Habt ihr euch schon mal Selbstverletzungen beigebracht?
Selbstverletzungen sind ja häufiger als man denkt. Erst neulich hat mir meine Nichte erzählt, dass eine Freundin von ihr sich ritzt. Das hat mich natürlich schon geschockt, weil ich selber das bei noch niemanden mit bekommen habe und mir auch selber noch nie Selbstverletzungen beigebracht habe. Ich finde so was schon schrecklich und mir tun die Leute sehr leid, die das machen. Wie schlimm muss es einem Menschen gehen, der das macht?
Habt ihr euch schon mal Selbstverletzungen beigebracht? Warum habt ihr es gemacht und wie seid ihr da wieder raus gekommen?
Ich habe mich einmal selbst verletzt, weil ich sehr wütend auf mich selbst war. Ich hatte alles falsch gemacht in jeglicher Hinsicht und fühlte mich nun so hilflos, allein und unglaublich wütend auf mich selbst, weil ich wusste, dass ich mich selbst in diese aussichtslose Lage gebracht hatte.
Ich habe mich aber nicht geritzt, weil ich dann doch so eitel war, dass ich nicht wollte, dass man später an meinen Narben erkennt, dass es mir einmal so schlecht ging. Ich habe dann mit der Faust gegen die Wand geschlagen oder bin mit Absicht mit dem Fuß gegen den Schrank getreten. Das ging schließlich alles wieder weg und ich habe es damit begründet, dass ich in der Nacht sehr unruhig schlafen würde.
Die Phase ging aber nicht lange, weil ich recht schnell gemerkt habe, dass es so nicht besser wird. Also habe ich die Zähne zusammengebissen, den Mist ausgebadet und mich bei jedem entschuldigt. Danach habe ich auch wieder Unterstützung bekommen und da ich wirklich gute Freunde hatte zu der Zeit, ging es mir auch wirklich schnell besser.
Ich denke aber nicht, dass das bei jedem so einfach ist, denn ich war eigentlich schon immer ein recht fröhlicher Mensch, der eher kämpft, als aufzugeben und alles in sich hineinzufressen.
Ich selber habe mich nie mit Absicht verletzt. Warum sollte ich das tun? Für mich stellt das in keinster Weise eine Lösung dar, eigentlich ist eher das komplette Gegenteil der Fall. Ich kenne eine junge Frau, die sich vor ein paar Jahren schon geritzt hatte, als ich sie in der Berufsschule kennenlernte. An sich wirkte sie nicht unbedingt total unglücklich, aber das war sie scheinbar. Ihr Arm war immer voller Schnitte, die sie nicht einmal verstecken wollte, weil ihr es einfach egal war. Sie meinte, dass sie das braucht und es ihr gut tut. Für mich braucht sie einfach nur Hilfe. Seitdem hat sie auch einen Selbstmordversuch hinter sich und ob sie heute noch lebt kann ich nicht sagen.
Um mir selber Verletzungen zu zufügen, bin ich wohl viel zu stolz und eitel. Ich sehe auch ehrlich gesagt keinen Sinn darin, mir irgendwelche schmerzhaften Verletzungen zu zufügen, denn eine Lösung ist es auf gar keinen Fall. Wenn man sich zum Beispiel ritzt, dann mag das Problem irgendwann ja geheilt sein, aber die Narben bleiben und werden einen immer an diesen dummen Fehler erinnern. Selbstverletzungen sind für mich einfach Hilfeschreie, aber auch die schlechteste Möglichkeit, um nach Hilfe zu rufen, da die bleibenden Narben einen immer an die alten Probleme erinnern werden.
Ich verletzte mich selbst und das seit Jahren und auch mehr oder weniger regelmäßig. Eine offene Wunde oder Wunden, die gerade am verheilen sind, habe ich fast immer.
Ganz generell würde ich nicht mehr pauschal sagen, dass man sich nicht selbst verletzt. Nur vielen ist gar nicht bewusst, was alles unter Selbstverletzung fallen kann. Fingernägel kauen bis es blutet, sich selbst schlagen und so weiter sind auch Formen der Selbstverletzung. Zu viel Essen, zu wenig Essen, zu viel Alkohol, zu viel Rauchen und so weiter, zählen auch zu den selbstschädigende Handlungsweisen. Also wenn man diese Handlungsweisen eben an den Tag legt, um Kummer zu kompensieren. Und es gibt noch eine Vielzahl weiterer schädlichen Handlungsweisen, die man nicht wirklich bewusst einsetzt, die aber schädigen und die man halt macht, um sich quasi zu trösten.
