Aus welchem Grund wird ein Dispokredit gekündigt?

vom 07.10.2009, 12:45 Uhr

Ich habe eine Freundin, die eigentlich keine wirklichen Geldprobleme hat. Sie hat nur einen Minijob, aber das Geld, was monatlich eingeht, reicht gerade aus um über die Runden zu kommen, aber sie ist in der Regel trotzdem immer etwa 50 - 200 Euro auf ihrem Konto im Minus. Das war aber bisher auch kein Problem, denn die Bank hat ihr einen Dispokredit mit bis zu 500 Euro für sie eingerichtet. Doch komischerweise wurde ihr dieser Verfügungsrahmen seitens der Bank jetzt gekündigt und sie kann ihr Konto jetzt gar nicht mehr überziehen.

Aber welchen Grund hat eine Bank denn, so etwas zu tun? Ist es nicht eigentlich für die Bank total umsonst so etwas einzustellen, weil sie daran ja das meiste Geld verdient? Ich kann diese Entscheidung irgendwie nicht verstehen, weil sie sich an den Zinsen doch dumm und dämlich zahlt und das Konto ohnehin jeden Monat wieder schwarze Zahlen schreibt, wenn sie ihren Lohn bekommt.

» Sippschaft » Beiträge: 7579 » Talkpoints: 1,58 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ein Dispositionskredit gewährt eine Bank oder Sparkasse aus rein kulanten Gründen und nicht aus einer rechtlichen Handhabe heraus. Wenn die Bank sieht, dass die oder derjenige nie aus diesem Kredit herauskommt und es nicht weniger wird und jeden Monat das Konto gleich viel überzogen ist, dann hat die Bank auf jeden Fall einen Grund diesen Dispositionskredit zu kündigen.

Aber da ein Dispositionskredit wie schon geschrieben nur auf Kulanzbasis bei der Bank gewährt wird, kann sie auch von Heute auf Morgen den Kredit kündigen und ein 0 Konto verlangen. Ob sie daran verdient oder nicht ist dabei Nebensache. Die Bank will vermeiden, dass sie irgendwann auf diesem Schulden sitzen bleiben und kein Geld mehr bekommen. Denn das Einkommen ist ja nur so hoch, wie es auf keinen Fall gepfändet werden kann.

Eigentlich dient es ja zum Schutz des Kunden. Aber wenn die Bank das jahrelang so hinnimmt, wird ihr irgendwann Selbstverschulden vorgeworfen. Deine Freundin sollte mal mit ihrem Sachbearbeiter reden und fragen, welchen Grund grade diese Bank bei diesem Konto hatte diesen Dispositionskredit aufzulösen.

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» Diamante » Beiträge: 41857 » Talkpoints: 9,96 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Ich denke, die Bank hat es zum eigenen Schutze deiner Freundin gemacht. Wenn sie nur einen Minijob hat und damit etwa 400€ verdient, kann sie immer nur für eine bestimmte Zeit das Konto ausgleichen und rutscht regelmäßig wieder ins Minus. Das Minus kostet deine Freundin horrende Gebühren, die sie dann noch von ihrem kleinen Geld begleichen muß. Und wenn das Geld eh schon gerade so reicht, werden diese Gebühren sie immer weiter ins Minus ziehen. Daher ist es sehr vernüftig von der Bank, den Dispo nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Ist nur immer blöd, wenn dann plötzlich 200€ fehlen, weil der Dispo beglichen worden ist. :?

Was deine Freundin der Bank anbieten kann ist, daß der Dispo monatlich dezimiert wird. Beispielsweise kann die Bank den Dispo monatlich um 25€ oder mehr (je nach Absprache) kürzen. Damit hätte deine Freundin nicht diesen totalen Geldverlust und käme trotzdem vom Dispo runter.

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» merlinda » Beiträge: 530 » Talkpoints: 0,41 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Wie Diamante schon geschrieben hat, ist die Gewährung eines solchen Kredits leider nicht transparent für den Kunden nachvollziehbar. Es liegt einzig und allein am Sachbearbeiter, welcher den Kunden entsprechend der Vorgaben zu bewerten hat. Wobei ich auch davon ausgehe, dass der Bankangestellte auch einen gewissen Entscheidungsspielraum hat.

Offenbar ist die Bank hier der Meinung, dass das regelmäßige Einkommen einen solchen Dispokredit nicht rechtfertigen würde. Was natürlich erst einmal quatsch ist. Aber was sicher nicht verkehrt wäre, ist mit der Bank über den Vorfall zu reden. Denn vielleicht war es auch nur ein automatisierter Prozess und kann rückgängig gemacht werden.

