Wie weit darf sich Kirche in Arztbehandlungen einmischen?

vom 02.02.2013, 14:35 Uhr

In Köln wurden vor kurzem vergewaltigte Frauen in katholischen Krankenhäusern eine Behandlung verweigert. Man hatte Sorge, man müsste den Frauen ja den Tipp zur Pille danach geben und das würde die katholische Kirche eventuell missbilligen. Resultierend aus dem Vorfall hat sich nun der Erzbischof Joachim Meisner für die Erlaubnis der Pille danach bei vergewaltigten Frauen ausgesprochen. In dem Fall würde die Pille danach ja nur dazu eingesetzt, um die Befruchtung zu verhindern. Er erlaubt nun quasi die betroffenen Frauen über die Möglichkeit aufzuklären, die weiterhin von der katholischen Kirche selbst verboten bleibt. Außerdem müssten den Frauen aber auch andere Wege aufgezeigt werden. Quelle: Artikel

Ich bin sehr erstaunt darüber, dass sich die katholische Kirche auch heute, im 21. Jahrhundert, noch so sehr in medizinische Behandlungen einmischen darf. Welchen Einfluss die katholische Kirche heute noch hat. Immerhin dürften weder der Papst, noch der Herr Erzbischof Meisner, ein Medizinstudium haben. Wie seht ihr die Sachlage? Darf sich die katholische Kirche noch so sehr in medizinische Aspekte einmischen?

» Fugasi » Beiträge: 1877 » Talkpoints: 1,33 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich kenne den Vorfall und habe mich danach mit einer nicht allzu streng gläubigen Katholikin genau über dieses Thema unterhalten. Denn im Endeffekt geht es nicht nur um den Fall, dass vergewaltigte Frauen keine optimale Behandlung bekommen, sondern im katholischen Glauben hat der Schutz des ungeborenen Lebens absoluten Vorrang vor dem Leben der Mutter. Das hieße, dass schwangeren Frauen viele Behandlungen verwehrt bleiben, wenn sie irgendwie das Ungeborene schädigen könnten.

Wie weit dies in der Praxis genau geht, wussten wir beide nicht. Aber so müsste es nach dem katholischen Glauben sein. Ich bin der Meinung, dass dies nicht sein kann. Weder dürfen sie den vergewaltigten Frauen die Behandlung oder auch nur Beratung verwehren noch den schwangeren Frauen. Da ich aber auch den katholischen Glauben respektiere - wenn auch nicht teile -, wäre ich eher dafür, dass die Frauen vorher darüber aufgeklärt werden, welches Risiko in einem katholischen Krankenhaus besteht.

Und ich bin der Meinung, dass etwa Rettungswagen ihre Patienten nicht in katholische Krankenhäuser bringen, solange der Patient nicht den ausdrücklichen Wunsch geäußert hat. Weiter wäre zu überlegen, ob katholischen Krankenhäusern nicht die Kassenzulassung entzogen oder diese eingeschränkt wird, da sie keine optimale Behandlung bieten, schwere Folgeschäden oder sogar den Tod der Frauen in Kauf nehmen, wenn das Ungeborene dadurch gerettet werden kann.

Um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Ja, ich respektiere die Einmischung der katholischen Kirche in medizinische Aspekte ebenso, wie ich es bei anderen Glaubensrichtungen respektiere, wo etwa Beschneidungen vorgeschrieben oder Bluttransfusionen verboten sind. Aber ich denke, daraus müssen dann auch Konsequenzen gezogen werden, damit andersgläubige Patienten vor einer unzureichenden Behandlung geschützt werden.

» SonjaB » Beiträge: 2710 » Talkpoints: 6,28 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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