Aus Angst vor Reaktion auf Kritik verzichten?

vom 25.03.2020, 11:03 Uhr

Konstruktive Kritik kann ja sehr hilfreich sein. Wenn man Kritik nicht verletzend formuliert, sondern einfach Verbesserungsvorschläge nennt und auch positive Aspekte aufzählt, dann finde ich das immer sehr gut. Leider gibt es ja trotzdem immer wieder Leute, die gar nicht mit dieser Kritik umgehen können und verletzt sind und sich sogar angegriffen fühlen und dicht machen.

Habt ihr vielleicht schon darauf verzichtet, Kritik an jemandem auszuüben, weil ihr Angst vor der Reaktion des anderen hattet beziehungsweise genau wusstet, dass die Kritik negativ aufgefasst wird? Auch dann, wenn ihr explizit um Feedback gebeten wurdet?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 32429 » Talkpoints: 57,61 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Bei meiner letzten Lebensgefährtin habe ich zum Schluss ganz bewusst darauf verzichtet Kritik zu üben oder überhaupt nur noch irgendwas zu erwähnen. Selbst bei Kleinigkeiten hat sie sich nicht nur angegriffen gefühlt, sondern ist richtig eingeschnappt gewesen. Das endete dann meistens auch in einem lautstarken Streit, der Ihrerseits meist auch nicht sehr konstruktiv wahr. Wenn sie gemerkt hat, dass sie was falsch gemacht hat, hat sie dann angefangen irgendwelche alte Themen, die eigentlich schon längst abgehakt waren, wieder auf den Tisch zu bringen. Von daher habe ich ihr zum Schluss schon gar nichts mehr gesagt, habe es hingenommen oder eben selbst erledigt.

Dass das keine gute Ausgangssituation war, hat man dann ganz zum Schluss gesehen. Die Beziehung ist regelrecht auseinander gebrochen. Vielleicht habe ich sie auch dann auseinander brechen lassen, weil es mir dann alles zu viel wurde. Schlimm war es dann immer sie für Sachen zu kritisieren, die sie von anderen immer eingefordert hat. Am Ende hab ich diese Beziehungen dann beendet, weil mir diese Streitereien so langsam an die Substanz gegangen sind, ist eben sehr ermüdend, wenn man so eine Situation über Jahre mitmachen muss.

Man sollte schon Kritikfähig sein in einer Beziehung, ansonsten wird es zumindest für eine Person in der Beziehung sehr anstrengend. Dass das nicht immer leicht ist Kritik einzustecken, ist glaube ich jedem bewusst, aber man sollte eben keine Angst davor haben müssen, Kritik üben zu dürfen. Niemand ist perfekt und wenn man sich dessen bewusst ist, dann kann man auch mit Kritik mehr oder weniger gut umgehen. Um das nun zum Abschluss zu bringen, kann ich ganz klar sagen, dass ich schon häufiger aus Angst vor der kommenden Reaktion auf Kritik verzichtet habe und ich tue es heute immer noch.

» Kodi » Beiträge: 501 » Talkpoints: 49,22 » Auszeichnung für 500 Beiträge


"Angst" ist zu viel gesagt. Genervtheit trifft es eher. Ich bin zwar ebenfalls nicht der Meinung, dass "konstruktive" Kritik immer etwas Gutes ist, was man mit Handkuss annehmen sollte. Nur weil man nicht persönlich angegriffen wird, kann auch die konstruktivste Kritik schlicht nicht gerechtfertigt sein. Ganz banal formuliert mag es schon so sein, dass das Bild, das ich gemalt habe, mit blauem Hintergrund "schöner aussieht", aber wenn mir Rosa besser gefällt, sollen bitte auch die "konstruktiven" Kritiker gepflegt die Kresse halten.

Aber ich kenne auch viele Leute, die jede Form von Kritik als persönlichen Angriff sehen, in die Defensive gehen, eingeschnappt sind, oder sonst welchen Gefühlsmüll absondern. Bei diesen Gestalten verzichte ich auch auf Kritik, weil sie in den meisten Fällen sowieso unnötig ist und garantiert keinerlei Wirkung zeitigt. Was geht es mich im Endeffekt an, was andere mit ihrem Leben anfangen? Und im Job ist es Aufgabe der Vorgesetzten, dafür zu sorgen, dass die Leistung stimmt und niemand gemobbt wird. Deswegen kritisiere ich generell wenig, aber weniger aus Angst sondern vielmehr aus Apathie.

» Gerbera » Beiträge: 8749 » Talkpoints: 1,74 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



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