Wörter wegen historischer Konnotation nicht verwenden?

vom 08.07.2019, 15:00 Uhr

Es gibt Wörter und Aussprüche, bei deren Klang so mancher vermutlich regelmäßig innerlich zurückschreckt, weil die Begriffe für viele sehr stark mit der NS-Zeit und dem Dritten Reich verbunden sind, sodass sie von einigen oder sogar vielen nicht gerne benutzt werden wollen, ohne diese automatische Assoziation. Dazu gehören zum Beispiel die Wörter "Endziel", "Endlösung", "Deportation", "Internieren" und vermutlich noch einige andere, die mir gerade nicht einfallen. Aber auch der Spruch "Jedem das Seine" hat durch Auschwitz eine gewisse Brandmarkung erfahren. Manche wissen ja vereinzelt nicht, dass dieser Satz über dem Konzentrationslager stand und benutzen diesen Spruch als geflügelte Wort auch weiterhin ganz unbedarft.

Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass weder dieser Satz noch genannte Wörter von den Nazis als ureigenste Erfindung kreiert wurden, aber in mancher Wahrnehmung sind sie einfach zu negativ besetzt, als dass man sie gerne und unbedarft benutzen möchte. So hatte ich mal eine Freundin, die zwar politisch sehr weit links stand, aber immer mal wieder gerne in einem triumphalen Moment meinte, es wäre ihr ein innerer Reichsparteitag.

Gibt es Wörter oder Sätze, die ihr zu sagen vermeidet oder die nicht in euren eigenen Sprachschatz mit einfließen? Oder steht ihr auch eher darüber und denkt euch wie die im Beispiel besagte Freundin nichts dabei?

» Verbena » Beiträge: 3704 » Talkpoints: 4,06 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Verbena hat geschrieben:Aber auch der Spruch "Jedem das Seine" hat durch Auschwitz eine gewisse Brandmarkung erfahren. Manche wissen ja vereinzelt nicht, dass dieser Satz über dem Konzentrationslager stand und benutzen diesen Spruch als geflügelte Wort auch weiterhin ganz unbedarft.

Da stand doch aber "Arbeit macht frei". Also den Ausspruch "Jedem das Seine" habe ich noch nie in wirklichen Bezug zur NS-Zeit gebracht und es ist mir auch noch nie etwas aufgefallen. Der wird hier recht inflationär verwendet. Bei anderen von dir genannten Wörter ist das aber schon so. Kaum jemand wird noch auf die Idee kommen ganz unbefleckt von einer Endlösung zu reden. Die Wörter sind eben förmlich verbrannt worden durch die Nazis. Es gibt aber eben auch genug andere Wörter im Deutschen, die man stattdessen verwenden kann.

Ich achte schon darauf, was so für Wörter oder Redewendungen benutzt werden. Wenn da solche Ausdrücke kommen, dann stelle ich unterbewusst schon eine gewisse Beziehung zum Nationalsozialismus her und höre da dann im weiteren Verlauf schon ganz anders hin. Sicherlich gibt es immer mal auch Menschen, die gar nicht groß nachdenken, wenn sie so etwas sagen. Aber in aller Regel überlegt man sich doch schon ob man jetzt von einer Endlösung redet oder jemandem rät, dass Arbeit doch frei macht und sagt so etwas nicht ohne Grund.

» Klehmchen » Beiträge: 4507 » Talkpoints: 650,38 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Du hast Recht, ich habe Auschwitz mit Buchenwald verwechselt. Über dem Tor von Auschwitz stand der Spruch "Arbeit macht frei, "Jedem das Seine" stand dagegen hinter dem Eingang von Buchenwald.

» Verbena » Beiträge: 3704 » Talkpoints: 4,06 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Na haben wir beide wieder etwas gelernt. Ich kannte das noch nicht. Stand an jedem Tor der Konzentrationslager so ein Spruch? Und stand dann da immer ein anderer? Wie schon oben gesagt, habe ich bis auf Arbeit macht frei eigentlich noch nie bei irgendwelchen Redewendungen einen Bezug zur NS-Zeit hergestellt. Nicht dass ich auf einmal blöd angeschaut werde, wenn ich mal versehentlich so einen Spruch von mir lasse. Mir geht es ja anders herum auch nicht anders.

» Klehmchen » Beiträge: 4507 » Talkpoints: 650,38 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Eine kurze Suche bei Wikipedia bezüglich der beiden Sprüche über den Toren diverser Konzentrationslager ergab nur diese zwei hier schon genannten Redewendungen, wobei "Arbeit macht frei" über mehreren Lagern stand. Gemeinhin für die Bevölkerung gut sichtbar, während "Jedem das Seine" nur auf der Innenseite für die Gefangenen zu lesen war. Ja, die Nazis waren schon echte Sadisten, denen das so richtig Spaß zu machen schein.

Gerade dieses Jedem das Seine wird aber von vielen Leuten oft benutzt, ich glaube gar nicht mal, dass man damit wirklich in ein Fettnäpfchen trifft. Streng genommen ist dieser Spruch ja auch sehr viel älter die Nationalsozialisten. Vor einigen Jahren gab es wohl mal einen Shitstorm, weil Tchibo und Esso den Spruch in der leicht abgewandelten Form "Jedem der Seine" verwendeten und am Ende in echte Erklärungsnöte gerieten.

» Verbena » Beiträge: 3704 » Talkpoints: 4,06 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


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