Keine Impfpflicht für Ärzte dank Datenschutz?

vom 25.06.2013, 18:08 Uhr

Gerade habe ich einen Artikel über ein Baby gelesen, das im Krankenhaus vom Arzt mit Masern angesteckt wurde. Das Baby hatte vor kurzem eine Herzoperation gehabt. Die Eltern baten daher darum, Infektionen rigoros zu vermeiden als sie ihre Tochter in die Notaufnahme brachten. Sie wurde allerdings von einem Arzt behandelt, der stark erkältet war. Tatsächlich hatte er die Masern, die ja bei Erwachsenen oft nicht bemerkt werden. Zwei Wochen später hatte das Baby die Masern. Bisher ist sie wieder gesund, aber Masern können Jahre später Spätfolgen hervorrufen.

Das Problem hierbei ist, dass der Impfstatus des Krankenhauspersonals unter den Datenschutz fällt. Sie müssen es also dem Betriebsrat nicht mitteilen, ob sie geimpft sind und es besteht auch keine Pflicht dazu, sich impfen zu lassen. Aber mit einer flächendeckenden Impfung des Krankenhauspersonals würden solche Fälle vermieden werden. In der damaligen DDR gab es eine solche Pflicht und die Zahlen waren deutlich geringer.

Ein Argument gegen die Pflicht, ist die Tatsache, dass Ärzte und Co natürlich zuhause bleiben sollen, wenn sie krank sind und auch vom Betriebsarzt durchgecheckt werden, wenn sie ihren Dienst nach einer Krankheit wieder antreten. Aber Fakt ist doch, dass Ärzte und Krankenpersonal gar nicht so oft zuhause bleiben können, wie sie krank sind. Und schon gar nicht bei jedem kleinen Schnupfen.

Datenschutz in allen Ehren, aber ich finde schon, dass die Patienten der Gesundheitsstatus ihres Arztes etwas angeht. Immerhin geht davon ja eine Gefahr aus. Nun muss nicht ein Arzt jedem Patienten erst mal erzählen, wie es ihm geht. Aber der Betriebsarzt sollte meiner Meinung nach schon in der Lage sein, die Gefahr mit einzuschätzen.

Wie seht ihr das? Kommt der Datenschutz vor dem Patientenschutz oder andersherum?

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Da bin ich auch deiner Meinung. Ich denke auch, dass der Patientenschutz definitiv wichtiger ist, wie der Datenschutz. Schön und gut, dass die Ärzte selber einschätzen können, wann sie ansteckend sind und, wann sie sich von einem Patienten fernhalten müssen. Aber heutzutage ist es doch meist so, dass man des Öfteren mal erkrankt und die Ärzte nun mal dann nicht zu Hause bleiben können und sich auskurieren ­können, so wie wir es beispielsweise können. Immer hin werden die Ärzte dringend gebraucht, weil es auch einfach zu wenige Ärzte gibt, sodass die Ärzte immer ziemlich im Stress und desgleichen sind. Und deshalb können die Ärzte auch nicht einfach mal so einen Tag zu Hause bleiben.

Ich finde es auch nicht schön, dass der Impfstatus des Krankenhauspersonals unter den Datenschutz fällt. Immer hin gehen wir ins Krankenhaus, um gesund zu werden, und wollen nicht unbedingt von dem Krankenhauspersonal angesteckt werden. Doch leider lässt sich dies nicht immer vermeiden und ich finde auch, dass die Ärzte schon acht darauf geben sollten und sich regelmäßig impfen lassen sollten, um die Patienten im Krankenhaus und desgleichen zu schützen. Ich finde, dass man dem Krankenhauspersonal so viel Intelligenz schon zu muten sollte, wenn man als Patient schon nicht mitbekommt, ob der behandelnde Arzt geimpft ist und frei von ansteckenden Krankheiten ist und, wenn das Gesetz es nicht veranlasst, dass sich das Krankenhauspersonal impfen lassen muss.

