Falsche Vorstellung von einem Gericht - kennt ihr das?

vom 13.01.2020, 22:49 Uhr

Mein Partner kommt ja ursprünglich aus Rheinland-Pfalz. Dort ist ein typisches Gericht der sogenannte Pfälzer Saumagen. Als ich das erste Mal davon gehört habe bzw. das Gericht auf dem Speiseplan der Schwiegereltern stand hatte ich schon richtig Bammel davor weil ich mir tatsächlich eine Innerei ähnlich Saurem Lüngerl, Leber oder anderen "Spezialitäten" vorgestellt habe. Auch Freundinnen von mir haben sich unter "Saumagen" ein Gericht in diese Richtung vorgestellt.

Pfälzer Saumagen ist ein Fleischgericht aus Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln sowie Gewürzen wie Majoran, Muskat und Koriander; es wird nach Art einer Brühwurst in einem Schweinemagen gegart. Nach dem Garen wird er dann in Scheiben knusprig braun gebraten. Konsistenz und Geschmack ähneln einer groben Bratwurst. Gegessen wird er gern mit Sauren Bohnen und Bratkartoffel oder einfach Sauerkraut und Brot.

Der Name des Gerichts stammt also von der Zubereitsungsart im Schweinemagen. Manch einer kennt es eventuell weil es das Leibgericht von Helmut Kohl war. Habt ihr euch unter einem bestimmten Gericht auch schon einmal etwas ganz anderes vorgestellt als es im Endeffekt war? Habt ihr das dann auch einmal gegessen oder abgelehnt?

» EngelmitHerz » Beiträge: 1175 » Talkpoints: 109,53 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich bin mir ziemlich sicher, dass es jedem von uns schon einmal so ging, wenn er mit einem ulkigen Eigennamen eines Gerichts konfrontiert war. Was soll man sich denn auch bittesehr unter „Himmel und Erde“, „Handkäs mit Musik“ oder „Strammem Max“ vorstellen, wenn der Name keinerlei Aufschluss über die Zubereitung gibt? Da gehört schon viel Fantasie und Glück dazu, um zu erraten, in welche Richtung es geht.

Abgeschreckt haben mich solche Namen jedoch nie in dem Ausmaß, dass ich eine Kostprobe rigoros abgelehnt hätte. Immerhin kann man ja wirklich nur bedingt erahnen, was einen erwartet, und sollte sich daher von irreführenden Bezeichnungen nicht zu sehr einnebeln lassen. Zudem bin ich immer offen für einen Geschmackstest und weise eigentlich nichts ab, ohne es vorher zumindest probiert zu haben.

» MaximumEntropy » Beiträge: 6790 » Talkpoints: 896,65 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Mir ist das immer mal wieder passiert. Du hast da auch ein gutes Beispiel gewählt, wie ich finde. Jedoch haben auch andere Gerichte ihre komischen Namen und regional weiß man natürlich was es ist, aber wenn man woanders herkommt wundert man sich. Es ist auch nicht weiter schlimm, denn diese Namen hat man irgendwann mal bestimmt und gut ist. Deswegen würde ich trotzdem alles probieren und auch wenn ich mir etwas anderes vorgestellt habe war die Überraschung bisher immer positiv.

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» Ramones » Beiträge: 40957 » Talkpoints: 56,63 » Auszeichnung für 40000 Beiträge


Naja, ehe ich ins Saarland ausgewandert bin, konnte ich mir unter "Dippelappes", "Himmel un Ärd" oder "Hoorische" auch nichts vorstellen. "Lyonerpann" war ja schon irgendwie logisch, aber sie wird anders zubereitet als dort wo ich herkomme. Aber auch unter den traditionellen Gerichten meiner Heimat kann man sich nur schwer was vorstellen. Was ist denn "Judd mit Gaardebohnen"? Bohnen kriegt man noch hin, aber dass eine "Judd" eine Suppe mit dicken Saubohnen ist, das ist schon schwierig.

Bei regionalen Gerichten ist es wahrscheinlich eh schwierig. In Frankreich ist "Boudin" sehr beliebt, das ist eine französische Blutwurst. Die wird meistens gebraten und platzt dann auf und gibt ein krümeliges, matschiges Innenleben frei. Ich finde es eklig, aber konnte mir beim ersten Mal auch nichts darunter vorstellen. Man muss auch nicht alles ausprobieren, ich verweigere Dippelappes und auch Boudin komplett.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 11135 » Talkpoints: 45,62 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Schon von klein auf wurde ich mit dichterischen Kreationen von Gerichten konfrontiert und zwar in der Schule beim Mittagessen. Die Köchinnen liebten es wohl ihre Gerichte als Pichelsteiner Topf, Gaisburger Marsch und Westfälisches Blindhuhn zu betiteln. Letzten Endes waren es alles Suppen mit Gemüse und anderer Einlage. Später in der Arbeit war niemand mehr so kreativ. Da war eine Erbsensuppe eben nur eine Erbsensuppe.

Der Kohl wurde ja damals oft für seine Vorliebe für Saumagen belächelt. Aber auch so wurde das Gericht halt bekannt. Ich selbst wusste erst worum es sich handelte, bevor ich mal davon probierte. Im Pfälzer Saumagen befindet sich eben alles, was auch im Magen einer Sau landet. Ich sage einmal das Gericht ist eine geschickte Resteverwertung.

Anfangen konnte ich nichts mit der Bezeichnung Halve Hahn konnte ich zum Beispiel nichts anfangen, bzw. taten sich da andere Vorstellungen auf, als dass es die richtige war. In einer kleinen Speisegaststätte gab es vor dem Lokal einen Aushang der Speisekarte. Ich hatte immer viel Vergnügen an der und mein Vater musste mir stets mein Lieblingsgericht vorlesen. Das hieß "Max und Moritz" mit Sauerkraut. Da hatte ich immer meinen Spaß und amüsierte mich stets köstlich darüber.

