Warum machen so viele Menschen Schulden?

vom 04.09.2008, 03:53 Uhr

Ich kenne genug Leute, die Schulden auf der Bank und anderswo haben. Meiner Meinung nach fehlt oft das Startkapital. Ich arbeite fleißig neben dem Studium und verdiene gut, doch ich könnte mir es nie erlauben ein Haus zu kaufen. Da ich über wenig bis gar kein Eigenkapital verfüge, müsste ich eine riesengroße Summe von der Bank leihen, um mir den Traum von einem Eigenheim zu erfüllen.

Aber da muss ich sagen, lebe ich als Mieter doch ruhiger. Da ich das ganze verdiente Geld im Monat ausgeben muss, kann ich auch nichts beiseite legen. Das Sparen hätte keinen Sinn. Vielleicht erbe ich ja mal eine Wohnung, wer weiß.

» Lotusblüte » Beiträge: 63 » Talkpoints: 0,16 »



Schulden machen muss nicht immer nur negativ betrachtet werden, denn an Krediten und Darlehen wird ja auch verdient. Manchmal geht es auch ohne eine Finanzierung nicht, damit man ein bestimmtes Produkt erwerben kann. Wenn man beispielsweise ein Auto benötigt, ist man oft auf eine Finanzierung des Fahrzeugs angewiesen.

Das von dir angesprochene Startkapital spielt sicherlich auch eine gewisse Rolle, ist aber nicht immer der entscheidende Punkt. Eine gewisse Geldreserve sollte sich jeder lassen, damit man auch auf plötzlich unvorhergesehene Ausgaben reagieren kann. Wenn man seine Zahlungsverpflichtungen pünktlich einhält spricht einen Kredit nichts entgegen.

Problematischer wird es wenn man finanzielle Engpässe bekommt. Dann ist man nicht mehr in der Lage seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Hier besteht dann die eigentliche Gefahr.

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» karlchen66 » Beiträge: 3570 » Talkpoints: 51,81 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Es kommt ja sehr stark darauf an, für was man Schulden macht. Ein Eigenheim sehe ich durchaus als sinnvolle Sache an - als Eigenheimbesitzer hat man doch wesentlich mehr Freiheiten. Und man hat ja auch einen Wert, der als Sicherheit dient. Ähnlich ist es bei einem Auto; wobei der Wertverlust hier doch wesentlich höher ist. Als Student hat man wahrscheinlich aber auch erst einmal andere Prioritäten.

Was viel schlimmer ist, wenn man für seinen Konsum Kredite aufnimmt, also quasi über seinen Verhältnissen lebt. Ein Hauskauf oder ein Autokauf ist meistens eine einmalige Sache, der Konsum aber nicht. Es stehen dann auch keine Werte dahinter, die als Sicherheit dienen können. So ist die Gefahr, in eine Schuldenspirale zu rutschen viel größer. Aber das ist ja das Problem, dass sich viele Amerikaner jetzt stellen müssen. Die haben einfach mehrere Kreditkarten, die sie gnadenlos überziehen und die Schulden, die sich auftürmen, niemals bezahlen können.

» Weasel_ » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Ich persönlich finde, dass man viel zu leicht einen Kredit bekommt. Ich will damit nicht sagen, dass alle Kredite umsonst sind. Ich hatte auch mal einen Kredit, weil ich den Führerschein gemacht habe, dann hab ich mir noch meine erste Wohnung genommen und hatte dann 2 Monate drauf meine LAP. Wenn man sich einen Kredit nimmt oder aus irgendwelchen Gründen nehmen muss, dann sollte man nur die Höhe nehmen, die man wirklich braucht plus 200 Euro als Reserve für nicht eingeplante Kosten und die Raten so machen, dass man sich das leisten kann, ohne dass man sein Konto überzieht oder sich noch wo einen Kredit nehmen muss. Und das wichtigste ist natürlich, dass man darüber vorher nachdenkt.

Ich hatte meinen Kredit innerhalb von 2 Jahren abbezahlt, weil ich mein ganzen Ulaubsgeld und diverse Prämien immer für den Kredit benutzt habe, weil es mir lieber war, dass ich von dem Geld nichts habe, dafür aber meinen Kredit vorher abbezaht habe.

