Habt ihr euch schon mal in einem Albtraum befunden?

vom 23.05.2019, 16:47 Uhr

Es gibt immer mal Phasen im Leben, die jemand als Albtraum bezeichnet und meint, dass er sich regelrecht in einem Albtraum befunden hätte, aus dem es kein Erwachen gab. Es mag ja sein, dass man durchaus schlimme Zeiten durch machen muss oder etwas Schlimmes verarbeitet werden muss. Vielleicht, weil man einen schlimmen Unfall hatte, einen geliebten Menschen verloren hat oder auch nach einer Trennung oder schlimmen Krankheit.

Habt ihr euch schon mal in einem Albtraum befunden? Kennt ihr das Gefühl, zu meinen, dass man in einem Albtraum steckt? Meint ihr, dass es nur eine Floskel ist? Oder wird das dann durchaus so empfunden? Kennt ihr Menschen, die das schon so durchlebt und empfunden haben?

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» Nelchen » Beiträge: 32010 » Talkpoints: 0,07 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Für mich ist das nur eine Floskel aus einem schlecht geschriebenen Roman, weil man unbedingt etwas Drama konstruieren möchte. Sicherlich gibt es auch mal Lebensphasen, die etwas anstrengender sind und die man nicht so toll findet. Aber ich würde da dennoch nicht von einem "Alptraum" sprechen. Oft hängt es ja auch vom eigenen Verhalten oder der eigenen Einstellung ab, wie gut man mit entsprechenden Situationen umgehen kann.

Wenn man gezielt von einem Alptraum spricht, impliziert das für mich, dass die Person sich als "Opfer" sieht, das hilflos ausgeliefert ist und ihr "Schicksal" nicht aktiv selbst in die Hand nehmen möchte und für so etwas habe ich kein Verständnis. Als ob man unbedingt Mitleid generieren möchte und das finde ich unsympathisch.

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» Täubchen » Beiträge: 32540 » Talkpoints: 1,30 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Für mich handelt es sich auch nur um eine Floskel. Ich habe auch schon schlimme Erfahrungen machen müssen und ich hatte nie das Gefühl, mich in einem Albtraum zu befinden. Ich träume durchaus manchmal schlecht, aber Träume fühlen sich für mich völlig anders an als die Wirklichkeit. Kunststück, es handelt sich schließlich um wirre Trugbilder meines Gehirns.

In meinen Albträumen geht es, bestimmt wie bei vielen Leuten, oft darum, dass ich vor etwas fliehen möchte oder mich generell diffus ängstige und bedroht fühle, weil mein Hirn wild fantasiert. Im wirklichen Leben haben meine Albträume eher anders ausgesehen, etwa als ich beim Bestatter einen formschönen und bezahlbaren Sarg oder eine Urne aussuchen durfte. Das war zwar auch kein Spaß, aber eindeutig und leicht identifizierbar die bittere Realität. Vielleicht fühlt es sich wie ein "Albtraum" an, wenn man in Kolumbien von Drogenbanden entführt wird oder sich im Wald verirrt, aber damit kenne ich mich nicht aus.

» Gerbera » Beiträge: 7911 » Talkpoints: 5,17 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Täubchen hat geschrieben:Für mich ist das nur eine Floskel aus einem schlecht geschriebenen Roman, weil man unbedingt etwas Drama konstruieren möchte. Sicherlich gibt es auch mal Lebensphasen, die etwas anstrengender sind und die man nicht so toll findet.

Na ja, es gibt schon reale Albträume. Wenn man erfährt, dass der Ehemann schon mehrfach fremd gegangen ist, ohne dass man als Ehefrau etwas bemerkt hat. Und man als Ehefrau mit einem kleinen Kind und hochschwanger zu hause sitzt. Wenn man in einer Zwickmühle steckt und von einem Ehepartner geschlagen und gedemütigt wird und sich nicht traut die Reißleine zu ziehen, weil er einem droht. Wenn man nächtelang im Bett liegt und sogar daran denkt, den Mann umzubringen und dafür lieber in den Knast geht. Das sind Albträume aus denen man erwachen möchte und es einfach nicht geht.

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» Diamante » Beiträge: 41723 » Talkpoints: 137,11 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ja, möglicherweise ist es eine Floskel geworden. Aber ich wüsste jetzt auch nicht, wie man Albtraum umschreiben oder anders benennen sollte, wenn man in einem Roman darauf Bezug nehmen wollen würde. Denn letztlich ist es ja schon ziemlich treffen, dass man etwas schreckliches erlebt, dass einem irgendwie irreal erscheint.

In einem Albtraum glaubt man sich dann immer zu befinden, wenn man eine schreckliche Situation vorgesetzt bekommt, die man gar nicht selbst verantwortet hat und die man jetzt schwer beeinflussen kann. Beispielsweise, wenn der eigene Ehemann plötzlich wie ein gewisser Österreicher mit einem handfesten Skandal in der Öffentlichkeit steht.

Da wüsste ich nicht, wie das dessen Frau anders als einen Albtraum bezeichnen könnte! Oder alternativ, wenn auf einer Familienfeier plötzlich einer der Angehörigen die Nerven verliert und mehrere Anwesende schwer verletzt und alle Versuche erstmal scheitern, ihn am weiteren Vorgehen zu hindern. Es gibt schon solche Momente, wo man meint, das könne nicht wahr sein, aber es ist es leider doch.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12289 » Talkpoints: 34,61 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


@Diamante: Selbst die von dir geschilderte Situation ist für mich persönlich kein Albtraum. Ich hatte auch schon richtig beschissene Zeiten im Leben, wo ich mit gesundheitlichen, finanziellen, privaten Problemen zu kämpfen hatte und ich teilweise nicht wusste, wie ich da raus komme. Das ist für mich aber trotzdem kein "Albtraum".

