Sind Taxifahrten zu Facharztterminen unmöglich geworden?

vom 02.10.2026, 10:28 Uhr

Trotz Anmeldung für eine Fahrt zur Facharztpraxis 24 Stunden vorher wurde mir vom Taxiunternehmen am Telefon sofort gesagt, dass im Zeitraum zwischen 06:00 Uhr und 09:00 Uhr keine Fahrten mehr angenommen werden könnten.

Da ich keinen Pflegegrad habe, ist die Inanspruchnahme von anderweitigen Patientenfahrdiensten nicht möglich. Außerdem wurde mir bis heute keine einzige Fahrt von der Krankenkasse bezahlt. Alle Taxifahrten zum Arzt musste ich aus eigener Tasche bezahlen.

In der Gegend hier ist die Benutzung von Bus und Bahn praktisch unmöglich, weil Strecken wegen Reparaturarbeiten monatelang gesperrt sind, die Fahrtrouten wesentlich umständlicher und länger, als sie mit dem Taxi möglich wären.

Sollte es mittlerweile normal sein, dass nach monatelangem Warten auf einen Facharzttermin dieser dann schlussendlich daran scheitert, dass keine Fahrmöglichkeit besteht? Ich musste den Termin für eine Darmspiegelung bereits um drei Stunden verschieben und die Praxis um Erlaubnis bitten. Diese hat dann freundlicherweise intern umorganisiert, so dass ich den vier Monate vorher geplanten Termin am selben Tag doch noch wahrnehmen konnte.

Wäre die Praxis nicht so kulant gewesen, hätte ich die Tortur der Vorbereitung zur Darmspiegelung völlig umsonst durchgeführt. Ich setze einmal voraus, dass jeder, der einmal eine Darmspiegelung hat durchführen lassen, weiß, dass der unangenehmste Teil die forcierte Abführung ist. Ich habe mich sogar übergeben müssen.

Was das für den Patienten bedeutet, der nach unangenehmer Darmentleerung auch noch nüchtern bleiben muss und dem dadurch die möglichst zeitnahe Untersuchung verweigert und das Leiden vergrößert wird, brauche ich nicht zu betonen.

Die Begründung des Taxiunternehmens lautet, dass alle Fahrzeuge für Flughafentransfers und Schüler-, sowie Kindergartenfahrten reserviert seien, da Schulbusse abgeschafft worden seien, die Aufgabenstellung des öffentlichen Nahverkehrs nun zeitweise auf die Taxiunternehmen übertragen worden sei.

Meine Frage lautet: Habt Ihr solche Dinge auch schon erlebt, und wie könnte eine Lösung aussehen? Können die Krankenkassen nicht dazu verpflichtet werden, für derartige Untersuchungen Taxis reservieren zu lassen, die selbstverständlich dann nicht von ihnen, sondern vom Patienten wie üblich allerdings eventuell gegen eine geringe zusätzliche Reservierungsgebühr finanziert werden?

» Gorgen_ » Beiträge: 1261 » Talkpoints: 62,13 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Es ist doch seit Jahren vollkommen normal, dass man zu Stoßzeiten nicht automatisch ein Taxi zum Wunschtermin bekommt, weil die Fahrten mit regelmäßigen Kunden und Leuten, die bei bekannten Terminen früher buchen, besetzt sind.

Ich buche für mein Klientel Fahrten aller Art, sobald die Termine feststehen. Das gilt für das Taxi, Krankenfahrten und begleitete Krankentransporte durch die Feuerwehr. Selbst bei der Feuerwehr kann der Disponent oft erst nach Tagen den Termin bestätigen oder Alternativen anbieten.

Spontan sind die Taxizentrale oder in Ballungsräumen uber eine Möglichkeit. Wobei es häufig nur mit Angehörigen oder netten Nachbarn klappt. In meiner Region ist trotz Auslastung ein großer, in vielen Städten agierender Krankenfahrdienst Insolvenz geworden. Die haben nicht einmal die Termine abgesagt.

Wie stellst du dir das mit dem Blocken vor? Niemand weiß, wie viele Fahrten vielleicht benötigt werden. Und die anderen Fahrgäste benötigen den Wagen und die Finanzierung ist gesichert. Soll die Kasse den Leerstand dann bezahlen? Auf Fahrgäste hoffen, ist bei den Kosten wirtschaftlich nicht drin.

