Führen Parkgebühren zur sozialen Spaltung?

vom 04.01.2017, 08:04 Uhr

Ich habe kürzlich gelesen, dass meine Stadt wohl zu den teuersten Städten Deutschlands gehören soll, jedenfalls in Bezug auf die kostenpflichtigen Parkplätze. Die Parkgebühren sind hier tatsächlich ziemlich hoch, aber ich kann nicht beurteilen, wie "normal" dieses Niveau ist und wo es gleich teuer oder sogar noch teurer sein soll.

Jedenfalls gibt es bei uns in der Innenstadt überhaupt keine kostenlosen Parkflächen mehr und man muss überall Unmengen bezahlen, auch wenn man nur kurz in die Apotheke möchte oder ein Paket abgeben will. Viele Einwohner hier kritisieren diese Regelung und manche sind auch der Ansicht, dass dies zu einer sozialen Spaltung führen wird.

So würden die armen Menschen es sich nicht leisten können, mal eben mit dem Auto ins Zentrum zu fahren und dort beispielsweise einzukaufen. Das würde zunehmend zu einem "teuren Spaß" werden und wäre nur noch etwas für reiche Menschen. Es könnten sich mittlerweile nur noch Menschen mit viel Geld das Shoppen in der Innenstadt und das damit verbundene Parken leisten. Die armen Menschen würden eher dazu gezwungen sein, auf das Internet auszuweichen. Wie seht ihr das? Führen Parkgebühren tatsächlich zu einer sozialen Spaltung der Gesellschaft? Oder ist das nur Schwarzmalerei?

Benutzeravatar

» Täubchen » Beiträge: 18266 » Talkpoints: 3,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



Irgendwie habe ich da bis vorhin niemals drüber nachgedacht, aber ich muss zugeben, dass mir diese "These" irgendwie gefällt und mir zusagt. Es passt doch auch wirklich der Spruch "hast du Kohle, kannst du parken". Ist jetzt sinnfrei von mir mal eben erfunden worden, aber im Grunde ist es doch so. Jeder der keine Kohle hat, der hat kein Parkticket und muss somit entweder Meilenweit laufen oder geht die Gefahren ein, erwischt zu werden und das ohne Parkticket.

Eigentlich kann man aus diesem Anlass sehr wohl sagen, dass es sich um eine soziale Ungerechtigkeit handelt. Doch das Problem liegt ja nicht an den Städten, weil diese damit natürlich eigentlich vieles für Autofahrer finanzieren sollen und die Kassen aufbessern sollen. Die soziale Ungerechtigkeit wird ja vom Staat auch zu einer solchen gemacht.

Hartz IV Empfänger dürfen am besten nur das billigste Auto haben und wer dann zur Arbeit, weil es nur ein Hartz IV Aufstocker ist fahren muss, der soll am besten früher fahren. Deswegen wird es da sicherlich niemanden interessieren, ob derjenige ein Parkticket ziehen kann und auch bei Wohngeldbeziehern, Rentner & Co ist die Ungerechtigkeit doch gegeben.

Also ich glaube wirklich, dass daran etwas sein kann, dass sich bald nur noch "Reiche" oder Gutverdiener ein Parkticket leisten können und halte den Ansatz einer sozialen Spaltung für absolut gerechtfertigt. Ich gebe aber zu, dass ich mir bis gerade eben niemals darum Gedanken gemacht habe.

Benutzeravatar

» Kätzchen14 » Beiträge: 3661 » Talkpoints: 1,56 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Das Parken macht den Kohl dann auch nicht mehr fett. In Ballungsräumen steigen seit Jahren die Preise für Wohnungen und so können sich viele neben einer eigenen Wohnung schon gar kein Fahrzeug mehr halten sondern schaffen es ab, und steigen dann auf die Öffentlichen Verkehrsmittel um. Damit sind es vor allem die Leute die außerhalb wohnen die mit dem Auto in die Stadt fahren, diese haben auch weniger Mietkosten zu tragen und entsprechend auch das Geld zum parken zur Verfügung.