Meine Kollegin ist Eine, die mit Geld überhaupt nicht umgehen kann. Den ersten Kredit hat sie sich genommen, damit sie ihre Wohnung einrichten kann, obwohl sie nur noch ein Schlafzimmer gebraucht hat. Dann hat sie gesehen wie leicht es geht einen Kredit zu bekommen und hat dann ca. 1000 Euro mehr aufgenommen, weil sie etwas Minus am Konto hatte und sie wollte mal schön shoppen gehen. Ein Jahr drauf hat sie den Kredit dann erhöht, weil sie sich ein Auto gekauft hat und 3000 Euro hat sie mehr aufgenommen, weil sie ihr Konto so viel überzogen hatte. Insgesamt hatte sie dann einen Kredit von 10.000 Euro. Sie hat dann sehr hohe Raten bezahlt. Als sie dann "nur" noch 6000 Euro Kredit hatte, ist sie wieder zur Bank gegangen, weil sie sich für sich alleine eine 80 m² große Wohnung eingebildet hat, wo sie alles neu haben wollte. Sie hat den Kredit ohne Probleme bekommen, allerdings nicht bei ihrer Bank, sondern bei einer anderen mit einem Jahreszinssatz von 13 %! Dafür musste sie dann noch eine Zusatzversicherung abschließen, die ihr jetzt im Monat 45 Euro kostet.

Jetzt hat sie sich noch ein Auto auf Kredit gekauft. Dafür musste aber jemand bürgen. Ihr Vater hat ihr die Bürgschaft unterschrieben. Sie hat jetzt den Kredit bei ihrer Hausbank mehr oder weniger ab bezahlt und dafür bei der Bank mit dem hohen Jahreszinssatz diese Summe zusätzlich aufgenommen und dann noch 2000 Euro mehr, weil sie ihr Konto wieder mal ausgleichen musste.

Da kann mir dann keiner sagen, dass man einen Kredit schwer bekommt. Jetzt sieht es bei ihr so aus, dass sie samt dem Autokredit Schulden über knapp 27.000 Euro hat, das Konto mehrere tausend Euro überzogen ist und sie außer einem 5 Jahre alten Auto nicht wirklich was hat. Sie hat wieder eine kleine Wohnung, die gerade mal zweckmäßig eingerichtet ist, dafür weiß sie in der Wohnung schon nicht mehr, wo sie ihr Gewand und andere eingekaufte Sachen hintun soll.

Sie verdient gleich viel wie ich, bekommt die gleichen Sonderzahlungen, sagt dann auch immer, dass sie die nächste Sonderzahlung für den Kredit nimmt und wenn die dann am Konto ist, wird das Geld für irgendwelche Sachen wie zum Beispiel eine Leinwand mit Beamer für die Wohnung oder eine digitale Spiegelreflexkamera ausgegeben.

Ich finde auch, dass das viel mit Erziehung zu tun hat. Wenn man bei seinen Eltern schon sieht, dass die nur Schulden machen und wie leicht sie an das Geld kommen, denkt man gar nicht darüber Nacht. Wenn die Eltern aber auch sparsam sind bekommt man das als Kind schon mit.

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» Lillylein1987 » Beiträge: 564 » Talkpoints: 3,55 » Auszeichnung für 500 Beiträge



"Die Amerikaner" wurden aber auch über einige Jahre dazu angehalten, Kredite aufzunehmen, um sich ein Haus leisten zu können. Da stehen nun so viele Häuser leer, wie selten zuvor und viele sind ohne Obdach.

Man sollte nie einen Kredit so aufnehmen, dass man ihn nur grade so ab bezahlen kann, denn dann kommt jede ungeplante Ausgabe wie ein Hammerschlag. Einen Kredit muss man so einstellen, dass man auch nebenher noch etwas Geld auf die Seite legen kann.

Mittlerweile werden einem die Kredite auch furchtbar einfach gemacht, ich für meinen Teil bin der Zeit kreditwürdig, eben weil ich auch nie einen Kredit aufgenommen hatte und bekomme alle paar Wochen Werbebriefe, in denen mit ein ganz schneller, einfacher Kredit über 10.000 Euro angeboten wird - durchaus auch von seriösen und großen Instituten - die werden mir schmackhaft gemacht, mit sinnlosem Konsum, ein neues Auto, ein Boot, Riesenfernseher und so weiter.