» cooper75 » Beiträge: 13460 » Talkpoints: 727,14 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Einige Nachbarn haben Pflegestufe 1 und brauchen sich um Transporte zu Arztterminen nicht selber zu kümmern. Das übernimmt der Pflegedienst automatisch. Habe unverschämterweise dort schon einmal nachgefragt. Es war mir eigentlich vorher schon klar, dass ein Pflegedienst aus juristischen und versicherungstechnischen Gründen keine "Fremdfahrten" übernehmen darf. Aber fragen kostet ja bekanntlich nichts, und man kann mir so nicht vorwerfen, ich hätte nicht alles versucht, das Problem aus eigenem Antrieb zu lösen.

Solcherart Fahrten würden als unerlaubte private Nutzung der Fahrzeuge, die in erster Linie zur Erreichung der zu pflegenden Personen gedacht sind, interpretiert. Auch mit nicht zu knapp bemessenen finanziellen Zuwendungen nach Kontaktaufnahme mit dem Pflegedienst als solchem ist nichts zu machen. Bin aber der Meinung, dass mit ein wenig gutem Willen deren Flexibilität nicht über Gebühr beansprucht würde.

Ein Grund mehr, mich um die Feststellung eines Pflegegrades zu kümmern. Aber die Kriterien für Stufe 1 wurden zu meinen Ungunsten verändert, weil der Kostendruck die Kassen dazu zwingt.

Solche Probleme kannte ich vor etwa fünf Jahren nicht. Da konnte ich beispielsweise Sonntagabend ein Taxi für Montagmorgen um 07:00 zur Nüchternblutabnahme beim Facharzt in 15 Kilometer entfernten Ort bestellen.

Jetzt muss ich die Termine so legen lassen, dass sie nach Möglichkeit nicht in die Stresszeit fallen. Nicht nur, dass zwischen Ausstellung der Überweisung des Hausarztes und Termin beim Facharzt je nach Auslastung und Fachgebiet bis zu 6 Monate ins Land gehen können, nein, jetzt verlängert sich die Terminvergabe noch um die Verfügbarkeit von Transportmöglichkeiten.
Glücklicherweise benötigt man keine neue Überweisung, auch die von Vorquartalen wird noch anerkannt, es sei denn ein Jahreswechsel steht dazwischen.

Obwohl die Bürokratie bei den Überweisungen bisweilen für mich nicht nachvollziehbare seltsame Blüten treibt. 06BF-Formular darf nicht vom Hausarzt zur Inanspruchnahme eines MRT im Krankenhaus verwendet werden. Das muss der Facharzt tun. Dieser hatte mir eine Formular 2 "Überweisung ins Krankenhaus" in die Hand gedrückt. Stehe an der Rezeption und werde zurückgewiesen. Brauche eine Überweisung mit der richtigen Nummer "06BF" vom Facharzt.

Klar, muss alles seine Richtigkeit haben. Konnte die Angelegenheit unter Benutzung eines Faxgerätes aber noch zeitnah abklären, so dass es doch noch ohne nennenswerte Verzögerungen am selben Tage über die Bühne ging.

Das sind alles Dinge, die mich förmlich zu bestimmten Schlussfolgerungen zwingen. Man könnte der Meinung sein, dass ein Patient im Zuge von Rationalisierungs- und Digitalisierungsmaßnahmen in den Hintergrund gerückt zu sein scheint. Hauptsache die Bürokratie funktioniert, mit oder ohne Digitalisierung.

» Gorgen_ » Beiträge: 1261 » Talkpoints: 62,13 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



cooper75 hat geschrieben:Spontan sind die Taxizentrale oder in Ballungsräumen über eine Möglichkeit. Wobei es häufig nur mit Angehörigen oder netten Nachbarn klappt.

Sehe mich leider gezwungen, zu diesen beiden Aussagen noch etwas zu sagen. Per Zufall konnte ich Bekanntschaft machen mit einer Person, die gelegentlich für den Fahrdienst mit Namen "Uber" arbeitet. Sie wollte mir sogar ihre Telefonnummer nennen. Dann schilderte ich Fahrstart und Fahrtziel. Tatsächlich würde die Fahrt unternommen, obwohl "Uber" in erster Linie für den Fahrbetrieb in Großstädten konzipiert ist.

