Meldet ihr Corona-Verstöße der Polizei?

vom 26.03.2020, 23:33 Uhr

Bei der Guten-Morgen-Show unseres regionalen Radiosenders war heute großes Gesprächs- und Diskussionsthema ob man als achtsamer Bürger die Corona-Verstöße der Mitmenschen meldet.

Thema waren dabei unter anderem heimliche Corona-Partys bzw. sonstige Feiern zu Anlässen wie Geburtstag / Silberhochzeit etc. Zum anderen war auch Thema ob man die Mami meldet, die mit ihrem Kind doch auf einem einsamen Kinderspielplatz ein paar Minuten verbringt.

Während manche Radiohörer dafür plädierten die Leute doch erstmal zur Rede zu stellen, andere gerade die Mutti auf dem Spielplatz auch ganz in Ruhe gelassen hätten, gab es tatsächlich auch einige die sofort zum Hörer gegriffen hätten um die Verstöße zu melden.

Wie seht ihr das, sollte bzw. muss man sogar die Durchsetzung der Corona-Vorschriften unterstützen indem man Regelverstöße an die Polizei meldet? Gibt es Verstöße - wie die Mutti auf einem einsamen Spielplatz - bei denen man ein Auge zudrücken kann?

» EngelmitHerz » Beiträge: 1390 » Talkpoints: 52,66 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Leute, die so etwas melden oder die Menschen deswegen anpöbeln, sind für mich absolute Spinner. Solche Menschen sind auch nicht besser, als diejenigen, die in der DDR irgendwen an die Stasi verpfiffen haben. gerade das Beispiel der Mutter mit dem Kind. Wem schadet die? Ob sie nun mit dem Kind einen Spielplatz benutzt, wo sonst keiner ist, oder ob sie mit dem Kind im Wald spazieren geht, läuft doch auf das Gleiche hinaus. ich finde es generell falsch, Leute wegen irgendetwas bei der Polizei zu verpetzen. Es soll sich mal lieber jeder um seine eigenen Angelegenheiten kümmern.

» Zitronengras » Beiträge: 8739 » Talkpoints: 9,13 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Vor einigen Tagen habe ich auch in einem anderen Forum gelesen, dass eine Teilnehmerin schrieb, sie würde Regelverstöße bei der Polizei melden. Ich selbst würde das nicht machen, weil das auf mich zu sehr nach Denunziation riecht. Ich habe den Eindruck, dass einige Menschen sich doch gern als Hilfspolizisten betätigen möchten, aber das ist nicht meine Art. Ich muss sagen, dass mir solche "achtsamen Bürger" oft mehr Angst machen als andere Aspekte der Corona-Krise.

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» lascar » Beiträge: 2129 » Talkpoints: 438,03 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich finde auch, dass es sich um eine ethisch schwierige Frage handelt, die jeder nur für sich selber beantworten kann. Ich kann für mich selber jedenfalls nicht ausschließen, nach reiflicher Überlegung nicht doch die Ordnungshüter einzuschalten, wenn es mir angemessen und sinnvoll erscheint. Schließlich ist es auch meine Angelegenheit, weil ich auch in diesem Land lebe.

Sprich, als Spionin betätigen würde ich mich nicht, also von Vorgarten zu Vorgarten zu schleichen und die Leute zu zählen oder zu lauschen, woher das Stimmengewirr kommt, muss nun wirklich nicht sein. Auch wenn es offensichtlich ist, dass sich eventuelle Menschenknäuel längst wieder aufgelöst haben, bis die Polizei auftaucht, etwa wenn es sich erkennbar um Fremde handelt, greife ich auch nicht zum Telefon. Die Damen und Herren haben gerade wirklich wichtigere Aufgaben.

Auch die "einsame Mutti" auf dem Spielplatz würde ich unter Garantie nicht selber ansprechen, weil jemand, der so offensichtlich auf alles und jeden scheißt, auch auf meine Meinung und meine mahnenden Worte scheißen würde, und gerade Muttis haben ja oft keinerlei Hemmschwelle. Aber wenn sich noch mehr Muttis aus dem Buschwerk schälen würden, wäre ein Anruf fällig, dass bei Spielplatz xy vielleicht mal eine Streife angemessen wäre. Schließlich ist so ein Verhalten auch unfair gegenüber denen, die sich an die Regeln halten.

Manche Leute brauchen etwas Nachhilfe in Sachen gesundem Menschenverstand, und die Auswirkungen sind ja wirklich milde, wenn man sich einsichtig zeigt. Das Gleiche gilt auch für Goldene Hochzeiten und den ganzen anderen Kram. Ich lausche nicht am Briefkastenschlitz, aber wer meint, hier und heute den Gemeinschaftsgarten mit der ganzen Bagage besetzen zu müssen, müsste sich umschauen.

