Sich als Familie kein Fleisch leisten können?

vom 14.03.2017, 11:55 Uhr

In einigen TV Dokumentationen werden ja oftmals auch Hartz4 Familien gezeigt, wo dann in den Gesprächen auch oftmals betont wird, dass Fleisch bei ihnen so gut wie nie auf dem Speiseplan steht, weil es förmlich unerschwinglich sei. Könnt ihr diese Meinung nachvollziehen, ist das denn wirklich Realität oder ist das eher etwas übertrieben? Kann man sich denn als Familie nicht auch mal etwas Fleisch kaufen, gerade wenn es im Angebot ist?

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» mikado* » Beiträge: 2473 » Talkpoints: 581,11 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Das kommt sicher auch auf die Form des Fleisches an. Wenn man Gehacktes halb und halb aus dem Discounter kauft, ist das schon relativ erschwinglich. Wenn man aber gerne ein Rindersteak für jedes Familienmitglied haben möchte, kommt man schon schnell in Preisgebiete, die Menschen, die von sozialer Stütze leben nicht so ohne weiteres leisten können.

Sicher kann man sich auch mal einen hochpreisigeren Artikel gönnen, aber wenn das Geld dann eben nur so knapp über den Monat reicht, muss man dann eben woanders Abstriche machen und kann die neuen Schuhe für das Kind vielleicht erst einen Monat später kaufen oder ähnliches.

Inwieweit man damit leben könnte, kann ja jeder für sich selbst ausprobieren. Die Regelsätze, die erwachsene und minderjährige Empfänger von Hartz 4 bekommen sind ja offizielle bekannt. Wenn man das wissen möchte, kann man sich ja am Anfang des Monats eine Haushaltskasse aufstellen, in die man für Nahrungsmittel nur genau die Menge Geld für die Familie packt, die einem in so einer Situation zur Verfügung stünde. Und selbst wenn man vielleicht einen Monat noch gut über die Runden kommt, weil man ja auch diverses als Vorrat zu Hause hat und nicht wegen jeder Packung Salz sofort einkaufen muss, wird es nach einer Weile schon knapper, vor allem, wenn man sich selbst so weit diszipliniert, dass man die Vorräte aus der Zeit vom Selbstversuch nicht mit benützt, so lange man den Selbstversuch durchzieht.

Manchen Leuten mag es recht leicht fallen zu verzichten. Aber wenn man gerne gut isst und das eine Weile gewohnt war, wird es schon nicht so ganz leicht fallen, seine Essgewohnheiten auf schmale Kost umzustellen.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12158 » Talkpoints: 172,49 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


trüffelsucher hat geschrieben: Manchen Leuten mag es recht leicht fallen zu verzichten. Aber wenn man gerne gut isst und das eine Weile gewohnt war, wird es schon nicht so ganz leicht fallen, seine Essgewohnheiten auf schmale Kost umzustellen.

Wenn man vorher gut gegessen hat und es sich leisten konnte hatte man ja auch einen Job, dementsprechend wird man sich auch wieder einen suchen und dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Zum Thema. Man kann immer günstig kochen. Letztendlich ist es Geld, was man jeden Monat geschenkt bekommt, wofür man nichts machen muss. Natürlich kann man Kritik üben und meckern, aber letztendlich kann man doch froh sein überhaupt Geld zu bekommen und nicht mittellos dazustehen. Ich finde auf jeden Fall dass man für dieses Geld auch mit Fleisch kochen kann, es hat dann eben eine andere Qualität als ein Steak, was man in einem edlen Restaurant bekommt, aber man kann sich Fleisch leisten. Man muss eben Angebote kaufen und saisonal kaufen, dann kosten Lebensmittel auch nicht so viel.

Man muss ja immer schauen wie man über die Runden kommt und was man sich leisten kann und was nicht und wenn man arbeitslos ist, dann muss man das auch irgendwie schaffen. Mag sein, dass sich das nun mies anhört, aber ich finde schon, dass man das mit entsprechender Planung schon schaffen kann.

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» Ramones » Beiträge: 36209 » Talkpoints: 5,59 » Auszeichnung für 36000 Beiträge



Die Regelsätze mit den lustigen Berechnungen helfen nur wenig, weil es nicht aufgeht. Denn nicht jeder kommt mit den einzelnen Posten hin und dann muss aus anderen Töpfen entnommen werden. Unser Sozialticket ist beispielsweise teurer als der vorgesehene Anteil des Budgets. Wer nicht erstattungsfähige Medikamente benötigt, hat schnell ein Problem. Wer seine Wohnung teilweise selbst finanzieren muss, für den wird es ganz eng.

