Affäre verzeihen - Selbst Schuld an Beziehungsende?

vom 20.11.2014, 21:11 Uhr

Eine Bekannte von mir hat im Moment wieder Probleme mit ihrer Beziehung und das war eigentlich auch vorherzusehen. Sie hat ihren Freund vor einem Jahr beim Betrügen erwischt und wollte sich erst von diesem Trennen. Dann hat sie ihm jedoch verziehen und gehofft, dass sich alles wieder bessert. Ich muss sagen, dass ich leider kein Mensch bin, der in dieser Hinsicht besonders positiv eingestellt ist. Sobald ein Partner fremd geht, ganz egal ob Mann oder Frau, dann ist die Beziehung für mich gelaufen. Ab da kann es nur noch Probleme geben und die Beziehung kann nie mehr werden wie vorher, denn man wird immer im Hinterkopf haben, was der Partner getan hat und dieser wird die nächste Chance vielleicht auch wieder nutzen.

Ich halte es daher immer für das Beste, wenn sich ein Paar trennt, sobald jemand fremd gegangen ist. Es kann meiner Ansicht nach in einer Beziehung nicht gut laufen, wenn jemand fremd geht, dass ist einfach ein Anzeichen für eine nicht funktionierende Beziehung. Wieso manchen Menschen eine Affäre dann noch verziehen wird, kann ich absolut nicht verstehen. Aber es ist natürlich bequemer sich nicht scheiden zu lassen und man möchte ja auch nicht alleinerziehend sein oder für den Rest seines Lebens alleine sein. Deswegen ziehen viele Menschen das Verzeihen vor und das ist meiner Meinung nach ein großer Fehler.

Auch bei meiner Bekannten war das so und man konnte natürlich absehen, dass der Mann die Chance natürlich wieder nutzen wird und beim nächsten Mal wieder fremd geht. Das hat er dann auch getan und jetzt streiten die beiden sich wieder und sie möchte sich wieder trennen. Ich hoffe nur inständig für sie, dass sie das diesmal wirklich tut. Ich selbst muss sagen, dass ich meinem Partner ein Fremdgehen definitiv nicht mehr verzeihen würde. Ich denke, ich habe da was besseres verdient und muss mit niemandem zusammen sein, der durch die Gegend vögelt. Und jeder der seinem Partner sowas verzeiht, ist eigentlich auch selbst Schuld.

Für mich sind diese Personen eigentlich Schuld an ihrem eigenen Unglück, denn man kann eigentlich absehen, dass es für sie keine glückliche Beziehung mehr mit dem Partner geben kann. Bei jeder Situation wird das Thema wieder aufgefrischt und auf den Tisch gebracht. Man wirft es dem Partner jahrelang vor bis man schließlich erkennt, dass die Beziehung seitdem gar keinen Sinn mehr hat und sich schließlich doch trennt. Deswegen finde ich, dass Partner die dem anderen ein Fremdgehen verzeihen eigentlich selbst Schuld sind, dass die Beziehung am Ende so schlecht endet, denn sie hätten direkt Schluss machen sollen, anstatt das Ganze noch unnötig in die Länge zu ziehen.

Wie ist das bei euch, könntet ihr eurem Partner verzeihen, wenn dieser fremd gegangen ist? Denkt ihr, dass die Beziehung dann noch eine Chance hat oder denkt ihr auch, dass es das Beste ist die Beziehung dann zu Beenden und man am Ende selbst Schuld an einem unglücklichen Leben ist, wenn man dem Partner das Fremdgehen verzeiht?

» Crispin » Beiträge: 14933 » Talkpoints: 5,72 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich war zum Glück noch nie in der Situation und daher kann ich das Ganze nur theoretisch angehen. Rein theoretisch sehe ich es so wie du. Fremdgehen ist eigentlich unverzeihlich und vor allem ein Zeichen für eine nicht funktionierende Beziehung und ich würde mich vor mir selbst schämen, wenn ich das mit mir machen ließe.

Mittlerweile bin ich aber seit 10 Jahren mit meinem Mann zusammen und da kommt man dann schon ins Grübeln. Die Gründe, die du aufgezählt hast, mögen alle eine Rolle spielen. Man hat Angst, alleine dazustehen und sich scheiden zu lassen. Was aber auch eine Rolle spielt, ist, dass eine Beziehung von 10 Jahren damit beendet wäre. Oder noch viel länger bei anderen Paaren.

Als ich noch Beziehungen von ein, zwei Jahren hatte, war für mich auch klar, dass es aus wäre. Wer nach so kurzer Zeit schon fremdgeht, wird es immer wieder tun und die Beziehung ist es einfach nicht wert. Einfach schon wegen der kurzen Dauer. Aber 10 Jahre? Die wirft man nicht einfach weg. Da hängt man schlichtweg mehr dran. Man hat ja auch wesentlich mehr investiert.