Ich muss auch einem meiner Vorposter widersprechen, es ist nicht unbedingt nötig für ein Auto einen Kredit aufzunehmen, erstmal gibt es durchaus Auto für wenig Geld und ein Auto kann man auch finanzieren, was zwar einem Kredit ähnlich kommt, aber wo eben das Auto als Sicherheit hinter steht. Aber auch hier muss man drauf achten an einen seriösen Finanzierer zu geraten.

So einen Finanz- oder auch Ratenkauf sollte man aber auch nur dann machen, wenn es unbedingt nötig ist, es gibt viel zu viele "Kaufe jetzt, bezahle später" Lockangebote, bei denen man ganz einfach in Probleme fallen kann. Zu unbedingt nötig gehört übrigens auch, dass man nicht beispielsweise mehr Extras ins Auto baut, als man sich momentan leisten kann.

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» crissi » Beiträge: 1147 » Talkpoints: -7,97 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Kredite aufzunehmen ist an sich nichts ungewöhnliches. Viele Menschen nehmen ja welche auf, um beispielsweise ein Auto oder ein Haus zu kaufen, also Dinge, die man nicht in zwei Monaten zusammengespart hat. Da finde ich das auch nicht schlimm. Bedenklich finde ich es eher, wenn man schon einen Kredit aufnimmt, um ein Möbelstück zu kaufen, einen Fernseher oder aber ein Smartphone. Das finde ich nicht mehr normal.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: -0,26 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Ich unterscheide hier auch zwischen mehr oder weniger unvermeidlichen Schulden und frivolem Umgang mit Geldmitteln. Es gibt beispielsweise durchaus gute Gründe für Immobilienbesitz, z.B. als Altersvorsorge.

Manche (ich zum Beispiel) sagen sich auch, dass es mehr Sinn macht, einen bestimmten monatlichen Betrag als Kredit abzuzuzahlen als einem Vermieter in den Rachen zu werfen. Im ersteren Fall hat man nach soundsoviel Jahren Wohneigentum, im zweiten ist das Geld weg, als hätte man's gleich verbrannt.

Und ein Auto beispielsweise ist gerade auf dem Land nach wie vor eine Notwendigkeit, und nicht jeder kann Mami und Papi anbetteln oder verdient so viel, dass er sofort einen neuen fahrbaren Untersatz heranschaffen kann, wenn der alte den Geist aufgibt.

Manche Lebenspläne sind also mit einem durchschnittlichen Gehalt einfach nicht anders sinnvoll umsetzbar als durch Kredite. Aber nicht jeder differenziert eben zwischen "Lebensplänen" und Impulskäufen, und da andere davon profitieren, wird Abstottern und Ratenkauf auch nicht allzu schwer gemacht und generell als normal und verbreitet dargestellt.

» Gerbera » Beiträge: 9007 » Talkpoints: 3,70 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich denke, dass man das nicht alles über einen Kamm scheren kann und durchaus differenzieren muss, was sich da auf Pump angeschafft wird. Generell bin ich ein Mensch, der spart und Rücklagen bildet und dennoch finde ich gewisse Sachen vollkommen okay, wenn man sie finanziert. Wenn man beispielsweise ein Haus oder eine Wohnung finanziert, dann hat man da ja noch einen Gegenwert und langfristig auch in seine Zukunft investiert. Ebenso finde ich es okay, wenn man ein Auto finanziert, welches man vielleicht braucht um zur Arbeit zu kommen. Das sind alles Investitionen, die sich lohnen und von denen man etwas hat.

Wenn man nun aber jeden Monat den Dispo ausreizt, weil man keine Ahnung von Sparen hat, dann hat das nichts mit vernünftig zu tun und so etwas kann ich auch nicht nachvollziehen, ebenso wie Menschen, die immer das neuste Smartphone haben müssen und dies auch nicht so kaufen, sondern mit einem Vertrag finanzieren. So etwas ist so unsinnig und die Spirale bewegt sich dann auch nach unten und man wird immer mehr Schulden anhäufen.

Generell finde ich auch, dass man viel zu schnell Kredite bekommt und Schulden machen kann. So bekommt man zum Beispiel überall 0% Finanzierung angeboten und macht damit dann Schulden. So etwas sollte man sich einfach zusammensparen und gut ist. Man sollte den Wert von Geld lernen und zu schätzen wissen.

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» Ramones » Beiträge: 42074 » Talkpoints: 19,04 » Auszeichnung für 42000 Beiträge


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