Es ist schließlich weder jedes Leben noch jedes Umfeld gleich. Hier finden beispielsweise Familien leicht eine Wohnung im erlaubten Kostenrahmen. Für Singles ist es schwerer aber möglich. In München oder Frankfurt sieht das ganz anders aus und einfach die Stadt wechseln geht ja nicht. Da zahlen viele die Miete zwangsweise selbst.

Als wir auf dem Land gewohnt haben, gab es einen Supermarkt. Der war aber teurer als andere. Während in der Stadt kein nennenswerter Unterschied zwischen Aldi und Produkten von Tip oder ja besteht, kostet dort alles im Segment Eigenmarke zehn bis zwanzig Cent mehr, Markenprodukte sind noch teurer. Ohne Auto oder teures Ticket zum NRW-Tarif, weil dort das Nirvana der Verkehrsverbünde liegt, ist nichts erreichbar. Wer da Hartz bekommt, hat das Nachsehen.

Man kann es einfach nicht vergleichen. Wenn ich nur an die Kosten für die Schulbücher denke, wird mir schlecht. Das zusätzliche Geld dafür würde nur ein Drittel abdecken. Dafür kann man hier fußläufig günstig in vielen Supermärkten und Discountern einkaufen und erreicht viele Ärzte und Apotheken. Als Single ginge es hier vergleichsweise gut, denke ich.

» cooper75 » Beiträge: 10095 » Talkpoints: 17,58 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Von Jammern war hier im Startbeitrag gar nicht die Rede. Von daher frage ich mich schon, warum das jetzt hier bemüht werden soll. Und leider klappt es eben nicht immer so reibungslos, dass man wieder einen Job bekommt, wenn man einen hatte. Nicht jeder arbeitet in einem Mangelberuf und nicht jeder wird entlassen und steht noch auf dem aktuellen Stand, den der Arbeitsmarkt gerne hätte. Von daher finde ich das schon hart, das so pauschal zu verurteilen, wenn jemand in dieser Lage ist.

Und zu detaillierter Planung ist auch längst nicht jeder in der Lage. Dazu gehört eine gewisse Schulbildung und Fähigkeit zu rechnen. Dazu gehört auch eine ganze Menge Disziplin und die Fähigkeit zu verzichten. Und letztlich auch eine gewisse Leistungsfähigkeit des Gehirns. Naturgemäß kann es nicht sein, dass jeder die dafür nötigen Voraussetzungen auch hat. Von daher finde ich es schon fast anmaßend zu sagen, dass das möglich sei, weil eben nicht alle Menschen gleich sind.

Das geht ja auch da weiter, dass nicht jeder jede Kost verträgt. Wie ist das denn, wenn man auf spezielle Ernährungsbedürfnisse wie Allergien oder Unverträglichkeiten achten muss und die Ersatzlebensmittel teurer sind als der Standard. Da kann das schnell schwierig werden.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12158 » Talkpoints: 172,49 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Ich habe momentan ein Einkommen unter dem derzeitigen Arbeitslosengeld 2 Satz. Ich habe aber auch schon auf Arbeitslosengeld 2 Niveau gelebt. Fleisch gibt es bei mir sehr selten. Wobei da verschiedene Faktoren mit rein spielen. Die finanziellen Mittel aber durchaus einer der Hauptgründe sind.

Ich persönlich finde abgepacktes Hackfleisch ziemlich eklig. Ich habe es auch schon gekauft, aber die Qualität sprach für sich. Da verzichte ich dann dankend drauf. Hackfleisch kaufe ich ab und an im Angebot an der Bedientheke bei REWE. Das ist für mich ein Kompromiss. Wobei es mir auch schon passiert ist, dass das Hackfleisch aus dem Angebot hauptsächlich aus Fett bestand und ich dann verzichtet habe.

Bei Fleisch am Stück fällt mir der Kauf beim Discounter schon leichter. Aber wirklich zufrieden war ich nie. Deshalb verzichte ich hier gerne. Wobei ich eben auch keinen Braten für mich alleine mache. Das ist mir zu aufwendig. Suppenfleisch mochte ich noch nie. Suppe gibt es bei mir selten und wenn mache ich gleich eine Suppe aus Gemüse.

Schnitzel habe ich früher ab und an abgepackt verkauft. Auch hier bin ich eher pingelig geworden. Wobei Putenschnitzel ab und an in meinem Einkaufswagen landen. Auch Hähnchenbrust kaufe ich bedenkenlos abgepackt. Wobei die Metzgereien vor Ort Hähnchenbrust auch nur abgepackt angeliefert bekommen. Da macht das für mich keinen Unterschied, wo ich die abgepackte Ware kaufe. Aber preislich macht es eben einen Unterschied.

