Sich als Familie kein Fleisch leisten können?

vom 14.03.2017, 11:55 Uhr

Ich schaue zugegebenermaßen nur selten Betroffenheits-TV, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ausdrücklich Fleisch als unerschwinglich dargestellt wurde. Meistens wurde gezeigt, wie es bei der Tafel so zugeht, und dass man beim Kochen doch hin und wieder gewaltig improvisieren muss, aber der explizite Verzicht auf Fleisch wäre mir neu. Wahrscheinlich hängt es immer vom Einzelfall ab.

Wenn man beispielsweise relativen Luxus gewöhnt war und dann "abgerutscht" ist, wie es so schön heißt, kann ich mir schon eher vorstellen, dass jemand seine tägliche Fleischmahlzeit vermisst und vegetarisches Essen als Arme-Leute-Küche ansieht. Andere Leute kennen es vielleicht kaum anders, als dass man an allen Ecken und Enden sparen muss, und betrachten Fleisch weniger als Grundnahrungsmittel denn als Luxus für besondere Gelegenheiten. Für die Gesundheit ist es sowieso besser, wenn man wie anno dazumal nur sonntags Fleisch zubereitet.

Außerdem ist Fleisch beim Discounter meiner Meinung nach sowieso megabillig. 500 Gramm Hackfleisch gemischt kosten oft unter 2 Euro, und daraus kann man Nudelauflauf mit Hackfleischsoße für die ganze Familie oder das ganze Wochenende machen. Auch Bratwürstchen gibt es im Discounter beispielsweise für Kleingeld, und die bestehen auch aus Fleisch. Wenn Fleisch jedoch in den Augen des Konsumenten erst bei Rinderfilet für 18,50 Euro pro Person anfängt, ist natürlich eher Verzicht angesagt.

Aber generell finde ich nicht, dass Fleisch durch die Bank teurer ist als andere Lebensmittel, wenn man von den absoluten "Basics" wie Reis oder Mehl absieht. Dennoch ist es in meinen Augen nachvollziehbar, dass man bei knappem Geldbeutel und gesundem Menschenverstand beim Fleisch spart, da man auch vegetarisch gut und gesund kochen und sich ernähren kann.

» Gerbera » Beiträge: 8390 » Talkpoints: 1,81 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich konnte diese Aussagen auch immer nicht ganz verstehen, dass man sich als Familie kein oder nur kaum Fleisch leisten kann. Aber ich denke auch, dass es eine Rolle spielt, wo man eben wohnt. Wenn man nur einen teuren Supermarkt in der Nähe hat und andere eher schlecht erreicht, kann ich mir schon vorstellen, dass Fleisch dann relativ teuer sein wird.

Es hat sicher nicht jeder die Möglichkeit in Discountern einkaufen zu können. Da kann ich dann schon verstehen, wenn man eben an Fleisch sparen muss und sich das einfach nicht immer leisten kann.

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» Nelchen » Beiträge: 32246 » Talkpoints: -0,17 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Ich hasse dieses Thema, weil es mich ankotzt, was sich offenbar für fehlgeleitete Menschen im TV präsentieren und behaupten, dass H4 nicht reichen würde, um gesund zu essen, auch mal mit Fleisch & Co. Denn ich habe selber von Hartz IV gelebt und lebe im Übrigen aktuell von fast demselben Geld, weil ich nur noch Teilzeit beschäftigt bin, sodass ich auch schauen muss, wie ich klar komme, aber es klappt. Auch als ich Hartz IV bekam nach meinem schweren Unfall und allem drum und dran, konnte ich immer Gemüse, Fleisch, Obst, Ballaststoffe sowie Kohlenhydrate auf dem Teller servieren.

