Kapitänin Carola Rackete für euch Heldin oder Kriminelle?

vom 01.07.2019, 16:22 Uhr

Die Kapitänin Carola Rackete hat Flüchtlingen geholfen aus dem Mittelmeer zu retten. In Italien wurde sie dann festgenommen, weil sie den Aufforderungen der italienischen Regierung nicht nachgekommen ist und einfach das Schiff angelegt hat ohne Genehmigung. Nun ermittelt die italienische Justiz. Bei einigen wird sie als Heldin gefeiert und es wurden schon mehr als eine Millionen Euro gesammelt, damit sie anwaltlich gut vertreten werden kann. Das habe ich heute in den Nachrichten gehört.

Aber für viele ist sie auch eine Kriminelle. Denn sie hat sich nun auch dem Gesetz wiedersetzt und hat eigenmächtig gehandelt. Wie sehr ihr die Kapitänin? Ist sie in euren Augen eine Heldin oder doch eher eine Kriminelle? Was denkt ihr über diese Sache?

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» Diamante » Beiträge: 41865 » Talkpoints: 10,22 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Die Neue Züricher Zeitung hat es in einem Artikel auf den Punkt gebracht: Rackete steht nicht über dem italienischen Gesetz. Durch die neue italienische Politik hat sich die Zahl der Ertrunkenen von 4.500 in 2016 auf 400 in 2019 reduziert. Vor allem hat Rackete ein Boot der Italienischen Behörden gerammt und deren Gesundheit und Leben riskiert sowie damit die italienischen Gesetze mit Füssen getreten. Soll dies Standard werden? Darf ich dann auch bestimmen, an welche Gesetze ich mich halten will?

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» Juri1877 » Beiträge: 6579 » Talkpoints: 9,45 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Ich finde schon auch, dass man sich an Gesetze halten sollte und dennoch finde ich, dass diese Frau einfach nach ihrem Herzen gehandelt hat und damit dann eben auch Leute gerettet hat und man dies ihr zumindest moralisch auch anrechnen muss. Es gibt wenige Menschen, die noch so sind und einfach Gesetze missachten um Menschen zu helfen. Die Methoden sind sicherlich nicht immer perfekt, aber dennoch denke ich, dass es wichtig ist nicht einfach wegzusehen, sondern auch selber etwas zu machen, wenn einem gewisse Umstände missfallen.

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» Ramones » Beiträge: 40494 » Talkpoints: 36,55 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



So viel ich weiß lungerte die Sea Watch über 14 Tage in den Gewässern dort herum. Dies wäre mehr als ausreichend Zeit gewesen, um die Menschen in nahezu jeden Hafen der Erde zu verbringen. Warum hat sie das nicht getan? Spanien z. B. wäre nicht weit weg gewesen, zumal sie in der vertanen Zeit wiederum anderen Menschen nicht zur Hilfe kommen konnte.

Der Frau ging es nicht um Menschenleben, sondern um politischen Aktivismus. Sie hat die Menschen für politische Zwecke instrumentalisiert und ihren Kampf auf dem Rücken der Geretteten ausgetragen. Ich finde das extrem abstoßend und sehe nicht den geringsten Anlass, ihr irgendetwas Heldenhaftes nachzusagen.

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» Paulie » Beiträge: 294 » Talkpoints: 23,28 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Sowohl als auch. Carola Rackete hat sich moralisch ganz klar richtig verhalten und wahrscheinlich auch in Form dessen, dass sie Leben gerettet hat. Doch es gibt eben auch dort Grenzen. Sie hat sie gerettet, indem sie die Flüchtlinge auf ihr Schiff geholt hat. Damit waren sie aus dem Meer raus, und in Sicherheit. Damit hat sie bereits gehandelt, was ihr moralisch und menschlich natürlich zu danken ist. Sterben soll dort niemand, habe ich auch nie jemanden gewünscht. Unabhängig dessen, dass ich vielen ein anderes Fluchtmotiv zuspreche, als man uns gerne weiß machen möchte.

Dann wiederum, so lauten unterschiedliche Medienberichte, hat sie über 10 Tage einen Hafen gesucht. Das obwohl wohl auch Tunesien ihr angeboten hat, dass sie einfahren darf und was macht die Dame dann? Nein, der tunesische Hafen, wenn die Medien eben stimmen, war nicht gut genug, es muss ja die ersehnte EU sein. Und damit ist sie in meinen Augen deutlich zu weit gegangen. Denn damit ist sie in meinen Augen ein verlängerter Arm der Schlepper und man kann sich eben nicht aussuchen, wo man hin will, es gibt auch Seerecht und Italien hat das Recht zu sagen, du kommst nicht in meinem Hafen.

Moralisch hat sie richtig gehandelt, indem sie diese Menschen nicht ertrinken ließ. Doch hier haben wir aber kein Wunschkonzert und das hat sie bewusst so gemacht, dass sie in EU-Hafen wollte. Sie hätte jeden Hafen in den 10 Tagen anschippern können, aber es musste die EU sein. Wieso? Darüber könnten wir jetzt streiten, aber dazu hat jeder ganz sicher seine eigene Meinung und so läuft es nicht.

Sie hat damit gegen Gesetze verstoßen, so scheint es eben auch, und dafür muss sie gerade stehen. Das gehört dazu, wenn man sich dazu entschließt, auch wenn es moralisch nachvollziehbar ist, strafbar zu werden. Wo kommen wir jetzt hin, wenn man sie gehen lässt usw? Mir fehlen auch zu den Spendenaufrufen von Böhmermann & Co die Worte. Dürfen gerne die Damen und Herren bei sich aufnehmen, aber da hat keiner den Arsch in der Hose! Lieber sollen andere Länder finanziell und damit deren Steuerzahler dafür aufkommen!