» kai0409 » Beiträge: 3345 » Talkpoints: 72,64 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Es gibt durchaus Impfungen, die man haben muss, wenn man im Gesundheitswesen arbeitet. Es ist also nicht so, dass die Ärzte oder auch Pflegepersonal, einfach mal so aus Datenschutzgründen, auf Patienten losgelassen werden.

Ich selbst bin für das Impfen. Wenn jemand seine Kinder oder sich selbst nicht impfen lassen möchte, akzeptiere ich das, so lange man mir keine andere Meinung als Allheilmittel verkaufen möchte. Ich finde es weiter gut, dass man die freie Wahl hat, ob man sich impfen lässt oder ob man sein Kind impft. So vehement ich für eine Impfung eintreten würde und da auch Argumente für habe - wir haben hier eine Userin, deren Kind krank ist, durch die Impfung. So was regt auch mich zum Nachdenken an.

Und seien wir mal ehrlich. Wenn nun bekannt gewesen wäre, dass der Mitarbeiter nicht gegen Masern geimpft ist, hätte das was geändert? Wahrscheinlich hätte trotzdem keiner Masernerkrankung bei einer Erkältung vermutet. Wie sinnvoll und nötig nun eine Masernimpfung sein könnte, steht auf einem anderen Blatt. Aber genauso hätte der Arzt auch eine ansteckende Magen-Darm-Erkrankung ohne Symptome haben können, die er unwissentlich weiter verbreitet.

Ganz generell sollte da eher an anderen Punkten angesetzt werden. Warum behandelt ein erkälteter Arzt ein anfälliges Kind? Wie wurde da mit Hygiene umgegangen?

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Das kann nicht sein, dass der Datenschutz wichtiger ist als der Patientenschutz. Wenn ein Patient ins Krankenhaus muss, weil er krank ist, muss er darauf hoffen können, dass er von einem gesunden Mediziner behandelt und nicht einem Arzt, der selbst krank ist, in diesem Fall erkältet war. Dass er Masern hatte, konnte niemand wissen.

Es war bekannt, dass eine Infektionsgefahr für das Baby aufgrund der vorangegangenen Herzoperation sehr gefährlich werden konnte. Wenn es der einzige Arzt war, hätte er das Baby durch einen Mund- und Nasenschutz schützen müssen. Hätte er den getragen, wäre auch die Ansteckung mit Masern wahrscheinlich nicht erfolgt. So ist es für mich eine Körperverletzung, die hätte vermieden werden können. Unfassbar, wie sorglos hier mit der Ansteckung von Babys umgegangen wurde.

Ich habe auch nicht gewusst, dass bei Ärzten keine Impfpflicht besteht. Impfungen sind in erster Linie zu ihrem eigenen Schutz notwendig und auch zum Schutz der Patienten.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Wer sagt eigentlich dass der Arzt nicht geimpft war? Immerhin kann man auch die Masern bekommen, wenn man geimpft wurde oder Antikörper über die Muttermilch bekommen hat. Allerdings treten dann keine Symptome auf, obwohl man andere damit anstecken kann. Außerdem war ja selbst dem Arzt zum Zeitpunkt der Übertragung bekannt, dass er an Masern erkrankt ist.

Allerdings ist es aus meiner Sicht richtig, dass es einen gewissen Datenschutz gibt. Wenn jeder Patient in die Personalakte eines Arztes oder einer Krankenschwester schauen könnte, wer sollte dann noch behandeln? Und wenn man die Personalsituation in Krankenhäusern teilweise sieht, muss man sich nicht wundern, wenn die Leute krank auf die Patienten losgelassen werden.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


@Punktedieb, es kann keinesfalls richtig sein, wenn aufgrund der Personalsituation in den Krankenhäusern kranke Ärzte auf Patienten losgelassen werden. Wenn die Ärzte krank sind und die Patienten behandeln und dann noch ohne Mund- und Nasenschutz und ohne Handschuhe, können die Patienten ebenso krank werden. Je nachdem, was diese Menschen haben, kann das schlimm für sie sein. Und wenn du schreibst, dass der Arzt wusste, dass er die Masern hatte, ist es umso verwerflicher, in dem Zustand dieses kranke Baby zu behandeln. Hier hat es ja fast den Anschein, als ob man sich dachte, dass es egal ist, ob sich das Baby ansteckt oder nicht, weil vielleicht kein anderer Arzt erreichbar war. Das nenne ich verantwortungslos.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