Daher kann ich schon verstehen, wenn man sich nicht sofort trennt. Wenn man noch Hoffnung hat, dass ein Verzeihen funktionieren könnte. Dass die lange Beziehung nicht kaputt ist. Wobei ich auch der Meinung bin, dass es höchstwahrscheinlich dennoch bald zu Ende ist und die Beziehung nie mehr die gleiche ist und der Betrüger es gar nicht verdient hat, dass der andere ihm verzeiht. Aber ich kann verstehen, dass man es versuchen muss.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9449 » Talkpoints: 20,24 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich finde auch, dass man das so pauschal nicht sagen kann. Wenn man beispielsweise schon sehr lange zusammen ist und es dem Partner nur um Sex geht, ist es schon etwas anderes als wenn man einen Partner gleich am Anfang der Beziehung betrügt und dann auch eine emotionale Geschichte daraus macht. Bei einer langen Beziehung würde ich schon versuchen erst mal den Grund zu erfahren und dann zu überlegen ob man das wieder hinbekommen kann.

Jedoch würde ich in einer kurzen Beziehung einfach aufgeben, dann hat der Typ es nicht verdient. Man muss es ja auch von Situation zu Situation betrachten, nicht jeder ist gleich und manchmal gibt es vielleicht einfach starke Probleme in einer Beziehung, an denen man arbeiten sollte. Einen Seitensprung zu verzeihen ist sicherlich hart und sicherlich bringt es meistens nichts, aber wenn man jemanden liebt ist es nun mal so, dass man nicht schnell aufgeben wird.

Ich selber war noch nie in so einer Situation und so wie mich mein Partner liebt werde ich auch nicht in diese Situation kommen, wenn unsere Beziehung so bleibt. Dennoch würde ich dann eben nah Gründen forschen und daran arbeiten, wir kennen uns so lange und da wäre es bescheuert das alles wegen Sex wegzuwerfen.

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» Ramones » Beiträge: 41539 » Talkpoints: 8,79 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Das ist eine schwierige Frage, aber ich denke, dass es ganz auf die Gründe des Fremdgehens ankommt. Unverzeihlich ist das auf jeden Fall, aber die Gründe würden mich trotzdem interessieren. Wahrscheinlich würde ich meinem Mann auch verzeihen, das Misstrauen wäre aber immer wieder da. Trotzdem hat jeder Mensch eine zweite Chance verdient. Wenn er die aber auch vertut, dann war es das.

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» ninjafan » Beiträge: 1455 » Talkpoints: -0,16 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich bin in dieser Hinsicht sehr radikal und konservativ. Ich finde fremdgehen geht gar nicht und es gibt keine Entschuldigung dafür. Selbst wenn beispielsweise sexuell einem der Partner etwas gefehlt hat, dann kann er das doch sagen und aussprechen bevor er solche Dummheiten wie Seitensprünge und Affären überhaupt anfängt. Ich finde es einfach nur armselig, wenn Probleme und nicht befriedigte Bedürfnisse egal welcher Art gar nicht angesprochen werden.

Der andere Partner kann ja auch nicht unbedingt riechen, wenn etwas nicht stimmt und Gedanken lesen kann man auch nicht. Also ist man selbst Schuld wenn man fremd geht und braucht es gar nicht auf den Partner schieben so nach dem Motto: "er hat mich in die Arme eines anderen getrieben". Ich finde es einfach nur kindisch, wenn man sich nicht der Verantwortung stellt und die Schuld immer auf andere schiebt.

Ein Seitensprung ist für mich ein massiver Vertrauensbruch und ich könnte danach einfach weder verzeichen noch vergessen. Mir egal aus welchen Gründen fremd gegangen wurde, ich bin da verdammt nachtragend und für mich wäre die Beziehung definitiv zu Ende.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,46 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Wenn mich jemand betrügen würde, dann wäre bei mir jegliche Liebe schlagartig weg und ich würde vermutlich nur noch Wut empfinden und danach trachten, dem anderen etwas anzutun. Ich würde das niemals verzeihen können und das wäre für mich auch definitiv das Ende einer Beziehung. Ich sehe es auch so, dass man danach nicht mehr weitermachen sollte und dass Menschen auch irgendwo einfältig sind, wenn sie denken "der macht das nie wieder".