Allerdings sollte ich die Anfahrt und Abfahrt zusätzlich zur eigentlichen Fahrtstrecke bezahlen. Um eine Vorstellung dieser Zusatzkosten zu geben, möchte ich nicht verschweigen, dass 200,- Euro für die Fahrt zu mir, 200,- Euro für die Fahrt wieder zurück nach der Großstadt in Rechnung gestellt werden würde. Insgesamt also 400,- Euro. Damit wäre bereits der Großteil der monatlichen Rente für nur eine Fahrt zum Facharzt "verbrannt". Glücklicherweise erlangte ich Kenntnis von diesem Umstand rechtzeitig genug vor eventuellem Fahrtantritt. Und habe dankend abgelehnt.

Zur "Nachbarschaftshilfe" kann ich nur bemerken, dass die meisten hier genug Zeit damit verplant haben, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule oder Kita zu fahren. Und einen meiner Nachbarn zu fragen, der aus reiner Menschenfreundlichkeit im Alter von 75 seinen Führerschein abgegeben hatte, grenzte an blanke seelische Grausamkeit.

Ich kann mir überdies nicht so recht vorstellen, dass es auf gesteigerte Gegenliebe stoßen würde, wenn ich jemandem frühmorgens um 06:00 Uhr aus dem Bett klingle, damit er mich mit seinem PKW 15 Kilometer zum Facharzttermin fährt.

Wie zu bemerken ist, an wohlfeilen Vorschlägen mangelt es keineswegs. Getreu dem Sprichwort: "Freunde in der Not kommen tausend auf ein Lot."
Insofern rückt der Staat mit seiner Fürsorgepflicht mehr in den Mittelpunkt der Diskussion, gerade bei einer mehr und mehr in Richtung Individualismus und Isolation geprägten Gesellschaftsstruktur.

Es sieht aber eher danach aus, dass "der Staat" damit überfordert ist. Allzu Große Hoffnung, dass sich in der Hinsicht in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte, wage ich zu bezweifeln. "Jeder muss eben selber sehen, wo er bleibt".

Ein Ausspruch eines Politikers ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben, der lautete: " Die Alten müssen eben eher ihren Löffel abgeben." Nomen est Omen, denn derjenige, der diesen Ausspruch tätigte, hat seinem Namen alle Ehre gemacht und ist bereits verstorben. Leider erinnere ich mich nicht mehr an seinen Namen.

» Gorgen_ » Beiträge: 1261 » Talkpoints: 62,13 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Diese ganze Tortur vor einer Darmspiegelung wäre für mich tatsächlich eine enorme physische und psychische Belastung – zumal man da ja auch noch nüchtern bleiben muss. Gut, dass du da an eine kulante Praxis geraten bist, die den Termin für dich trotzdem möglich gemacht haben.

Dass medizinische Termine - auf die man ja eh schon monatelang warten muss - dann letztendlich blödestenfalls an der reinen Infrastruktur scheitern, sollte eigentlich nicht passieren. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das gerade in sehr ländlichen Gebieten trotzdem der Fall ist. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind es immer die Nachbarn, Bekanntschaften oder die eigene Familie, die gerade geschwächte bzw. ältere Familienmitglieder zum Arzt fahren und begleiten. Wenn man so ein soziales Netz nicht wirklich um sich hat, dann ist man da wohl relativ schnell "verloren".

Rechtlich gesehen haben Taxis zwar eine Beförderungspflicht in ihrem Pflichtfahrgebiet, aber bei temporärer Überlastung dürfen sie auch Fahrten ablehnen. In den von dir angegeben Zeiten werden sie sich wahrscheinlich primär auf den Berufstransfer konzentrieren. Man könnte theoretisch versuchen eine Beschwerde bei der zuständigen Taxibehörde der Stadt oder des Landratsamtes einreichen, um darauf aufmerksam zu machen, aber von Erfolg gekrönt wird das vermutlich sowieso nicht sein.

Ohne Pflegegrad oder Schwerbehindertenausweis ist es leider tatsächlich schwer bis nahezu unmöglich, die Fahrtkosten erstattet zu bekommen. Da haben wohl gerade Dialyse- oder Chemotherapiepatienten noch ein Recht drauf und selbst die brauchen da eine "Verordnung" von ihrem Arzt dafür - so wie ich das mitbekommen habe.