Und Länder wie Deutschland, Italien & Co haben schon genug mit den Damen und Herren zu tun, die als Flüchtlinge da sind, teilweise nicht nach Hause gehen, obwohl sie keine Gründe haben und das der Italiener "nein" sagt, hat sie ignoriert. Dann soll sie jetzt auch die Konsequenzen tragen und alle die Spenden und das doof finden, dürfen gerne sagen "hier gibt mir 1-2 Personen oder eine Familie" und für diese aufkommen. Der verlängerte Arm der Schlepper wurde damit nur unterstützt, nicht mehr und nicht weniger.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4947 » Talkpoints: 6,39 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Vor allem ist sie ein Opfer der Tatsache, dass es die EU nicht auf die Reihe bekommt eine Seenotrettung im Mittelmeer zu organisieren. Es kann doch nicht sein, dass private Organisationen den Job übernehmen müssen. Die deutschen Politiker tun jetzt alle so moralisch, aber die haben im Europaparlament auch gegen die Stärkung der Seenotrettung gestimmt.

Ich verstehe nicht, wie man so gleichgültig gegenüber menschlichem Leben sein kann und dann auch noch irgendwas von "christlichen Werten" schwafelt. Das hat nichts mit Werten zu tun und schon gar nichts mit christlich, das ist Psychopathie. Von daher ist mir jeder und jede sympathisch, die nicht mit ansehen wollen, wie Menschen ertrinken.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23846 » Talkpoints: 70,40 » Auszeichnung für 23000 Beiträge


Kriminell würde ich solch ein Handeln nicht einstufen wollen, aber trotzdem erscheint mir dieser ganze Hype um die Seenotrettung, wie eine konzertierte Aktion. Wer kümmert sich denn eigentlich um die Flüchtlinge in den Wüsten? Da sollen ja in den letzten Jahren nach Schätzungen über 1 Million! Flüchtlinge ums Leben gekommen sein, aber das juckt komischerweise keinen.

» Herr Krawuttke » Beiträge: 328 » Talkpoints: 16,48 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Juri1877 hat geschrieben:Die Neue Züricher Zeitung hat es in einem Artikel auf den Punkt gebracht: Rackete steht nicht über dem italienischen Gesetz. Durch die neue italienische Politik hat sich die Zahl der Ertrunkenen von 4.500 in 2016 auf 400 in 2019 reduziert. Vor allem hat Rackete ein Boot der Italienischen Behörden gerammt und deren Gesundheit und Leben riskiert sowie damit die italienischen Gesetze mit Füssen getreten. Soll dies Standard werden? Darf ich dann auch bestimmen, an welche Gesetze ich mich halten will?

Wo hast du diese Information her? Hast du einen Link, dass 2019 weniger ertrunkene Flüchtlinge bisher waren als 2016? Das Jahr ist ja auch noch nicht zu Ende. Dass Rackete ein italienisches Boot gerammt haben soll habe ich auch nirgendwo gelesen. Wo hast du das denn her? Da Rackete freigelassen wurde, denke ich nicht, dass deine Behauptungen stimmen.

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» Diamante » Beiträge: 41865 » Talkpoints: 10,22 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Diamante hat geschrieben:Wo hast du diese Information her? Hast du einen Link, dass 2019 weniger ertrunkene Flüchtlinge bisher waren als 2016? Das Jahr ist ja auch noch nicht zu Ende. Dass Rackete ein italienisches Boot gerammt haben soll habe ich auch nirgendwo gelesen. Wo hast du das denn her? Da Rackete frei gelassen wurde, denke ich nicht, dass deine Behauptungen stimmen.

Hier ist schon mal der Link zu dem Kommentar. Sie hätte auch in Tunesien einen Hafen anlaufen können. Aber erstaunlicherweise landen alle Flüchtlingshelfer genau dort, wo die Schlepper es wollen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

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» Juri1877 » Beiträge: 6579 » Talkpoints: 9,45 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Diamante hat geschrieben:Wo hast du diese Information her? Hast du einen Link, dass 2019 weniger ertrunkene Flüchtlinge bisher waren als 2016?

2016 war der Höhepunkt der Krise, von daher stimmt es natürlich, dass in den Jahren danach weniger Menschen ertrunken sind. Hat mit der tollen italienischen Regierung aber wenig zu tun sondern mit der politischen Situation, die ein bisschen stabiler geworden ist (Stichwort Bekämpfung des IS).

Und natürlich sind private Hilfsorganisationen wie Sea Watch im Einsatz und sorgen dafür, dass das Mittelmeer nicht noch ein größeres Massengrab wird als es eh schon ist. Aktuell geht man wohl von ca. 600 Toten in diesem Jahr aus, aber die Saison hat ja gerade erst begonnen. Das ist also keine aussagekräftige Zahl.
Dass Rackete ein italienisches Boot gerammt haben soll habe ich auch nirgendwo gelesen.

Das stimmt wohl, nur wäre das dann die Schuld des italienischen Bootes. Vorfahrt auf dem Wasser funktioniert praktisch so, dass du immer dann ausweichen musst wenn du das besser zu manövrierende Fahrzeug hast. Ein kleineres Boot muss also einem größeren Boot Platz machen, du müsstest aber auch mit einem großen Boot ausweichen wenn das kleinere Boot Manövrierunfähigkeit anzeigt. Das italienische Boot war kleiner und nicht manövrierunfähig.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23846 » Talkpoints: 70,40 » Auszeichnung für 23000 Beiträge


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