Es war sogar kein Problem, für zwei bis drei Leute mehr zu kochen. Es kommt eben darauf an, ob man lieber mehr Geld für Kippen und Schund ausgeben möchte, als fürs Essen. Auch kommt es darauf an, wie man kauft. Wenn man nur 2 Schnitzel beim Metzger ums Eck, einen türkischen Metzger vom Hähnchen zum Beispiel kauft, dann kostet es weniger, als wenn man direkt das ganze Paket von 500 Gramm bei Aldi kauft. Man kann also auch etwas genauer einkaufen, was sehr viel preiswerter ist und auch die Lebensmittelverschwendung vermeidet.

Wenn ich z.B eine Gemüsepfanne mache mit Fleisch ( ich nehme meist Geflügel ) dann kaufe ich entsprechend das Gemüse ein ( gerne auch auf einen Markt, der in der Essener Innenstadt immer ist ) und das Fleisch beim Metzger kaufe ich genau. Da zahle ich dann weniger, als wenn ich ein 500 Gramm Paket kaufe und abgesehen davon ist es auch schon besser in der Qualität.

Jeden Tag muss ich sowieso kein Fleisch haben und auch Fisch kommt gut und oft auf den Teller. Ich finde es immer so hammer, wenn da offenbar falsch hauswirtschaftende Hartz IV Empfänger im TV behaupten, gesund ernähren geht nicht, Fleisch geht nicht und an Fisch sei nicht zu denken. Man muss zum einen nur wissen wie und zum anderen vielleicht mal Rauchen und andere Dinge eingrenzen, die vollkommen unnötig sind.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4951 » Talkpoints: 8,46 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



cooper75 hat geschrieben:Cloudy, das kann man aber auch wieder pauschal nicht so sagen. Man kann vieles frisch kochen und ist billiger als beim Fertigprodukt. Aber man kann auch so einkaufen, dass man deutlich billiger hinkommt als bei frischem Essen. Drei Pizzen für 1,99 Euro oder 400 ml Bolognese für 79 Cent sind günstiger. Wenn man den Geschmack außen vor lässt, bekommt viele Fertigprodukte günstiger als die frische Version.

Natürlich gibt es ein paar Produkte, bei denen man sparen kann, wenn man auf die Fertigprodukte zurückgreift. Aber erstens ist die Zahl dieser Produkte recht überschaubar und eher nicht für eine halbwegs ausgewogene oder zumindest abwechslungsreiche Ernährung geeignet und zweitens ging es in dem Bericht, den ich damals gesehen habe, überhaupt nicht darum, dass jemand eine fertige Sauce kauft, weil die billiger ist sondern, dass jemand zum Beispiel Kartoffeln im Glas gekauft hat, weil das ja einfacher ist und weil Mutti die auch immer gekauft hat.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23920 » Talkpoints: 88,24 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Ich habe den Bericht nicht gesehen. Aber ich weiß, was Menschen kaufen, die sehr wenig Geld zur Verfügung haben. Da steht natürlich keine ausgewogene Ernährung im Mittelpunkt, da geht es um etwas zu beißen und mehr nicht. Wenn der Satz von Hartz teilweise für andere Dinge wie Miete aufgewendet werden muss, dann kommt man schnell in den Bereich, mit dem die Menschen wirtschaften, die ich meine.

» cooper75 » Beiträge: 11660 » Talkpoints: 527,22 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Ich bin nun kein Empfänger von Arbeitslosengeld, aber dafür Student, und die sind ja bekanntlich auch immer pleite :D Rein aus Neugier habe ich auch mal zwei verschiedene Arbeitslosengeldrechner ausprobiert, und wenn ich da nichts komplett falsch eingegeben habe, wäre das sogar mehr als das Geld, was ich momentan im Monat zur Verfügung habe.