Nachbarschaftshilfe ist ja nicht gleich Nachbarschaftshilfe und damit war vermutlich nicht gemeint seinen Nachbarn unerwartet morgens einfach aus dem Bett zu klingeln. In manchen Regionen gibt es da inzwischen so eine Art ehrenamtlich Hilfe. Mit "Nachbarschaft" sind dann nicht mehr zwingend die direkten Nachbarn gemeint, sondern einfach mobile Bewohner in einem bestimmten Umkreis, die vielleicht schon in Rente sind oder studieren etc. und einfach Zeit und Lust haben für die Gemeinschaft Gutes zu tun. Das kostet dann in der Regel auch nichts oder nicht viel, oft sind die Menschen dann mit der Erstattung der Benzinkosten und einer Tasse Kaffee schon zufrieden. Manchmal gibt es sogar sogenannte "Bürgerbusse", die meist von Vereinen gegründet werden und sich durch Spenden finanzieren.

Oder vielleicht gibt es auch Fahrdienste vom DRK, den Maltesern etc., die solche Fahrten auch ohne genehmigten Krankentransport gegen Aufwandsentschädigung machen. Diese Fahrzeuge sind im Gegensatz zum Taxi sogar medizinisch ausgestattet, dafür aber nicht gewinnorientiert und verlangen in der Regel bei Weitem nicht die Preise einer Taxifahrt.

» EngelmitHerz » Beiträge: 4100 » Talkpoints: 233,63 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Erst einmal möchte ich mich für die mitfühlenden Gedanken von @engelmitHerz bedanken. Habe auch die anderen Fahrdienste kontaktiert. Hier lautet die Antwort, dass sie für meinen Wohnort nicht zuständig wären. Eine Beantragung für eine reine Krankenfahrt zum Facharzt fällt schon dem Hausarzt schwer. Auch gibt es hier in der Gegend leider keine "Ehrenamtlichen" in dem Sinne.

Da ich auch Kontakte zu einem Seniorenheim am Ort habe, konnte ich dort auch nachfragen, wie sich deren Transportmöglichkeiten gestalten. Auch hier leider nur eine Absage.

Jetzt habe ich das "Problem" so gelöst, dass ich bei Fachärzten darauf drängte, mir Termine nicht früher als 10:00 Uhr zuzuteilen. Das hat bei einem sogar funktioniert. Den anderen Termin gegen 07:00 Uhr, bei dem Nüchternheitsgebot besteht, habe ich ein externes Taxiunternehmen, das aber eine längere Anfahrt hat, bereits 14 Tage vorher reservieren lassen.

Vorher hatte ich mindestens vier Taxiunternehmen antelefoniert und ihnen die Situation geschildert. Alle hatten abgesagt. Und interessanterweise allesamt mit demselben Argument, dass sie für Schülerfahrten bereits reserviert seien. Hier in Niedersachsen ist diese Situation vor Jahren zum Politikum eskaliert, und Taxifahrer aus Hannover hatten bereits eine Demonstration durchgeführt, hauptsächlich aber nicht nur dagegen, dass "freigestellter Schülerverkehr" auch Konkurrenzunternehmen gestattet sei.

Ferner gibt es gerade im Winter bei Schnee- und Eisglätte mit kaum begehbaren Fußwegen eine weitere Verschlechterung der Situation. Bis noch vor zwei Jahren unterhielt der Supermarkt einen Lieferdienst. Den hätte ich dann dankend in Anspruch genommen. Jetzt gibt es den nicht mehr. Die Begründung lautet, die Kraftstoffpreise, Kosten für Fahrzeuge und Personal (Mindestlohn) würden nicht kostendeckend kalkuliert werden können. Ein einziger Lieferbetrieb für Lebensmittel existiert noch für unseren Bereich. Dieser verschickt die Waren dann per Postpaket. Er verlangt aber eine Mindestbestellmenge.

Und die Fernsehreklame "Uber Eats" sieht zwar schön aus, man könnte der Meinung sein, "Uber-Eats" wäre so eine Art Pizzadienst. In Wirklichkeit muss erst ein Restaurant in der Nähe gefunden werden, das überhaupt Speisen außer Haus anbietet. Dann fungiert "Uber-Eats" als Taxi für Essenslieferung. So verstehe ich das. Und die Zeit zwischen Bestellungsannahme und Lieferung ist unklar. Abgesehen davon wird ein solcher Dienst hier in der Gegend genau so wie die Personenbeförderung von "Uber" nicht bedient. Schöne Reklame, aber angepriesene Leistung leider nicht überall verfügbar.

