An Mobbing irgendwann das Interesse verlieren?

vom 19.06.2018, 07:13 Uhr

Eine Freundin hat das Problem, dass sie im Internet gemobbt wird. Es handelt sich bei dem Mobber um eine Person, mit der sie mal mehr oder weniger befreundet war. Diese macht sie nun im Internet ständig runter und schreibt dort auch Sachen, die meine Freundin ihr im Vertrauen erzählt hat.

Meine Freundin hat durchaus versucht mit der ehemaligen Freundin zu sprechen und sie gebeten, es doch zu unterlassen, dass diese solch private Dinge über sie dort schreibt, noch dazu verdreht. Aber es nützt nichts. Nun meint meine Freundin, dass das hoffentlich irgendwann aufhören würde, wenn die ehemalige Freundin das Interesse daran verlieren würde. Meine Freundin reagiert schon gar nicht mehr auf die blöden Kommentare und Gemeinheiten der anderen Frau. Sie meint, dass es ihr einfach zu blöd und kindisch wäre.

Verliert jeder Mobber irgendwann das Interesse? Ist es komplett zwecklos so jemanden zu bitten, doch keine privaten Sachen mehr zu schreiben, die im Vertrauen erzählt wurden? Was kann man bei Mobbing machen, damit der Mobber schneller das Interesse verliert?

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» Nelchen » Beiträge: 32246 » Talkpoints: -0,17 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Nelchen hat geschrieben:Diese macht sie nun im Internet ständig runter und schreibt dort auch Sachen, die meine Freundin ihr im Vertrauen erzählt hat.

Woher weiß deine Freundin denn, dass das im Internet der Fall ist? Ich gehe davon aus, dass sie auf denselben Internetseiten aktiv ist. Man muss ja selbst in den sozialen Netzwerken oder Foren aktiv sein, um das überhaupt mitzubekommen.

Abgesehen davon finde ich es ziemlich schizophren, dass deine Freundin sich einerseits darüber beschwert, gemobbt zu werden, aber ganz offensichtlich nicht derartigen Situationen aus dem Weg geht. Das "natürliche" Verhalten von gemobbten Personen ist doch, dass diese sich immer weiter zurückziehen und dann auch noch vermeiden, dem Mobber über den Weg zu laufen. Dass man das nur schwer kann, wenn man auf Arbeit oder in der Schule gemobbt wird, sollte klar sein. Da wechselt man dann eben die Schule oder den Arbeitsplatz.

Deine Freundin ist aber nicht dazu gezwungen auf denselben Internetseiten aktiv zu sein wie der angebliche Mobber. Daher finde ich es schon schizophren einerseits mit Mobbing-Vorwürfen um sich zu schlagen aber quasi gleichzeitig den Mobber quasi zu "stalken" und über jedes geschriebene Wort Bescheid zu wissen, was jemals geschrieben worden ist, denn es kann mich auch niemand dazu zwingen, Beiträge zu lesen, die ich gar nicht lesen möchte.

Welcher normale und intelligente Mensch handelt denn so destruktiv, wenn er doch angeblich so sehr unter der Situation und dem Mobbing leiden würde? Entweder die Mobbing-Vorwürfe sind komplett erfunden und deine Freundin behauptet das nur, damit sie Aufmerksamkeit bekommt und ist eigentltich total die gelangweilte und isolierte Drama-Queen oder aber sie ist psychisch total gestört, dass sie sich bewusst destruktiven Situationen aussetzt und ist quasi süchtig danach gemobbt zu werden und die Opferrolle einzunehmen. Normal finde ich weder das eine noch das andere.

Wenn es wirklich so schlimm ist, dann würde ein normales Opfer sich entweder andere soziale Netzwerke und Internetforen suchen, wo man aktiv sein kann oder aber man setzt den User auf die Ignorierliste, sodass genau diese Kommentare und Beiträge nicht mehr angezeigt werden, aber man liest nicht jedes veröffentlichte Wort als wäre man süchtig danach. Keine Internetseite wäre mir persönlich so wichtig, dass ich damit meine psychische Gesundheit riskieren würde.

Da du vor ziemlich einem Jahr ein ähnliches Thema geschrieben hast Mobbing im Internet erfolgreich anzeigen? gehe ich davon aus, dass das Mobbing nur erfunden ist. Welches echte Mobbingopfer setzt sich über 12 Monate freiwillig einem Mobber im Internet aus, wenn es gar nicht muss? Niemand kann mich zwingen, auf bestimmten Internetseiten aktiv zu sein, wenn ich das nicht möchte. Deine Freundin ist entweder nicht besonderes intelligent oder krank im Kopf, anders kann ich mir das nicht erklären.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Na ja, ich würde mal sagen, dass jemand dann das Interesse am Mobbing verliert, wenn er diese Beachtung nicht mehr bekommt, die ein Mobber ja eigentlich haben will. Entweder sollte der Gemobbte mal richtig "zurückschlagen" oder eben dem Mobber kein Futter mehr geben.

Du schreibst ja explizit von einem Fall aus dem Internet. Kann es da nicht auch sein, dass es eher ein subjektives Empfinden ist? Gerade im Internet kann man sich oft in den "Hintern getreten fühlen" obwohl es gar nicht der Fall ist, weil man ja nun doch wenig Emotionen herüberbringen kann.

Ich würde mich zurückziehen, Seiten vermeiden, wo der Mobber sich aufhält oder eben dem Ganzen keine Bedeutung zumessen und die Beiträge einfach nicht mehr lesen. Auf sozialen Netzwerken kannst du einen User einfach sperren bzw. blocken. Und Foren haben auch diese Möglichkeit. Oft steht diese Option im Profil eines Nutzers. Meist in Form eines Buttons "blockieren" oder wie hier im Forum "Zu den ignorierten Mitgliedern hinzufügen". Dann sollte man Ruhe haben und es kann einem am Allerwertesten vorbei gehen, was jemand über einen schreibt.