Schweinegulasch kaufe ich gelegentlich abgepackt im Angebot. Der wird dann aber mit reichlich Gemüse gekocht, so das ich mehrere Tage davon essen kann. Dann rechnet sich das wieder. Allerdings wird die Packung von mir genau untersucht, bevor ich sie in meinen Einkaufswagen packe.

Bei manchen Sachen traue ich mich einfach nicht dran. Im letzten Jahr habe ich bei der Tafel mal ein abgepacktes Rumpsteak von einem Discounter bekommen. Das war erstaunlich lecker. Zu Silvester habe ich Raclette gemacht, nur für mich alleine. Da habe ich mich dann doch mal getraut ein Rumpsteak beim Discounter zu kaufen. War eine finanzielle Ausnahme. Geschmeckt hat es sehr gut.

Ich habe auch schon gelegentlich in einem türkischen Supermarkt Fleisch gekauft. Die haben hier eine Bedientheke mit einer sehr schönen Auswahl. Wobei man halt Schweinefleisch nicht zu Gesicht bekommen wird. Die Hähnchenbrust kostet so viel wie beim Discounter um die Ecke. Mit anderen Sachen sind sie zum Teil sogar günstiger.

Ich beziehe einen Teil meiner Lebensmittel über die örtliche Tafel. Als Singlehaushalt bekomme ich sehr selten Fleisch, da das vor allem an Familien abgegeben wird. Würde ich geplanter einkaufen und kochen und würde mehr Wert darauf legen, öfters Fleisch essen zu können, wäre das sicherlich auch mit Arbeitslosengeld 2 oder Sozialgeld möglich.Dazu müsste man aber mehr planen, Preise vergleichen und so weiter. Aber machbar wäre es.

» LittleSister » Beiträge: 10491 » Talkpoints: 1,53 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Wurde dann auch gezeigt, was die Leute so essen? Ich meine, Gemüse war in letzter Zeit auch nicht gerade günstig. Für das Geld, das ich dafür ausgegeben habe, hätte ich mir auch locker das billige Fleisch aus dem Discounter kaufen können.

Ich glaube, das viele Leute, die über die Kosten für Lebensmittel jammern, nicht wirklich wissen, wie man richtig kocht und einkauft. Ich habe vor längerer Zeit mal einen Bericht gesehen, in dem es auch um dieses Thema ging und da wurden total viele Fertigprodukte und verarbeitete Lebensmittel gekauft. Natürlich ist es teurer wenn man die Karotten nicht frisch sondern im Glas kauft und wenn man für jedes Gericht ein Fixtütchen für 50 Cent oder mehr braucht.

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» Cloudy24 » Beiträge: 20332 » Talkpoints: 12,61 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Cloudy, das kann man aber auch wieder pauschal nicht so sagen. Man kann vieles frisch kochen und ist billiger als beim Fertigprodukt. Aber man kann auch so einkaufen, dass man deutlich billiger hinkommt als bei frischem Essen. Drei Pizzen für 1,99 Euro oder 400 ml Bolognese für 79 Cent sind günstiger. Wenn man den Geschmack außen vor lässt, bekommt viele Fertigprodukte günstiger als die frische Version.

» cooper75 » Beiträge: 10095 » Talkpoints: 17,58 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Vielleicht sollte man vorher auf´s Rauchen und Saufen verzichten, dann geht es sich mit dem Fleischkauf schon. Im Supermarkt sind immer riesige Größen viel billiger. Zu zweit müssen wir immer die Kleinpackung kaufen, sonst würde das Fleisch irgendwann schlecht werden und wir schmeißen nur sehr ungern Fleisch weg.

» celles » Beiträge: 7638 » Talkpoints: 46,73 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


celles hat geschrieben:Vielleicht sollte man vorher auf´s Rauchen und Saufen verzichten, dann geht es sich mit dem Fleischkauf schon.

Ich finde es nicht fair, sich bei der Beantwortung dieser Frage Klischees zu bedienen. Ich denke nicht, dass alle Hartz IV Empfänger rauchen und saufen und dafür ihr Geld ausgeben. So ein Spruch ist einfach nur beleidigend und nicht fair den Sozial Schwachen gegenüber.

Ich denke, dass es stark auf die Qualität des Fleisches ankommt. Billiges Fleisch wird sich jeder irgendwie leisten können, aber Bio Fleisch nicht. Es kommt eben auf die eigenen Ansprüche an, welche Qualität man denn erwartet.

» Cash7518 » Beiträge: 46 » Talkpoints: 15,45 »


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