Andere Menschen für ihre Vergangenheit verurteilen?

vom 25.03.2020, 09:43 Uhr

Wenn ich jemanden kennenlerne, dann versuche ich in der Regel, nicht über ihre Vergangenheit zu urteilen, auch wenn ich diese alles andere als toll finde. Ich finde, dass eine zweite Chance oft verdient ist, erst recht dann, wenn die Vergangenheit rein gar nichts mit mir zu tun hat und ich die Person damals noch gar nicht kannte. Und jeder kann sich ja ändern.

Trotzdem gelingt es mir dann nicht immer, die Vergangenheit quasi auf sich beruhen zu lassen. Oft ertappe ich mich dann doch dabei, wie ich andere Menschen doch für ihre Vergangenheit verurteile. Wie ist das bei euch? Und kann man das irgendwie verhindern, dass man so denkt?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 33883 » Talkpoints: 192,32 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Klar verurteile ich andere für ihre Vergangenheit und ich habe auch gar nicht vor, meine Denkensweise zu verändern. Wieso auch? Es kommt doch vor allem darauf an, was der/diejenige welche unter welchen Umständen verbockt hat, und überhaupt nicht darauf, dass ich die Person noch gar nicht gekannt habe, als sie (was weiß ich) Autos geknackt und damit Spritztouren unternommen hat. Oder sich von Omas Medikamenten etwas abgezweigt. Oder Tiere gequält hat.

Und nicht jeder kann sich ändern. Ich finde, dass man hier immer im Einzelfall entscheiden und sehr genau hinschauen muss. So mancher Zeitgenosse hat perfekte Strategien entwickelt, immer im rechten Moment Krokodilstränen zu vergießen und Reue nebst Besserung zu geloben, und dann hat man doch jedes halbe Jahr den gleichen Mist, nur in Variationen. Ich wäre ja schön blöd, aus der Vergangenheit meiner Mitmenschen nichts lernen zu wollen, weil ja jeder eine zweite Chance verdient hat.

Aber wohlgemerkt: Mir geht es hier auch wirklich nicht um irgendwelche Jugendsünden. Wenn jemand in der Pubertät der besten Freundin den Freund ausgespannt hat und mittlerweile ein solides und bürgerliches Leben als brave Steuerzahlerin mittleren Alters führt, verurteile ich die Person deswegen natürlich nicht. Nicht jeder, der mal Äpfel geklaut oder illegale Substanzen ausprobiert hat, ist bei mir zeitlebens untendurch. :wink: Aber es gibt durchaus "Vergangenheiten", die ich nicht einfach so stehen lassen könnte, weil ja zwischendurch Zeit vergangen ist.

» Gerbera » Beiträge: 9027 » Talkpoints: 1,04 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Also ich würde nie jemanden für seine Vergangenheit verurteilen. Wir sind alle nur Menschen, die einen Lernprozess in ihrem Leben durchlaufen und aus Fehlern lernen oder Fehler begehen dürfen. Es steht ja nicht irgendwo geschrieben, dass wir alle perfekt sein müssen. Primär geht es also darum, dass wir auch alle entsprechende Fehler machen dürfen und da ist mir nicht gestattet, andere zu verurteilen.

Ich möchte doch im Gegenzug eigentlich auch nicht verurteilt werden. Wir reden ja hier jetzt von ganz normalen Dingen oder? Ob jemand eine Ex-Freundin zu viel hatte, mal etwas zu sich genommen hat, was eigentlich nicht sein sollte usw. Das sind alles ganz typische Themen, die passieren können und die ich auch nicht verurteile. Das ist nicht meine Baustelle, um es mal ganz salopp zu sagen.

Strafrechtliche Geschichten sind da wieder eine andere Angelegenheit und auch da bin ich sogar verdammt offen gegenüber. Es gibt nur eine Straftat, die ich nicht mit einer zweiten Chance bei mir verurteilen würde. Das sind sexuelle Delikte jeglicher Art. Hier gibt es von mir keine zweite Chance, mit den Personen möchte ich nicht in Kontakt treten und ich habe das Recht dies so zu werten, da ich selbst weiß, wie es ist, mit sowas ein Leben lang leben zu müssen.

Ansonsten verurteile ich niemanden, beurteile ich eigentlich alte Dinge nicht und akzeptiere es, wenn man aus Fehlern lernt. Ich weiß das sogar zu würdigen und ich schätze es, wenn man zu allem steht, was man getan hat. Zu allem. Es gibt eben nur ein Thema, wo das niemals zutreffend wird, weil ich es nicht richtig kann. Es tut mir leid, aber so ist es nun einmal.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 5366 » Talkpoints: 14,62 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ich bin nicht perfekt zur Welt gekommen und das erwarte ich auch von anderen Menschen nicht. Deswegen gebe ich jedem die Möglichkeit mich kennenzulernen und lerne die Person kennen. Nur weil jemand mal etwas geklaut hat, Drogen genommen hat oder was auch immer muss es ja kein schlechter Mensch sein und muss das immer noch machen. Wir alle verändern uns, lernen dazu und ändern uns. Wenn einer immer noch so ist, dann möchte ich die Person auch nicht kennenlernen, aber ich gebe jedem eine Chance, der sie auch verdient.

Eine Vergangenheit hat ja jeder und auch ich habe schon Dinge gemacht, die ich mir so gar nicht zugetraut habe moralisch gesehen, dennoch gibt es Menschen, die mich weiterhin mögen und lieben und ich kann ja auch jedem meine Geschichte erzählen.

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» Ramones » Beiträge: 42122 » Talkpoints: 28,29 » Auszeichnung für 42000 Beiträge



Ich verurteile Menschen nicht nach ihrer Vergangenheit. Denn die Vergangenheit ist vergangen und was zählen sollte ist die Gegenwart. Ich verurteile Menschen aber für ihr Verhalten in der Gegenwart, die womöglich durch die Vergangenheit bedingt ist.

Ich denke, dass Menschen nichts oder nicht viel für ihre Vergangenheit können und in den meisten Fällen nicht dafür verantwortlich sind, was damals passiert ist. Beziehungsweise es ist ja schon passiert und sie können es nicht rückgängig machen. Wofür sie jedoch verantwortlich sind ist, was sie daraus machen. Lernen sie daraus und handeln dementsprechend klüger in der Gegenwart oder stecken sie in ihren Denkmustern fest und sind nicht bereit, ihr Verhalten zu ändern? Das ist für mich die entscheidende Frage.

» Aguti » Beiträge: 963 » Talkpoints: 1,93 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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