Bewusst angefangen mich selbst zu verletzen habe ich um arbeiten gehen zu können. Darüber gesprochen habe ich so gut wie nie. Ich glaube zwei Freunde wussten was, konnten aber nicht wirklich was machen. Als die Situation am Arbeitsplatz eskalierte und die Selbstverletzung nicht nur mehr vor Freitag und Samstag statt fand, sondern ich heulend nach der Arbeit heim fuhr und nur über Suizid nachdachte, das Wochenende mit Weinen und Angst vor der Arbeit zu brachte, mich weiter selbst verletzte, habe ich es einem Arzt gebeichtet. Damals eher um eine Krankmeldung zu bekommen.
Grob zusammen gefasst endete das für mich mit Klinik. Diagnose Borderline. Allerdings war ich da schon über 30 Jahre alt. Die Gründe liegen sicherlich tiefer und ich habe auch einiges an Therapien gemacht. Mittlerweile bin ich in Rente.
Ich kann jedem nur raten, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. Ich denke oft darüber nach, was gewesen wäre, wenn ich früher Hilfe gesucht hätte. Ich selbst sehe Selbstverletzung mittlerweile als Normal an. Wobei die Verletzungen bei mir auch nicht auffallen. Wer mich nicht kennt, sieht es in der Regel nicht. Ich trage immer langärmlig. Spreche da nicht offen drüber. Und ich habe auch in Klinik nie Selbstverletzung als Mittel für Aufmerksamkeit benutzt. Bei den letzten stationären Aufenthalten hatte ich sogar mein eigenes Verbandszeug mit dabei. Wenn es da keine Regelungen gegeben hätte, dass ich es sagen muss, würde das bis heute keiner wissen, wenn ich mich selbst verletzt habe.
Bei meinem letzten Klinikaufenthalt wurde mir nach starken Suizidgedanken sogar zur Selbstverletzung geraten. Gleichzeitig wurde mir mehrfach gesagt, was für eine böse Patientin ich doch sei, weil ich krankheitstypische Symptome hatte und es wagte diese auszusprechen. Ich rede mit keinem mehr über Suizidgedanken. Selbstverletzung findet statt und ich halte mittlerweile alle Maßnahmen gegen Selbstverletzung, die man im Laufe der Jahre so runter gebetet bekommt, für einen Hohn, wenn man mir schlussendlich doch sagt, Selbstverletzung sei richtig.
Bevor nun jemand aufschreit, Selbstverletzung ist immer noch besser als Suizid. Mag sein. Trotzdem war in dem Moment diese Aussage im Komplettpaket das falscheste was man sagen konnte.
Ich habe mich vor einigen Jahren auch eine Zeit lang mit Messern geschnitten. Und zwar an der Innenseite der Oberschenkel, wo es keiner sehen konnte. Ich war damals sehr unglücklich, richtig depressiv und habe starke Stimmungsschwankungen gehabt, sodass ich manchmal scheinbar grundlos losgeweint habe. Außerdem war mein Kopf voll mit negativen Gedanken und ich bin da nicht mehr raus gekommen.
Ich war wütend auf mich selbst und wollte mich mit den Schmerzen irgendwie bestrafen, auch wenn das blöd klingt. Im Nachhinein finde ich mein Verhalten von damals auch schwachsinnig, aber ich hatte, ohne es zu wissen, eine sehr schlimme Schilddrüsenunterfunktion, die durchaus Depressionen auslösen kann, wenn sie unbehandelt bleibt. Mein Arzt meinte, das könne sogar zum Selbstmord führen. Gut, den habe ich nie ernsthaft in Erwägung gezogen, aber schlimm war die Zeit trotzdem für mich, bevor man mir nicht endlich Medikamente verschrieb.
Diese Phase, in der es so schlimm war, dass ich mich selbst verletzte, dauerte aber nur wenige Monate und ich habe bis auf meinen damaligen Freund mit niemandem darüber geredet. Der hat es nur erfahren, weil man schlecht Ausreden für die Wunden an meinen Oberschenkeln erfinden konnte, aber er hat es nicht sehr ernst genommen.
