Warum haben manche Kinder Angst vor Impfungen?

vom 26.10.2015, 09:02 Uhr

Ich habe eine Nichte, die vor kurzem 3 Jahre alt geworden ist und die hatte schon immer ein gewisses Temperament, wenn man das so bezeichnen kann. Sie ist sehr willensstark und in meinen Augen tanzt sie ihren Eltern und den Erwachsenen allgemein ziemlich auf der Nase herum, aber das ist eben Ansichtssache.

Ihre Mutter erzählte mir, dass es immer sehr problematisch sei, mit der Kleinen zum Kinderarzt wegen einer Impfung zu gehen. Denn dort würde sich die Kleine so dermaßen mit Händen und Füßen wehren, dass sie teilweise drei Erwachsene festhalten müssen und man hätte immer noch große Probleme, die Spritze zu setzen. Reden würde angeblich nicht viel helfen.

Meine Cousine, die im selben Alter ist, ist jedoch das komplette Gegenteil. Ich fragte am Samstag meinen Onkel, wie seine Tochter auf die Impfung reagieren würde und er meinte, dass ihr das im Prinzip total egal wäre und dass sie die Spritze kaum mitbekommen würde.

Wie kommt es, dass Kinder offenbar so unterschiedlich auf Impfungen und Spritzen reagieren? Liegt das an der Erziehung? Was kann man als Eltern tun, um einem Kind die Angst zu nehmen?

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» Olly173 » Beiträge: 14703 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Kinder, die Angst haben, fürchten sich nicht vor der Impfung. Sie haben Angst vor der Spritze. Ob es dabei um eine Impfung geht oder Blut abgenommen werden soll, das ist den Kindern herzlich egal. Ob ein Kind Ängste hat oder nicht, das hat auch wenig mit der Erziehung zu tun.

Ich bin sozusagen in einem Krankenhaus aufgewachsen und fand das alles total spannend. Meine Mutter hatte keinerlei Ängste in Bezug auf Nadeln. Ich habe also ganz oft erlebt, wie vollkommen problemlos etwas gespritzt oder Blut abgenommen worden ist. Die "Opfer" wirkten nicht so, als ob das schlimm wäre.

Trotzdem habe ich bis ungefähr zu meinem 4. Lebensjahr einen extremen Aufstand geprobt. Erklären hat nichts geholfen, dass das theoretisch nicht schlimm ist, das wusste ich ja. Bestechung klappte auch nicht. Allein die Vorstellung, dass eine Nadel in einen selbst hinein gestochen wird, reichte für einen massiven Aufstand, der nur über körperlichen Zwang zu beherrschen war.

Ich denke, dass das durchaus eine normale Reaktion ist. Ganz oben auf der Liste steht nun einmal die körperliche Unversehrtheit. Dass man sich verletzen kann und dass das weh tut, das weiß man auch schon. Daher muss eine Spritze weh tun, egal was andere sagen oder wie die sich dabei verhalten.

Das sieht sicherlich nicht jedes Kind so. Aber wenn es diese Haltung hat, dann ändert erst die zunehmende geistige Reife daran etwas. Kurz danach hatte ich dann keine Angst mehr, obwohl man ja annehmen müsste, dass so ein Kind automatisch zu den Menschen gehört, die Spritzen lebenslang skeptisch gegenüber stehen.

» cooper75 » Beiträge: 10581 » Talkpoints: 179,38 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Es gibt ja auch Erwachsene, die Angst vor einer Spritze haben. Ich denke, dass es viel daran liegt, wie man mit dem kleinen Kind vorher spricht und wie man es dann beim Arzt ablenkt. Ich habe nach solchen Sachen immer eine Belohnung bekommen und wenn ich die Spritze bekommen habe, dann hat mir meine Mutter etwas erzählt, sodass ich das kaum mitbekommen habe.

Wenn man sich aber darauf konzentriert und dazu ist es eben auch ungewohnt und ein bisschen ängstigend, wenn man es nicht kennt, dann ist es eben nicht so schnell erledigt und dann hat das Kind auch Angst und wehrt sich.

