Wie weit geht euer Stammbaum zurück?

vom 20.12.2021, 00:30 Uhr

Mein Stammbaum geht nicht allzu weit zurück. Ich kenne noch meine Großeltern und von meiner Großmutter wahrscheinlich deren Eltern. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das alte Familienfoto, das ich von ihnen habe, sie wirklich darstellt. Es gibt zwar ein paar Fotos von Leuten, die wahrscheinlich noch eine Generation davor sind, aber ich habe keine Ahnung, wer darauf abgebildet ist und ob sie überhaupt Ahnen sind.

Auch die Berufe von meinen Großeltern kenne ich, aber von deren Vorfahren keinen einzigen. Wie weit könnt ihr euren Stammbaum zurückverfolgen? Habt ihr schon einmal eine Ahnentafel aufgestellt? Kennt ihr auch die Berufe eurer Vorfahren?

» blümchen » Beiträge: 4098 » Talkpoints: 13,37 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Meiner geht väterlicherseits ungefähr zurück bis 17 irgendwas. Ich habe noch das Stammbuch meiner Großmutter, welches man in den 30er Jahren zwecks Ariernachweis erstellen musste, damals konnte man noch mehr nachverfolgen, als heute. Daher weiß ich, dass die familiären Wurzeln in Richtung Osten fußen und ich wohl auch frühe polnische und russische Vorfahren habe.

Bin der Meinung, dass dort auch die Berufe aufgeführt sind, bin mir aber gerade nicht sicher. Dafür müsste ich das heraussuchen, was mir aber gerade zu aufwendig ist.

Jedenfalls ist das ein extrem wertvolles Dokument für mich, denn viele Unterlagen wie Kirchenbücher etc. wurden später im Krieg vernichtet, sodass sich dies heute mit einiger Sicherheit gar nicht mehr ermitteln ließe. Ich kenne Familien, die so etwas wegschmissen haben, vermutlich weil Nazikram und da ist ja der Adler drauf und so. Mal eben die Familiengeschichte unwiederbringlich vernichtet. Sag ich nichts zu, müssen die selber wissen.

Mütterlicherseits weiß ich so gut wie gar nichts. Sie war kurdische Türkin und das bisschen, das ich weiß, ist nur mündlich überliefert und endet um 1900. Beruflich waren die wohl eher zweifelhaft, so weiß ich, dass mein Urgroßvater während einer Schmuggeltour in den Bergen von Wölfen gefressen wurde. Andere wurden ermordet, was zu Blutrachefeldzügen führte. Ich glaube, das will ich alles gar nicht genau wissen.

» Paulie » Beiträge: 544 » Talkpoints: 73,78 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Mein Opa hat in den Siebzigerjahren einen Stammbaum für mich angefertigt, und da sind meine Vorfahren zumindest teilweise bis ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Meine Herkunftsfamilie war erstaunlich sesshaft gewesen. So gut wie alle meine Vorfahren haben in derselben Region gelebt, in der ich geboren wurde. Erstaunlich, dass ich da so stark aus der Art geschlagen bin und eine ungewöhnlich starke Reiselust entwickelt habe.

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» lascar » Beiträge: 3558 » Talkpoints: 655,54 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Sowas erinnert einen an die dunkelsten Zeiten Deutschlands. Denn zu jener Zeit früher musste jeder ein Stammbuch führen. Habe schon einmal Geburtsurkunden gesehen, da ist ein Stempel drauf: "Nur gebührenfrei zum Zwecke des Ariernachweises". Damals war das Zwang, diese Unterlagen zu beschaffen. Und im Stammbuch war auf Seite eins ein unglaubliches Zitat von dem Diktator drin, das einen heute noch erschaudern lässt. Dem Begriff Stammbuch haftet auch heute noch ein sehr übler Beigeschmack an. Zumindest bei der etwas älteren Generation. Man wundert sich über den dicken Packen von irgendwelchen Taufregisterauszügen, teilweise sogar in lateinischer Sprache und Geburtsurkunden von Leuten, die man vielleicht überhaupt noch nicht einmal dem Namen nach kennt. Absolute Schikane damals. Und es gibt sogar Dokumente, wo das Rasse- und Siedlungshauptamt in Berlin aufgrund von Lücken im Stammbuch von einer Heirat der jungen Leute abriet.

