Welche städtischen Energiesparmaßnahmen sind angemessen?

vom 10.07.2022, 23:08 Uhr

Die deutsche Bundesregierung bereitet sich auf eine Energie-Notlage vor und ruft deshalb nun die Bürger und Unternehmen eindringlich zum Energiesparen auf. Die Bürger werden aufgefordert, kürzer zu duschen, weniger zu heizen und das Licht auszuschalten, wann immer dies möglich ist.

Es wird deshalb nun auch darüber diskutiert, welche Maßnahmen städtische Behörden und Kommunen selbst treffen können, um den Energieverbrauch zu senken.

Überlegungen gehen zum Beispiel dahin, dass Museen etc. geschlossen werden. Öffentliche Behörden sollen ihre Mitarbeiter in Homeoffice schicken bzw. die Öffnungszeiten auf wenige Stunden reduzieren., um ganze Bürokomplexe nicht beleuchten und heizen zu müssen Außerdem sollen historische Gebäude gar nicht mehr bzw. weniger beleuchtet, Schwimmbäder weniger beheizt und die Straßenbeleuchtung reduziert bzw. abgeschaltet werden. Der weitere Verkehrsbetrieb - z.B. Ampelanlagen - soll zunächst nicht betroffen sein.

Was haltet ihr von solchen kommunalen Energiesparmaßnahmen? Welche dieser Vorschläge fändet ihr gut und bei welchen hättet ihr Bedenken? In welchen Bereichen könntet ihr euch weitere/verstärkte städtische Energiesparmaßnahmen vorstellen?

» EngelmitHerz » Beiträge: 3047 » Talkpoints: 46,13 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich finde schon, dass man auch regional sehen muss, was möglich ist. Es wurden ja mal so Laternen eingeführt, die erst angehen, wenn man darunter ist oder man meldet das ein Mal mit dem Handy an. So etwas wäre ja im Prinzip sinnvoll. Auch wären Solaranlagen sinnvoll gewesen. Nun gut, ich glaube gut damit leben zu können, wenn man nun Maßnahmen ergreift. Wobei ich es unschön finden würde, wenn man Museen schließt, da diese sicherlich eh schon gelitten haben in letzter Zeit. Was da nun die Lösung sein kann, weiß ich nicht, aber es ist schon schade, dass es keinen Plan B gibt und man so abhängig ist.

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» Ramones » Beiträge: 46685 » Talkpoints: 6,94 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


Man müsste durchrechnen, was wirklich Energie spart. Bei manchen Museen zum Beispiel ist das vielleicht nicht so viel, weil die Exponate auch ohne Besucher eine bestimmte Temperatur brauchen. Außerdem muss man berücksichtigen, dass die Menschen, die im Museum sind, dann zu Hause nicht heizen. Dieselben Überlegungen gelten fürs Homeoffice. Ein Bürozimmer für vier Leute zu heizen ist wahrscheinlich sparsamer als ein Zimmer zu Hause für einen alleine. Aber man könnte im Büro weniger heizen, die Angestellten dafür sensibilisieren, die Türen zu schließen, richtig zu lüften und so weiter.

Man kann auch durchaus überlegen, historische Gebäude nicht mehr anzuleuchten oder bei Straßenbeleuchtungen etwas sparsamer zu sein. Aber Strom ist ja nicht so das ganz große Problem, sondern Gas. Auch die Schwimmbäder könnte man weniger heizen. Bei Schließungen sollte man aber auch die sozialen Auswirkungen bedenken.

Überhaupt müssen die sozialen Auswirkungen stärker als in der Coronakrise berücksichtigt werden. Eine meiner größten Ängste ist diejenige, dass die Leute nicht mehr hinter der Regierung stehen und es zu Unruhen kommt. Unser Bundeskanzler sollte mehr an seinen Kommunikationsstrategien arbeiten. Er tut im Gegensatz zu Habeck so, als gäbe es gar keine Probleme und die Regierung hätte alles locker im Griff. Andererseits kann Habeck durchaus auch mal darauf hinweisen, dass es Energiekrisen in der Vergangenheit durchaus schon mal gab und wir heil herausgekommen sind, wie etwa die Ölkrisen.