Zugegebenermaßen esse ich auch nur sehr selten Fleisch. Das hat aber weniger damit zutun, dass ich es mir nicht leisten kann, sondern damit, dass ich bei tierischen Produkten generell mehr darauf achte, wo sie herkommen. Die Eier sind Bio, wenn möglich Haehnlein, genauso die Milch. Ohne Fleisch kann ich so essen und hätte am Ende des Monats trotzdem noch gut Geld übrig, solange nicht andere Anschaffungen noch nötig wären, aber shoppen gehe ich ohnehin höchstens mal alle paar Monate, und Haushaltsgeräte müssen ja meist eher selten ersetzt werden. Geld für Fleisch, und zwar vom Schlachter, wäre bei mir zumindest locker noch da, vielleicht nicht täglich, aber wenn ich wollte, dann sicher zwei, drei Mal die Woche.

Ich vermisse es einfach nicht genug, um dafür extra Geld auszugeben. Fleisch kostet eben trotzdem noch mehr, als Gemüse. In der Mensa greife ich dann schon gerne mal zum Fleisch, je nachdem, wie teuer die Fleischgerichte denn an dem Tag sind und was sonst so angeboten wird, aber ich esse eben auch nicht täglich in der Mensa.

Ich bestreite dabei gar nicht, dass es für Familien gut auch schwerer sein könnte, als für eine einzelne Person. Aber dass man sich so gar kein Fleisch leisten kann, wenn man ein wenig aufpasst, kann ich mir nicht vorstellen. Man kann eben nicht täglich Fleisch essen, und vielleicht muss man auch öfter auf Schokolade und Chips verzichten, aber wenn es einem wichtig ist, dann sollte es auch möglich sein.

» Kalu-chan » Beiträge: 718 » Talkpoints: 11,85 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Eine Zeit lang hatte ich im Studium eine Vorliebe für Hackfleisch mit Ei und Semmelbrösel. Also habe ich mir öfters eine Packung Hackfleisch gekauft und wenn ich mich recht erinnere, hat das im Rewe damals weniger als 2 Euro gekostet. Oder eine Fertiglasagne (mit Fleisch drin), mit einem Gewicht von 1 kg (reicht also für 2 Leute) kostete auch nur zwei Euro.

Noch heute kaufe ich eher preisbewusst ein und wenn ich meinen Wocheneinkauf mache, da schaue ich im Reduziert-Regal, wo die Sachen lagern, die nicht mehr so lange haltbar sind, da findet sich viel an Wurst usw. D.h. wem meinetwegen das Hackfleisch für 2 Euro noch zu teuer ist, der kann schauen, ob es nicht noch welches im reduzierten Bereich gibt. Das ist doch dann so günstig, dass es sich jeder leisten kann.

Ich denke eher, dass manche nur zu hohe Ansprüche haben. Also wenn man dann anfängt, keine abgepackten Fleischsorten haben zu wollen, aus irgendwelchen Pingeligkeitsgründen, dann also das teurere Produkt kauft, dann mag es schon sein, dass man an finanzielle Grenzen stößt. Aber das sind dann individuelle Befindlichkeiten und keine wirklich ernsthaften Gründe. Man kann auch nicht sagen, dass das billige Hackfleisch ungesünder ist als das teure.

Was ich mir sonst noch vorstellen kann, ist, dass jemand vielleicht in solch einer schlechten Lage wohnt, dass da kein Supermarkt in der Nähe ist, sondern nur ein teurer Kleinmarkt oder so ein Tante-Emma-Laden, wo vieles wirklich teurer ist als bei Rewe und Co. Aber selbst bei mir daheim, was wirklich eher abgeschieden liegt, erreicht man innerhalb von 15 min Fahrzeit den nächsten Discounter. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass es allzu viele Gegenden gibt, in denen es keine Supermärkte gibt.

» Zitronengras » Beiträge: 8712 » Talkpoints: 1,84 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich finde es immer wieder faszinierend, dass bei solche Diskussionen immer wieder Leute ihre Meinung kund tun, mit den Argumenten, ich habe früher auch von so wenig Geld gelebt und das klappte damals wunderbar. Vor zehn Jahren hätte ich allerdings auch nie gedacht, dass es auf Dauer doch Einfluss auf die Gesundheit nehmen könnte, wenn man sich ungesünder ernährt. Meine Erfahrungen sagen mir, das funktioniert auf Dauer nicht wirklich. Also es funktioniert auf Dauer nicht wirklich, sich mit wenig Geld dauerhaft gesund zu ernähren.

