Machen soziale Medien die Seele kaputt?

vom 26.11.2019, 12:56 Uhr

Soziale Medien entwickeln sich für viele zu einer Parallel-Gesellschaft und haben einen höheren Stellenwert als das wahre Leben. Man entkoppelt sich immer mehr vom wahren Leben, verbringt seine Abende lieber bei Facebook, Instagram und anderen Social-Media-Welten, statt sich mit Freunden zu treffen und echte Gespräche zu führen. Probleme werden lieber schriftlich per Messenger persönlich und auch öffentlich in den Sozialen-Medien diskutiert und hat für viele einen höheren Stellenwert als die wirkliche Realität.

Zum Beispiel haben die sozialen Medien einen hohen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung junger Menschen, die sich ihre Vorbilder in der nicht realen Medienwelt suchen. Das Problem ist, dass die virtuelle Welt nicht real ist, sondern eine Lüge. Problematisch finde ich auch diese Influencer die anderen eine Scheinwelt vorspielen, mit ihren retuschierten und geschönten Körpern, immer guten Launen, perfekt gestellten Selfies und auch Erfolgen im Berufsleben (Beruf: InfluencerIn).

Viele betrachten diese Scheinwelt als normal und das eigene Leben erscheint einem mies und kann zu psychischen Störungen führen, wenn man nur in den sozialen Netzwerken unterwegs ist und nicht mehr am wahren Leben teilnimmt. Wie geht ihr mit den sozialen Netzwerken um und wie kann man sich gegen diese vorgespielten Scheinwelten sensibilisieren und schützen? Habt ihr da für euch selbst schon so eine Art Schutzmechanismus entwickelt?

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» friedchen » Beiträge: 949 » Talkpoints: 583,03 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Da ich keine Seele habe kann da auch nichts kaputt gehen und Menschen. Wenn man an Seelen glaubt ist man vielleicht generell anfälliger für Scheinwelten und das, was man von anderen als vermeintliche Wahrheit vorgesetzt bekommt, aber das kann ich nicht beurteilen.

Ich sehen den Medienkonsum durchaus kritisch, aber mich nervt das Gejammere über die bösen sozialen Medien langsam nur noch. Unterhaltungsmedien haben doch noch nie die Realität abgebildet, warum sollte das heute plötzlich anders sein? Und wir sind doch alle selbstbestimmte Menschen, es zwingt uns niemand Zeit mit den sozialen Medien zu verschwenden.

Außerdem habe ich nicht den Eindruck, dass Bilder von einem vermeintlichen tollen Leben das Problem sind. Die jugendliche Zielgruppe ist nicht dumm und kann das recht gut reflektieren. Oft besser als die Erwachsenen, die in ihren Facebook Gruppen systematisch mit Hass auf Minderheiten gefüttert werden, passend zur Filterblase dann irgendwann nur noch solche Negativmeldungen angezeigt bekommen und DAS für die Realität halten.

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» Cloudy24 » Beiträge: 24376 » Talkpoints: 40,16 » Auszeichnung für 24000 Beiträge


Ich selber bin definitiv schon zu alt, um mich von Youtubern und Influencerinnen beeindrucken zu lassen, die meine Kinder sein könnten, weswegen meine Seele eher an Missständen der realen Realität krankt. In meinen Augen gibt es für den Einzelnen wie für die Gesellschaft größere Probleme als wegretuschierte Pölsterchen an jungen Mädels.

Besonders weil das Problem der idealisierten Kunstwelten schon erheblich älter ist als die Social Media - früher haben die Teenager eben Illustrierte gelesen und sich scheiße gefühlt, weil Twiggy so dünne Wadeln hatte. Und es ist auch kein Privileg der Jungen, sich von irgendwelchen Illusionen die Laune verhageln zu lassen. Als Außenstehende habe ich beispielsweise neugierdehalber in ein paar Mami-Blogs gespäht, und da hat sich jeder Bezug zur Realität schon lange verabschiedet.

In vielen Fällen verstehe ich zudem nicht, was das Gejammer soll. Wir haben früher stundenlang telefoniert, heute schreibt man sich eben - wieso sollten das keine "wahren Gespräche" sein? Und aus Fernkontakten über soziale Medien entstehen durchaus "richtige" Freundschaften, die es vor 20 Jahren so gar nicht gegeben hätte, weil man da aus seinem Kuhkaff nicht herausgekommen ist und gar keine Chance hatte, Gleichgesinnte zu treffen.

Ich bin generell der Meinung, dass es der Job der Eltern und Erziehungsberechtigten ist, den Jungen und leicht Beeinflussbaren den gesunden Umgang mit Unterhaltungsmedien, egal ob in Form von Social Media, TV oder Print, zu vermitteln und generell das Leben und Treiben des Nachwuchses nicht völlig aus den Augen zu verlieren, real wie virtuell. Und dazu gehört eben auch eine gewisse Offenheit für neue Formen der Kommunikation und Unterhaltung - als es nur die Glotze und das Telefon gegeben hat, waren die Zeiten auch nicht besser.

» Gerbera » Beiträge: 8644 » Talkpoints: 2,59 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich finde es wirklich bedenklich wie sehr sich manche Menschen an irgendwelche Likes klammern und meinen sie wären weniger wert oder hässlich, was auch immer. Das ist einfach krank und keinesfalls normal. Als junger beeinflussbarer Mensch sollte man sich meiner Meinung nach nicht auf solchen Plattformen herumtreiben, denn immer mehr dieser jungen Menschen machen sich von Likes abhängig, schauen nur noch nach einem guten Bild und das Ganze birgt nur noch Gefahr.

Nicht umsonst sterben Menschen für das perfekte Bild oder bringen sich um, weil sie nicht mehr genügend Likes oder irgendeinen Shitstorm haben. Das ist wirklich alles andere als normal und absolut bedenklich. Ein gefestigter Mensch hat sicherlich mit der Nutzung sozialer Medien weniger Probleme.

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» Ramones » Beiträge: 40958 » Talkpoints: 56,83 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



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