In nicht allzu ferner Zukunft werden wir genügend regenerative Stromerzeugung haben, sodass es sich lohnt, auch damit zu heizen. Das Gas bräuchte man dann nur noch für industrielle Herstellungsprozesse.

Aus der Not entstehen neue Ideen beziehungsweise werden ältere Ideen aufgegriffen und ernsthaft getestet, wie etwa demnächst in der Münchener Fußgängerzone Energy-Floors, Energieböden, die beim Betreten Strom erzeugen. In Krisenzeiten sind immer schon tolle Innovationen entstanden, die in normalen Zeiten zu schnell verworfen werden oder erst gar nicht entstehen, weil das Festhalten am Alten meistens einfacher ist als Neues einzuführen, aber in der Krise ist das eben notwendig.

» blümchen » Beiträge: 4385 » Talkpoints: 0,02 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Straßenlaternen abzuschalten halte ich für wenig sinnvoll, da die Unfallgefahr dann steigt. Dagegen kann man bei Museen ja genau schauen, ob es bestimmte Tage in der Woche gibt, wo komplett schließt, weil da eben nur sehr wenige Besucher kommen. Ampeln werden bei in der Stadt an manchen Kreuzungen schon über Nacht ausgeschaltet. Auch Fußgängerampeln an Schulen gehen bei uns nur bis 18 Uhr und danach ist bis morgens 6 Uhr abgeschaltet.

Das Beleuchten mancher Bauwerke muss auch nicht die ganze Nacht sein. Wenn man sie schon für Touristen anleuchten muss, dann reichen auch die Abendstunden. Aber vielleicht sollte man auch beim Fußball darüber nachdenken, dass Spiele nicht mehr auf den Abend gelegt werden. Die Flutlichtanlagen verbrauchen eine Menge Strom, welcher dadurch gespart werden kann.

» Punktedieb » Beiträge: 17273 » Talkpoints: 85,15 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Punktedieb hat geschrieben:Dagegen kann man bei Museen ja genau schauen, ob es bestimmte Tage in der Woche gibt, wo komplett schließt, weil da eben nur sehr wenige Besucher kommen.

Wobei ich mir nicht sicher bin, ob man mit zusätzlichen Schließtagen viel Energie spart, weil die Räume wahrscheinlich auch dann einigermaßen beheizt bzw. klimatisiert werden müssen, wenn keine Besucher kommen, damit das Raumklima erhalten bleibt (und nicht die Exponate beschädigt werden). Allenfalls die Beleuchtung kann man ausmachen und vielleicht die allgemeine Betriebstechnik zurückfahren.

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» lascar » Beiträge: 3693 » Talkpoints: 675,17 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Darauf hat sicher jede/r andere Antworten, je nach persönlichen Befindlichkeiten und Betroffenheit. Ich gehe zum Beispiel seltenst schwimmen, weswegen ich es für sinnvoll hielte, die Hallenbäder zu schließen. Wasser warm machen verschlingt unverhältnismäßig viel Energie. Andere weisen darauf hin, dass viele Kinder schon wegen Corona nicht schwimmen gelernt haben und jetzt Schwimmkurse brauchen, um nicht reihenweise im Baggersee abzusaufen.

Museen hatten wir ja schon. Die kann man generell als überflüssig ansehen, und wenn bei ein paar Ölschinken die Farbe blättert, weil die Klimaanlage abgestellt wurde, ist das sicher für viele ein vertretbarer Verlust. Und so zieht es sich durch. Wer in einem zugigen Zweckbau aus den 1970ern Dienst tut, wird keine Lust auf gedrosselte Heizung und Jacke am Arbeitsplatz haben. Wer weder Balkon noch Garten hat, hätte wenigstens gerne grünen Rasen im Stadtpark, der auch bewässert werden muss. Und so weiter.

Von daher denke ich, dass wie so oft sowieso keine Maßnahmen gefunden werden, über die sich niemand beschwert und würde daher rein rechnerisch dort ansetzen, wo das Verhältnis von Ersparnis zu Einbußen an Lebensqualität zahlenmäßig am effizientesten ist.

» Gerbera » Beiträge: 10487 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Bei den Museen, auch wenn ich sie mehr als selten besuche, muss nicht jede Einrichtung diverse Luftfeuchte und Temperaturen einhalten. Aber allein die Beleuchtung hätte bei einem Schließtag mehr in der Woche ein recht hohes Einsparpotential. Bei Schwimmbädern kann man auch noch einsparen ohne sie komplett zu schließen. Da reicht es schon, wenn man die Wassertemperatur um ein Grad senkt. Dazu auch hier die Öffnungszeiten anpassen.