Platz ist halt beschränkt, auch bei Parkplätzen. Damit man Angebot und Nachfrage nachkommt, reguliert man das ganze über den Preis. Das ist normal und findet überall statt. Meine Stadt ist ebenfalls nicht billig mit dem Parken, will man in der Innenstadt parken, dann zahlt man schon mal seine 5 Euro in der Stunde. Aber muss man das unbedingt?

Nein, man kann auch auf den äußeren Zonen parken und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt kommen. Ist dann halt weniger komfortabel und man muss ein wenig Laufen und das ist der Punkt der angekreidet wird, da nicht die Haltestelle direkt an der Post ist oder an der Apotheke und man nur kurz hinein muss etwas besorgen. Die soziale Spaltung findet an anderer Stelle schon statt, dass ausgesiebt wird schon alleine beim Wohnraum.

Benutzeravatar

» Sorae » Beiträge: 19426 » Talkpoints: 53,06 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Täubchen hat geschrieben:Jedenfalls gibt es bei uns in der Innenstadt überhaupt keine kostenlosen Parkflächen mehr und man muss überall Unmengen bezahlen, auch wenn man nur kurz in die Apotheke möchte oder ein Paket abgeben will. Viele Einwohner hier kritisieren diese Regelung und manche sind auch der Ansicht, dass dies zu einer sozialen Spaltung führen wird.

Die soziale Spaltung ist aber nicht das Ziel, warum die Parkplätze immer teurer werden, sondern eher die Begleiterscheinung die auftritt für ein anderes Ziel. Denn das eigentliche Ziel ist eigentlich die Innenstädte immer weiter Auto frei zu bekommen. Immer mehr Menschen haben ein Auto und nutzen dies für alle möglichen Fahrten, auch für Kurzstrecken. Die Feinstaubbelastungen in den Städten steigen immer weiter und sind in vielen Städten so hoch, das die Grenzwerte viel zu früh erreicht werden.

Durch Maßnahmen die Parkplätze teurer zu machen, Straßenführungen zu ändern etc. möchte man die Autos aus den Innenstädten bekommen. Düsseldorf will sogar soweit gehen und Dieselfahrzeuge in dem Innenstadtbereich verbieten (das ist aber soweit ich weiß noch nicht zu 100% sicher). Das Ziel ist ja ehrenhaft, der Weg hat aber leider eben auch immer Nebeneffekte und hier zeigt sich das leider in einer sozialen Spaltung der Bevölkerung.

» StarChild » Beiträge: 1322 » Talkpoints: 1,36 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Wie kommt man eigentlich auf die Idee, dass arme Menschen ohne Auto mal eben in die City fahren können? Parken kostet hier in der Innenstadt rund 1,50 Euro pro Stunde. Ein Einzelticket kostet 2,70 Euro, eine Person, die in die Stadt und zurück fährt zahlt 5,40 Euro für den Spaß. Mit einem Viererticket spart man üppige 40 Cent.

Ein Tagesticket lohnt sich nur, wenn man noch mehr Fahrten macht oder mindestens zu zweit ist. Wer ein Sozialticket bekommt, zahlt 35,55 Euro monatlich. Das liegt deutlich unter dem im Regelsatz veranschlagten Betrag. Deshalb leistet sich das nur, wer es braucht.

» cooper75 » Beiträge: 9522 » Talkpoints: 181,24 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich handhabe es so, dass ich nicht in die Innenstadt fahre, eben weil man dort nirgends parken kann. Bus und Bahn benutze ich aber auch nicht, somit bleibe ich von der Innenstadt ganz fern und gehe lieber woanders einkaufen. Könnte mir auch vorstellen, dass das einige so machen und der Innenstadt dadurch Kunden verloren gehen.

Zwar könnte ich das Parkticket bezahlen, aber ich will nicht. Ich sehe das nicht ein, dass ich fünf Euro berappen soll, nur um meinen Wagen für einen Einkauf abzustellen. Meistens gebe ich am Tag nicht mal fünf Euro aus, außer ich muss tanken. Da werde ich das Geld nicht für Tickets zum Fenster herausschmeißen.