Für den Fall das die Bank sich gar nicht bewegt, würde ich in jedem Fall einen Wechsel der Bank empfehlen. Denn eine Vertrauensbasis sollte hier nicht mehr vorliegen und damit ist der einzige Grund welcher gegen einen Wechsel spricht, der u.U. große Aufwand, alle Kontennutzer über die Änderung der Bankverbindung zu unterrichten. Sollten aber nur wenige direkt Gelder einzahlen (Lohn) oder abheben (Versicherungen), dann wäre das eigene Opfer noch überschaubar.

» derpunkt » Beiträge: 9897 » Talkpoints: 88,33 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ja hier kann es unter Umständen gleich mehrere Gründe geben, denn die Bank macht es leider nicht ohne irgendwelchen negativen Anzeichen. Auch wenn die Kontoführung der Freundin nichts Negatives aufweist muss aus finanziellen Gesichtspunkten ja nicht alles in Ordnung sein. Beispielsweise kann auch ein negativer Schufaeintrag mit eine Ursache für die Kündigung des Dispos sein.

Die Bank hat eine Fürsorge und Obhutspflicht und muss diese bei ihren Geschäften mit Kunden erfüllen. Wie schon gesagt ein Dispo sollte stets wieder ausgeglichen werden, aber klappt das nicht mehr muss die Bank reagieren. Ist die Freundin durch den Dispo längere Zeit im Minus zahlt sie auch mehr Zinsen. Die Bank rechnet in der Regel mit einer ein bis zwei monatigen Ausschöpfung des Disporahmens. Ein Dispo sollte wirklich nur kurzfristig genutzt werden, denn für längere Finanzierungsmöglichkeiten gibt es den Ratenkredit.

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» karlchen66 » Beiträge: 3570 » Talkpoints: 51,81 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Wie mein Vorredner schon geschrieben hat, kann das Ganze gleich mehrere Gründe haben. Man muss dabei aber immer auch wissen wie die Bank denkt: Eine Bank überlegt sich immer ob Sie einen gewährten Dispokredit auch zurückbekommt.

Und wenn diese Chance geringer wird dann fordert die Bank in der Regel den Dispokredit zurück. Z.B. könnte sich die Schufa verändern oder das Einkommen ändert sich oder aber der Dispostand verändert sich nicht und die Bank wertet das als schlechtes Zeichen. Wenn man nur einen 400 Euro Job hat dann kann man eh nichts erwarten weil die Bank ca. 900 - 1000 Euro mindestens als Einkommen benötigt um überhaupt irgendwelche Sicherheiten haben zu können. Siehe Pfändungsfreibetrag.

» Eeaassyy » Beiträge: 11 » Talkpoints: 5,47 »


Ich finde, dass selbst wenn die Bank zum Schutze der Freundin handelte, es eine Frechheit ist, dass sie nicht vorher angemahnt wurde. Wenn die Bank von heut auf morgen ein Dispo Kredit kündigt, kann ich nicht glauben, dass sie dies zum Schutze der Freundin gemacht hat. Denn sie muss nun so gesehen, nur mit etwa 200 Euro in diesem Monat klar kommen, obwohl sie mit 400 Euro gerade so über die Runden kommt. Da wäre es doch sinnvoller, seitens der Bank, den Kredit in kleinen Schritten abzubauen. Was für ein Problem wäre es für die Bank gewesen, eine Ratenvereinbarung von etwa 20 – 30 Euro zu vereinbaren? Es geht hier nämlich wirklich um kleine Summen und einem Dispo, welcher jeden Monat für eine kurze Zeit gedeckt ist.

Würde mir so etwas passieren, würde ich die Bank sofort wechseln. Denn es geht nicht darum, dass eine Bank aus Kulanz einen Dipokredit einräumt, sondern darum, dass die Bankbetreuer nicht mit einem darüber vorher gesprochen haben, bevor sie den Dispo kündigten. Dies hat nichts mit Professionalität zu tun und stört die Vertrauensbasis, die wichtig ist.

» mimi » Beiträge: 263 » Talkpoints: 0,43 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Hat deine Freundin mal einen Blick in die AGB / den Vertrag geworfen ob die Bank den Dispo von jetzt auf gleich ohne Vorwarnung kündigen kann oder nicht - in der Regel darf sie das, außer sie stellt den Kunden besser als andere Banken wo das ebenfalls normal ist. Da ibt es nur wenige Ausnahmen bei denen nicht einfach so der Dispo gekündigt werden darf.

