Müssen Nonnen auf Lippenstift verzichten und warum?

vom 16.07.2019, 00:03 Uhr

In meiner Familie lebte eins eine Nonne, welche ich keineswegs als „aufdrückend“ im Bezug auf ihren Glauben bezeichnen würde. Sie respektierte, dass die Mädchen in der Familie sich schminkten und viele weitere Dinge. Sie war also sehr gläubig, aber trotzdem respektvoll und kam mit jedem gut zurecht.

Trotzdem sagte sie mir immer, dass es ihr nicht gestattet sei, Lippenstift oder ähnliche Schminkutensilien zu nutzen. Sie lebte auch in einem Kloster oder so etwas in der Art hier in Deutschland sowie trug sie die Nonnentracht. Auf meine Frage, wieso man keine derartigen Utensilien auftragen dürfte, hat sie mir als Kind immer gesagt, dass sich Nonnen von allem Weltlichen trennen müssen.

Zudem sagte sie mal, dass Schminken etwas Weltliches sei, was von vielen Menschen als sexuelle Gefügigkeit empfinden oder als „Anmache“ und „schön machen“ für den Manne. Das entsage aber der klassischen Nonne.

Doch wenn ich Google nutze, steht da ja keine Bibelzeile, die besagt, dass sich Nonnen nicht schminken dürfen oder Nonnen doch grundsätzlich auf alles verzichten müssen. Zumal wir ja auch von unterschiedlichen Jahrtausenden reden.

Doch wieso müssen Nonnen eigentlich wirklich auf den Lippenstift verzichten oder Schminke? Ist es wirklich eine sexuelle Komponente, die man mit Schminke empfindet und dies eben natürlich nicht mit dem Gelübde zu Gott übereinstimmt? Was denkt Ihr?

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4744 » Talkpoints: 50,45 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Die erwähnte Nonne hat es ja an sich schon gut erklärt. Wenn man in einen christlichen Orden eintritt, unterwirft man sich den Regeln der Gemeinschaft, die in vielen Fällen diametral entgegengesetzt zu den vermeintlichen "Werten" des modernen Kapitalismus stehen. Dazu gehört Verzicht auf materiellen Wohlstand und die damit verbundene Raffgier, Einschränkung des eigenen Egos und eben auch Abkehr von der allgegenwertigen Sexualisierung von allem und jedem und der bloßen Beschränkung auf Äußerlichkeiten. Und ganz ehrlich: Wenn mir der Verzicht auf "roten Lippenstift" schon schwerfällt, habe ich in einem Nonnenorden wahrhaftig nichts verloren.

Außerdem schließen sich "Gläubigkeit" und respektvoller Umgang miteinander ja nicht gegenseitig aus. Auch Ordensleute schlüpfen nicht voll entwickelt aus dem Ei, sondern haben ein Leben vor dem Kloster. Sprich, die meisten Nonnen waren auch mal Teenagermädelchen und viele von ihnen sind bestimmt auch in den Farbtopf gefallen, als sie 15 waren. Und gerade die, die noch den traditionellen Habit pflegen, haben wahrhaftig genug Erfahrung damit, was es heißt, nach ihrem Äußeren be- und verurteilt zu werden, um mit anderen nach Möglichkeit nicht genauso umzugehen.

Ich nehme auch an, dass die Vorschriften je nach Orden unterschiedlich sind. Viele Gemeinschaften sind aus Nachwuchsmangel sowieso am Aussterben, und bei einem Durchschnittsalter von 80+ ist Lippenstift das kleinste Problem. Ansonsten kann ich mir schon vorstellen, dass nicht gleich die Welt untergeht, wenn sich eine Klosterschwester mal etwas getönte Tagescreme und Mascara ins Gesicht haut. Es gibt durchaus Abstufungen zwischen "Hautunreinheiten abdecken" und "Ich bin 12 und will aussehen wie 18". Letzteres passt wahrhaftig schlecht zu den Idealen und Werten einer christlichen Ordensgemeinschaft, aber es soll ja auch außerhalb von Klöstern Frauen geben, die auf farbigen Dreck aller Art im Gesicht schlicht keine Lust haben.

» Gerbera » Beiträge: 8118 » Talkpoints: 0,91 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Das kommt sicher auf den Orden an. Es gibt ja Nonnen, die die ganze Zeit in ihrer Uniform herum laufen müssen und welche, die unter der Woche ganz normale Kleidung tragen und einem Beruf nachgehen und die Uniform nur am Wochenende, zu Feiertagen und zu bestimmten Anlässen anlegen.

Wahrscheinlich ist das auch einfach eine Frage der Priorität. In vielen Orden ist es ja so, dass die Mitglieder kein richtiges privates Einkommen haben. Alles notwendige wird vom Orden bezahlt und die Mitglieder bekommen nur ein relativ kleines Taschengeld. Wenn man aber nur sehr wenig Geld hat findet man wahrscheinlich sehr viele Dinge, die sehr viel wichtiger sind als Make-up Produkte. Ich würde sicher lieber ein Buch haben wollen als einen Lippenstift.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23338 » Talkpoints: 100,05 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Vielleicht ist es gar kein Verzicht, weil sie gar kein Bedürfnis danach haben? Ich bin keine Nonne, aber ich hatte noch nie das Bedürfnis danach, Lippenstift zu benutzen. Wozu auch, ich mag mich, so wie ich bin.

Vielleicht geht das vielen Nonnen auch so. Und vielleicht wollen sie auch für ihre inneren Werte geschätzt werden und nicht für ihre äußeren Charakteristika, die man ja durch Schminken sehr betont und in den Vordergrund rückt. Aber wenn eine Nonne sich schminken möchte, warum nicht?

Ich habe gerade bei einem Workshop erfahren, dass es auch Ordensleute gibt, die Teilzeit in der Wirtschaft arbeiten und dort herumlaufen wie alle Menschen sonst, und die andere Hälfte ihre Zeit im Habit unterwegs sind. Das scheint sich also nicht überall auszuschließen.

» Kirchenbotschafter » Beiträge: 78 » Talkpoints: 19,94 »



Nonnen haben Keuschheit gelobt und daher dürfen sie sich auch nicht schminken. Sie sollen ihr Leben der christlichen Gemeinschaft widmen. Zu biblischen Zeiten gab es übrigens noch keinen Lippenstift. In Zeiten wo andere einem gewissen Bagdadhi Gefolgschaft schwören, um gegen den Westen zu kämpfen, regt mich dies auch nicht wirklich auf.

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» Juri1877 » Beiträge: 6277 » Talkpoints: 30,69 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Lippenfarbe gibt es seit über 5.000 Jahren, die ist also mehr als doppelt so alt wie das Christentum. Und was hat Keuschheit nun mit Lippenstift zu tun? Du tust gerade so, als gäbe es den Orden oder die Nonne. :lol: Dabei sind die Möglichkeiten ziemlich variabel, insbesondere wenn es sich nicht um einen kontemplativen Orden handelt.

Die Nonnen der Congregatio Jesu erkennt man gar nicht, weil die sich ganz dem apostolischen Dienst widmen und komplett auf Habit und Schleier verzichten, wenn sie Sozialarbeit leisten. Die Barmherzigen Schwestern von Vincenz von Paul trugen schon vor 40 Jahren einen minimalen Arbeitshabit und bei externer Verwaltungsarbeit dezenten Lippenstift. Eine über 70jährige Nonne ist in ihrer Altersklasse Ironman. :D

» cooper75 » Beiträge: 11504 » Talkpoints: 491,78 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


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