Patientenakten einsehbar für jeden - Ist das zulässig?

vom 25.01.2013, 19:41 Uhr

Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr in einem Krankenhaus einige Zeit behandelt wurdet, welches achtlos nach Insolvenz mit den Patientenakten umgeht? Nach Schließung der Klinik hatte so gut wie jeder Zugang zu dem Gebäude. Zusätzlich zu der noch teils vorhandenen medizinischen Ausstattung liegen auch die Akten ehemaliger Patienten in dem Gebäude ungesichert herum. Jeder kann sie einsehen, der das Gebäude betritt.

Darf es so etwas überhaupt geben? Inzwischen sollen Türen versperrt sein. Aber so, wie es in dieser ehemaligen Klinik läuft, findet man es auch in anderen geschlossenen Krankenhäusern. Mittlerweile schließen ja viele Krankenhäuser. Es wird viel Material zurückgelassen und für die Patientenakten fühlt sich keiner zuständig. Weder die alte Klinikleitung noch der Insolvenzverwalter interessieren sich für solche Akten. Das sind doch persönliche Akten, die niemanden etwas angehen und auch nicht angehen dürfen. Kein Arzt darf ungefragt eine Patientenakte einfach öffentlich machen. Und was bitte, passiert hier? Wenn nun jemand einfach eine Akte mitgenommen hat von einer Person, die ihm bekannt ist und erpresst denjenigen mit seinen Kenntnissen, wer ist dann zuständig?

Patientenakten könnten auch mal sehr wichtig werden, wenn es sich um Anträge für eine Schwerbehinderung oder Rente handelt. Wenn dann die Akte verschwunden ist und keiner etwas bestätigen kann, ist der Patient der Dumme. An wen kann er sich dann noch wenden? Wie findet ihr diesen Umgang mit wichtigen Akten?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ich mag nicht glauben, was Du schreibst. NEIN, natürlich stehen die Patientendaten unter Datenschutz und sind natürlich auch bei Insolvenz vor unbefugtem Zugriff zu sichern. Wenn Du ein Krankenhaus weißt, bei dem die Akten "frei herumfliegen" informiere sofort die Polizei und den Datenschutzbeauftragten Deines Landes. Wenn nicht innerhalb von Stunden gehandelt wird, dann informiere die Presse - und ich verspreche, dann wird innerhalb von Minuten gehandelt. ;)

10 Jahre sind Patientenakten aufzubewahren. Und ein wichtiger Tipp: nimm Dein Patientenrecht wahr und verlange Deinen Entlassungsbericht! Du bist der Patient und um Dich geht es. "Fachchinesisch" wird ohnehin drin stehen - aber das versteht der nächste Arzt.

» bahnfahrer » Beiträge: 1 » Talkpoints: 0,45 »


Für diese These hätte ich gerne eine seriöse Quelle, die das belegt. Noch dazu würde mich interessieren, ob du auf schweizerische, deutsche oder österreichische Begebenheiten abzielst oder in welchem Land sich das zugetragen haben soll.

In Deutschland ist es so, dass es eine Aufbewahrungspflicht für Krankenakten gibt. Die kann man also nicht einfach mal irgendwo aussetzen und sich selbst überlassen. Die Schweigepflicht gibt es auch noch, die in dem Fall ebenfalls greift.

@ bahnfahrer- der Entlassungsbericht bringt so gut wie Nichts, je nach Erkrankungen und Gründen für den Krankenhausaufenthalt. Egal was da drin steht. Zumindest nicht, wenn man einen Schwerbehindertenausweis beantragen will oder ähnliches. Außerdem bekommt der behandelnde Arzt in der Regel eh einen Arztbericht zugesendet.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



So selten kommt es gar nicht vor, dass Krankenakten nach der Schließung eines Krankenhauses zurückgelassen werden und für jeden zugänglich sind. Da ich verlassene Objekte fotografiere und auch einige Internetseiten kenne, auf denen andere Leute, die solche Orte fotografieren, ihre Bilder zeigen, habe ich mehrfach Bilder gesehen, die Patientenakten zeigten. Einige halten sich an das ungeschriebene Gebot, in diesem speziellen Zusammenhang doch wenigstens keine Namen abzulichten, aber es gibt leider auch immer wieder welche, die einfach alles präsentieren. Das heiße ich zum Beispiel auch nicht gut.

Aus meinem Umkreis weiß ich aktuell von mindestens zwei Krankenhäusern, die leer stehen und in denen die Patientenakten theoretisch von jedem eingesehen werden können. Natürlich stellt es einen Hausfriedensbruch dar, solche Objekte zu betreten, aber meistens werden sie eben doch betreten und einen Wachdienst gibt es in der Regel nicht. Oft stehen die Türen offen und es scheint sich niemand mehr darum zu kümmern. Eine Klinik ist seit Wochen in den Schlagzeilen der Lokalpresse, weil der Datenschutzskandal seit Monaten bekannt ist und nichts getan wird, um die Akten zu schützen. In dem Krankenhaus wird randaliert, es werden Geräte, Kabel und sonstige Dinge geklaut. Die Patientenakten scheinen überall verteilt zu sein.

Natürlich gehen die Verantwortlichen davon aus, dass niemand das verlassene Gebäude betritt. Aber letztendlich wird es doch getan – und das zum Teil leider auch von Leuten, die ein wirkliches Problem darstellen. Und manchmal wird ihnen der Zugang nicht einmal erschwert.

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» Cologneboy2009 » Beiträge: 14210 » Talkpoints: -1,06 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich entschuldige mich mal bei Cid, für meinen Ton. Mittlerweile habe ich Quellen innerhalb Deutschland zu sehen bekommen. Und ich bin schockiert, gebe ich offen zu.

Die Klinik, von der ich das nun weiß, war allerdings eine Privatklinik. Ich gebe zu, wenn mir das passieren würde, hätte ich große Freude daran, den Besitzer deswegen zu verklagen. Wie schon gesagt wurde, gibt es eine Aufbewahrungspflicht für Krankenakten. Und da die Klinik Privatbesitz ist, hätte man mindestens jemand, den man direkt verklagen könnte. Was ja bei staatliche geführten Häusern eher ein Problem sein dürfte.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


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