@ Kalu-chan - Du magst als Student sicherlich mit weniger Geld auskommen. Allerdings ist der Zeitraum überschaubar. Noch dazu hast du noch aus deinem Elternhaus diverse Dinge vorrätig. Als ich aus meinem Elternhaus auszog hatte ich Bettwäsche, Handtücher und ähnliches. Heute muss davon diverses mal ersetzt werden.

Es geht bei Arbeitslosengeld 2 Beziehern in der Regel um Langzeitarbeitslose. Da muss über kurz oder lang mal eine Elektrogerät ersetzt werden. Da muss Kleidung und anderes angeschafft werden und so weiter.

Eine Zeit lang hatte ich im Studium eine Vorliebe für Hackfleisch mit Ei und Semmelbrösel. Also habe ich mir öfters eine Packung Hackfleisch gekauft und wenn ich mich recht erinnere, hat das im Rewe damals weniger als 2 Euro gekostet. Oder eine Fertiglasagne (mit Fleisch drin), mit einem Gewicht von 1 kg (reicht also für 2 Leute) kostete auch nur zwei Euro.

Was ist ein Hackfleisch mit Ei und Paniermehl bitte schön ausgewogen? Erhitzt werden muss das auch noch oder hast du das roh verzehrt. Und dann sollte man nicht die Preise von sonst wann nehmen, sondern sich an den aktuellen Preisen orientieren. Aktuelle Hackfleischpreise bei Rewe. Wobei es die 250 Gramm Packungen noch nicht ganz so lange gibt.

Bei Lasagne weichen die aktuellen Preise leider auch von denen ab, die du hier nennst. Hier eine Gesamtübersicht. Das Kilogrammpaket kommt immerhin schon auf 2,99 Euro. Und unter zwei Euro und fast drei Euro machen in einem Geringverdienerhaushalt durchaus was aus. Wobei ich bezweifle, dass man die Fertiglasagne noch als vollwertig und ausgewogen bezeichnen kann. Ich würde sogar wetten, dass ich dir so eine Kiloschale Lasagne, in der das drin ist, was in der abgepackten Lasagne drin ist, für unter 2,99 Euro herstellen kann, wenn ich Hackfleisch im Angebot bekomme.

Ich denke eher, dass manche nur zu hohe Ansprüche haben. Also wenn man dann anfängt, keine abgepackten Fleischsorten haben zu wollen, aus irgendwelchen Pingeligkeitsgründen, dann also das teurere Produkt kauft, dann mag es schon sein, dass man an finanzielle Grenzen stößt. Aber das sind dann individuelle Befindlichkeiten und keine wirklich ernsthaften Gründe. Man kann auch nicht sagen, dass das billige Hackfleisch ungesünder ist als das teure.

Abgepacktes Hackfleisch ist oftmals relativ lange haltbar. Frisches Hackfleisch sollte am Kauftag, spätestens am Folgetag durch erhitzt werden. Nun muss dem abgepackten Hackfleisch ja was zugegeben werden, damit es überhaupt so lange haltbar ist. Wirklich erwiesen ist es noch nicht, dass es wirklich absolut unbedenklich ist.

Wenn man Hackfleisch beim Metzger kauft, und ich meine hier nicht den Supermarktmetzger, dann wirst du mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit magereres Hackfleisch bekommen, als das abgepackte. Je fetter Fleisch ist, um so ungesünder ist es.

» LittleSister » Beiträge: 10487 » Talkpoints: 1,52 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


LittleSister hat geschrieben:@ Kalu-chan - Du magst als Student sicherlich mit weniger Geld auskommen. Allerdings ist der Zeitraum überschaubar. Noch dazu hast du noch aus deinem Elternhaus diverse Dinge vorrätig. Als ich aus meinem Elternhaus auszog hatte ich Bettwäsche, Handtücher und ähnliches. Heute muss davon diverses mal ersetzt werden.