Max und Moritz sind hier letzten Endes nichts weiter als kleine Blut- und Leberwürste die angebraten zu Salzkartoffeln mit Sauerkraut angerichtet wurden und auf den Tisch kamen. Wir haben hier noch eine rustikal benannte Spezialität. Die nennen wir hier "Tote Oma". Nichts weiter als lose erwärmte Blutwurst mit Sauerkraut und Salzkartoffeln. Gibt es das hier an irgendeinem Imbiss, geht das weg wie warme Semmeln. Sonst fällt mir kein Gericht unserer Region ein, dass mir Rätsel aufgeben könnte. Maximal noch die Nascherei Kalter Hund, hier auch manchmal Kalte Schnauze genannt.

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» Quasselfee » Beiträge: 2110 » Talkpoints: 20,07 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


In Deutschland gibt es ja wirklich viele Gerichte mit fantasievollen Namen, aus denen sich meistens nicht wirklich ableiten lässt, worum es sich genau handeln könnte. Da kann man schon mal falsch liegen. Trotzdem mag ich eigentlich schon das meiste probieren, weil ich beim Essen wenig heikel bin und auch Innereien ganz gern esse. Immerhin bin ich mit Lüngerl und gebratener Leber aufgewachsen.

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» lascar » Beiträge: 2078 » Talkpoints: 431,77 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


So etwas kommt mir auch bekannt vor. Mir ist es einmal passiert, als ich mir Zwiebelrostbraten im Restaurant bestellt habe. Ich war so naiv und stellte mir dabei wirklich einen Braten vor, von dem ich eine Scheibe bekommen würde, schön mit Zwiebeln. Ich war sehr erstaunt, als ich eine Scheibe kurzgebratenes Fleisch bekam, was die Kellnerin mir auch noch freudestrahlend hinstellte mit der Bemerkung, dass es innen rosé sei!

Das war überhaupt nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ich hasse Fleisch, was nicht durchgebraten ist! Ich weiß, dass ich da noch zur alten Schule gehöre, aber ich kann mich mit diesem rosa gebratenen Fleisch einfach nicht anfreunden. Das war ja mit ein Grund, warum ich eine Scheibe von einem Braten wollte, denn von dem habe ich einfach erwartet, dass er durchgebraten ist.

Ich habe später recherchiert und erfahren, dass es beim Zwiebelrostbraten sich um ein traditionelles Gericht handelt, was aber entgegen der Bezeichnung kein Braten ist, sondern tatsächlich nur kurzgebraten wird. Es war also mein Fehler, dass ich es nicht kannte und mir etwas anderes darunter vorgestellt hatte,

» SonjaB » Beiträge: 1657 » Talkpoints: 21,14 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


SonjaB hat geschrieben:Ich habe später recherchiert und erfahren, dass es beim Zwiebelrostbraten sich um ein traditionelles Gericht handelt, was aber entgegen der Bezeichnung kein Braten ist, sondern tatsächlich nur kurzgebraten wird. Es war also mein Fehler, dass ich es nicht kannte und mir etwas anderes darunter vorgestellt hatte,

Zwiebelrostbraten ist hier tatsächlich bei uns ein traditionelles Gericht, welches nichts mit einem herkömmlichen Braten zu tun hat. Ich kenne es schon seit meiner Kindheit, weil es meine Mutter damals recht regelmäßig zubereitet hatte. Interessanterweise habe ich noch nie darüber nachgedacht, dass der Name eigentlich etwas anderes vermuten lassen würde als es tatsächlich ist.

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» lascar » Beiträge: 2078 » Talkpoints: 431,77 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Da gibt es wirklich einige Gerichte. Zum Beispiel der "Halve Hahn" in der Kölner Region. Klingt nach einem halben Brathähnchen, ist in Wirklichkeit aber ein Brötchen mit Käse.

Oder der "Pudding" im angelsächsischen Raum. Das kann von Blutwurst bis Brotauflauf so ziemlich alles sein, wird von manchen Leuten aber auch einfach verwendet wenn sie von einem Nachtisch sprechen, egal aus was dieser Nachtisch besteht. Genau wie in manchen Regionen "Tea" nicht Heißgetränk plus Gebäck bedeutet sondern Abendessen. Mit oder ohne Heißgetränk.

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» Cloudy24 » Beiträge: 24357 » Talkpoints: 36,53 » Auszeichnung für 24000 Beiträge


Cloudy24 hat geschrieben:Oder der "Pudding" im angelsächsischen Raum. Das kann von Blutwurst bis Brotauflauf so ziemlich alles sein.

Besonders gern mag ich "Black Pudding", den es in UK und Irland zum Frühstück gibt, und der im Prinzip eine Scheibe gebratene Blutwurst darstellt. Yorkshire Pudding wiederum ist eine Art fluffiges Gebäck, welches ähnlich wie ein Plunderteilchen vom Bäcker aussieht, aber als Beilage zu Fleischgerichten mit Sauce gegessen wird.

Ein deutsches Gericht mit schwer interpretierbarem Namen ist der Labskaus, den man z.B. in Bremen oder Hamburg bekommt und aus einer rötlichbraunen Paste aus Fleisch, Kartoffeln und Roter Bete besteht, die mit Spiegelei, Essiggurke und ggf Rollmops serviert wird. Bei diesem Gericht wusste ich lange Zeit gar nicht, worum es sich handelt, bis ich es einfach mal ausprobiert hatte.

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» lascar » Beiträge: 2078 » Talkpoints: 431,77 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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