Man kann durchaus allgemein formulieren, dass die Situation, den eigenen Haushalt zu "schmeißen", im Laufe der letzten Jahre für ältere Semester nicht gerade einfacher geworden ist. Ich möchte auch nicht anderen Leuten oder Verwandten über Gebühr zur Last fallen. Es liegt mir sehr am Herzen, meine Selbstständigkeit so lange wie irgend möglich aufrecht erhalten zu können.

» Gorgen_ » Beiträge: 1261 » Talkpoints: 62,13 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Gorgen, es tut mir leid, aber für deine Selbstversorgung und Mobilität bist du erst einmal selbst zuständig. Dann kommen deine Familienmitglieder und erst dann der Staat. Der hat keine Fürsorgepflicht für den Weg zum Arzt, den du selbstständig regeln kannst.

Und du brauchst auch gar nicht auf die angeblich so super versorgten Menschen mit Pflegegrad schielen. Mit Pflegegrad 1 und 2 gibt es gar keinen Transportschein und mit Pflegegrad 3 nur bei erheblicher dauerhafter Mobilitätseinschränkung. Erst mit Pflegegrad 4 und 5 wird auf Kosten der Kasse transportiert.

Genügend Bewohner im Pflegeheim finanzieren daher von 150 Euro Taschengeld im Monat nicht nur Körperpflegeprodukte, Friseur, Fußpflege (schließlich dürfen Pflegekräfte kein Fußnägel schneiden), mal etwas Süßes und Zuzahlungen zu Medikamenten und Therapien sondern auch Taxifahrten zum Arzt. Du jammerst und forderst auf hohem Niveau.

Du hättest ebenso gut deine Darmspiegelung in einer Klinik machen lassen können. Zur stationären Behandlung und nach Entlassung kann jeder Genehmigungsverfahren einen Transportschein erhalten. Du erwartest schließlich, dass die Allgemeinheit für deinen Komfort gerade steht. Da hast du eine Lösung.

» cooper75 » Beiträge: 13460 » Talkpoints: 727,14 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Zunächst vielen Dank an @cooper75 für die aufschlussreichen Erläuterungen. Interessanterweise hat sich zwischenzeitlich der oben in meinem Thread eher als Nebenschauplatz gedachte Fokus der Kostenübernahme ein wenig verschoben.

Es ging mittlerweile überhaupt nicht mehr um die Finanzierung eines Transportes zum Facharzt, sondern um die Verfügbarkeit von Taxis generell. Interessanterweise erwähnte @cooper75 die Möglichkeit einer stationären Aufnahme zum Zwecke der Darmspiegelung.

Ja, ich kenne das aus früherer Zeit bei Familienangehörigen. Leider ist das für mich zu keiner Zeit zur Diskussion gestellt worden. Hätte der Hausarzt, der ja die Überweisung zum Gastroenterologen veranlasste, mich auf diese Möglichkeit einer stationären Aufnahme auch nur ansatzweise hingewiesen, hätte ich sie gerne angenommen. Der Grund, wieso keine Krankenhauseinweisung erfolgte, liegt doch auf der Hand: Die Krankenkassen verfolgen eine notwendige Kosteneinsparpolitik. Ich kann mir das nicht anders erklären. Selbiges als ungerechtfertigte Kritik mit der Formulierung "Jammern auf hohem Niveau " zu bezeichnen, halte ich für eine durchaus als korrekturbedürftig einzuschätzende allein vom Recht der freien Meinungsäußerung gedeckte persönliche Aussage. Das ist aber hier nicht das eigentliche Thema.

Wenn ich jetzt aus der Schule plaudern darf, dann kann ich sagen, dass der Termin in der Klinik vor ein paar Tagen reibungslos und gut organisiert über die Bühne lief. Interessanterweise bot sich das Taxiunternehmen, das die Hinfahrt organisiert hatte auch für die Rückfahrt an. Das Angebot habe ich aber nicht angenommen, sondern nach Beendigung der Untersuchung als erneut wieder wenn auch mit Restradioaktivität auf die Menschheit Losgelassener an der Rezeption des Zentrums höflich um ein Taxi gebeten. Ein Fahrzeug eines örtlichen Taxiunternehmens kam fünf Minuten später und hat die Fahrt übernommen, die sogar, obwohl exakt dieselbe Strecke wie bei der Hinfahrt über Landstraßen, nicht Autobahn (Staugefahr am Freitag) genommen worden war, sogar statt 110,- Euro nur 95,- Euro gekostet hatte.