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» Ramones » Beiträge: 37042 » Talkpoints: 6,23 » Auszeichnung für 37000 Beiträge



Ich wurde im Kindergarten noch zwangsgeimpft und da saß die ganze Kindergartengruppe im Arztzimmer und einer nach dem anderen hat angefangen zu weinen. Man wurde da einfach hingeschleppt, ob man will oder nicht und da hilft es auch nicht, wenn jemand einem erklären will, dass das nicht schlimm ist.

Na klar ist das schlimm, Spritzen tun weh und das Kind erlebt ja totale Machtlosigkeit, es wird einfach gezwungen und hat keine Chance, sich zu wehren. Mich wundert es eher, dass es Kinder gibt, die das über sich ergehen lassen.

» Zitronengras » Beiträge: 8603 » Talkpoints: 52,69 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Mir ging es da immer wie Cooper. Vor den Impfungen selbst hatte ich als Kind keine Angst, aber eben vor den Spritzen. Dabei war es bei mir auch egal, ob es sich um eine Impfung handelte oder Blut abgenommen werden sollte. Ich habe mich teilweise auch sehr dagegen gewehrt und musste dann festgehalten werden. Das hat sich auch erst gelegt, als ich älter wurde. Mittlerweile machen mir Spritzen gar nichts mehr aus.

Ich denke, dass es für Kinder einfach Angst macht, dass man ihnen eine Nadel in die Haut sticht. Wenn sie sich dann noch wehren oder verkrampfen tut es sicherlich auch schnell mal weh und die Erfahrung vergisst ein Kind dann nicht. Ich glaube auch nicht, dass dies direkt etwas mit der Erziehung zu tun hat.

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» Nelchen » Beiträge: 29867 » Talkpoints: 2,68 » Auszeichnung für 29000 Beiträge


Hat das möglicherweise auch mit Konditionierung zu tun, wenn man sich so gegen eine Spritze wehrt und Angst dagegen entwickelt? Ich meine, wenn das Kind 3 Jahre alt ist, dann wird sie ja nicht die erste Impfung erhalten haben. Vermutlich wird sie sich daran erinnern, dass frühere Spritzen auch weh getan haben und deswegen entsprechend empfindlich reagieren. So soll es auch Methoden geben, den Schmerz bei der Impfung bei Kindern zu reduzieren.

So soll es zum Beispiel helfen, wenn das Baby bei der Impfung gestillt wird und bei Kleinkindern soll körperliche Nähe sehr helfen, den Schmerz weniger deutlich zu spüren. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich habe es selbst nie getestet, aber möglicherweise wurde das eben versäumt, sodass das Kind auf Spritzen entsprechend empfindlicher reagiert, was ja auch verständlich ist, wenn man damit negative Erfahrungen assoziiert.

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» Täubchen » Beiträge: 27435 » Talkpoints: 0,77 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Sind wir mal ehrlich? Wer mag es schon eine Spritze zu bekommen? Da geht es und allen doch gleich. Egal ob Baby, Kleinkind oder Erwachsener. Spritzen sind nun mal angenehm. Die Erwachsenen wissen, dass es nicht weiter schlimm ist und nur kurz weh tut. Bei den Kleinen ist das was anderes. Sie verstehen oft noch nicht, was jetzt überhaupt los ist. Bevor sie schauen können haben sie in beiden Beinen eine Impfung bekommen und sind vollkommen fremden Personen ausgeliefert. Auch das Vertrauen in die Eltern wird durch das Impfen bestimmt ein wenig erschüttert. Anstatt beschützt zu werden, müssen die Eltern oft noch Hände oder Füße der Kinder festhalten, damit der Arzt seine Arbeit machen kann.

Es kommt zudem noch dazu, dass sie sich nach der Impfung oft etwas schlapp fühlen oder die Einstichstelle schmerzt. Bei meinem Sohn kommt es häufig vor, dass er nach einer Impfung in sein Bein beim Gehen Probleme hat, da er den Fuß nicht vollständig belasten kann. Außerdem wann gehen wir zum Arzt mit den Kindern? Wenn sie krank sind oder geimpft werden müssen. Sie verbinden dann ja schon fast Schmerzen mit dem Kinderarzt und bekommen richtig Angst vor ihm. Kein Wunder, wenn man jedes Mal gestochen wird, wenn man den Arzt sieht. Da haben die Kinder ja oft vor dem Kinderarzt mehr Angst als vor der Spritze selbst. Auf der anderen Seite ist mir lieber, dass ich ein schreiendes Kind habe, das Angst vor seinem Kinderarzt hat, als ein Kind, dass irgendeine gefährliche Erkrankung bekommt, weil es nicht geimpft wurde.