Im Gegensatz dazu zahlt der Student aber auch noch einen Semesterbeitrag der gerne um die 200 € in 6 Monaten beträgt und darf sich auch noch das ein oder andere Buch kaufen, die bekanntlich auch nicht für 2-3 € zu haben sind, sondern durchaus auch mal 30-40 € pro Buch kosten. Ich habe damals in einem Semester locker im Schnitt noch um die 100 € nur für Bücher ausgegeben und da waren mit ein wenig Glück schon Bücher dabei, die ich aus dem vorherigen Semester abkaufen konnte.

Genauso hat auch ein Langzeitarbeitloser erstmal seine Grundausstattung an Bettwäsche, Handtüchern etc. zur Verfügung und muss diese nicht plötzlich mit eintreten der Langzeitarbeitslosigkeit komplett neu kaufen. Und nicht jeder Student zieht in eine Wohnung die voller neuer Elektrogeräte ist, viele übernehmen etwas von Vormietern oder kaufen gebraucht, denn wo soll ein Student, der direkt von der Schule kommt, das Geld hernehmen für eine vollständig neu ausgestattete Wohnung? Bei weitem nicht alle Eltern können das bezahlen.

Deshalb finde ich mittlerweile hinkt dieser Vergleich sehr. Interessant ist nur, dass immer gesagt wird, Studenten müssen da ja durch, das wäre ja nur für einen kurzen Zeitraum und es ginge ihnen ja definitiv besser, auch mit weniger Geld. Vielleicht liegt es einfach nur daran, das Studenten in der Regel einfach weniger jammern und mit ihrem Geld anders umgehen und sich dann so doch noch die ein oder andere Party leisten können.

Ich bin durchaus auch der Meinung, das der reine Bezug von Arbeitslosengeld 2 kein Grund ist zu behaupten man könne sich kein Fleisch leisten oder man könne sich nicht ausgewogen ernähren. Natürlich wird es nicht jeden Tag immer Fleisch geben und das Beste Essen auf dem Tisch stehen, aber eine im Durchschnitt ausgewogene Ernährung ist durchaus möglich.

Dazu ist es aber nötig, dass man Sonderangebote studiert, sich überlegt, was man über die Woche essen möchte und auch das man in die Zubereitung mehr Zeit investiert. So ist ein Netz Kartoffeln eben günstiger als Kartoffeln aus dem Glas und auch das Kartoffelpüree aus den frischen Kartoffeln ist definitiv gesünder als das Tütenpüree. Tiefkühlgemüse ist definitiv gesünder als das aus dem Glas und steht dem frischen nicht mehr in vielem nach, ist aber häufig auch günstiger als frisch gekauftes.

Wenn man zudem dann noch auf Saison Ware achtet, die dann auch immer günstiger ist, als außerhalb der Saison lässt sich zum einen eine Menge Geld sparen und dennoch eine vernünftige Ernährung gewährleisten. Jeden Tag Nudeln mit Soße braucht heute niemand mehr essen, wenn man sich eben mit den Preisen beschäftigt. Wobei es ja kein Problem ist, wenn es diese zwischendurch auch mal gibt.

Aber das oben genannte setzt eben voraus, das man sein Essen genau plant und Zeit investiert und den Einkauf berechnet und ich vermute, das ist die größte Hürde für diejenigen die gerne jammern, das das Geld nicht reicht.

» StarChild » Beiträge: 1362 » Talkpoints: 23,89 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Klar mag der Vergleich hinken, aber ich wollte damit auch auf was anderes hinaus. Ich versuche es einfach anders zu erklären. Jemand, der quasi vom Taschengeldbezug in ein Leben mit geringen Einkommen fällt, dem fällt der Umgang damit leichter, als jemand, der Jahre oder Jahrzehnte ein halbwegs gutes Einkommen hatte und dann mit wesentlich weniger Geld auskommen muss. Und die teilweise mangelnde Perspektive kommt auch noch dazu.

