Wieso keine Bezahlung bei Organspende?
Für Blutspenden bekommt man in der Regel nichts außer einer Limo und einem Müslieriegel oder vergleichbares. In den wenigsten Fällen gibt es eine „Aufwandsentschädigung“ in Höhe von ein paar Euro für die An- und Abreise. Eine wirkliche Bezahlung, die das Blutspenden „rentabel“ machen würde gibt es aber (Gott sei Dank) nicht. Dafür heißt es eben auch Blutspende und nicht Blutverkauf, und das ist auch gut so.
Die Organspende ist – wie es der Name schon sagt – eben auch eine Spende. Eine freiwillige Geschichte die zwar Leben retten kann, aber unter keinen Umständen finanziell vergütet werden sollte. Ich verstehe auch nicht ganz, wie Du Dir das vorstellst wenn Du sagst, man solle einen Vertrag abschließen können, Geld erhalten und dann nach dem Tod die Organe dafür zur Verfügung stellen. Wer sagt Dir denn, dass der kerngesunde zwanzigjährige, der heute einen Vertrag abschließt, in 60 Jahren nach seinem Tod überhaupt noch verwertbares Material zu bieten hat? Vielleicht wird er sein Leben lang saufen und rauchen, bekommt Krankheiten die Herz und Leber schwächen? Vielleicht bekommt er sogar AIDS? Und was, wenn der Verkäufer es sich in 15 Jahren anders überlegt? Oder er in ein anderes Land zieht? Wer sich als zahlender Kunde auf ein solches Geschäft einlässt, kann nur verlieren.
Zahlt der Kunde erst nach dem Tod des Verkäufers (pfui, wie sich das anhört) hat der Verkäufer ja nichts mehr davon. Wo soll da der Anreiz sein? Ich glaube nicht, dass sich tatsächlich jemand auf so einen Deal einlassen würde damit die Hinterbliebenen ein paar Euro bekommen.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich es unmoralisch finde meine Organe zu verkaufen! Muss heute wirklich alles bezahlt werden? Ich finde es unfassbar dass Geld die Bereitschaft zur Organspende (das müsste dann aber eigentlich Organverkauf heißen) vermutlich tatsächlich horrend ansteigen lassen würde. Das Wissen, dass man bestenfalls nicht nur einem, sondern vielen Menschen das Leben retten kann, sollte eigentlich Entlohnung genug sein. Wem das als Grund seine Organe zu spenden nicht ausreicht, der sollte auch ganz gewiss keinen müden Cent dafür bekommen.
Ich habe einen Organspendeausweis und gehe regelmäßig Blutspenden - ohne Bezahlung natürlich. Auch wenn ich es sehr begrüßen würde, wenn sich mehr Leute dazu entschließen würden, Organe zu spenden, würde ich es nicht gutheißen, wenn man dafür Geld bekäme. Mal davon abgesehen frage ich mich, wer das Geld bekommt, wenn man schon tot ist. Vermutlich die Hinterbliebenen, aber da hat man dann selbst ja auch nichts mehr von. Ich glaube also nicht, dass man damit die Organspenden in die Höhe treiben könnte.
Bezahlung gegen Organspende würde sich moralisch mit dem Prinzip gar nicht vereinbaren lassen. Und was bitte hat man nach seinem Tod denn bitte von dem Geld? Mich würde es auch nicht wundern, wenn es deswegen dann mehr Morde geben würde. Fakt ist aber, das es wirklich noch immer viel zu wenig Organspender gibt. Leider. Denn was will man denn nach seinem Tod noch mit den Organen? Fakt ist auch, dass es selten genug ist, dass die Organe überhaupt verwendet werden dürfen und können. Denn dazu müssen die Organe in Ordnung sein, aber der Mensch tot, und das ist wirklich eher selten.
Viele wissen einfach auch nicht, dass man die Maschinen deswegen keines Falles eher ausstellen würde, nur weil man Organspender ist. Das ist vollkommener Quatsch, hält sich aber leider als Gerücht sehr hartnäckig. Man bemüht sich natürlich immer um den Menschen und in erster Linie steht das Leben von demjenigen im Vordergrund. Man schaut auch nicht direkt in einer Notfallsituation nach, ob derjenige Spender ist, sondern erst, wenn sich die Frage nach einer möglichen Spende stellt. Da muss man wirklich keine Angst haben.
Ich habe natürlich einen solchen Spendenausweis und diese auch schon fleißig in meiner Familie verteilt. Ich finde es sehr wichtig. Denn wie du schon gesagt hast, vielen kann damit geholfen werden, aber leider kommt die Hilfe viel zu spät. Und die Liste ist sehr viel länger als man denkt. Manchmal kommt man eben auch viel zu spät überhaupt auf die Liste. Und man muss sich im Klaren darüber sein, dass ein Organversagen auch einen selber oder Familienmitglieder treffen kann. Und so ein Unfall geht leider manches Mal sehr schnell und dann geht es um Minuten oder Tage.
So eine Vereinbarung, dass man jetzt Geld bekommt, wenn man nach seinem Tod seine Organe spendet, wäre sittenwidrig. Was wäre denn, wenn der zukünftige Spender als Zwanzigjähriger aus finanziellen Gründen so einen Vertrag geschlossen hat und es sich vielleicht 30 Jahre später nach einem Religionswechsel oder aus philosophischen Gründen anders überlegt und das Geld nicht zurückzahlen kann? Oder vielleicht erst eine Minute vor seinem Tod während einer transzendenten Erfahrung, die er macht, sagt, dass er vollständig begraben werden wolle. Vielleicht hat er gerade das Himmelstor erblickt und gesehen, dass man da nur vollständig hineinkommt.
Man könnte die Erfüllung eines solchen Vertrages nicht durchsetzen, wenn der Spender einseitig davon zurücktritt und damit wäre es kein wirksamer Vertrag.
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