In Thüringen wurden Ärzte verpflichtet, Patienten anzunehmen
Es heißt ja schon seit Jahren, dass in einigen Gebieten Deutschlands ein Ärztemangel herrscht. In Thüringen sind nun die Ärzte von der Kassenärztlichen Vereinigung dazu aufgefordert worden, zusätzlich Patienten zu übernehmen. Bestimmte Fachärzte sind in einigen Gebieten Mangelware. Diese Ärzte werden nun verpflichtet, Patienten aufzunehmen, die anderweitig keine Möglichkeit haben, behandelt zu werden. Den altbekannten Spruch: „Wir nehmen keine neuen Patienten mehr an“, dürfen diese Ärzte nun vergessen.
In Gera haben es Patienten nicht geschafft, einen Augenarzt zu finden und einen Hausarzt. Im Kreis Gotha sucht ein Pflegeheim vergebens einen Hausarzt. Die Kassenärztliche Vereinigung hat sich die Auslastung der Praxen in den betroffenen Gebieten angesehen und entschieden, wer Patienten annehmen muss. Habt ihr schon einmal einen Arzt gesucht und keiner wollte euch behandeln wegen Überlastung? Wie konntet ihr das Problem lösen?
Ich finde auch bei mehreren Ärzten keinen, weil wenige, die ich brauche, Kassenleistungen haben. Nun ist Gera kleiner als Wien und war noch bis 1989 DDR. Vielleicht gab es damals eine andere Einteilung und das hat sich nicht eingependelt? Natürlich ist das sehr bedauerlich, wenn man nicht genommen wird. Wegen Überlastung abgelehnt wurde ich nie, aber es wäre mir lieber gewesen, als teils 6! Stunden auf eine Behandlung im Warteraum zu warten. Ich denke, man muss fast schon überall privat gehen. ![]()
Ich finde es gut, dass die Ärzte dazu gezwungen werden, denn was sollen denn die Patienten, die niemanden finden, sonst machen? Ärzte haben eine wichtige soziale Aufgabe und sind nicht einfach nur irgendein Unternehmen, auf das eine Gesellschaft auch verzichten kann. Daher müssen für sie andere Regeln gelten und sie sollten sich nicht einfach herausnehmen können und weitere Patienten ablehnen dürfen.
Ich hatte auch schon das Problem, dass ich einen Arzt gesucht habe, aber mehrere gesagt hatten, dass sie niemanden mehr annehmen. Daher mache ich es so, dass ich bei Allgemeinärzten einfach in der Praxis auftauche und mich nicht vorher anmelde. Wegschicken tun die einen nicht. Und ansonsten in ich oft einfach ins Krankenhaus gegangen.
Als ich etwa den Eindruck hatte, mir würde etwas im Hals stecken und ich dieses unangenehme Gefühl über Tage hinweg nicht los wurde, bin ich damit in die Notaufnahme und kam dann zur Untersuchung auf die HNO-Station. Normalerweise kann man damit auch zu einem HNO-Arzt, aber wie soll ich denn zum Arzt gehen, wenn ich den ganzen Tag arbeiten muss und da nicht einfach weg kann und in der Ferne vermutlich auch keinen Termin bekommen würde?
Wenn ich ein orthopädisches Problem habe, gehe ich zu einem Bekannten, der Orthopäde ist und in einer Klinik arbeitet. Ich weiß, wann er Pause hat und gehe da einfach so hin, das hat bisher auch ganz gut geklappt. Zudem kenne ich noch eine Krankenschwester und eine Logopädin, die im Zweifelsfall auch einiges für mich tun können. Somit vermeide ich es, Facharztpraxen aufzusuchen.
Gibt es bei Euch keine Ambulatorien? Ich weiß nicht, wie es in Österreich ist, aber wir werden drangenommen, aber dafür kann ich beim Augenarzt 2 bis 3 Monate auf einen Termin warten. Wenn ich ein Notfall bin, komme ich gleich dran, sprich mit ein paar Stunden Wartezeit. Für einen Folgetermin muss ich auch lange Warten, sodass ich manchmal ins Krankenhaus ausweiche. ![]()
Ich hatte das Problem noch nicht, aber ich habe es von Bekannten oder auch von Kunden schon gehört, dass es denen so ergangen ist, dass sie selbst in den Städten große Probleme hatten, einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Es ist wohl allgemein nicht einfach, schnell einen Termin zu bekommen, selbst wenn man ein dringendes Problem hat. Das ist natürlich schlimm, wenn man dringend Hilfe braucht und diese nicht bekommt, weil sich der Arzt keine Zeit für einen nehmen kann. Dafür ist es dann nicht verkehrt, wenn den Ärzten auch mal aufgezeigt wird, dass sie dafür da sind, den Menschen zu helfen.
Es ist auch gut, dass die Kassenärztliche Vereinigung sich die Auslastung der Praxen angesehen hat und danach eben entschieden hat, wer noch mehr Patienten annehmen muss. Sonst hätte ich auch die Befürchtung, dass vielleicht eine Praxis wirklich mal mehr Patienten hat, als sie bewerkstelligen kann. Immerhin ist es ja auch noch wichtig, dass man den Patienten korrekt behandelt und es kommt nicht nur auf die Schnelligkeit des Arztes an.
