Kind erst dann Nachtisch geben wenn es aufisst?

vom 10.04.2017, 04:02 Uhr

Eine Bekannte von mir hat ein Kleinkind zu Hause, wobei das Kind nicht immer Lust auf richtiges Essen hat. Teilweise lässt es die Mahlzeiten einfach liegen und will dann lieber direkt etwas Süßes haben als Nachtisch. Die Mutter hat deswegen die Regel eingeführt, dass es erst Nachtisch gibt (wenn überhaupt), wenn die richtige Mahlzeit eben aufgegessen worden ist. Dadurch würde sich das Kind auch viel motivierter fühlen, eine richtige Mahlzeit zu sich zu nehmen, was ja so gesehen positiv ist wegen der ganzen Nährstoffe von gesunder Ernährung.

Leider erntet meine Bekannte für diese Erziehungsmethode auch ziemliche Kritik. So ist ihre Schwester der Ansicht, dass man dadurch das Kind doch nur verkorksen und Essstörungen fördern würde. Denn so würde das Kind ja mit ungesundem Süßkram ja eine "Belohnung" assoziieren und die Schwester sieht wohl die Gefahr, dass dieses Muster beibehalten wird und das Kind sich dann später im Erwachsenenalter die ganze Zeit mit Süßigkeiten belohnt und dadurch eben fettleibig wird. Ist es falsch, dem Kind erst dann Nachtisch zu geben, wenn es aufgegessen hat?

Benutzeravatar

» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Naja, mein Sohn ist fünf und ich zwinge ihn nicht alles aufzuessen, denn ich mit 30 schaffe auch nicht immer meinen Teller aufzuessen und da kann ich ein Kind nicht dazu zwingen. Natürlich sollte es nicht immer Nachtisch geben, aber alles was verboten wird ist nun mal interessanter für Kinder. Jeden Tag ist nicht ok aber Nachtisch ist bei uns auch Obst und da freut er sich wenn er ein Obst Teller bekommt.

» m.richter » Beiträge: 4 » Talkpoints: 0,47 »


Ich finde es auch nicht besonders glücklich gewählt, wenn man das Kind für den leeren Teller mit Süßigkeiten belohnt. Es ist nach einem vollen Teller zu viel nochmal etwas danach zu essen und außerdem gewöhnt man dem Kind damit eigentlich nur Mist an. Ich denke, dass das Kind auch gerne mal schlecht isst, weil es als Alternative etwas gibt, was es besonders gerne isst oder eben doch mal mehr Süßigkeiten.

Ich finde prinzipiell nicht, dass ein Kind immer aufessen muss. Das schaffen Erwachsene auch nicht immer, wie hier ja auch schon erwähnt wurde und vor allem muss einem Kleinkind auch nicht immer alles so schmecken wie es einem Erwachsenen schmeckt. Wie man herauslesen kann bin ich kein großer Fan von Süßigkeiten und würde meinem Kind auch nicht ständig welche geben, sondern lieber Obst.

Wobei ich meinem Kind auch das nicht sofort nach einer Mahlzeit geben würde, wenn es noch klein ist. Nachtisch ist für größere Kinder absolut in Ordnung, aber ein Kleinkind braucht das meiner Meinung nach nicht zwingend. Das Kind muss ja auch Sättigung erleben und fühlen.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 40184 » Talkpoints: 46,13 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



Ich finde es generell falsch, dass man einem Kind jeden Tag einen Nachtisch auch gewährt in der Form von Süßigkeiten. Ganz unabhängig davon, ob der Teller vorher aufgegessen worden ist oder auch nicht. Somit erzieht man sich das Kind auch direkt dazu, dass ein Dessert immer mit dazu gehört und das wird dann wohl auch nicht das einzige bleiben, was sich im laufe des Tages dann aufsummiert.

Obst ist auch für ein Kleinkind nicht die beste Wahl, wenn man es jeden Tag damit vollstopft. Zum einen ist dort ebenfalls der Fruchtzucker enthalten, zum anderen ist es für ein Kleinkind auch nicht sonderlich gut zu verdauen und kann ebenfalls zu weiteren Dingen führen. Selbst als Erwachsener sollte man nicht mehr als eine Handvoll pro Tag essen, rechnet man das auf ein Kleinkind herunter, ergibt sich auch nicht mehr als eine halbe Banane pro Tag von der Menge her.

Nachtisch hat so und so nichts bei einem Kind verloren, wenn man es schon machen möchte, dann wählt man das eher als Zwischenmahlzeit in Form von Obst zwischen zwei großen Dingen wie Frühstück und Mittagessen, oder Mittagessen und Abendessen. Süßigkeiten sollten so gut wie gar nicht aufgetischt werden, weder täglich noch als Belohnung für einen aufgegessenen Teller.

