Welches neue Schulfach würdet ihr einführen?

vom 27.10.2019, 15:39 Uhr

Der bayerische Ministerpräsident Söder würde gerne ein neues Schulfach in Bayern einführen. Das neue Fach, welches er sich für die Schulen in Bayern wünscht, soll "Alltagskompetenz und Lebensökonomie" heißen. Inhalt dieses Faches sollen Bereiche wie die heimische Natur und Landwirtschaft, Klimaschutz und Praktisches für den Alltag sein. Es soll von der ersten bis zur zehnten Klasse fächerübergreifend Wissen zu Ernährung, Gesundheit, Haushaltsführung und Umwelt vermitteln. Allerdings handelt es sich hierbei bis jetzt nur um eine Willensbekundung.

Auch der Schulminister Piazolo begrüßt Söders Idee betont aber, dass seine Fraktion schon seit 2013 mehr Alltagswissen an Schulen gefordert hatte. Einen aktuellen Plan gibt es bisher trotzdem nicht.

Ich finde das eine gute Idee. Gerade so Themen wie Haushaltsführung, Vertragsabschluss, Ernährung und Gesundheit kommen meiner Meinung nach viel zu kurz. In der Realschule meiner Tochter wurde Hauswirtschaftslehre mit dem Praxisteil "Kochen" erst im letzten Schuljahr aus dem Wahlpflichtfach-Bereich gestrichen, weil die Zeit bzw. das Lehrpersonal dazu fehlt. Was haltet ihr von dieser Idee? Welches Schulfach würdet ihr gerne einführen, wenn ihr als Bürger ein Mitspracherecht hättet? Würdet ihr es schlecht finden, wenn für dieses Fach dann ggf. 1-2 Stunden Mathematik oder Deutsch aus dem Stundenplan gestrichen werden müssten?

» EngelmitHerz » Beiträge: 536 » Talkpoints: 0,61 » Auszeichnung für 500 Beiträge



An meiner ehemaligen Schule - Naturwissenschaftliches Gymnasium - gibt es jetzt für die Unterstufe verpflichtend ein naturwissenschaftliches Praxisfach. Wir hatten damals auch viel Praxis in den Wahlfächern aber nicht Fächerübergreifend und auch erst ab der Mittelstufe.

Dieses Fach würde ich für alle verpflichtend einführen weil ich glaube, dass einige Schüler deshalb mit den Naturwissenschaften auf Kriegsfuß stehen weil ihnen der Praxisbezug fehlt und weil sie sich nicht vorstellen können, was zum Beispiel eine mathematische Gleichung mit Chemie oder Astronomie zu tun hat. Außerdem macht es einfach viel mehr Spaß als Frontalunterricht.

So ein "Alltagskompetenz" Fach gibt es bei uns für Hauptschüler und Realschüler soweit ich weiß schon. Ich bin eigentlich nicht der Meinung, dass das der Job der Schule ist den Schülern solche Sachen beizubringen, aber da es Eltern gibt, die das anscheinend selber nicht schaffen, ist es wohl besser so.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23908 » Talkpoints: 85,59 » Auszeichnung für 23000 Beiträge


Ich würde sofort und mit voller Überzeugung für die Einführung eines Schulfachs „Alltagskompetenz“ plädieren. Meiner Meinung nach wird man in der Schule nämlich zwar mit einem ganz netten und breiten Allgemeinwissen ausgestattet, lernt aber nicht ansatzweise genug darüber, wie das Leben wirklich funktioniert und wie man selbstständig mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens zurechtkommt. Da auch immer mehr Eltern alleinerziehend oder Vollzeit berufstätig sind, bleibt nicht immer genug Zeit, den Kindern diese Kenntnisse ausreichend selber zu vermitteln. Am Ende kann der Nachwuchs dann vielleicht den Eingangsmonolog von Faust herunterrattern, hat aber keine Ahnung, wie man eine Steuererklärung anfertigt. Überlebensfähig ist anders.

Ein paar Super Basics in puncto Haushalt, Finanzen, Rechtswesen, Gesundheitsfürsorge und Selbstorganisation sollten daher definitiv fest auf dem Lehrplan eines jeden Jugendlichen vor dem Schulabschluss landen - und zwar nicht erst in der gymnasialen Oberstufe, sondern noch vor Ende der regulären Schulpflicht. Natürlich ist das potentielle Material so vielseitig und breit gefächert, dass man nicht drumherum kommen wird, Abstriche zu machen und Stoff zu komprimieren; aber man kann zumindest eine Art Starthilfe geben und Wissen darüber vermitteln, wo man sich selbstständig weitere relevante Informationen herholen und aneignen kann.

» MaximumEntropy » Beiträge: 6539 » Talkpoints: 829,73 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Ich wüsste nun überhaupt nicht, welche Vorteile so ein Alltagsgedudelfach bringen sollte. Denn eigentlich sollte man in der Schule lernen, wie man lernt, wie man Informationen beschafft und wie man diese Informationen einordnet. Den Rest erledigt der Lerntransfer. Schließlich ist es ziemlich egal, ob man sich durch ein Gedicht kämpft oder durch das Steuerrecht. Wenn man den Krempel in der Schule vernünftig gemeistert hat, lernt man auch alles andere und das durchaus allein und eigenständig. Schließlich weiß man, wie es geht. Das ist erheblich vielseitiger nutzbar, als konkretes Wissen, das ständig veraltet ist.

Zumal solche Dinge wie Steuerklärungen doch heute total simpel sind. Man hat nicht mehr den Bogen und eine in schwer verständlichem Amtsdeutsch formulierte Ausfüllhilfe, sondern es gibt Hunderte Programme, die verständlich alles abfragen, erklären und auf Plausibilität prüfen. Für Kochen, Haushalt, Recht oder Versicherungen gibt es Ratgeber und Videos.

Ich hatte diese Möglichkeiten nicht, trotzdem haben wir überlebt, weil wir wussten, wo es steht. Das war das Mantra meiner Lehrer. Ihr müsst nicht alles, ihr müsst wissen, wo es steht und es verstehen. Die Fächerverteilung fand und finde ich gut. So erfährt man seine Stärken und Schwächen, seine Interessen und bekommt einen guten Einblick, was diese Themen an der Uni oder im Berufsleben bedeuten.

» cooper75 » Beiträge: 11654 » Talkpoints: 526,01 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



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