Seid Ihr wirklich glücklich in Eurem Job?
Umso länger ich im Berufsleben stehe und umso mehrere Erfahrungen ich gemacht habe, desto mehr hinterfrage ich mich. Vielleicht liegt es auch am Alter, aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht wirklich glücklich bin, mit dem, was ich tue. Klar muss man sein Geld verdienen, nur zu Hause rumsitzen wäre jetzt so gar nicht meins, aber irgendwie bin ich nicht zufrieden. Ich wollte zwar immer ins Büro, weil ich nicht körperlich arbeiten und auch nie in den Einzelhandel wollte, aber mittlerweile glaube ich, dass das auch nicht das Richtige war. In jungen Jahren macht man sich nicht so viele Gedanken, aber wenn man, wie ich, schon so lange alleine lebt, fängt man irgendwann an, alles zu hinterfragen.
Derzeit bin ich zuständig für die Digitalisierung von Dokumenten und Belegen. Das ist keine anstrengende Arbeit, ich muss die Papiere nur einscannen und dann entsprechend hochladen. Man macht sich nicht tot, aber zugegeben, die Gehirnaktivität wird dabei jetzt auch nicht gerade gefördert. Oft wünschte ich mir mehr Abwechslung, so dass ich auch mal etwas anderes machen kann. Das ist seitens des Chefs auch so vorgesehen, aber irgendwie stockt das Ganze noch und geht nicht richtig vorwärts. Ich bin jetzt mittlerweile den 8. Monat dort und bin schon wieder in dem Modus, dass ich nicht weiß, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe.
Eigentlich bin ich jemand, der lieber etwas mit Tieren machen müsste. Ich bin sehr tierlieb und es wäre für mich eine Art Berufung, Tieren helfen zu können. Aber dazu hätte ich Veterinärmedizin studieren müssen. Hinzu kommt, dass ich aufgrund meiner Hochsensibilität jedes traurige Erlebnis mit nach Hause nehmen würde, beispielsweise, wenn ein Tier eingeschläfert werden muss. Und jetzt, in meinem Alter noch mal ganz neu anfangen? Die Kraft hätte ich nicht.
Eine andere Möglichkeit wäre, wenn man selbständig von zu Hause aus arbeiten könnte, das wäre genau mein Ding. Freie Zeiteinteilung, keine störenden Außenreize und man arbeitet in seiner vertrauten Umgebung. Dadurch, dass ich ja zwei Jahre Homeoffice hatte, fehlt mir das sehr. Wie ist das bei Euch, seid Ihr glücklich in Eurem Beruf, weil Euer Beruf Euch auch erfüllt? Oder ist es eher so, wie bei mir, dass Ihr Eure Arbeit nur aus der Notwendigkeit heraus macht, um Euer Geld zu verdienen?
Glücklich ? Nein ! Zufrieden vielleicht, es sind glaube ich eher gewisse Vorteile in meinem Job, die mich davor bewahren mir etwas neues zu suchen, ja und das Alter spielt dabei inzwischen auch eine immer größere Rolle. Nicht weil ich mit knapp 50 keinen Job mehr finden würde, da gibt es in meiner Branche mehr als genug freie Stellen. Aber ich möchte in Zukunft keine langen Fahrten mehr in kauf nehmen müssen, das habe ich lange genug gemacht und ich weiß, dass es auch immer schwerer wird.
Allerdings denke ich, Du solltest in deinem Job mal noch eine Weile abwarten. Du machst das erst seit 8 Monaten und dein Chef, hat ja schon angekündigt, dass er was ändern will um mehr Abwechslung zu schaffen. Abwechslung ist in meinem Job eher nicht das Problem, aber dadurch, dass ich in der Automobilindustrie arbeite, habe ich schon seit Anfang Corona das Problem, dass die Arbeit immer weniger wird. Zusätzlich ist unser Unternehmen nach einer Insolvenz aufgekauft worden. Durch die vielen Anpassungen und Änderungen, ist die Arbeit hier nahezu auf Null runtergefahren und das schon seit ca. 1 Jahr.
Ich glaube ich würde gerne etwas machen was mir Spaß, wo ich jeden Morgen mit einem Lächeln zur Arbeit gehen kann. Aber entweder fehlt dann die Qualifikation, die Ausbildung oder die Einbußen sind dann so hoch, dass sich das nicht mehr rechnet. Es gibt immer irgendwas, was einem davon abhält, das zu tun was einen Erfüllt, auch wenn es am Ende der innere Schweinehund ist.
Mein Job ist nicht dazu da, mich glücklich zu machen. Dafür habe ich Freunde, Familie, Hobbys, Leidenschaften und dankenswerterweise aufgrund von Teilzeit auch ein bisschen Zeit übrig, um selbige zu genießen und meinen Freizeitbeschäftigungen in Ruhe nachzugehen.
Aktiv zuwider sollte einem der tägliche Broterwerb natürlich auch nicht sein, schließlich verbringt man eine Menge Lebenszeit damit, sich für andere zum Kasper zu machen. Ich dachte auch jahrelang, wenn der Job nicht der Lebensinhalt sei und Kinkerlitzchen wie die eigenen Kinder oder die Gesundheit gefälligst hintanzustehen haben, sei mit den Leuten irgendwas defekt, aber so funktioniert nun mal die Indoktrination durch den Kapitalismus. Letzten Endes schaue ich am Monatsende auf meinen Kontoauszug und nicke zufrieden. Das muss reichen.
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