» Gerbera » Beiträge: 8739 » Talkpoints: 3,61 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Das ist wohl gerade die große Zeit der kleinen Denunzianten, die ansonsten jeden Falschparker anschwärzen und sich jetzt so richtig wichtig fühlen können, wenn sie einer Frau und ihrem Kind die Polizei auf den Hals hetzen können. Sind wahrscheinlich die gleichen Leute, die sich genug Klopapier kaufen um im Wohnzimmer die Chinesische Mauer nachbauen zu können und keinen Gedanken daran verschwenden, dass für andere dann nichts mehr übrig bleibt.

Ich würde mich dann in die Angelegenheiten von anderen Menschen einmischen, wenn sie mich, andere oder sich selber gefährden, das sehe ich bei Eltern, die alleine mit ihren Kindern unterwegs sind, absolut nicht. Die dürfen selbst bei unseren strengeren Regeln zusammen raus. Und ob die jetzt auf den Spielplatz sind oder fünf Meter weiter auf der Wiese macht doch keinen Unterschied.

Grenzwertig finde ich kleine Kinder, die alleine draußen spielen, was ich in den letzten Tagen öfter gesehen habe. Jetzt hält sich der Verkehr hier stark in Grenzen, da geht das, aber man weiß ja nicht wohin die Kinder sich so bewegen wenn keiner drauf schaut. Aber hilft es den Eltern wenn man jetzt Polizei oder Jugendamt einschaltet? Eher nicht.

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» Cloudy24 » Beiträge: 24575 » Talkpoints: 80,33 » Auszeichnung für 24000 Beiträge


Ich weiß nicht ob es die Situation besser macht, wenn man eine Mutter auf dem Spielplatz verpetzt. Mütter haben in der momentanen Situation jede Menge zu tun ihr Kind / Kinder bei Laune zu halten. Wenn dann mal eine Mutter für 30 Minuten auf einen verlassenen Spielplatz geht dann halte ich das nicht für verwerflich. Schlecht fände ich es nur, wenn der Spielplatz dann zum öffentlichen Treffpunkt der Spielfreunde wird.

Ich habe allerdings erst heute in der Tageszeitung gelesen, dass es tatsächlich ein paar "Hilfspolizisten" in unserer Region gibt und auch die Nachbarschaft an sich sehr aufmerksam ist. Es wurden in den letzten Tagen gleich zwei Partys gemeldet die schlussendlich nicht nur eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz zur Folge hatten. Es handelte es sich dabei um Ansammlungen von Jugendlichen die u.a. auch Drogen konsumiert hatten und nun eine doppelte Anzeige kassierten. Blöd gelaufen sag ich da nur. Da tut es mir nicht leid, dass die Polizei informiert wurde.

» Huibuu » Beiträge: 51 » Talkpoints: 8,05 »


Solange die Leute mich in Ruhe lassen, ist es mir relativ egal, was sie machen. Einzelpersonen oder Eltern mit Kindern auf Spielplätzen verpetze ich nicht, genau das Gleiche gilt für Leute, die spazieren gehen oder Kontakte wegen ihrer Arbeit oder Sonstigem pflegen. Gruppen von Jugendlichen, die sich in der Öffentlichkeit betrinken würde ich schon melden.

Bei kleinen Kindern bin ich vorsichtig, da könnte sonstwas passieren. Aber ich halte nichts vom Denunziantentum. Würde ich jetzt jede Kleinigkeit melden, dann hätten wir ruckzuck eine komplette Ausgangssperre und ich muss gestehen, dass ich nach drei Wochen Home Office schon ziemlich durch bin und ohne Spaziergänge das Ganze nicht ansatzweise durchhalten könnte.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 11184 » Talkpoints: 56,59 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Die einsame Mutter auf dem Spielplatz würde ich nicht melden. Ich denke gerade in Gebieten, die dicht besiedelt sind und wo man nicht mal so einfach draußen in der freien Natur mit dem Kind spazieren gehen kann, kann ein leerer Spielplatz verlockend sein. Gerade kleinen Kindern kann man auch schlecht erklären, dass es derzeit nicht möglich ist, den Lieblingsspielplatz zu besuchen, wobei es natürlich dennoch eine Ordnungswidrigkeit darstellt und ich es in Gegenden, in denen man gut spazieren kann, nicht nachvollziehen kann.

Anders verhält es sich bei feiernden Jugendlichen. Auch wenn viele Jugendliche die Tendenz haben, Corona zu verharmlosen, sind doch Jugendliche in dem Alter in der Lage, zu verstehen, dass derzeit Social Distancing angesagt ist, um Andere nicht unnötig zu gefährden. Diese Rücksichtslosigkeit kann ich nicht verstehen und würde sie auch nicht billigen. Daher würde ich in so einem Fall tatsächlich die Polizei informieren. Schließlich gefährden diese Jugendlichen durch diese Zusammenkünfte ihre jeweiligen Haushalte, in denen unter Umständen auch ältere Menschen oder Haushaltsmitglieder mit Vorerkrankungen leben. Das finde ich verantwortungslos und das sollte auch geahndet werden.

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» netti78 » Beiträge: 3224 » Talkpoints: 14,35 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


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