Sich bei manchen Kollegen fragen, warum sie da sind?

vom 06.09.2018, 06:47 Uhr

Ich gebe ehrlich zu, dass ich mich bei manchen Kollegen schon frage, wie sie überhaupt zu ihrem aktuellen Job gekommen sind, auch wenn ich super mit ihnen zurecht komme und gar nichts gegen sie habe. Eine Kollegin zum Beispiel ist gelernte Biologielaborantin und die macht bei uns die Personalverwaltung und die Buchhaltung. Eine andere Kollegin ist studierte Linguistin und macht auch Verwaltungskram, wobei sie gar nichts mit Sprachen zu tun hat.

Vor kurzem wurde eine Neurologin eingestellt, wobei ich bis heute keine Ahnung habe warum. Denn wir machen bei uns gar nichts, wofür entsprechende Kenntnisse notwendig wären und arbeiten in einer anderen Richtung. Sie hat ein Projekt zugeteilt bekommen, in dem sie auch keine gelernten Kenntnisse anwenden kann. Demnächst wird eine Agrarwissenschaftlerin eingestellt, wobei ich selbst das nicht verstehe, da wir eigentlich was völlig anderes suchen. Fragt ihr euch bei manchen Kollegen auch, warum sie überhaupt da sind und wie sie ihren Job erhalten haben? Oder denkt ihr euch da nichts bei?

Benutzeravatar

» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -1,02 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Man darf sich also nicht verändern im Leben? Nehmen wir mal ein Beispiel jemand wird Altenpfleger. Nun arbeitet die Person eine Weile in dem Beruf und merkt, dass das nichts ist, was auf Dauer gut für sie ist. Es gibt einfach zu viele Gründe, die dagegen sprechen, auch wenn man es eigentlich mal wollte und nun? Soll die Person weitermachen oder sich weiterbilden und anderswo umsehen? Folglich stört es mich so gar nicht, wenn Menschen vorher in einer anderen Branche tätig waren, eine andere Ausbildung gemacht haben oder was auch immer.

Jeder hat doch seine Gründe dafür irgendwo zu arbeiten und das akzeptiere ich. Ich würde da auch nie nachfragen oder mich generell dafür interessieren, was eine Person gelernt hat. Manche erzählen das ja von sich aus, aber ich habe da kein Interesse daran alles von irgendwem zu wissen, mit dem ich nur ein paar Stunden am Tag verbringe.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich bin auch studierte Linguistin und mache Verwaltungskram, weil auch studierte Linguistinnen Rechnungen bezahlen müssen, und es sich buchstäblich nicht jeder leisten kann, in seinem gewählten Studienfach in die Forschung oder Lehre zu gehen. In vielen Fällen ist das nämlich der direkte Weg ins akademische Präkariat, in dem ich mich von Vertrag zu Vertrag hangeln muss, mich freiberuflich durchschlagen oder auf einen Stundenlohn kommen würde, bei dem jede Handwerkerin sofort den Bohrer weglegen würde.

Ich frage mich zwar auch bei manchen Kollegen, wieso sie nicht woanders dem lieben Herrgott die Zeit stehlen können, anstelle in meinem schönen ordentlichen Akten-Kerker Chaos anzurichten, aber das hat nichts mit deren gewählten Studienfächern zu tun, sondern eher mit mangelnder Kompetenz. Man kann jeden Job gut oder schlecht machen, und ob man vor hundert Jahren mal Agrarwissenschaften, technisches Zeichnen oder Baustatik gelernt hat, interessiert im Lauf der Karriere irgendwann sowieso niemanden mehr.

» Gerbera » Beiträge: 11336 » Talkpoints: 53,95 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich denke gerade in den Berufen, wo ein akuter Mangel herrscht, ist es nicht ungewöhnlich, Quereinsteiger für einen bestimmten Beruf einzustellen. So lange der Gehaltszettel in Ordnung ist, spricht doch nichts dagegen. Außerdem habe ich schon Leute erlebt, die den Job besser machen, wie die, die ein Leben lang nichts anderes gelernt und getan haben, obwohl sie von einem anderen Berufszweig stammen. Man kann so etwas sicher nicht immer verallgemeinern.