Hier gibt es so gut wie keine Süßigkeiten und es wird auch selten danach verlangt. Wenn es diese gibt, dann spielt es keine Rolle ob vorher der Teller aufgegessen wurde oder nicht. Was aber nicht stattfindet, dass man vor dem Essen sich mit Süßigkeiten vollstopft oder auch erst etwas vom Teller isst, dann Süßigkeiten und dann wieder vom Teller essen. Wenn überhaupt, dann nach dem eigentlichen Essen. Für die Veranschaulichung der Menge, eine Kekspackung mit 200 Gramm überlebt hier ein halbes Jahr, da das im Schnitt nur alle zwei Wochen vorkommt und mit einem Keks das Bedürfnis dann auch gedeckt ist.

Benutzeravatar

» Sorae » Beiträge: 19465 » Talkpoints: 5,84 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Ich sehe den Fehler hier auch eher darin, dass das Kind scheinbar nach jeder Mahlzeit auch einen Nachtisch bekommt. Das würde ich so nicht machen und nur hin und wieder einen Nachtisch anbieten. Dass man das Kind sozusagen zwingt, den Teller leer zu essen, das verstehe ich auch nicht richtig. Gerade wenn ich in einem Restaurant esse, dann schaffe ich die Portion auch nicht immer und so etwas sieht ein Kind doch dann auch.

Wenn man sich als Erwachsener dann noch einen Nachtisch bestellt, dann findet das Kind es sicher ziemlich unfair, dass es selber immer aufessen muss. Somit würde ich diese Belohnung gar nicht immer haben wollen, dass es nach dem Essen etwas Süßes gibt. Hin und wieder ist es sicher in Ordnung und dann würde ich es auch nicht unbedingt davon abhängig machen, ob der Teller leer ist oder nicht.

» Barbara Ann » Beiträge: 27963 » Talkpoints: 75,93 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Ich halte es generell für langfristig bedenklich, wenn zuviel Gewese um Essen gemacht wird, im positiven wie im negativen Sinne. So zieht man sich Frustesser heran, oder Leute, die Essen als "Belohnung" ansehen oder mit allen möglichen Zwängen und Regeln und Emotionen aller Art verbinden, wo es sich doch eigentlich vor allem um Treibstoff handelt, damit unser Körper gesund bleibt. Von daher halte ich es durchaus für pädagogisch fragwürdig, wenn die Hauptmahlzeit quasi als ekliges Hindernis vor dem Nachtisch als Belohnung inszeniert wird.

Ich würde vielleicht als erstes recherchieren, was die angemessene Portionsgröße für ein Kind entsprechend dem Alter und Bewegungsdrang darstellt. Oft habe ich als Außenstehende, oder wenn ich an meine eigene Kindheit denke, den Eindruck, dass Kinder förmlich "gemästet" werden, obwohl es ihnen gar nicht schaden würde, ein bisschen dünner zu wirken, weil sie schließlich auch wachsen und herumrennen. Vielleicht kann das Kind einfach physisch nicht so viel essen, wie es die Eltern für angemessen halten?

Und ich würde nach Möglichkeit auch Rücksicht auf die Essensvorlieben nehmen und generell Essen eher als entspannte Veranstaltung im Familienkreis inszenieren und weniger als Inquisitionstribunal, wie ich es auch schon erlebt habe. Das muss ja nicht jeden Tag Pudding bedeuten, aber wenn Klein-Leonidas partout keine Möhren mag, gibt es eben Bohnen. Die meisten Erwachsenen würden es auch hassen, wenn man ihnen jeden Bissen am Mund abzählt und mit Drohungen und Versprechungen den gottverdammten Brokkoli hineinnötigt. Wieso machen sie es dann mit ihren Kindern?

» Gerbera » Beiträge: 8124 » Talkpoints: 3,15 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Das Kind hat hier seine Mutter schon richtig gut im Griff. Das weiß es auch genau. Nur die Mutter kriegt das einfach nicht mit, dass sie vom Kind täglich manipuliert wird. Eine ziemlich ungute Konstellation ist das, lässt sich die Mutter schon auf die Spielchen eines Kleinkindes ein. Nach dem Essen gab es niemals etwas Süßes für meine Tochter.

Nach dem Essen war Schluss mit der Mahlzeit und dann gab es eine Mittagsruhe. Süßigkeiten gab es für das Kleinkind sowieso nur ganz selten und maximal am Wochenende. Aber ungesundes Essen sollte doch niemals noch eine Belohnung darstellen oder einen Anreiz, ungeliebtes, gesünderes Essen zu sich zu nehmen. Das ist doch der völlig falsche Ansatz.

Kleine Kinder haben nun mal einen kleinen Magen und sind mit kleinen Portionen zufrieden. Die angebotene Portion ist also eventuell zu groß. Und irgendein Lieblingsessen wird das Kind ja wohl auch haben. Dann gibt es eben das. Kleine Kinder brauchen noch keine Abwechslung. Aber kleine Kinder brauchen zuverlässige Eltern und keine bespielbaren Marionetten.

Benutzeravatar

» Quasselfee » Beiträge: 1504 » Talkpoints: 83,55 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Zurück zu Familie & Kinder

Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

^