Ansonsten: Der Dispo ist einfach eine freiwillige Mehrleistung seitens der Bank und das Hauptargument ihn zu kündigen ist immer dann gegeben, wenn derjenige der ihn hat ständig in den roten Zahlen ist. Das hat auch nichts mit einem philanthrophen Schutz des Kunden zu tun (Wir reden hier von einem Unternehmen!), sondern damit, dass das Ausfallrisiko stetig ansteigt, dass derjenige der einen Dispo immer schön ausnutzt ihn irgendwann nicht mehr zurückzahlen kann.

Gerade wenn sie immer regelmäßig Zinsen zahlen darf und dadurch eine Tendenz nach unten erkennbar ist, wenn auch langsam, da sich ständig die schwarzen Zahlen am Monatsende verringern (könnten) ist das ein Indiz auf einen drohenden Ausfall.

Und wenn deine Freundin nur einen Minijob hat ist das Risiko alles andere als klein, da hier die Bank erst einmal nur einen Titel erwirken kann, den sie Jahre später mal vollstrecken lassen kann wenn deine Freundin über der Pfändungsfreigrenze liegt.

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» Subbotnik » Beiträge: 9374 » Talkpoints: 7,45 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Jede Bank kann auch genau die Zahlungsmoral ihrer Kunden feststellen. Diesen Gesichtspunkt sollte man dabei auch in Betracht ziehen und nicht einfach unterm Tisch fallen lassen. Wenn deine Freundin nur einmal als ein Beispiel Abbuchungen von Firmen wieder zurück gebucht hat, kann man hier eine nicht ganz korrekte Zahlungsmoral erkennen mal ganz vorsichtig ausgedrückt.

Die Bank ist dann in gewisser Weise alarmiert und wird dann die Kontobewegungen stärker beobachten. Lastschriften zurück geben macht in einer solchen Situation keinen guten Eindruck. Wenn wirklich eine Fehlbuchung seitens einer Firma passiert ist, sollte die Firma den Geldbetrag wieder überweisen und nicht anders. So sieht die Bank eine Klärung der Angelegenheit durch die betreffende Firma.

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» karlchen66 » Beiträge: 3570 » Talkpoints: 51,81 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Sinn und Zweck eines Dispositionskredits ist es, kurze Liquiditätsengpässe auszugleichen. Man sollte ihn also allenfalls in Anspruch nehmen, wenn man für ein paar Tage ins Minus rutscht. Wenn man den Dispositionskredit dauerhaft in Anspruch nimmt, ist er eigentlich nur eines - viel zu teuer!

Viele Banken stört es aber nicht, wenn der Dispositionskredit dauerhaft "missbraucht" wird. Schließlich verdient die Bank ordentlich an diesem "Missbrauch" und wenn es sich nur um einen relativ geringen Kreditrahmen handelt, ist auch das Risiko für die Bank ziemlich begrenzt. Vielen Banken wirft man ja auch (nicht ganz zu Unrecht) vor, sie würden ihre Kunden geradezu in die Schuldenfalle treiben und sich an überhöhten Zinsen durch eben Dispositionskredite oder bei bestimmten Kreditkartenformen daran auch noch bereichern.

Insofern muss man der Bank zugute halten, dass man ihr diesen Vorwurf nicht machen kann. Andererseits ist "nur" die Kündigung des Dispositionskredits auch etwas zu wenig. Bei einer wirklich guten Beratung, hätte die Bank mit zeitlichem Vorlauf, dass mit der Kundin besprochen und nach Alternativen gesucht. Bei einem solchen Kleinbetrag lohnt sich so eine Beratung für die Bank aber in keiner Weise.

Ich vermute mal, dass man bei der Bank neu geregelt hat, dass man nur ab einem bestimmten monatlichen Geldeingang, Kunden einen Dispositionskredit einräumt. Bei bestehenden Kunden, die dieses Kriterium nicht (mehr) erfüllen, hat man dann quasi "automatisch" den Dispositionskredit gekündigt. Vielleicht hat sich aber auch ein Bankmitarbeiter die Daten Deiner Freundin angeschaut und sich gedacht, dass es Deine Freundin gar nicht stört, wenn dieser "Bagatellkredit" von rund 100 Euro, der ja tatsächlich in Anspruch genommen wurde, gekündigt wird.

» ronald65 » Beiträge: 712 » Talkpoints: 3,45 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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