Warum so viele Tote durch Behandlungsfehler in Kliniken?
@Cid
Deine Leidensgeschichte hört sich aber auch nicht gerade harmlos an! Wann und wo man sich mit solchen Keimen infiziert hat, ist wahrscheinlich im Nachhinein kaum noch nachvollziehbar. Menschlich gesehen kann ich ja sogar verstehen, dass sich in solchen Fällen die behandelnden Ärzte am liebsten nur noch verstecken wollen, weil sie eben Angst vor den Vorwürfen der Patienten und ihrem eigenen schlechten Gewissen haben. Ein Arzt, der das alles zu nah an sich ran lässt, wird wahrscheinlich irgendwann nicht mehr praktizieren können.
Selbst bei anderen Menschen stößt du mit solchen Schilderungen ja oft auf Abwehr. Die Tatsache, dass Ärzte nicht nur heilen, sondern auch tödliche Fehler oder Unachtsamkeiten begehen können, macht den meisten Menschen so viel Angst, dass sie das sofort verdrängen wollen, um sich zu schützen. Blöd ist nur, dass die Betroffenen dadurch im Regen stehen gelassen werden und sich irgendwann nur noch wie nervige Stimmungskiller oder Verrückte vorkommen müssen. Solche Erlebnisse kennen ja auch Behinderte, Opfer von Vergewaltigung und Missbrauch, Folteropfer oder Soldaten, die traumatisiert aus dem Krieg zurückkehren, Die meisten Leute wenden sich eher von Menschen ab, die solche existentiell bedrohlichen und den Rahmen der Vorstellungskraft sprengenden Erfahrungen gemacht haben. Opfer von Traumata werden oft allein gelassen oder man zweifelt ihre Schilderungen an, um sich nicht weiter mit der Thematik auseinandersetzen zu müssen. So sehe ich das übrigens auch bei vielen Leugnern des Holocaust.
Was du durchgemacht hast, betrachte ich, abgesehen von den gesundheitlichen Folgen, auch als eine schwere traumatische Erfahrung. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins, wenn man selbst schwach und verletzlich ist, verändert schon nachhaltig was in einem Menschen. Meine Mutter will ich übrigens auch schon ewig davon überzeugen, sich (wegen einer anderen Geschichte) operieren zu lassen. Ich bin mir sicher, dass sich dadurch ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern würde. Aber sie sträubt sich hartnäckig dagegen. Durch deinen Beitrag ist mir jetzt wieder die Geschichte mit ihrem Knöchel eingefallen. Genau wie du, tut sie jetzt wohl alles, um Operationen und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Ich werde sie da nicht mehr drängen, denn jetzt ist mir noch mal bewusst geworden, dass sie für ihre Ablehnung ja triftige Gründe hat.
Mein Vater geht übrigens so gut wie überhaupt nicht zum Arzt, obwohl er schon zwei Schlaganfälle hatte. Zwar nimmt er einige lebensnotwendige Medikamente ein, aber ansonsten sind für ihn Ärzte und Krankenhäuser ein rotes Tuch. Seine Philosophie war schon immer, dass man das Krankenhaus mit mehr Krankheiten verlässt, als mit denen man rein gekommen ist. Manchmal ärgere ich mich darüber und will ihn umstimmen. Aber so ganz Unrecht scheint er ja mit seiner Ansicht gar nicht zu haben. Er meint, wenn es ihn trifft, dann träfe es ihn eben. Aber er wolle sich nicht vorher ewig der Ärzteschaft ausliefern. (Er hatte da als Kind auch mal sehr traumatische Erfahrungen und will wohl niemals wieder diese Ohnmacht erleben.)