Wenn ich nur kurz was kaufen wollte, habe ich mich meistens ohne Ticket vor den Laden gestellt, vorher geguckt, ob keine Politesse in Sicht ist, dann hab ich mich beeilt und bin schnell wieder weg. Oder ich habe auf Parkplätzen von Firmen geparkt und dort gefragt, ob ich da stehenbleiben kann. Oft erlauben die das. Wenn das nicht ging, bin ich da nicht hingefahren.

Die Idee, Dieselautos aus den Städten zu verbannen, finde ich total bescheuert. Sollen die Leute sich dort dann alle einen neuen Wagen kaufen? Nur weil irgendwelche Umwelt-Spinner sich wieder nen kreativen Kopf gemacht haben?

» Zitronengras » Beiträge: 8355 » Talkpoints: 15,97 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Warum sollte es Menschen mit neuem Diesel anders gehen als Menschen mit altem Diesel oder altem Benziner? Wir haben hier alle drei Meter Umweltzonen, da dürfen zig Autos nicht fahren. Damals mussten auch zig Menschen ihr Auto verkaufen und hatten Pech. Man möchte es eben gesünder, da darf dann der alte Diesel nicht direkt neben der Autobahn fahren, darauf aber schon.

» cooper75 » Beiträge: 9522 » Talkpoints: 181,24 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich bezweifle ohnehin, dass Umweltzonen etwas bringen und sobald aus dem alten Diesel ein Oldtimer geworden ist, darf er ja wieder in die Umweltzone fahren. Da müsste man bei meinem alten Diesel gar nicht mehr lange warten. Wo ich wohne gibt es keine Umweltzonen, daher ist das für mich auch was ganz Abartiges, einzelne Autos auszuschließen. Ich bin aber auch in der Fremde schon illegal durch die Umweltzone gefahren.

» Zitronengras » Beiträge: 8355 » Talkpoints: 15,97 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Ich dagegen wohne in einer Gegend, die satte 11 angrenzende Städte zur Umweltzone erklärt. Natürlich ist hier nicht jede Straße Umweltzone, aber die Bereiche, die man nicht nur für die Durchreise nutzt, sind es. Ich kann ohne grüne Plakette nicht zu meiner Wohnung, nicht in die Innenstädte, keine Freunde besuchen, die nicht an einer Durchfahrtsstraße wohnen.

Ein Auto ohne grüne Plakette ist hier schlichtweg nutzlos. Folglich waren hier Tausende Menschen und Unternehmen gezwungen, ihr Auto zu ersetzen. Und das betraf durchaus recht junge und hochwertige Diesel, die plötzlich kaum etwas wert waren, weil der Markt damit überschwemmt worden ist und die Käufer fehlten.

Und das mit dem anmelden als Oldtimer ist ja nun auch nicht so simpel. Das muss man erst einmal durchbekommen. Und wer wenig Geld hat, hat den alten Wagen seltenst in einem Zustand, der anerkannt wird. Hier siehst du kaum Oldtimer, weil es eben nicht so einfach ist. Die Parkgebühren sind gegen solche Aktionen ein Klacks.

Aber man muss zugeben, dass die Luftwerte besser geworden sind. Das ist natürlich für die Anwohner eine gute Sache. Das Risiko zu erkranken, ist hier sowieso schon viel höher als anderswo. Wer nicht unmittelbar betroffen ist und seine Existenz gefährdet sah, der hat schon Vorteile.

» cooper75 » Beiträge: 9522 » Talkpoints: 181,24 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Und das mit dem anmelden als Oldtimer ist ja nun auch nicht so simpel. Das muss man erst einmal durchbekommen. Und wer wenig Geld hat, hat den alten Wagen seltenst in einem Zustand, der anerkannt wird. Hier siehst du kaum Oldtimer, weil es eben nicht so einfach ist. Die Parkgebühren sind gegen solche Aktionen ein Klacks.

Doch eigentlich schon; ich hab ja einen Oldtimer, das ist ein alter Trabbi und der ist auch nicht im besten Zustand und kam durch. Das einzige Problem war, dass ich erstmal herausfinden musste, welche Versicherung ich nehmen kann, aber da ich das nun weiß, sehe ich beim nächsten, wenn er so alt sein sollte, kein Problem.

» Zitronengras » Beiträge: 8355 » Talkpoints: 15,97 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Zurück zu Allgemein

Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

^