Welche Voraussetzungen für ein Studium Soziale Arbeit
Meine Nachbarin ist 45 Jahre alt und möchte nun ein Studium Soziale Arbeit beginnen. Die Kinder seien aus dem Haus und ihr sei langweilig. Da sie sich jahrelang sozial in der Kirchengemeinde engagiert hat, hält sie den Studiengang für passend. Ich frage mich aber, ob das als Voraussetzung für den Studiengang ausreicht? Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um ein Studium Soziale Arbeit beginnen zu können?
Ich weiß nicht, ob deine Bekannte da realistische Vorstellungen von dem Studiengang hat. Meines Wissens wird man nach so einem Studium beispielsweise eher als Streetworker oder Jugendamtsmitarbeiter oder Erziehungsberater bei Problemfamilien eingesetzt. Man hat also mit einem Personenkreis zu tun, der wenig mit der durchschnittlichen Kirchengemeinde zu tun hat. Die Arbeit mit solchen Problemfällen kann psychisch sehr belastend sein, gerade wenn sich zum Beispiel Eltern als beratungsresistent erweisen und man nicht zu dem Erfolg kommt, den man sich erwartet hat. Dementsprechend sollte man eine sehr stabile Psyche haben und mit Misserfolgen locker umgehen können.
Außerdem ist ein Studium in dem Alter eine gewagte Sache. Sicher tut sie sich in vielerlei Hinsicht leichter, weil man als Mutter und erwachsene Frau normalerweise schon gewöhnt ist, Verantwortlich zu handeln und Pflichten diszipliniert zu erledigen. Aber als Student in den dreißiger Jahren merke ich schon, dass ich bei den meisten Studenten eher schwer Anschluss finde, weil zehn Jahre Altersunterschied gerade für die Jugend oft ein Hemmschuh darstellen. Studenten in meinem Alter sind eher in der Minderzahl, Studenten in den vierzigern sind mehr oder weniger Exoten. Sie sollte sich an der anvisierten Fachhochschule erkundigen, wie die Studentenschaft erfahrungsgemäß beschaffen ist, denn mehrere Jahre Studium ohne richtigen Anschluss sind nicht einfach zu meistern.
Ich würde auf jeden Fall erst mal ein Praktikum in einem der typischen Einsatzfelder von Sozialpädagogen machen und dann entscheiden, ob mir das gefällt. Wenn sie dann ein fundiertes Bild gewonnen hat, kann sie sich immer noch entscheiden, ob sie sich der Belastung aussetzen will. Es besteht ja durchaus die Möglichkeit, dass sie in ihrem Ursprungsberuf weiter arbeitet oder sich da eine Weiterbildung gönnt, wenn sie schon lange aus dem Berufsleben ausgestiegen ist. Wenn sie die Arbeit in der Kirchengemeinde so inspiriert, dann würde ich eher als erstes ein Theologie-Studium im Kopf haben. Da gibt es ja auch verschiedene Kompetenzstufen, man muss nicht gleich Priester oder Pastor werden. Es gibt auch Vorformen wie zum Beispiel Pastorealreferenten oder Diakone. Ebenso könnte sie nebenberuflich als Küster bzw. Mesner arbeiten. Da würde ich mehr Schnittmengen zu der Tätigkeit sehen, die sie bisher so erfüllt.
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