Sind Taxifahrten zu Facharztterminen unmöglich geworden?

vom 02.10.2026, 10:28 Uhr

Trotz Anmeldung für eine Fahrt zur Facharztpraxis 24 Stunden vorher wurde mir vom Taxiunternehmen am Telefon sofort gesagt, dass im Zeitraum zwischen 06:00 Uhr und 09:00 Uhr keine Fahrten mehr angenommen werden könnten.

Da ich keinen Pflegegrad habe, ist die Inanspruchnahme von anderweitigen Patientenfahrdiensten nicht möglich. Außerdem wurde mir bis heute keine einzige Fahrt von der Krankenkasse bezahlt. Alle Taxifahrten zum Arzt musste ich aus eigener Tasche bezahlen.

In der Gegend hier ist die Benutzung von Bus und Bahn praktisch unmöglich, weil Strecken wegen Reparaturarbeiten monatelang gesperrt sind, die Fahrtrouten wesentlich umständlicher und länger, als sie mit dem Taxi möglich wären.

Sollte es mittlerweile normal sein, dass nach monatelangem Warten auf einen Facharzttermin dieser dann schlussendlich daran scheitert, dass keine Fahrmöglichkeit besteht? Ich musste den Termin für eine Darmspiegelung bereits um drei Stunden verschieben und die Praxis um Erlaubnis bitten. Diese hat dann freundlicherweise intern umorganisiert, so dass ich den vier Monate vorher geplanten Termin am selben Tag doch noch wahrnehmen konnte.

Wäre die Praxis nicht so kulant gewesen, hätte ich die Tortur der Vorbereitung zur Darmspiegelung völlig umsonst durchgeführt. Ich setze einmal voraus, dass jeder, der einmal eine Darmspiegelung hat durchführen lassen, weiß, dass der unangenehmste Teil die forcierte Abführung ist. Ich habe mich sogar übergeben müssen.

Was das für den Patienten bedeutet, der nach unangenehmer Darmentleerung auch noch nüchtern bleiben muss und dem dadurch die möglichst zeitnahe Untersuchung verweigert und das Leiden vergrößert wird, brauche ich nicht zu betonen.

Die Begründung des Taxiunternehmens lautet, dass alle Fahrzeuge für Flughafentransfers und Schüler-, sowie Kindergartenfahrten reserviert seien, da Schulbusse abgeschafft worden seien, die Aufgabenstellung des öffentlichen Nahverkehrs nun zeitweise auf die Taxiunternehmen übertragen worden sei.

Meine Frage lautet: Habt Ihr solche Dinge auch schon erlebt, und wie könnte eine Lösung aussehen? Können die Krankenkassen nicht dazu verpflichtet werden, für derartige Untersuchungen Taxis reservieren zu lassen, die selbstverständlich dann nicht von ihnen, sondern vom Patienten wie üblich allerdings eventuell gegen eine geringe zusätzliche Reservierungsgebühr finanziert werden?

» Gorgen_ » Beiträge: 1258 » Talkpoints: 459,67 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Es ist doch seit Jahren vollkommen normal, dass man zu Stoßzeiten nicht automatisch ein Taxi zum Wunschtermin bekommt, weil die Fahrten mit regelmäßigen Kunden und Leuten, die bei bekannten Terminen früher buchen, besetzt sind.

Ich buche für mein Klientel Fahrten aller Art, sobald die Termine feststehen. Das gilt für das Taxi, Krankenfahrten und begleitete Krankentransporte durch die Feuerwehr. Selbst bei der Feuerwehr kann der Disponent oft erst nach Tagen den Termin bestätigen oder Alternativen anbieten.

Spontan sind die Taxizentrale oder in Ballungsräumen uber eine Möglichkeit. Wobei es häufig nur mit Angehörigen oder netten Nachbarn klappt. In meiner Region ist trotz Auslastung ein großer, in vielen Städten agierender Krankenfahrdienst Insolvenz geworden. Die haben nicht einmal die Termine abgesagt.

Wie stellst du dir das mit dem Blocken vor? Niemand weiß, wie viele Fahrten vielleicht benötigt werden. Und die anderen Fahrgäste benötigen den Wagen und die Finanzierung ist gesichert. Soll die Kasse den Leerstand dann bezahlen? Auf Fahrgäste hoffen, ist bei den Kosten wirtschaftlich nicht drin.

» cooper75 » Beiträge: 13459 » Talkpoints: 526,83 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Einige Nachbarn haben Pflegestufe 1 und brauchen sich um Transporte zu Arztterminen nicht selber zu kümmern. Das übernimmt der Pflegedienst automatisch. Habe unverschämterweise dort schon einmal nachgefragt. Es war mir eigentlich vorher schon klar, dass ein Pflegedienst aus juristischen und versicherungstechnischen Gründen keine "Fremdfahrten" übernehmen darf. Aber fragen kostet ja bekanntlich nichts, und man kann mir so nicht vorwerfen, ich hätte nicht alles versucht, das Problem aus eigenem Antrieb zu lösen.

Solcherart Fahrten würden als unerlaubte private Nutzung der Fahrzeuge, die in erster Linie zur Erreichung der zu pflegenden Personen gedacht sind, interpretiert. Auch mit nicht zu knapp bemessenen finanziellen Zuwendungen nach Kontaktaufnahme mit dem Pflegedienst als solchem ist nichts zu machen. Bin aber der Meinung, dass mit ein wenig gutem Willen deren Flexibilität nicht über Gebühr beansprucht würde.