Mich stört eher, dass es momentan in meiner Berufssparte so ist, dass aus Mangel an Fachkräften einfach Assistentinnen heran gezogen werden, dieselben Aufgabengebiete zu übernehmen und dass diese dann auch noch genau so viel verdienen wie das ausgebildete Fachpersonal. So etwas stört mich, weil ich mich wirklich frage, warum ich fünf Jahre eine Ausbildung gemacht habe, wenn ich mit einem kleinen AMS Kurs auf dasselbe Resultat komme.

Aber nun geht es ja hier offenbar um eine Einrichtung, in der lauter studierte Fachkräfte aufgenommen werden. Man müsste wissen, um welche Firma es sich genau handelt, dann könnte man noch expliziter und spezifischer darauf eingehen. Aber ich kann es nur noch einmal sagen, nur weil man vom Fach ist, heißt das nicht, dass man immer die bessere Leistung bringt. Man muss seine Arbeit einfach mit Herz machen, egal was man gelernt hat. Und wenn man sich dafür interessiert, dann kann man auch als Quereinsteiger herausragend sein.

» nordseekrabbe » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Ich hatte so eine Situation mal in einem Handwerkerbetrieb. Meine Kollegin und ich haben immer sehr gut zusammengearbeitet und plötzlich, so ein knappes Jahr später wurde ein Tunesier eingestellt, der den zweiten Chef, der als technischer Leiter fungierte, bei der Erstellung von Angeboten unterstützen sollte. Nun hatte der besagte Kollege aber das Arbeiten nicht erfunden, er ging öfter während der Arbeitszeit mit einer Tasse Kaffee nach draußen und hat erst mal eine Zigarette geraucht.

Er war auch oft krank, meistens Montags oder Freitags, was auch schon auffällig ist, denn so kann man sein Wochenende auch verlängern. Er hat dann morgens nicht mal angerufen und sich krank gemeldet. Wir sind in solchen Fällen zum Chef gegangen und haben ihn dann auch direkt gefragt, ob er etwas von Mohamed (so hieß der Kollege) gehört hätte, aber auch bei ihm hatte er sich nicht gemeldet. So ein Verhalten ist meines Erachtens nach völlig inakzeptabel, aber der erste Chef, der das eigentliche Sagen hatte, hat nie etwas gemacht, es gab keine Konsequenzen für den Kollegen.

Das Beste, was er gebracht hat, war, sich einen Tag vor der Weihnachtsfeier krankschreiben zu lassen. Das war Donnerstag, angeblich hatte er etwas mit dem Rücken (was er öfter hatte). Und am Freitag kam er wieder ins Büro und hat sogar am Bowling nach dem Essen teilgenommen. Da fragt man sich aber auch, ob dem das selber nicht peinlich ist. Ich kann mich doch nicht auf "Rücken" krankschreiben lassen und dann einen Tag später bowlen, wie ein junger Gott. Der eine Chef hat dann aber eine Spitze geworfen und zu ihm gesagt, er solle doch vorsichtig sein, nicht, dass er wieder was mit dem Rücken bekommt. :lol:

Im Nachhinein haben wir dann mitbekommen, weshalb der Kollege nie Konsequenzen für sein eigentlich nicht hinnehmbares Verhalten erfahren hat. Der "große" Chef, also der Firmenbesitzer hat diesen Kollegen von seinem Anwalt empfohlen bekommen oder sollte man vielleicht sagen, er hat ihn dem Anwalt zuliebe eingestellt und quasi mit durchgezogen, denn was anderes war das für mich nicht.

Benutzeravatar

» Jacqui_77 » Beiträge: 2969 » Talkpoints: 42,68 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^