In der Klinik selbst hatte ich nach der Spritze eine Wartezeit von etwa drei Stunden zu überbrücken, womit sich mir die beste Gelegenheit bot, mich mit den anderen anwesenden Patienten über dieses oder jenes aber auch über die im Thema angeschnittene Situation auszutauschen. Einige sagten, dass diese Taxifahrtsituation ein spezielles Problem von Niedersachsen sei, denn im Bundesland der Klinik, Nordrhein-Westfalen, hätten sie derartige Probleme nie gehabt.

Tatsächlich scheint die "Schulbus-Ersatz-Politik" im Bundesland Niedersachsen schon seit ein paar Jahren ein echtes Politikum zu sein. Folglich verschiebt sie meine Argumentationslinie wieder ein wenig. Wichtig ist es also, die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln heraus zu beurteilen.

Ich kenne das nur so, dass zu Zeiten, zu denen mein Vater noch lebte, dieser sogar selber bestimmen konnte, mit welchem Fahrer oder welcher Fahrerin er chauffiert werden wollte. Heute scheint es so, dass ich heilfroh sein muss, wenn ich überhaupt ein Taxi bekommen kann. Und das sogar bei tagelanger Vorbestellung.

Und: Ich lasse mir ab jetzt für jede Fahrt zum Arzt und zur Klinik vom Taxifahrer eine schriftliche Quittung ausstellen. Zunächst trete ich also in Vorleistung. Ob überhaupt und von welcher Behörde oder Institution eine wenn auch nicht vollständige Erstattung der Fahrtkosten in Betracht käme, entzieht sich meinem momentanen Kenntnisstand. Aber sammeln kann ich die Belege ja, daran kann mich keiner hindern.

» Gorgen_ » Beiträge: 1261 » Talkpoints: 62,13 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Leider wurde noch nicht alles in Antworten Gesagte ausführlich genug aus meiner Sicht der Dinge hier erwähnt. Zum Beispiel geht mir die Formulierung von einem Forenteilnehmer hier, ich würde neidisch auf Pflegegrad schielen, nicht aus dem Kopf.

Wenn es gestattet ist, möchte ich dazu gerne noch etwas zu Protokoll geben, wie ich überhaupt auf die Idee mit dem Pflegegrad gekommen bin. Hier im Hause hat ein Nachbar mir gesagt, wieso ich keinen Pflegegrad beantragen würde. Jeden Morgen steht ein schnuckelig aussehendes, mit Reklameaufschrift unverkennbar als Fahrzeug eines Senioren. Pflegedienst kenntlich gemachtes Automobil auf dem Parkstreifen vor der Haustür. Wie ich unverschämt durch die Gardine blickend erkennen konnte, kommt dann eine nette Dame mit zahllosen Schlüsseln am Schlüsselbund, schließt die Haustüre auf und geht dann in die Wohnung des Nachbarn, der "Pflegegrad" hat.

Dann hat mir der Nachbar gesagt, auch Fahrten zum Arzt würden mit diesem Fahrzeug zusammen mit einer netten Dame als Fahrerin gemacht. Habe ich per Zufall auch selber gesehen, wie er in den Wagen einstieg.

Meine Schlussfolgerung daraus, extra Inanspruchnahme von Taxis zur Wahrnehmung eines Facharzttermins wären nicht nötig, ist doch nicht als falsch einzuschätzen, oder doch? Also wird ein Taschengeld, wie oben gesagt, von 150,- Euro nicht angetastet. Oder zumindest werden die Fahrten als solche mit dem Fahrzeug des Pflegedienstes ausgeführt, und ein Taxiunternehmen wird nicht in Anspruch genommen.

Wie die Abrechnung dann aussieht, wollte und konnte ich den Nachbarn nicht fragen. Allerdings versucht er mich immer wieder zu ermutigen, mir selber einen Ruck zu geben und einen Antrag auf Einstufung in eine Pflegegradstufe zu stellen.

In dem Zusammenhang ist es vielleicht noch erwähnenswert, dass ich bei der Untersuchung im Klinikum, wie oben geschildert, bei der Benutzung der Toilette die Hilfe eines Pflegers nötig hatte, weil ich einfach vom für mich zu tief liegenden Toilettensitz nicht alleine mehr aufstehen konnte. Zu Hause habe ich es so eingerichtet, dass ich mich am Waschbecken und einem extra an der Wand angebrachten Griff alleine hochziehen kann. Diese Griffe fehlten bei der Toilette im Klinikum. Diese musste man häufiger aufsuchen, weil man mindestens einen Liter Wasser trinken musste.