Es sind also überall nur kleinere Dinge, die man anpassen müsste. Aber wenn dies von vielen Einrichtungen gemacht wird, dann sollte das schon in Kosten auffallen. Was ja auch die Kommunen wieder entlastet, wenn sie statt 100 Euro Energiekosten am Tag nur noch 90 Euro haben und dazu noch weniger Lohnkosten, wo ja überall auch Personal knapp ist.

» Punktedieb » Beiträge: 17273 » Talkpoints: 85,15 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Sofern eine gleichmäßige Reduktion in möglichst vielen Bereichen gute Einsparungseffekte erzielen kann, dann ist das sicher eine gute Möglichkeit, Energie zu sparen, ohne dass gleich jemand ganz leer dasteht. Und ob ein Schwimmbad mal ein paar Stunden oder einen Tag pro Woche geschlossen ist, die Museen einen zusätzlichen Schließtag haben oder die Wassertemperatur um ein oder zwei Grad gesenkt wird, das wird weniger Leute beeinträchtigen, als wenn plötzlich ganze Branchen oder Stadtteile ohne Gas dastehen.

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» lascar » Beiträge: 3693 » Talkpoints: 675,17 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich habe vor Kurzem gelesen, dass in einer Stadt die Temperatur eines Außenbeckens in Schwimmbad um 2 Grad reduziert wurde. Das lustige an der Geschichte war, dass niemand davon etwas gemerkt hat als gefragt wurde ob die Schwimmer einen Unterschied festgestellt haben. Aber als den Leuten gesagt wurde, dass weniger geheizt wird waren sie plötzlich alle empört und haben Gründe gefunden, warum das Wasser unbedingt wärmer sein muss. Natürlich wurden wieder irgendwelche Kinder vorgeschoben. :lol:

Ich war ja eher empört darüber, dass Außenbecken überhaupt beheizt werden. Ein Schwimmbad braucht schon überdacht extrem viel Energie weil das Wasser so schnell abkühlt, ich will nicht wissen wie die Strom- oder Gasrechnung aussieht wenn man die Umwelt heizt.

Ich bin jedenfalls absolut dafür, dass Außenbecken von Schwimmbädern nicht mehr beheizt werden, generell, nicht nur aus aktuellem Anlass. Ich gehe regelmäßig in einem See schwimmen, der natürlich auch nicht beheizt ist, und das ist überhaupt kein Problem. Und auch die vorgeschobenen Kinder findet man dort in großer Zahl und noch keines davon ist erfroren soweit ich weiß. Und für die Leute, die in heißem Wasser planschen wollen, gibt es eine ganze Reihe Thermen mit von Natur aus heißem Wasser.

Beleuchtung macht glaube ich nicht wirklich viel aus. Viele Städte haben schon auf LED Beleuchtung umgestellt und da, wo Beleuchtung nicht die ganze Nacht durch gebraucht wird, wird sie doch inzwischen auch ausgestellt. In meiner Stadt ist das bei Gebäuden jedenfalls schon lange so und bei manchen Ampelanlagen auch. Selbst größere Kreuzungen werden ausgeschaltet wenn keine Straßenbahn mehr fährt.

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» Cloudy24 » Beiträge: 26839 » Talkpoints: 154,03 » Auszeichnung für 26000 Beiträge


@Claudy24: Es gibt doch aber auch Außenbecken, die mit dem Innenbecken verbunden sind. Ich weiß nicht, ob man da eine Art Tür zu machen kann. Aber wenn nicht, heizt man da automatisch die Umwelt mit, weil das warme Wasser von drinnen auch nach draußen kommt durch die Nutzer. Diese Anlagen sind sicherlich wieder eine Sache für sich.

Bei uns haben sie heute bekannt gegeben, dass die letzte Option eine komplette Schließung des Stadtbades sein wird. Allerdings hängt da auch wieder der Schwimmunterricht von den Grundschülern dran. Da ist durch Corona schon verdammt viel ausgefallen.

» Punktedieb » Beiträge: 17273 » Talkpoints: 85,15 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


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