Diese Dokumente dienten nicht zum Zeitvertreib von irgendwelchen Historikerenthusiasten wie heute vielleicht, sondern waren Instrumente "aktiver" Selektionspolitik. Das sollte man keinesfalls vergessen.

» Gorgen_ » Beiträge: 546 » Talkpoints: 214,86 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Für die breite Bevölkerung war ein Ariernachweis außerhalb gewisser Berufe oder der Mitgliedschaft in der SS nicht verpflichtend, sondern allenfalls eine Empfehlung. Von daher deuten fehlende Ahnenpässe auch nicht per se auf eine Vernichtung selbiger hin, es kann einfach sein, dass es so einen Nachweis nie gegeben hat. In meiner Familie gibt es auch Zweige, die einen Ahnenpass haben, in anderen gibt es einfach keinen. Der kleine Bauer oder Fabrikarbeiter hatte manchmal gar nicht die Muße oder Zeit, sich um so etwas zu kümmern.

Ich denke auch nicht, dass die Wörter Stammbaum oder Stammbuch automatisch etwas Schlechtes sind oder nur den Nationalsozialisten zuschreibbar sind. Auch wenn hinter dem klassischen Ariernachweis bzw. Ahnenpass sinisteres Gedankengut steckte, bin ich froh, über die beiden Dokumente, die ich habe. Auf der anderen Seite weiß ich nämlich nicht einmal den Nachnamen meines Großvaters, sondern nur den Vornamen und den vermutlichen Wohn- bzw. Geburtsort.

Lückenlos ist mein vollständiger Stammbaum also nicht einmal bis zu meinen Großeltern, mein englischer Großvater fehlt schlicht. Zumindest habe ich jetzt dank eines DNA-Tests die Gewissheit, dass die Information aus welcher Stadt er kommt, tatsächlich den Tatsachen entspricht, denn die Gene konnten in genau jene Gegend verortet werden. Irgendwann komme ich dem noch weiter auf die Spur, ich habe schon drei Leute gefunden, die interessanterweise entweder denselben Nachnamen haben oder zumindest jemand mit diesem Namen in ihrem Stammbaum. Das deutet recht sicher darauf hin, dass ich mit dieser englischen Großfamilie verwandt bin. Spannend.

Wenn es um lückenlose und einzelne Zweige geht, die ich zurückverfolgen kann, ist mein ältester Treffer in direkter Linie eine Ur-Ahnin namens Judith bzw. eine weitere in einem anderen Zweig mit dem Namen Ilsabey, geboren sind die beiden in den ersten Jahren der 1600' er. Das sind schon Zeiten, zu denen man kaum noch Bezug hat.

Und wenn ich die direkte Linie ganz wegnehme und eine größere Lücke von einigen Generationen akzeptiere, dann führt mich ein "Von"-Titel zu einer Familie aus diesem Dorf, die schon im Jahr 13xx das erste Mal erwähnt wird, als sie von den Burgherren ein Lehen erhielten. Leider kamen vier Generationen später aber so viele Söhne dazu, dass ich die Lücke zwischen meiner Verwandten und diesen Söhnen noch nicht geschlossen habe. Die Rätsel um die große Lücke und den englischen Großvater werde ich aber erst einmal vertagen, das ganze Thema ist sehr zeitintensiv.

Beruflich waren die meisten Vorfahren Bauern, Hufner, Ackermänner, also Landwirte. Das ist aber in deutschen Landen nicht unüblich. Nur die Eltern und Großeltern meines Uropas waren Richter, Senatoren, Lehrer und Kantor. Als Musiker ist er da gut aus der Art geschlagen. Ansonsten kann ich mich noch an einige handwerkliche Berufe wie Stellmacher oder Bahnstellmeister und Ähnliches erinnern.

» Verbena » Beiträge: 4483 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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