In Thüringen wurden Ärzte verpflichtet, Patienten anzunehmen
Das wäre natürlich eine Lösung. Fragt sich, ob in Thüringen genügend ältere Praxen geschlossen werden oder wurden, die ein jüngerer Arzt dann mit finanzieller Hilfe übernehmen könnte. Eine ganz neue Praxis wird eine Menge mehr kosten. Aber davon abgesehen frage ich mich, warum will keiner nach Thüringen? Woran kann das liegen? Es gibt dort doch auch größere Städte, daran kann es nicht liegen. Ich muss sagen, dass ich weder Thüringen noch Sachsen kenne.
Wie gesagt stamme ich von Thüringen und wenn man nicht nur als Arzt davon ausgeht, wo man sich gut etablieren kann, sondern auch andere Gesichtspunkte in seine Entscheidung einfließen lässt, so würde ich auch nicht nach Thüringen gehen. Denn wenn man Kinder hat oder welche will, ist da Thüringen schon keine gute Wahl, was die Schulbildung angeht. Da ist eben zum Beispiel Sachsen wesentlich besser.
Aber ich kenne halt die Entwicklung in Thüringen, was den Ärztemangel angeht. Allein ein Nachbarort meines Heimatortes, ist da ein gutes Beispiel. Dort gab es auch mal drei oder vier Allgemeinmediziner, mittlerweile sind es nur noch zwei Ärzte für 3.500 Einwohner. Sicher gehört der Ort seit ein paar Jahren zur Landeshauptstadt und die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht schlecht. Aber es wurden halt Praxen geschlossen, weil man keinen Nachfolger gefunden hat. Und zumindest bei einer dieser Praxen weiß ich, dass man dort einen recht hohen Patientenstamm übernommen hätte.
Und wenn ich Gera sehe, eine Stadt die pleite ist, würde ich da als Arzt auch nicht unbedingt eine Praxis eröffnen. Denn so wie es aktuell aussieht, weiß man ja nicht, ob die Stadt überhaupt daran interessiert ist aus der Finanzkrise zu kommen, da dieses Thema dort seit Jahren brisant ist. Mit dem Risiko als Arzt einen großen Schuldenberg zu haben, aber kaum Patienten, weil sie abwandern, ist dann doch schon eine große Entscheidungshilfe.
Was du schreibst, dürfte doch auch an der Landesregierung liegen, hier Änderungen zu schaffen. Ich habe mal Google bemüht, wer dort Ministerpräsident ist. Es ist seit fünf Jahren Christine Lieberknecht. Diese CDU-Politikerin hat evangelische Theologie studiert und war Pastorin. Sicherlich hat sie viele gute Eigenschaften. Aber ist sie auch dafür geeignet, ein marodes Land(?) zu regieren und dafür zu sorgen, dass hier mal ein Umdenken stattfindet und das Land attraktiver gestaltet wird? Nichts gegen Theologie, aber das dürfte keine Grundlage für die Politik einer Ministerpräsidentin sein, wo andere Werte gefragt sind. Oder sehe ich das falsch?
Ich sage mal, dass Frau Lieberknecht eine Notlösung war, nachdem Althaus den Skiunfall mit einem Todesopfer hatte. Er war nicht mehr als Ministerpräsident tragbar, hatte aber während seiner Regierungszeit die Schulden des Landes in die Höhe getrieben. Was Vogel vorher auf einen guten Weg gebracht hat, hat eben Althaus nicht so weiter verfolgt. Aber allein ein Ministerpräsident ist nicht schuld an der Misere. Ob das nun der Ärztemangel ist oder die Schulbildung, da haben viele Leute Mist gebaut beziehungsweise einige Zeit wirklich tief geschlafen.
Und dem Ärztemangel hätte man schon viel eher begegnen müssen. Wobei da eben auch nicht nur das Land gefragt ist, sondern auch andere Institutionen, die hätten eher handeln müssen. Denn es muss ja schon vor Jahren aufgefallen sein, dass immer mehr Praxen schließen und nur wenige von jungen Ärzten übernommen werden.
Ich finde Thüringen ein sehr schönes Bundesland und habe auch bisher nicht den Eindruck gehabt, dass da alles den Bach herunter geht oder dass es da dringend ein Umdenken geben müsste. Ich kann mir genauso wenig vorstellen, dass junge Ärzte, wenn sie sich niederlassen möchten, nur irgendwelche Standortfaktoren vergleichen.
Die meisten Menschen wollen doch halbwegs in der Nähe der Orte arbeiten, an denen sie aufgewachsen sind und so wird auch ein Arzt aus Thüringen nicht unbedingt nach Bayern oder woanders hin gehen wollen. Er wird höchstens schauen, dass er eine Praxis in der Stadt hat, aber das ist in allen Bundesländern so.
Die meisten Ärzte haben in der Stadt weniger ältere und chronisch kranke Patienten, das ist kein thüringisches Problem. Dass Ärzte auf dem Land mangeln, ist überall so und das ist jetzt kein Grund dafür, Thüringen als ein Bundesland zu sehen, in dem besonders schlimme Zustände herrschen würden.
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