» vde » Beiträge: 282 » Talkpoints: 53,79 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Für mich klingt es eigentlich immer etwas niedlich und naiv, wenn man auch in einer ernsthaften Beziehung, die vielleicht viele Jahre oder Jahrzehnte besteht oder das Potential dafür hat, auf körperlicher Treue besteht. Rational betrachtet ist es schlichtweg unwahrscheinlich, dass nach zehn oder zwanzig Jahren immer noch beide vollkommene Erfüllung in ihrem Sexleben erfahren. Oft ist das nicht einmal zu Beginn der Beziehung so, sondern es ist einfach nur ganz toll, ohne eben wirklich perfekt zu sein. Wenn man manche Erfahrungen dann woanders, zum Beispiel im Rahmen einer Affäre auslebt, finde ich das legitim, solange es eben nur um Sex ohne tiefere Gefühle geht.

Da ich offene Beziehungen als wesentlich entspannter und interessanter empfinde, würde ich natürlich nichts dagegen sagen, wenn der Partner oder die Partnerin eine Affäre, einen One Night Stand oder ähnliches hat. Wichtig ist nur, dass der andere eben nicht noch in jemand anderen verliebt oder in ähnlicher Weise interessiert ist und sich diese Kontakte außerhalb der Beziehung wirklich nur auf einer rein körperlichen Ebene bewegen.

Wenn man allerdings in einem recht eng gesteckten Beziehungsmuster lebt, in dem körperliche Treue eine herausragende Rolle spielt, mag es logisch erscheinen, dass diejenigen, die einen Seitensprung verzeihen, am Ende selbst Schuld sind, wenn die Beziehung dann doch scheitert. Oft empfinde ich so ein Verhalten als sehr verbissen und besitzergreifend und ich wundere mich nicht, wenn Beziehungen mit ungleichen Ansprüchen dann eben auch scheitern. Das Problem ist dabei sicher nicht, dass der Seitensprung verziehen wurde, sondern vielmehr, dass die Monogamie-Anhänger erwarten, dass es nach diesem Vorfall in jedem Fall streng monogam weitergeht. Das finde ich allerdings total naiv.

An einem unglücklichen Leben ist man natürlich sehr oft selbst Schuld, denn die meisten Leute sollten in der Lage sein, die Dinge, die sie unglücklich machen, abzustellen. Bei wirklich ernsthaften Problemen wird das nicht funktionieren, aber wer hat die schon in einem Land wie Deutschland? Außer ernsthaften gesundheitlichen Einschränkungen gibt es doch letztendlich so gut wie ausschließlich Luxusprobleme, eben auch in Beziehungsdingen. Wer unter einer Beziehung leidet und sie dennoch fortführt, dem ist dann auch wirklich nicht zu helfen. Entweder man findet einen Weg, der für beide gut tragbar ist oder man beendet die Geschichte.

Ich würde allerdings eine langjährige Beziehung nicht wegwerfen, nur weil der andere bestimmte sexuelle Wünsche mit anderen Personen auslebt. Das fände ich schade und man reduziert die Beziehung dabei auch auf den Sex und die Prinzipienreiterei, dass der andere gefälligst treu zu sein hat. Ich finde es entspannter, wenn man auf derlei Absprachen direkt verzichtet, dann muss man anschließend auch nichts verzeihen.

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» Cologneboy2009 » Beiträge: 14237 » Talkpoints: 2,76 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich persönlich würde einen Seitensprung auch nie verzeihen, egal ob es sich um einen Kuss oder um mehr handelt. Für mich käme es grundsätzlich nicht in Frage, einem Partner so etwas zu verzeihen, egal ob wir nun ein Jahr oder zwanzig Jahre zusammen wären. Das Vertrauen ist dann einfach komplett hinüber und ich kann mir nicht vorstellen, wie man das jemals wieder aufbauen kann. Für mich würde eine Beziehung deshalb wahrscheinlich auch zwangsläufig scheitern, auch wenn ich das verzeihen würde.

Es gibt ja aber Menschen, die so etwas verzeihen können und für die das Thema dann auch komplett vom Tisch ist, sobald sie sich mit ihrem Partner ausgesprochen haben. Es ist ja auch nur dann sinnvoll, die Beziehung nach einem Seitensprung weiterzuführen, wenn man wirklich verzeihen kann und will. Und das bedeutet, dass man komplett mit dem Thema abschließen muss und es nicht irgendwann bei irgendwelchen Streitereien doch wieder aufgreift. Man muss es auf sich beruhen lassen.

Manchen gelingt das aber. Und wenn das klappt, kann auch die Beziehung eine Chance haben. Es gibt ja durchaus Paare, bei denen einer fremdgegangen ist und die trotzdem noch zusammen sind und eine glückliche Beziehung führen. Es kann klappen, aber das ist eben nur so, wenn man das Thema komplett für sich abhaken kann. Ich glaube, dass das aber enorm schwierig ist. Mir würde es wahrscheinlich nicht gelingen und ich würde das eben auch gar nicht wollen.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 33513 » Talkpoints: 31,63 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


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