Ich habe mir noch nie Verletzungen selber zugefügt, außer wenn ich natürlich hinfalle, dann habe ich mich ja eigentlich selbst verletzt. Das wäre aber anders, wenn mich jemand schubsen würde. Dann würde die Person, die mich geschubst hat Schuld haben und nicht ich. Ich glaube aber ich weiß, welche Selbstverletzungen du meinst, du meinst so welche Selbstverletzungen wie ritzen. Ritzen ist ja, wenn man sich an dem Arm Narben mit einem Messer zu fügt. Es wird auch gesagt, dass das meistens Emos machen würden. In meiner früheren Klasse war auch ein Mädchen was sich geritzt hat. Das Mädchen war aber kein Emo, sondern ein ganz normales, nettes Mädchen.
Das Mädchen aus meiner Klasse hat sich aber nicht zum Spaß geritzt, sondern weil ihre Eltern sich immer gestritten haben. Das ging so weit, das die Eltern von dem Mädchen sich scheiden gelassen haben.
Also sie hat nur geritzt, weil sie Probleme hatte und die Probleme wollte sie eben damit lösen, was aber natürlich keine Lösung war. Sie hat sich eben geritzt und andere Personen hätten dann wahrscheinlich angefangen zu trinken oder so. Ich weiß noch, dass das Mädchen im Sommer immer ein langes Oberteil an hatte, wo sie sonst immer ein T-shirt an hätte. Die hat einen dünnen Pullover getragen, damit man die Narben nicht sieht. Im Herbst, an einem noch warmen Tag hatte sie dann ein T-shirt an und selbst nach dieser langen Zeit hat man noch Narben gesehen, die werden wohl noch längere Zeit da bleiben. Also ich füge mir keine Selbstverletzungen zu, weil es eigentlich sinnlos ist.
Meine Arme sind voll mit alten Narben. Ich habe so mit 16-18 vor lauter Selbsthass immer mal wieder zum Messer gegriffen. Ich war schon früh als Teenie depressiv geworden, kam mit meinem Leben nicht klar und verachtete mich selbst dafür, nicht einfach normal sein zu können. Zur Strafe habe ich mich dann selbst verletzt. Hat natürlich nicht wirklich geholfen, denn dafür, die Probleme so lösen zu wollen, habe ich mich nur noch mehr verachtet. War zum Glück nur eine Phase.
Ich fand beziehungsweise finde dieses ganze Getue rund ums Thema Ritzen ja immer noch lächerlich und kindisch. Das hört sich jetzt zunächst recht hart beziehungsweise grob an, jedoch ist es meines Erachtens nach nichts weiter als das aufmerksamkeitssuchende Jammern eines kleinen Kindes, denn ganz ehrlich, wer hat bitte etwas davon, wenn sich ein Emo beziehungsweise allgemein irgendein dahergeholter Jugendlicher mit einem Schweizer Taschenmesser am Arm kratzt und dann blutet? Richtig, niemand!
Stattdessen könnte man auch einmal die Initiative ergreifen und sich, so wie Fluffeltuch das schon so schön erklärt hat, einfach mal zusammenreissen und versuchen effektiv beziehungsweise aktiv etwas gegen die aktuelle Situation, mit der man ja augenscheinlich überfordert beziehungsweise unzufrieden ist, zu ändern. Ich finde es ziemlich lächerlich, um Ehrlich zu sein sogar schon krank, wenn ich die total vernarbten Oberarme eines Jugendlichen sehe. Klar, ich weiß nicht was derjenige durchgemacht habe, aber ich weiß, dass derjenige sich anscheinend weitaus lieber damit beschäftigt hat sich selbst zu bestrafen beziehungsweise zu verletzen, anstatt einfach gegen sie Situation vorzugehen!
Ich verletze mich seit einiger Zeit regelmäßig selbst. Das ganze fing vor mehreren Monaten an, seitdem leide ich an einem Wechsel aus Depression und völliger Taubheit. Diese Verletzungen füge ich mir teilweise dann zu, wenn ich extrem traurig bin, quasi als Ablenkung. Überwiegend jedoch mache ich das, wenn ich eine komplette Taubheit empfinde, um einfach irgendetwas zu spüren. Meist sind diese Schnitte nicht tief, und da meine Haut nicht zur Narbenbildung neigt, habe ich nur wenige, die kaum sichtbar sind. Das meiste verheilt wieder, ohne Spuren zu hinterlassen.
Bin seit mehreren Wochen in psychologischer Behandlung, dort wurde mir auch mitgeteilt, dass es keine sofortige Lösung gibt. Oft hört man ja von Methoden, die einen Ablenken, beispielsweise ein Gummi gegen den Arm schnipsen. Das funktioniert bei mir leider nicht, also bleibt mir aktuell keine Alternative, sondern nur die Möglichkeit, dass es demnächst besser wird.
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