Warum punktet die AfD so gut bei der Unterschicht?

vom 26.01.2018, 15:02 Uhr

Eigentlich gilt die AfD nicht als soziale Partei. Trotzdem macht sie der LINKEN Konkurrenz. Auch im Saarland macht sich die LINKE Sorgen darüber. Es wird immer klarer, dass die linken Kampagnen nicht fruchten. Warum ist die AfD bei Wählern aus der Unterschicht so erfolgreich? Was machen die anderen Parteien und vor allem die LINKE dort falsch?

» Juri1877 » Beiträge: 5107 » Talkpoints: 20,06 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Vielleicht liegt es daran, dass das Saarland nicht Teil der DDR war. Soviel ich weiß, ist Die Linke nichts anderes als die unbenannte PDS. Die PDS war früher die SED und ich habe nie verstanden, dass der Osten die wählt und die alten Zeiten zurück wollte. So sehe ich das mal als Nichtdeutscher. Gysi und Wagenknecht sind aber noch immer eine Spur besser als Roth und der langhaarige Typ von den Grünen.

» celles » Beiträge: 7498 » Talkpoints: 10,14 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


celles hat geschrieben:Soviel ich weiß, ist Die Linke nichts anderes als die unbenannte PDS. Die PDS war früher die SED und ich habe nie verstanden, dass der Osten die wählt und die alten Zeiten zurück wollte.

Nein das stimmt so überhaupt nicht. Die PDS war die Nachfolgepartei der SED, das ist soweit richtig. Im Westen hatte sich aber in den 2000er Jahren nach dem Abgang von Oskar Lafontaine aus der SPD eine linke Alternative gebildet. Sie nannte sich damals WASG, Wahlalternative für soziale Gerechtigkeit oder so ähnlich. Insbesondere in Oskar Lafontaines Heimat dem Saarland war diese dank ihres Zugpferdes besonders stark.

Die Linke ist dann schlussendlich aus einem Zusammenschluss von PDS und WASG entstanden und konnte damit neben ihren starken Ergebnissen im Osten auch im Westen Fuß fassen. Seitdem ist sie in vielen Länderparlamenten vertreten und kommt bei Bundestagswahlen problemlos über die 5 Prozenthürde.

Ebenfalls kann ich es schon verstehen, dass im Osten viele Menschen die Linkspartei wählen. Neben den DDR-Bürgern die die Mauer einreißen wollten, gab es ja auch viele, die in der DDR ein sehr gutes Leben geführt haben, genauso wie es eben auch sehr viele Wendeverlieren gibt, denen es subjektiv einfach viel besser ging. Dazu kommen dann natürlich mittlerweile auch Nachwendegenerationen, die einfach eine linke Weltanschauung haben und sich da bei der Linken wieder finden.

Aber gut, hier ging es ja um die AFD. Natürlich findet diese eben auch in der sogenannten Unterschicht massiv Wähler. Die AFD ist ja nun einmal keine Partei, die viel Wert auf große Rhetorik legt oder tiefgründige Wahlprogramme. Sie ist populistisch und versucht einfache Lösungen anzubieten ohne diese bis ins Detail zu erklären. Damit spricht man natürlich vor allem Wähler an, die selber genauso wenig Lust haben, sich tiefgründig mit der Materie zu beschäftigen. Und der Anteil der Wähler, die sozusagen politisch einfach gestrickt sind, ist eben in der Unterschicht deutlich höher.

Wer für komplexe Sachverhalte einfache Lösungen sucht, der wird eben bei der AFD fündig. Und wenn man sich nicht damit beschäftigen will, ob diese Lösungsvorschläge überhaupt Sinn machen oder umsetzbar sind, dann wählt man halt auch mal schnell AFD.

» Klehmchen » Beiträge: 3567 » Talkpoints: 198,00 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Hier im Saarland hat die LINKE ein zweistelliges Ergebnis. Die AfD hat es gerade mal in den Landtag geschafft. Allerdings merkt auch die LINKE, dass ihre Parolen nicht mehr so ankommen wie früher. Die Flüchtlinge haben nur Ärger gebracht.

» Juri1877 » Beiträge: 5107 » Talkpoints: 20,06 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Was mir die Flüchtlinge gebracht haben, kann ich auch sagen. Eine sehr laute Nachbarschaft über uns und das täglich bis 1:30 nachts. Mediation, unterzeichnete Vereinbarungen und Zusagen seitens der Flüchtlinge waren leider überhaupt nichts wert. Leider ist es so, dass man hier nicht nur Ausgaben hat, sondern sich auch noch den Lärm von oben den ganzen Tag lang anhören darf. Dass dann gewisse Parteien Erfolge haben, wundert mich nicht, auch wenn ich kein Wähler der AfD wäre.

» celles » Beiträge: 7498 » Talkpoints: 10,14 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Das ist doch ganz einfach, wenn du von der Gesellschaft als "Unterschicht" definiert wirst und zu den Verlierern gehörst ist es ein verdammt gutes Gefühl wenn jemand daher kommt und dir das Gefühl gibt, dass du doch nicht ganz unten bist. Das es noch welche gibt, die unter dir stehen, auf die du herab schauen kannst, denen du vielleicht sogar die Schuld für dein eigenes Versagen in der Leistungsgesellschaft geben kannst. So hat Rechtspopulismus schon immer funktioniert.