Ein Grund mehr, mich um die Feststellung eines Pflegegrades zu kümmern. Aber die Kriterien für Stufe 1 wurden zu meinen Ungunsten verändert, weil der Kostendruck die Kassen dazu zwingt.

Solche Probleme kannte ich vor etwa fünf Jahren nicht. Da konnte ich beispielsweise Sonntagabend ein Taxi für Montagmorgen um 07:00 zur Nüchternblutabnahme beim Facharzt in 15 Kilometer entfernten Ort bestellen.

Jetzt muss ich die Termine so legen lassen, dass sie nach Möglichkeit nicht in die Stresszeit fallen. Nicht nur, dass zwischen Ausstellung der Überweisung des Hausarztes und Termin beim Facharzt je nach Auslastung und Fachgebiet bis zu 6 Monate ins Land gehen können, nein, jetzt verlängert sich die Terminvergabe noch um die Verfügbarkeit von Transportmöglichkeiten.
Glücklicherweise benötigt man keine neue Überweisung, auch die von Vorquartalen wird noch anerkannt, es sei denn ein Jahreswechsel steht dazwischen.

Obwohl die Bürokratie bei den Überweisungen bisweilen für mich nicht nachvollziehbare seltsame Blüten treibt. 06BF-Formular darf nicht vom Hausarzt zur Inanspruchnahme eines MRT im Krankenhaus verwendet werden. Das muss der Facharzt tun. Dieser hatte mir eine Formular 2 "Überweisung ins Krankenhaus" in die Hand gedrückt. Stehe an der Rezeption und werde zurückgewiesen. Brauche eine Überweisung mit der richtigen Nummer "06BF" vom Facharzt.

Klar, muss alles seine Richtigkeit haben. Konnte die Angelegenheit unter Benutzung eines Faxgerätes aber noch zeitnah abklären, so dass es doch noch ohne nennenswerte Verzögerungen am selben Tage über die Bühne ging.

Das sind alles Dinge, die mich förmlich zu bestimmten Schlussfolgerungen zwingen. Man könnte der Meinung sein, dass ein Patient im Zuge von Rationalisierungs- und Digitalisierungsmaßnahmen in den Hintergrund gerückt zu sein scheint. Hauptsache die Bürokratie funktioniert, mit oder ohne Digitalisierung.

» Gorgen_ » Beiträge: 1258 » Talkpoints: 459,67 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



cooper75 hat geschrieben:Spontan sind die Taxizentrale oder in Ballungsräumen über eine Möglichkeit. Wobei es häufig nur mit Angehörigen oder netten Nachbarn klappt.

Sehe mich leider gezwungen, zu diesen beiden Aussagen noch etwas zu sagen. Per Zufall konnte ich Bekanntschaft machen mit einer Person, die gelegentlich für den Fahrdienst mit Namen "Uber" arbeitet. Sie wollte mir sogar ihre Telefonnummer nennen. Dann schilderte ich Fahrstart und Fahrtziel. Tatsächlich würde die Fahrt unternommen, obwohl "Uber" in erster Linie für den Fahrbetrieb in Großstädten konzipiert ist.

Allerdings sollte ich die Anfahrt und Abfahrt zusätzlich zur eigentlichen Fahrtstrecke bezahlen. Um eine Vorstellung dieser Zusatzkosten zu geben, möchte ich nicht verschweigen, dass 200,- Euro für die Fahrt zu mir, 200,- Euro für die Fahrt wieder zurück nach der Großstadt in Rechnung gestellt werden würde. Insgesamt also 400,- Euro. Damit wäre bereits der Großteil der monatlichen Rente für nur eine Fahrt zum Facharzt "verbrannt". Glücklicherweise erlangte ich Kenntnis von diesem Umstand rechtzeitig genug vor eventuellem Fahrtantritt. Und habe dankend abgelehnt.

Zur "Nachbarschaftshilfe" kann ich nur bemerken, dass die meisten hier genug Zeit damit verplant haben, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule oder Kita zu fahren. Und einen meiner Nachbarn zu fragen, der aus reiner Menschenfreundlichkeit im Alter von 75 seinen Führerschein abgegeben hatte, grenzte an blanke seelische Grausamkeit.

Ich kann mir überdies nicht so recht vorstellen, dass es auf gesteigerte Gegenliebe stoßen würde, wenn ich jemandem frühmorgens um 06:00 Uhr aus dem Bett klingle, damit er mich mit seinem PKW 15 Kilometer zum Facharzttermin fährt.

Wie zu bemerken ist, an wohlfeilen Vorschlägen mangelt es keineswegs. Getreu dem Sprichwort: "Freunde in der Not kommen tausend auf ein Lot."
Insofern rückt der Staat mit seiner Fürsorgepflicht mehr in den Mittelpunkt der Diskussion, gerade bei einer mehr und mehr in Richtung Individualismus und Isolation geprägten Gesellschaftsstruktur.

Es sieht aber eher danach aus, dass "der Staat" damit überfordert ist. Allzu Große Hoffnung, dass sich in der Hinsicht in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte, wage ich zu bezweifeln. "Jeder muss eben selber sehen, wo er bleibt".

Ein Ausspruch eines Politikers ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben, der lautete: " Die Alten müssen eben eher ihren Löffel abgeben." Nomen est Omen, denn derjenige, der diesen Ausspruch tätigte, hat seinem Namen alle Ehre gemacht und ist bereits verstorben. Leider erinnere ich mich nicht mehr an seinen Namen.

» Gorgen_ » Beiträge: 1258 » Talkpoints: 459,67 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



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