@ANNA67, ich bin trotz allem ein zufriedener Mensch. Nur manchmal bekomme ich die Wut und dann sage ich auch meine Meinung. Das ist mir zuletzt im August vergangenen Jahres passiert. Bei der Unfall-OP 2007 an der Ferse haben die Ärzte mich auf dem Bauch liegend operiert. Dabei muss ich einen Nabelbruch erlitten haben. Im vergangenen Jahr sollte ich in einem anderen Krankenhaus daran operiert werden.
Ich bin also montags ins Krankenhaus und habe mittwochs immer noch im Bett gelegen und keiner hat sich um mich gekümmert. Als dann die Visite kam, alle zusammen mit Chefarzt, sahen und kümmerten sie sich um meine Nachbarin. Dann guckten sie zu mir rüber, sagten nichts, drehten sich um und wollten gehen. Da setzte in mir etwas aus und ich bin geplatzt. Schwupps machten sie die Tür wieder von innen zu und hörten sich an, was ich zu sagen hatte. Meine Meinung habe ich ganz ruhig, aber bestimmt gesagt. Der Chefarzt sagte mir dann, dass er sich darum kümmert. Die Schwester kam rein und fragte nur, was ich mit den Ärzten gemacht hätte, sie wären total aufgeregt gewesen.
Noch am gleichen Tag holte man mich zum Ultraschall. Der Arzt, der das machte, sagte mir, dass er einen Rüffel bekommen hätte und nun eine andere auswärtige Patientin wieder nach Hause schicken musste meinetwegen. Am gleichen Abend kam noch der Oberarzt, entschuldigte sich und sagte mir, dass der OP-Saal gestrichen würde. Er wollte versuchen die OP in einem anderen durchzuführen. Das klappte. Im November bekam ich komische Schmerzen, die auch jetzt ab und zu wieder kommen. Meine Hausärztin versuchte Ultraschall zu machen, was nicht ging. Mit einer Überweisung sollte ich ins Röntgeninstitut gehen, weil der Apparat stärker sei. Ich rief dort an, dann sagte man, leider ginge das nicht, nur in Verbindung mit einer anderen Röntgenuntersuchung. Dann sagte mir meine Ärztin: „Warten sie, bis sie mal wieder ins Krankenhaus müssen.“ Ist das nicht schön? Das war letzten Monat.
@Cid: Das ist sehr schlimm, was dir passiert ist und da hofft man natürlich immer wieder, dass die Ärzte, die dich behandelt haben, eher zu den Ausnahmen gehören und nicht zur Regelung. Du hast auch in einem deiner Beiträge erwähnt, dass weder der Arzt noch die Schwester die vorgeschriebenen Plastikhandschuhe getragen haben. Das ist natürlich schon schlimm, allerdings muss ich hier hinzufügen, dass Plastikhandschuhe keinesfalls sicher sind und vor einer Übertragung von Keimen schützen! Handschuhe neigen nämlich dazu, schnell Mikrorisse zu bekommen, durch die die Keime gefahrenlos eintreten und auf die Haut gelangen können.
Auf diese Weise kann man sie auch mit Handschuhe übertragen, egal ob man will oder nicht! Der einzige wirklich wirksame Schutz ist es, direkt vor dem Handschuhe anziehen die Hände gründlich zu desinfizieren und nach dem Ausziehen auch nochmal. So minimiert man zumindest weitestgehend das Übertragungsrisiko. Ich arbeite in meinem Job sehr eng mit einem Hygieniker einer Klinik zusammen, daher weiß ich das.
@Olly173, vielleicht habe ich mich mit Plastikhandschuhen falsch ausgedrückt. Das ist glaube ich eher Latex, oder? Aber auch das kann natürlich kaputt gehen. Wenn die Hände vor dem Anziehen der Handschuhe desinfiziert werden und wenn sie angezogen wurden, dann noch einmal, dann wird das wohl nun schon sicherer sein, als keine Handschuhe zu tragen. Diese Hygiene-Vorrichtungen sind nun schon in den Eingangshallen der Krankenhäuser und vor den Krankenzimmern. Das finde ich schon wesentlich besser.
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