Die Frage nach der Linken ist schon wesentlich interessanter. Warum kommt eine Politik, die nicht auf dieser Taktik basiert, bei den Menschen, die am meisten davon profitieren würden, nicht an? Vielleicht weil die Politik nicht so einfach zu verstehen ist, vor allem für Leute, die von Politik eigentlich nichts verstehen und nicht über die nötige Bildung oder Intelligenz verfügen um sich in komplexe Zusammenhänge wirklich hinein denken zu können?

Was man auch bedenken muss ist, dass viele Wähler ja eigentlich keine politische Überzeugung haben. Die Leute wählen nicht weil sie bestimmte Werte haben, die von einer bestimmten Partei vertreten werden. Die haben vielleicht früher links gewählt, weil sie dachten, dass ihnen das irgendwelche Vorteile bringt und da sich für sie persönlich halt nichts geändert hat versuchen sie es jetzt mit einer anderen Partei. Die Tatsache, dass die Werte von Linke und AfD sich überhaupt nicht miteinander vereinbaren lassen, jedenfalls in vielen Punkten, spielt für diese Art von Wählern keine Rolle.

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» Cloudy24 » Beiträge: 20332 » Talkpoints: 12,61 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Wie links wirkt, kann man im Moment sehr gut in Venezuela sehen. Dort schafft Maduro gerade die Demokratie ab. Aber wahrscheinlich begreife ich als Mann aus der Unterschicht gar nicht, was ich sage. Ich verstehe auch nicht, warum ein Anis Amri bedürftiger ist als ich. Ich sehe es auch nicht als Fortschritt an, wenn Weihnachtsmärkte durch Barrieren geschützt werden müssen.

» Juri1877 » Beiträge: 5107 » Talkpoints: 20,06 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Tja, Juri. Mit genau diesem Kommentar zeigst du doch deutlich, was bei der AfD bei einem gewissen Klientel so gut zieht. Dass diese Partei ansonsten Ideen hat, vor denen selbst die FDP zurückschreckt, das ist doch unerheblich. Hauptsache keine Flüchtlinge, Punkt.

Dafür zahlt man dann halt gern den von der Partei gewünschten Einheitssteuersatz von 25 Prozent. Gut, wenn der Geringverdiener gerne 11 Prozent mehr abgeben möchte, bitte. Für mich würde es billiger. :lol: Ohne Arbeitslosenversicherung und mit Zwangsarbeit ging es früher auch. Und Frauen sollen sowieso ihre Kernkompetenzen nutzen und gebären. Wem das für möglichst deutsche Nachbarn kein zu hoher Preis ist, bitte.

» cooper75 » Beiträge: 9790 » Talkpoints: 54,86 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Vor 12 Jahren habe ich noch begeistert die Linke unterstützt und auf ein linkes Bündnis für mehr soziale Gerechtigkeit gehofft. Die Linke ist inzwischen tief zerstritten. Politisch bewirkt hat sie faktisch nicht. An der Regierung war sie auch nicht.

Es wird auch fraglich sein, wann und ob die AfD jemals an die Regierung kommt. Bisher bewirkt sie aber enorm, dass auch diese Menschen bedacht werden. Ohne AFD würde es wohl kaum ein Programm zum Dritten Arbeitsmarkt geben. Damit kann ich sehr gut leben.

» Juri1877 » Beiträge: 5107 » Talkpoints: 20,06 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Juri1877 hat geschrieben:Vor 12 Jahren habe ich noch begeistert die Linke unterstützt und auf ein linkes Bündnis für mehr soziale Gerechtigkeit gehofft. Die Linke ist inzwischen tief zerstritten. Politisch bewirkt hat sie faktisch nicht. An der Regierung war sie auch nicht.

Es wird auch fraglich sein, wann und ob die AfD jemals an die Regierung kommt. Bisher bewirkt sie aber enorm, dass auch diese Menschen bedacht werden. Ohne AFD würde es wohl kaum ein Programm zum Dritten Arbeitsmarkt geben. Damit kann ich sehr gut leben.

Ich weiß ja nicht was du so für Gespenster siehst. Aber in meinen Augen wirkt die AFD nirgends wirklich. Kann sie ja auch nicht, da sie wie im Absatz darüber den Linken unterstellt, eh nicht regiert. Wer nicht regiert, kann nicht viel ändern. Und wer dann noch unsachliche Parolen raus haut, der wird erst recht nicht bedacht.

Wer wirklich etwas ändern will muss regieren. Und wer regieren will braucht halt in der Regel Partner dafür und die findet man eben oft nur wenn man Kompromisse eingeht. Deswegen ist die Linke ja auch wesentlich harmloser in vielen ihrer linken Forderungen geworden, weil sie sonst nirgends regierungsfähig geworden wäre.

Und wo genau hat die AFD jetzt irgendwas bewirkt? Im Bundestag nichts, da der ja noch gar keine echte parlamentarische Arbeit durchführt. Auf Landesebene? Da ist sie in vielen Verbänden noch zerstrittener als alle anderen Parteien. Wenn überhaupt hat sie bewirkt, dass die CSU sich wieder weiter weg von der Mitte bewegt hat und die CDU damit versucht hat mitzuziehen. Aber umgesetzt hat die AFD doch nichts.

» Klehmchen » Beiträge: 3567 » Talkpoints: 198,00 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


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