Nur die wenigsten Menschen beherrschen dieses gesteuerte Träumen, wo man seine Trauminhalte gezielt durch Gedankenkraft beeinflussen kann. Daher hat ein Traum oder Albtraum für mich immer was mit Passivität zu tun, dass man sihc seinem "Schicksal" fügt und nicht aktiv daran arbeiten möchte, dass das ein Ende hat. Du hast doch deine schwierige Phase damals doch durchgestanden. Wie kann da also von einem Albtraum die Rede sein, wenn du dein Schicksal aktiv selbst in die Hand genommen und daran gearbeitet hast, dass es besser wird?

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» Täubchen » Beiträge: 32540 » Talkpoints: 1,30 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


@Täubchen, ich versuche es mal mit meinem persönlichen Albtraum zu erklären. Dass mein Stalker vor gut 20 Jahren immer dort auftauchte, wo ich war, mich mal nur beobachtete, mal Geschenke übergeben wollte, mal rumschrie und mal flehte, damit konnte ich umgehen. Dass er vor meinem Haus schlief und jedes Verlassen der Wohnung eine Konfrontation bedeutete, war unangenehm. Aber das ging alles.

Aber nach anderthalb Jahren änderte sich sein Verhalten. Ich kam unbeschwert von einer Besorgung zurück zur Arbeit, als ich plötzlich heftig von hinten getroffen mitten auf den Straßenbahnschienen landete und heftig gewürgt wurde. Ich habe den Typen nicht mal gesehen. Passanten halfen und er war verschwunden.

Er war es, die Beschreibung passte. Aber Stalking war damals nicht strafbar und Freunde gaben ihm ein Alibi. So war nicht nur der Moment ein Albtraum, jeder Weg wurde für lange Zeit zu einem. Wenn du weißt, dass dein Stalker durchdreht und eine Waffe führen darf, dann ist das ein Albtraum, gegen den man damals nichts tun konnte.

Nicht ganz so übel waren die Fotos von meinem Leben. Aber wenn deine Wohnung auf eigentlich unzugängliche Privatgrundstücke geht, und du bekommst trotz normalem Sichtschutz am Fenster Bilder zugeschickt, ist das auch übel. Die Sicherheit ist weg. Das hält auch noch, wenn du hinter undurchsichtigen Fenstern lebst, was ich übrigens bis heute tue. Ein schöner Blick nach draußen lässt mir die Haare zu Berge stehen. Denn er ist da draußen, immer noch.

» cooper75 » Beiträge: 11372 » Talkpoints: 457,53 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich bin auch davon überzeugt, dass man sich in einem persönlichen Albtraum befinden kann und das nicht immer etwas mit Drama oder dramatisieren zu tun hat. Was Diamante schildert, stelle ich mir als schlimmen Albtraum vor, den man sicherlich niemanden wünscht und ebenso der Fall, den Cooper beschrieben hat. Ich glaube, dass man da gut und gerne das Gefühl hat, sich in einem Albtraum zu befinden und sich immer wieder fragt, wie das sein kann und wie man da wieder heraus kommt.

Natürlich kann es auch sein, dass jemand die Aussage nur benutzt, um sich wichtig zu machen. Aber das merkt man dann doch auch meistens. Für manche ist es ja schon ein Albtraum, wenn sie sich einen Nagel abgebrochen haben. Da muss man meiner Meinung nach schon unterscheiden.

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» Nelchen » Beiträge: 32010 » Talkpoints: 0,07 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Nicht jeder ist in der Lage, wenn er sich in einer schrecklichen Situation befindet, stark zu sein und zu kämpfen. Und ich mutmaße mal, dass es bei fast jedem irgendwann ein Stresslevel geben könnte, bei dem er oder sie dann zusammen bricht und nicht mehr kämpfen kann. Bei einem ist das früher beim anderen später. Je nachdem wie selbstbewusst man von Anfang an zum Beispiel ist und wie viele Verletzungen man im Leben man schon hinter sich hat. Und ich würde auch niemals geringschätzig auf jemanden herab blicken, weil er sich nicht mehr wehren kann. Dafür ist dann Gemeinschaft und Familie da, demjenigen auf die Beine zu helfen. Idealerweise zumindest wäre das so.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12289 » Talkpoints: 34,61 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Glaube mir Täubchen, ich habe mich gefühlt wie in einem Albtraum. Ein nicht mal zweijähriges Kind und schwanger und dann begegnet einem die Geliebte des Ehemannes, von dem du es niemals geglaubt hast und man erfährt, dass diese Affäre schon über Monate geht. Oder als ich von meinem zweiten Ehemann geprügelt wurde. Es war kein entrinnen.

Wenn man sich wehren wollte dann bekam man noch eine und wenn man gehen wollte drohte er. Es war ein Kreislauf, aus dem man nicht raus konnte. Ich habe mir oft gewünscht, dass es nur ein Traum war und ich einfach nur aufwachen muss. Aber ich wurde erst viel zu spät wach. Für mich war es ein Albtraum aus dem erst einmal kein entrinnen war. Weder im ersten Fall noch im zweiten Fall.

Ich habe mir immer eine Familie gewünscht und es drohte alles kaputt zu gehen und es ging alles kaputt. Der Alptraum ging auch nach der Trennung dann weiter. Ich wünsche dies meinem ärgsten Feind nicht. Du gehst durch die Welt wie im Trance. Du hörst nicht, wenn dich Leute ansprechen. Du siehst alles vernebelt.

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» Diamante » Beiträge: 41723 » Talkpoints: 137,11 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


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