonisten überhaupt auf die Idee kommen, dass Abtreibungen ein Thema sind, mit dem man kommerziellen Erfolg haben könnte?

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» Cloudy24 » Beiträge: 25188 » Talkpoints: 64,28 » Auszeichnung für 25000 Beiträge



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