Das Problem wird sich dadurch aber nicht auf Dauer lösen lassen. Denn ein junger Arzt, der eine Praxis aufmachen will, wird eventuell Thüringen nun meiden, damit man ihm nicht einfach Patienten aufdrücken kann. Da finde ich die Regelung in Sachsen besser um gerade den ländlichen Bereich abzudecken. Hier kann man mit Unterstützung vom Land ohne Wartezeit sein Medizinstudium in Ungarn absolvieren. Im Gegenzug muss man danach für fünf Jahre eine Landarztpraxis übernehmen.
Und wie viele Ärzte werden dann noch mal woanders hingehen, wenn sie sich wohlfühlen und mit den Leuten gut zurecht kommen? Viele werden bleiben und damit kann man langfristig dem Ärztemangel begegnen. Zumindest wird es auf lange Sicht mehr bringen, als die Ärzte zu zwingen, dass sie Patienten aufnehmen, für die eigentlich gar keine Kapazitäten mehr haben.
@Punktedieb, ich glaube nicht, dass sie keine Kapazitäten mehr haben. Wenn es aber wirklich so sein sollte, dann müssen sie mal eine Stunde länger arbeiten. Das müssen andere Arbeitnehmer auch, die es unter Umständen nicht bezahlt bekommen, während Ärzte es abrechnen können. Ich meine vor Jahren mal gelesen zu haben, dass die Ärzte, die sich auf dem Land niederlassen, einen hohen Zuschuss bekommen sollten und ich glaube eine Praxis oder ein Haus. Ich weiß es nicht mehr genau.
@Zitronengras, ich finde es ja gut, wenn du zu deinem bekannten Orthopäden kommen kannst. Aber dass du ihm seine wohlverdiente Mittagspause stiehlst, ist weniger gut. Mir fiel da dein Thread ein, wo du nicht einverstanden warst, dass Besprechungen in deiner Mittagspause stattfinden, die du als Erholung brauchtest. Hoffentlich denkt dein Arzt nicht genauso.
@Cid: Ich stamme selbst aus Thüringen und weiß wie es dort in den manchen Praxen zugeht. Bei manchen Hausärzten kannst du morgens um 8 Uhr einen Termin haben und kommst erst Mittag dran. Also erzähle mir dann nicht, dass diese Praxen noch Kapazitäten haben. Oder Fachärzte, wo es zugeht, als wenn sie Fließbandarbeit machen, weil es einfach zu viele Patienten gibt aber eben zu wenige Praxen.
Nur sehe ich auch hier in Sachsen zumindest in den Städten eine hohe Dichte an Arztpraxen. Egal, ob nun Allgemeinmediziner oder Facharzt. Wir haben hier zum Beispiel sehr viele Ärztehäuser, so dass Patienten mit einer Überweisung zum Facharzt im selben Haus bleiben können. Das ist natürlich ein sehr sinnvoller Service am Patienten, vor allem, wenn die meisten dieser Gebäude auch noch in der Nähe vom öffentlichen Nahverkehr sind.
Aber wenn dann Städte, wie Gera, die faktisch als insolvent angesehen werden können, erst um Hilfe rufen, wenn es eigentlich zu spät ist, dann müssen nun andere Menschen darunter leiden. Und das sind in meinen Augen auch Ärzte. Immerhin sind sie wie Unternehmer zu betrachten und es käme wohl niemand auf die Idee in anderen Branchen den Unternehmern vorzuschreiben mit wem sie Geschäfte machen müssen.
@Punktedieb, ich glaube nicht, dass die Kassenärztliche Vereinigung sich die Praxen ausgesucht hat, die so überbelastet sind, wie du schreibst. Denn wenn ich einen Termin habe und komme erst vier bis fünf Stunden später dran, dann ist etwas faul. Es ist mir einmal so wie dir beim Augenarzt hier passiert, bei dem ich neu war, dass ich von morgens früh bis mittags warten musste. Aber ansonsten werden die Termine mit etwas Wartezeit eingehalten, auch bei den Fachärzten. Davon haben wir eigentlich reichlich hier in NRW.
Junge Ärzte haben Thüringen bisher gemieden, warum weiß ich nicht, so werden sie es auch in Zukunft tun, davon hält sie die neue Anordnung bestimmt nicht ab. Dass man den Medizinstudenten nun die Möglichkeit gibt, in Ungarn zu studieren, wenn sie ansonsten lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssten, finde ich eine gute Entscheidung. Das ist jedoch nur langfristig zu sehen. Davon haben die Patienten aber im Moment nichts, deshalb musste schon eine Entscheidung getroffen werden. Denn die Patienten können nicht erst Urlaub nehmen und in ein anderes Bundesland fahren, nur um zu einem Arzt zu gehen. Was hättest denn du stattdessen kurzfristig vorgeschlagen?
Kurzfristig könnte man die Sache lösen, dass man junge Ärzte mit entsprechenden Angeboten lockt. Sei es die Vermittlung von Praxen, wo ältere Ärzte in den Ruhestand gehen wollen oder finanzielle Unterstützung, wenn sie eine Praxis neu eröffnen wollen. Denn welcher junge Arzt kann es sich denn leisten eine Praxis komplett neu einzurichten? Daran liegt doch der Ärztemangel eigentlich begründet.
Ich kenne selbst einen Fall aus Hessen, wo ein junger Arzt eine Praxis aufmachen wollte. Aus Kostengründen hat er seine Pläne nicht umsetzen können. Ein älterer Arzt dagegen hat dringend einen Nachfolger gesucht. Würde man das über die kassenärztliche Vereinigung unterstützen, wäre vielen jungen Ärzten eine Hürde genommen. In anderen Branchen klappt das doch auch, dass man die Leute zusammenbringt, um Geschäftsübernahmen zu realisieren.
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