@Cid: Das war leider ein Schreibfehler. So wie ich den Eröffnungspost verstanden habe, war es dem Arzt nicht bekannt. Und wie gesagt, man kann für verschiedene Krankheiten auch Träger und Verteiler sein ohne dass man es weiß, weil die Krankheit selbst nicht bei der Person ausbricht. Ob ein Mundschutz und dergleichen verwendet wurde, geht aus dem Eingangsposting nicht hervor.

Ich selbst wurde bei der Geburt meiner Kinder und danach von einer Ärztin mit leichter Erkältung betreut. Sie hat damals aber Mundschutz getragen und entgegen der sonstigen Abläufe auch niemanden im Krankenhaus die Hand gegeben. Und je nach Situation ist es mir reichlich egal, ob der behandelnde Arzt einen Schnupfen hat. Gerade in der Notaufnahme, hofft man eben auf schnelle Behandlung.

Ich möchte mal den Aufschrei beobachten, wenn jemand in die Notaufnahme kommt und dann weggeschickt wird, weil keine Ärzte wegen hohem Krankenstand da sind. Da sehe ich selbst die Ansteckung mit Masern als das kleinere Übel an, wenn man wirklich eine schnelle Hilfe benötigt.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Punktedieb hat geschrieben:Ob ein Mundschutz und dergleichen verwendet wurde, geht aus dem Eingangsposting nicht hervor.

Das geht auch aus dem Artikel nicht eindeutig hervor. Da eine Ansteckung stattfand, würde ich mal sagen: Nein.

Punktedieb hat geschrieben:Da sehe ich selbst die Ansteckung mit Masern als das kleinere Übel an, wenn man wirklich eine schnelle Hilfe benötigt.

Eine Erkrankung mit Masern kann tödlich sein! Durch eine Impfung kann man ausschließen, dass eine Erkältung möglicherweise auch Masern sein kann. Säuglinge kann man nicht impfen. Ein Arzt hat täglich mit Menschen zu tun, die ein schwaches Immunsystem haben und/oder nicht geimpft sind. Da ist es doch dann das noch kleinere Übel, wenn die Ärzte einfach geimpft sind.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Aber auch die Impfung schützt nicht davor, dass man die Viren weitergibt. Die Krankheit bricht nur bei der geimpften Person nicht aus. Selbst wer Masern hatte und entsprechende Antikörper besitzt, kann trotzdem andere Menschen damit anstecken. Man wird gewisse Gefahren nie wirklich ausschließen können. Und in der Beziehung sind eben auch Masern recht heimtückisch und steht weiterhin die Frage im Raum, ob man dem Arzt wegen dieser Krankheit wirklich einen Vorwurf machen kann.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Ich denke, dass auch Ärzte geimpft sein müssen und bestimmte Impfungen muss man als Arzt ja auch haben, um im Krankenhaus arbeiten zu dürfen. Das hier der Datenschutz aber so großgeschrieben wird und die Impfungen bei den Ärzten scheinbar nicht so eine große Rolle spielen, finde ich nicht in Ordnung. Hier müsste mehr Wert drauf gelegt werden. Es ist aber sicherlich auch an der Leitung des Krankenhauses hier etwas zu ändern. Überall läuft das nicht so.

Ich kann auch nicht richtig verstehen, wie der Arzt sich verhalten hat. Selbst bei einer normalen Erkältung müsste man hier sehr hohe Sicherheitsrichtlinien einhalten, wenn man mit herzkranken Patienten arbeitet. Desinfektionsspray und Mundschutz sollten da normal sein und da ist die Zeit keine Ausrede, weil es auch in anderen Krankenhäusern läuft. Vielleicht hätte man das Kind so nicht anstecken müssen. Ansonsten muss man in so einem Fall wirklich lieber impfen, statt auf Datenschutz zu setzen.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


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