Wenn man das nicht will und einfach neugierig bleibt und wissen will, was geschrieben wird, dann wird es wohl auch nicht so schlimm sein. Gerade im Internet kann man doch solchen Mobbern eher aus dem Weg gehen als im wirklichen Leben, wo man in Schule und Beruf das "Opfer" ist. Schule ist so leicht nicht zu wechseln und oft muss man froh sein, wenn man Arbeit hat. Im Internet kann man denjenigen, den man nicht mag oder von dem man sich gemobbt fühlt einfach ignorieren.

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» Diamante » Beiträge: 41860 » Talkpoints: 10,10 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich denke schon, dass Mobbing größtenteils nur temporär stattfindet und wenn diese Attacken mehr oder weniger verpuffen, dann wird der Mobber wohl von alleine aufhören. Den Mobber bitten damit aufzuhören, das würde ich nicht machen, denn damit signalisiert man ja, dass es Wirkung zeigt und man sich getroffen fühlt. Aber je nachdem käme für mich durchaus auch eine Anzeige in Betracht.

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» Zeitreise » Beiträge: 105 » Talkpoints: 33,92 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich kann mir gut vorstellen, dass Mobbing oftmals eine temporäre Geschichte ist. Es ist zwar immer unfair, wenn man sagt, lass dich doch nicht ärgern, aber das hat schon irgendwo auch etwas Wahres. Denn wer auf dieses leichte bis schwere Mobbing anspringt, wird immer weiter geärgert. Das ist sehr häufig so, sodass ich durchaus annehme, dass irgendwann das Interesse weniger wird, wenn man sich auf dieses Spielchen nicht einlässt.

Ich habe jedenfalls zu meiner Schulzeit die Erfahrungen gemacht, dass man die Leute dann auch in Ruhe gelassen hat. Doch ich kann mir auch, wenn ich viele Dinge höre vorstellen, dass es einige doch weiter tun. Nicht jeder hört auf oder man genießt es, wenn man in jedem ein Opfer findet, wo man das tun kann. Man sollte also nicht immer annehmen, dass man das aussitzen kann, das klappt häufig und vielleicht auch für die Statistikenreiter sehr häufig, aber bestimmt auch nicht immer.

Ich selber habe auch als Kind mal einer solchen „Clique“ angehört, die Inn war. Mir war leider damals auch nicht bewusst, dass wir da als Mobber das eine oder andere Mal galten. Wir haben aber zum Beispiel nicht aufgehört. Da mussten dann zwei Leute die Schule verlassen, aus eigenem Schutz. Heute haben wir uns mit den Leuten ausgesprochen, verziehen und vergessen. Das waren aber auch jugendliche Ekelhaftigkeiten, sodass ich aus Erfahrung spreche, wenn man es übertreibt.

Ich würde also auch nicht sagen, dass jeder aufhört, wenn der Gegenüber nicht mit spielt. Das klappt eigentlich aber dennoch ganz gut und häufig. Probieren geht über studieren und was hat man zu verlieren, ehe man direkt die Schule wechselt, den Arbeitsplatz oder sonst etwas. Einfach mal ausprobieren, ehe man den schlimmsten Weg mit einem Wechsel & Co in Erwägung zieht.

Ich schließe jedenfalls nicht aus, dass jemand aufhört, wenn ein anderer nicht mehr auf das Mobbing reagiert. Wäre jedenfalls eine gute Lösung und Methode, es mal auszuprobieren. Da ich eben nur aus eigenen Erfahrungen und dem, was ich gesehen habe beurteilen kann, dass viele in der Tat aufhören, wenn der „Gemobbte“ nicht mehr mit spielt.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4951 » Talkpoints: 8,46 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Ich halte aus eigener Erfahrung heraus nicht viel von dem beliebten Rat: Einfach ignorieren, dann hört es von alleine auf. Mit Mobbing im Internet habe ich nicht so viel Erfahrung, aber im wirklichen Leben ist es leider nicht so einfach. Im "Internet" würde ich es wohl auch einfach so machen und die entsprechenden Seiten/Foren nicht mehr besuchen.

Ich bin zwar kein "digital native", wie es so schön heißt, aber ein paar Jahre Erfahrung mit sozialen Kontakten auf virtueller Ebene habe ich schon, und die waren auch nicht immer positiv. Aber irgendwann denkst du dir eben : Ok, wieder ein Forum (oder was auch immer), das ich nicht mehr besuche, und gut ist. Im Regelfall. Ich war natürlich auch nie so blöd, irgendwelchen Fremden private Details anzuvertrauen, die man gegen mich hätte verwenden können.

In der Außenwelt, gerade im Job und wahrscheinlich auch in der Schule ist es in meinen Augen oft erheblich schwieriger. Schließlich denkt sich kaum ein psychisch gesunder, rational denkender Mensch eines Morgens: Ach, weißt du was, diese Kollegin mobbe ich jetzt, bis sie kündigt. Das wird lustig! :lol:

Entweder ihre diversen Störungen zwingen sie mehr oder weniger dazu, andere zu tyrannisieren, oder, schlimmer noch, die Mobber fühlen sich im Recht und betrachten es nur als Bestätigung oder Herausforderung, wenn sie ignoriert werden. Und wenn du unbehandelte psychische Probleme hast oder glaubst, auf einem Feldzug als Krieger für das Gute zu sein, verlierst du nicht so schnell das Interesse, sondern dein Opfer verliert eher den Kampfgeist.

» Gerbera » Beiträge: 8387 » Talkpoints: 0,80 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


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