Da fällt mir noch ein, dass der überweisende Kardiologe vorher sagte, man solle selber für Essen und Trinken sorgen, selber die Mineralwasserflasche mitbringen. Umso überraschter war ich, als im Klinikum die netten Assistentinnen einem gleich die Frage stellten, ob man stilles oder sprudelndes Mineralwasser bevorzuge. Hatten dann sogleich eine Flasche mit Trinkbecher in der Hand und überreichten es einem mit der sehr freundlichen Aufforderung, davon zu trinken.

Jetzt kommt bei mir wieder der Sarkasmus hoch, und ich kann nicht umhin, zu bemerken, dass demnächst dieser Service von den Krankenkassen im Zuge der Einsparkampagne auch gestrichen werden wird. Eine Frage bleibt in diesem Zusammenhang allerdings offen: Was machen die Patienten, die ihre Flasche Wasser vergessen haben, trinke die dann "Kranenberger? Tatsächlich hatte ich in weiser Voraussicht eine Flasche Wasser im "Gepäck". Brauchte diese aber nicht in Anspruch zu nehmen.

Und zur Terminvergabe zum Facharzt oder zur Spezialuntersuchung in Spezialambulanzen ist noch folgendes zu bemerken: Der Hausarzt hatte auf Empfehlung des Neurologen die Abklärung kardialer Probleme veranlasst. Er arrangierte einen Termin, im Gegensatz zur Vorgehensweise beim Gastroenterologen, wo ich mich selber um einen Termin bemühen musste.

Der Kardiologe verlangte auch noch eine spezielle Überweisung neben dem üblichen Überweisungsformular und den Verdachtsbefund des Neurologen. Diese Papiere brachte ich zur kardiologischen Praxis mit, sonst hätte ich nicht so schnell einen Termin bekommen.

Dort wurde dann eine Untersuchung gemacht, und der Kardiologe arrangierte seinerseits wieder einen Termin bei der Klinik auf einem speziellen Überweisungsschein. Ich sollte meine Telefonnummer angeben, unter der ich zu erreichen sei, um kurzfristig über den Termin in Kenntnis gesetzt werden zu können.

Und jetzt kommts: Ich musste den Kardiologen davon in Kenntnis setzen, dass es unmöglich sei, beliebige Termine in Anspruch zu nehmen, weil die Taxis nicht zu jeder Zeit fahren würden. Das heißt, das Taxiunternehmen funkt mir dazwischen und bestimmt, wann ich gefälligst zum Arzt zu gehen hätte. Das war der eigentliche Auslöser für diesen Forenbeitrag.

Rechtzeitig genug konnte ich per E-Mail die kardiologische Praxis davon in Kenntnis setzen, dass sie ihrerseits bei der Terminabsprache die Klinik davon unterrichten möchten, mir einen Termin nicht vor 10:00 Uhr zu geben. Und das haben sie tatsächlich dann auch gemacht. Für mich eigentlich alles völlig unnötiger Stress und Aufregung. Hing dann tagelang am Telefon und wartete auf den erlösenden Anruf der kardiologischen Praxis mit der Verkündigung der frohen Botschaft der Bekanntgabe des Termins bei der Klinik.

Ich frage mich immer noch hinterher, wie ich es eigentlich geschafft hatte, 45 Minuten völlig regungslos auf der Liege unter den "Kameras" auszuharren, ohne zu niesen oder irgendwelche unwillkürlichen Bewegungen zu machen, zum Teil mit hinter dem Kopf verschränkten Armen. Der Termin hatte sich ja um eine halbe Stunde nach hinten verschoben, weil bei einem Patienten, der vor mir dran war, etwas schiefgelaufen sein könnte, oder noch fokussierter vorgegangen werden musste, so dass der Scan bei ihm wiederholt werden musste. Ich dachte im Stillen, "Junge, halt bloß still, sonst wird das Ganze nochmal wiederholt, so lange bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag."

Und jetzt beginnt das Warten auf den Befund.
Für heute möchte ich schließen, in der Hoffnung, dass meine etwas ausführlicheren Schilderungen Patienten, die vielleicht auch Probleme mit Terminvergaben haben könnten und gerne wüssten, wie nun solche Untersuchungen vonstatten gehen, helfen könnten, eventuelle Ängste und Befürchtungen abzubauen.

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