» Birdy93 » Beiträge: 749 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich würde auch sagen: Weil sie weh tun? Und was bei Kindern noch dazukommt: weil man nicht versteht, wieso man gezwungen wird, etwas mit sich machen zu lassen, was weh tut. Ich kenne auch etliche Erwachsene, die sich schier in die Hosen machen bei Spritzen und Nadeln aller Art, auch wenn sie objektiv gesehen wissen, dass es nicht "schlimm" ist und auch medizinisch notwendig.

Umso mehr habe ich Verständnis für ein Kleinkind, dessen Lebenserfahrung sich praktisch noch in Monaten messen lässt und dessen Erfahrung mit medizinischen Maßnahmen entsprechend gering ist. Wenn ich nur wüsste: Man hält mich jetzt gleich fest und tut mir weh, würde ich mich auch mit Händen und Füßen gegen die Behandlung wehren und mir nicht unbedingt denken: Offensichtlich ist es für irgend etwas gut, mir eine Nadel in den Hintern zu pieksen, also lasse ich die fremde Person mal machen.

Wahrscheinlich ist es wie bei Erwachsenen eine Charakterfrage. Manche Kinder nehmen gottergeben hin, dass Erwachsene alle möglichen blöden Sachen mit ihnen machen oder lassen sich von ihrem Naturell her gut ablenken oder mit Belohnungen aufmuntern. Und andere Kinder haben eben schon in dem Alter ein Flair für das Dramatische bzw. sind empfindlich und schnell gestresst.

» Gerbera » Beiträge: 7029 » Talkpoints: 2,91 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Ja warum haben Kinder wohl Angst vor einem Prozess, der weh tut, und den sie nicht einordnen können? In dem Alter ist man doch noch viel zu jung um zu verstehen, dass Impfungen lebenswichtig sind, aber dass es weh tut versteht man eben schon.

Außerdem scheinen Kinder auf Schmerzen eh überproportional zu reagieren. Viele schreien noch herum wenn man genau weiß, dass der Schmerz schon längst wieder vorbei ist. Das ist sicher ein erlerntes Verhalten nach dem Motto "mehr Geschrei, mehr Aufmerksamkeit".

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» Cloudy24 » Beiträge: 21078 » Talkpoints: 155,54 » Auszeichnung für 21000 Beiträge


Angst vor der Impfung werden Kinder an sich ja nicht haben, sondern vor der Spritze. Und warum sollten Kinder keine Angst vor Spritzen haben? Es gibt doch mehr als genügend Erwachsene, die ebenfalls riesige Angst vor Spritzen haben. Und dazu zähle ich mich selbst auch. Dabei habe ich in meinem Leben schon unzählige Spritzen bekommen.

Ich wurde schon zweimal operiert und habe da Spritzen bekommen, ansonsten eben bei den Impfungen, beim Blutabnehmen oder beim Zahnarzt. Ich musste mich zwei Wochen lang sogar selbst gegen Thrombose spritzen. Zwar habe ich alles mitgemacht, hatte aber trotzdem immer große Angst. Daran wird sich wohl niemals etwas ändern, auch wenn es nur Impfungen sind.

Ich weiß, dass ich sogar eine Spritze verweigert habe, als ich wegen meines zertrümmerten Sprunggelenks mit dem Krankenwagen abgeholt wurde - weil ich so Angst davor hatte. Direkt darauf bin ich allerdings ohnmächtig geworden. Dabei tut es ja eigentlich nicht so weh. Wenn ich die Nadel schon sehe, wird mir aber ganz anders.

Ein Kind ist ja nicht dumm - auch wenn es noch nie geimpft wurde, kann es ja einschätzen, dass so eine Nadel im Körper nicht angenehm ist. Das wird es ja auch aus Erzählungen wissen. Und das Blutabnehmen tut ja schon weh - mir zumindest. Und ein Kind kann ja auch nicht so einschätzen, welche Spritze weh tut oder nicht. Und so eine Nadel sieht ja an sich schon einfach beängstigend aus.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 30132 » Talkpoints: 131,00 » Auszeichnung für 30000 Beiträge


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