Ich habe nur eine Ausbildung gemacht und wohnte in der Zeit noch im Elternhaus. Mein Ausbildungsgehalt konnte ich komplett behalten. Damals waren 500 DM viel Geld. Nach meiner Ausbildung habe ich ein halbes Jahr für Tariflohn gearbeitet und musste davon auch was daheim abgeben. Trotzdem hatte ich genügend Geld. Ein halbes Jahr habe ich das gemacht und bin dann noch ein Jahr zur Schule gegangen. Meine Mutter zahlte mir damals 100 DM Taschengeld, wenn ich mich nicht irre und ich habe ab und an gejobbt. Es hat funktioniert, aber große Sprünge waren nicht drin.

Ich bin nach der Schule wieder in meinem gelernten Beruf arbeiten gegangen. Verdiente nicht gerade viel, aber ich kam über die Runden. Ein paar Monate später zog ich aus dem Elternhaus aus. Die Möbel, die ich damals, Anfang der 90er Jahre, kaufte, habe ich fast alle noch. Teilweise habe ich auch Erbstücke in meinen Haushalt übernommen, die immer noch in Gebrauch sind. Finanziert habe ich den Einzug durch Erspartes.

Finanziell ging es, es waren eben keine großen Sprünge drin. Aber die war ich vorher schon nicht gewohnt. Ab und machte ich einen Nebenjob, um meine Kasse aufzubessern. Ich war ein paar Mal ein paar Wochen und Monate arbeitslos. In den Zeiten habe ich aber meistens für ein paar Euro einen Nebenjob gemacht. Aber sparen konnte ich wenig.

Irgendwann wurde ich krank. Noch während ich im Krankenhaus war, wurde mir gekündigt. Es war aber an sich abzusehen, dass ich in meinen erlernten Beruf nicht mehr zurück kann. Als ich gekündigt wurde, war ich bereits im Krankengeldbezug. Ich hatte vorher schon nicht viel verdient, jetzt wurde es eng. Wobei es schon eine Umstellung war, denn vorher war ich fast nur zum Schlafen daheim und nun saß ich rund um die Uhr zu Hause.

Vom Krankengeldbezug fiel ich in die Erwerbsminderungsrente. Die weit unter dem Arbeitslosengeld 2 Satz lag und noch liegt. Ich wäre Anfangs nie auf die Idee gekommen, Sozialleistungen zu beantragen. Mittlerweile sieht die Deutsche Sozialgesetzgebung so aus, dass ich mit meiner mittlerweile lebenslang bewilligten Rente nur einen Anspruch auf Wohngeld habe. Was im Endeffekt heißt, dass ich wieder mal weit unter dem aktuellen Arbeitslosengeld 2 Satz lebe.

Es funktioniert. Mit manchem habe ich mich arrangiert. Ich kann allerdings auch kochen, was die Kosten durchaus senkt. Ich weiß auch, wie man aus wenig was machen kann. Alle paar Monate zehrt es trotzdem an den Nerven, wenn mir, mal wieder, klar wird, dass sich an dem Zustand nichts ändern wird.

Ich wollte an sich nach dem Jahr Schule studieren. Es gab verschiedene Gründe warum ich es damals nicht getan habe. Einer der Gründe, allerdings nicht der Entscheidende war, dass ich es hätte nicht finanzieren können. Einen Nebenjob und studieren habe ich mir nicht zugetraut. Heute weiß ich, ich hätte das damals hinbekommen. Wobei es sicherlich einfacher gewesen wäre, wenn ich nicht vor dem Studium schon relativ viel Geld regelmäßig zur Verfügung gehabt hätte. Und genau darauf wollte ich an sich hinaus.

» LittleSister » Beiträge: 10487 » Talkpoints: 1,52 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


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